VAN HOLZEN im Interview: „Wir wiederholen uns nicht gern“

Van Holzen, © Andre Techert
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Anfang 2017 schlug Anomalie, das DebĂŒtalbum der Ulmer Rockband Van Holzen, in Indie- und Alternative-Kreisen ein wie eine Bombe. Drei Jungs, nicht mal volljĂ€hrig und immer noch mit einem Bein im Klassenzimmer sitzend, lieferten eine rundum gelungene, fett klingende Platte mit nachdenklichen, schwermĂŒtigen und reifen Texten. Nun melden sich SĂ€nger Florian Kiesling, Bassist Jonas Schramm und Drummer Daniel Kotitschke mit ihren zweiten Longplayer Regen zurĂŒck. Bevor es im Sommer auf zahlreiche Festivals und im Herbst auf große Deutschland-Tournee geht, beantwortete uns Florian Kießling flugs noch ein paar Fragen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Es liegen ereignisreiche zwei, drei Jahre hinter Euch. Sind irgendwelche Vorkommnisse und Erlebnisse besonders in Erinnerung geblieben?

Was Van Holzen betrifft hatten wir zwei wunderschöne Jahre. Wir sind viel getourt, habe tolle Menschen kennengelernt und vor allem die Produktion von „Regen“ wird uns immer als eine sehr schöne, inspirierte Zeit in Erinnerung bleiben. Privat gab es hin und wieder schwierige Phasen, Herausforderungen und auch den ein oder anderen „Spinal-Tap-Moment“. Aber auch auch diese Erfahrungen haben wir stets in Gemeinschaft erlebt. Ich denke, diese Phasen stĂ€rken unseren Zusammenhalt!

Bei Typen, die so jung sind wie Ihr, fragt man sich als Außenstehender natĂŒrlich schon: Wie lĂ€sst sich dieses Pensum, dass Ihr die letzten Jahre gegangen seid (Songwriting, Produktion, Promo und Live-Konzerte) mit der Schule vereinbaren?

Das war halb so wild. Wir haben Abitur/Ausbildung nebenher ganz gut gemeistert. Dazu gehört natĂŒrlich etwas Disziplin und ein gutes Zeitmanagement. Aber da wir alle den Anspruch hatten, einen vernĂŒnftigen Schulabschluss in der Tasche zu haben, konnten wir das bisschen Disziplin aufbringen.

Was war das Erste, das Ihr Euch nach erreichter VolljÀhrigkeit gegönnt habt?

Den FĂŒhrerschein. Und eine Tour. Und natĂŒrlich Party machen 


Mal ehrlich: Könnt Ihr Fragen, die sich auf Euer Alter beziehen, ĂŒberhaupt noch hören?

Als wir 16 Jahre alt waren, ging uns das Thema noch eher auf die Nerven, da wir das GefĂŒhl hatten, aufgrund unseres Alters nicht ernst genommen zu werden. Mit 20 wird man einfach anders wahrgenommen, deshalb: Diese Fragen können wir noch hören, ja.

Kommen wir zum neuen Album: ZunĂ€chst ĂŒberrascht das Cover. Rund um Anomalie waren ja alle Artworks, Videos, Fotos etc. komplett in Schwarz/Weiß gehalten, nun kommt Regen auf krĂ€ftigem Dunkelblau daher. Keine Lust mehr auf Schwarz/Weiß? Und was ist darauf eigentlich abgebildet?

Wie auch musikalisch wollten wir uns im Artwork des Albums nicht wiederholen. Immer nur Schwarz/Weiß wird ja auch irgendwann langweilig. Das Cover passt fĂŒr uns zum GefĂŒhl der Songs und öffnet das Feld fĂŒr alle zukĂŒnftigen Releases. Wir beschrĂ€nken uns nicht auf einen Look und können dies dank des Covers auch weiterhin so fortsetzen. Das Cover von Regen zeigt StahltrĂ€ger in einer Wand in Reykjavik.

