TOTAL FRAKTAL – Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)

Kommentar: Was bedeutet das CORONAVIRUS für die Musikwelt - Was kann jeder einzelne tun?
Geschätzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Es geht weiter mit der zweiten Frage. Jeder hat da so seine ganz eigene Kniffe und Strategien entwickelt. Wie sieht es bei Euch aus? Entdeckt Ihr die/den SpießerIn in Euch? Oder die/den HeimwerkerIn? Lernt Ihr neue Sprachen? Werdet Ihr plötzlich zur Leseratte oder gar zur/zum VerschwörungstheoretikerIn? Oder treiben Euch ganz existentielle Nöte um, für die Ihr nun Strategien entwickeln müsst. So geht es unserer Redaktion…

Welche Tipps hast Du für Dich entdeckt, um mit der gegenwärtigen Situation umzugehen?

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Michael Gamon
Mir hilft es sehr, soviel Zeit wie möglich mit der Familie und auch draußen zu verbringen. Hier kann man auch mal abschalten und sich auf das im Leben fokussieren, was wirklich zählt. Ansonsten versuche ich mich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten, räume dem Ganzen aber mittlerweile deutlich weniger Zeit als zu Beginn pro Tag ein, was sich sehr positiv aufs Wohlbefinden ausgewirkt hat.

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Claudia Helmert
Sich Dinge vornehmen, umsetzen, sich zu verlieren, in Themen, die interessieren, in Kunst, in Kultur, sich im Internet zu verlaufen und, wie für jede Lebenslage: Lesen, lesen, lesen.

 

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Marius Meyer
Die Tipps gelten natürlich nur für mich, da jeder anders mit Situationen umgeht. Mir helfen dabei viele Sachen, die mir auch sonst helfen:
– nicht jede neue Meldung gleich überbewerten und als endgültige Tatsache ansehen (wie beispielsweise als die Meldung kam, es könne bis Herbst 2021 keine Konzerte geben)
– sich auf Dinge konzentrieren, die man selbst in der Hand hat
– Dinge auch einfach mal akzeptieren und sich mit ihnen arrangieren

Und ansonsten? Die Dinge machen, die schon viel zu lange liegengeblieben sind… Oder sich mal mit Dingen beschäftigen, für die sonst keine Zeit ist – das kann ja auch Musik sein, die einem sonst durchgerutscht wäre. Und: Entschleunigung! Abgedroschenes Wort, aber es ist auch schön, sich mal das eigene Getriebensein zu vergegenwärtigen und bewusst einfach mal gar nichts zu tun.

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Steffen Seth Prohn
Ganz wichtig: Sich nicht verrückt machen. Nachrichten und all den Kram möglichst komplett meiden. Denn unterm Strich können wir als Einzelperson nicht viel gegen den momentanen Zustand machen. Klingt ein bisschen kalt vielleicht, aber es betrifft uns ja überhaupt gar nicht, z. B. wo diese Krankheit herkommt, wie sie Land X beeinflusst, wie viel Leute in Land Y daran bereits verstorben sind usw. Sich damit zu beschäftigen, bedeutet nur mehr Stress für die eigene Seele und hat keinen Mehrwert. Also: Zurücklehnen, ein Buch in die Hand nehmen oder die Nintendo Switch, und chillen bis alles vorbei ist.

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Frank Stienen
Ich bin nicht in der Lage, anderen Tipps zu geben und nur sagen, wie ich die Zeit nutze.
Während der beruflichen Auszeit habe ich die Ruhephase dazu verwendet, Dinge zu tun, die ich immer vor mir hergeschoben habe. Z. B. habe ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben und arbeite an meinem ersten Roman. Das war etwas, was immer in mir schlummerte und für das ich jetzt die Muße habe. Man könnte sagen, dass die Krise für mich auch etwas Gutes hat.

 

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Patrick Friedland
Wrestling gucken. Der einzige Sport, der in Corona-Zeiten noch neues Programm produziert, wenn natürlich auch ohne Zuschauer in den Hallen. (Und ja, Herrgottnochmal: ES IST EIN SPORT!!!) Außerdem viel Nintendo Switch spielen. Den Pokedex freut’s.

 

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Katja Spanier
Da ich durch den Burnout nun erst einmal “zwangsentschleunigt” bin, versuche ich Sport zu treiben. Ich hab außerdem einen Podcast entdeckt, der mal so gar nichts mit Covid-19 zu tun hat und den ich allen, die sich für Geschichte interessieren an Herz legen möchte: Der Zeitsprung Podcast. Hier erzählen sich jede Woche zwei Historiker gegenseitig eine Geschichte aus der Geschichte, ganz egal aus welcher Zeit und aus welcher Disziplin. Der Clou: Der eine weiß nicht, was ihm der andere erzählen wird. Das ist so unterhaltsam und bildend und wertschätzend und fundiert und nett. Und es gibt schon beinahe 250 Folgen, so dass man sich echt die Sachen rauspicken kann, die einen reizen.

Außerdem hab ich mein Häkelzeug rausgeholt, höre mit meinem Sohn, den ich auch unterrichten … ähm “darf (?)”, Die Drei ???. Außerdem versuche ich viel zu schreiben und klarzukommen.
Wenn ich Tipps geben darf … Bewegung ist ein Elixier, zu viele Informationen können krank machen, genau wie toxische Menschen (aber das haben sie ja vor der Krise auch schon getan). Seid solidarisch mit allen, denen es im Moment schlecht geht. Fragt, was sie brauchen. Bevormundet sie nicht, nehmt ihre Sorgen ernst. Nehmt Eure Sorgen ernst.

Cynthia Theisinger
Ich versuche, möglichst wenig von dem Ganzen an mich ran zu lassen, von der Panikmache bis Fake News – ich schau ab und zu mal auf seriösen Seiten nach der Lage – man will ja schon wissen, ob man nun den Sommerurlaub allein zuhause verbringen muss oder ob man als Dauercamper zum Wohnwagen ans Meer darf. Dennoch ist es nicht sinnvoll, jeden Artikel über Corona zu lesen. Das verunsichert nur. Wir haben den Tabeltop Simulator für uns entdeckt – dort kann man alle möglichen Brettspiele übers Internet zusammen spielen. Zudem hab ich glaube ich noch nie so viel Struktur in meinem Haushaltsplan gehabt. Durch die Zeit, die ich auf einmal in Massen übrig habe, komm ich dazu, täglich vernünftig zu kochen, probiere neue Dinge aus und räume auf. Und miste aus. Herrje, was hab ich für viel unnötigen Nippes in meinen Schränken und auf meinen Festplatten! NOCH hab ich damit gut zu tun – ich denke das ich auch bald wieder mehr schreiben werde. Es hilft auf jeden Fall, sich Sachen vorzunehmen, die man ewig nicht geschafft hat – so fällt man nicht so sehr in ein Loch.

TOTAL FRAKTAL - Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 2)Angela Trabert
Normalerweise besuche ich einen Englischkurs, um meine verstaubten Kenntnisse zu verbessern. Jetzt nutze ich eine App, sehe, wann immer es sich anbietet, Serien und Filme im englischen Original. Darüber hinaus höre ich ein englisches Hörbuch derzeit und habe zuletzt auf YouTube das englische Theaterstück Frankenstein gesehen, welches vom National Theatre angeboten wird. Große Empfehlung übrigens! Überhaupt schaue ich nach solchen Sachen, die mich geistig ein wenig fordern und dennoch Freude bereiten. Wenn ich schon nicht nach London ins Theater kann, dann hole ich mir das Theater halt auf den heimischen Bildschirm.

Ansonsten versuche ich meinen Hintern hochzukriegen, bevor ich in eine komplette Distanzierung zur Außenwelt gerate. Dass ich gerne fotografiere, hilft mir dabei enorm. Ich suche mir in meinem näheren Umfeld Spots, die ich dann erkunde. Der wunderschöne Nordfriedhof in Düsseldorf ist da ein bevorzugtes Ziel geworden. Lesen habe ich verstärkt wiederentdeckt, der eine oder andere Serienmarathon hat auch schon stattgefunden. Und ich habe natürlich dennoch ein paar Menschen, an denen mir sehr liegt, mit denen halte ich über die möglichen virtuellen Kanäle Kontakt.

Und zu guter Letzt versuche ich negative Dinge von mir zu halten, Verschwörungstheoretiker werden schlicht ignoriert, da mich das Thema ansonsten nur aufregt.

Britta Flachmeier
Hmm, eine sehr schwierige Frage. Denn ich fürchte, eine wirklich gute Strategie habe ich noch nicht gefunden. Ich bemühe mich aktuell, mich viel draußen aufzuhalten und Sonne sowie Tageslicht zu tanken. Dabei bin ich oft beim Pferd oder mache Spaziergänge alleine. Als gegenüberliegender Ruhepol schaue ich Serien im Marathon-Tempo. Ich habe auch versucht ein ehemaliges Hobby zu reaktivieren, das würde ich bei mir jedoch beinahe als gescheitert betrachten. Und zu guter letzt: Kontakte behalten. Schreiben, Sprachnachrichten, Telefonate und vereinzelte Treffen.

Jan Rombout
Ich bin fast nur in meinen vier Wänden. Zu Gesicht bekomme ich momentan nur meine Assistenten, die eine super Arbeit machen. Glücklicherweise funktioniert die Technik im Homeoffice perfekt. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass es für mich noch mehrere Monate so weitergeht und gerade mal ein Bruchteil absolviert ist. Das verursacht schon flaue Gefühle im Magen. Telefonate geben mir jetzt nicht unbedingt die Unterstützung, da mein Personenkreis offensichtlich pessimistischer ist, als ich es bin. 🙂

Momentan gehe ich einige Dinge an. Viele Briefe schreiben, einen Raum anders zu nutzen und Dinge dafür zu bestellen. Ich versuche meine CDs zu ordnen, meine Filme zu sortieren.

Christian Daumann
Abgesehen davon, dass mir Konzerte sowie Festivals fehlen und ich hauptberuflich mittlerweile von Kurzarbeit betroffen bin, hat sich mein Lebensstil nicht merklich verändert. Mir wird nie langweilig, es gibt immer etwas zu tun. Ihr habt noch DVDs und Blu-Rays? Cool! Denn wer Film liebt, kauft sie noch. Im Lockdown habt ihr endlich Zeit, euch all die Audiokommentare reinzuziehen. Ihr habt eine PlayStation 4? Zockt das kürzlich erschienene Persona 5 Royal. Oder checkt das gigantische Angebot an kostenlosen Seminaren im Netz. Und für den menschlichen Kontakt: Sucht euch auf Roll20 eine Rollenspielgruppe.

Holger Bücker
Achtsamkeit ist für mich generell ein sehr wesentliches Element in meinem Leben, aber in einer solchen Krisenzeit noch mehr: Ich höre in mich rein, um festzustellen, was mir wirklich gut tut und was nicht.
Ansonsten sind Spaziergänge im Freien ein ganz wichtiger Bestandteil des Umgangs mit der Situation.

Anja Lütz
Naja, was heißt entdeckt… Da mein eigentliches “Allheilmittel” gegen schlechte Laune, unsortierte Gedanken, stressigen Alltag und Co. weggefallen ist (das waren die Konzerte), nehmen jetzt andere Alternativen, wie Sport, Spaziergänge, (Video-)Telefonate mit Freunden und Familie einen größeren Stellenwert ein. Ansonsten ist auch viel Arbeit ein gutes Mittel gegen zu viel Nachdenken *lach*.

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