Nach dem doch recht großen Erfolg und den euphorischen Kritiken von/zu Anomalie: Habt Ihr wĂ€hrend der Schreibprozesse/Aufnahmen von Regen irgendeine Form von Druck gespĂŒrt? Gab es „Schreibblockaden“?

Wir haben uns direkt zu Anfang des Schreibprozesses von Regen von jeglichem Druck befreien können. Da wir einen Riesenspaß am Musik machen haben und es total abfeiern, wenn wir gemeinsam im Proberaum stehen und Songs schreiben, gibt’s in diesen Momenten einfach keinen Platz fĂŒr solche Gedanken.

VAN HOLZEN – Alle meine Freunde (Official Video)

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Regen klingt erneut schwer, melancholisch, dĂŒster, in nicht wenigen Texten geht es um Sorgen und Ängste. Warum fĂŒhlt Ihr Euch in der Melancholie so wohl? Und ist es denkbar, dass Ihr jemals „fröhliche“ Party-Hymnen schreibt?

FĂŒr mich sind traurige, melancholische GefĂŒhlszustĂ€nde einfach deutlich intensiver, tiefgehender und bewegender als fröhliche GefĂŒhlszustĂ€nde. Deshalb verpacke ich diese auch lieber in Texte. Was nicht heißen soll, dass wir uns die Freiheit nehmen irgendwann mal eine Party-Hymne zu schreiben, wer weiß …

Was mir auffiel, ist die hohe Anzahl verwendeter „Ich“, „Du“, „Mir“ und „Dir“ in den Texten. Haben die Texte autobiografische ZĂŒge? Werden mit den „Dus“ bestimmte Personen angesprochen?

Regen ist deutlich introvertierter und persönlicher als sein VorgĂ€nger. Wir erzĂ€hlen viel von uns selbst und was wir fĂŒhlen. Ich persönlich mag es sehr, wenn mich ein/e SĂ€nger/in mit „Du“ anspricht. So reißt er/sie mich direkt in seinen/ihren Bann und der Text wird dringlicher.

Euer Soundbild hat sich schon etwas geĂ€ndert. Gitarre und Drums krachen deutlich weniger als auf der DebĂŒt-EP und Anomalie, der Gesang ist bei einigen Songs fast schon eher ein GesĂ€usel. Wie eine Rockband, die ein Dream-Pop- oder Shoegaze-Album machen will. Irgendwelche Vergleiche zu Bands wie Royal Blood, die es ja zu EP-/Anomalie-Zeiten des Öfteren (durchaus berechtigt) gab, haben sich so nun erledigt. Seht Ihr das Ă€hnlich? Wenn ja, warum            klingt die Platte so wie sie klingt?

Wie bereits erwĂ€hnt, wir wiederholen uns musikalisch nicht gern. FĂŒr uns war es wichtig, Regen seine eigene IdentitĂ€t zu verpassen, dazu gehört natĂŒrlich auch der Sound. Wir wollten ein atmosphĂ€risches Album aufnehmen, das auch klanglich wieder ein Alleinstellungsmerkmal mit sich bringt. Ob die Vergleiche mit Royal Blood & Co. nun immer noch gelten, dĂŒrfen die Menschen, die die Vergleiche ziehen, entscheiden. Das Album ist von sehr vielen unterschiedlichen Musik-Genres und GefĂŒhlen beeinflusst. Ich denke, genau dieser Cocktail macht das Album fĂŒr uns aus und seinen Sound ungewöhnlich und speziell fĂŒr eine Rock-Produktion aus Deutschland.

VAN HOLZEN – Royal (Official Video)

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Interessant fand ich zudem die Screams bei den Songs Schrammbock und Einen Feind – denkbar, dass Ihr Euch in Zukunft mehr in eine solche Richtung entwickelt? Stehen Eure Kollegen von Fjþrt und Heisskalt da Pate?

Werden wir sehen, wenn Jonas nach der Tour im November immer noch so gerne rumschreit, wird er auf der nĂ€chsten Platte bestimmt wieder zu hören sein! Liebe GrĂŒĂŸe an FjĂžrt und Heisskalt.
Schauen wir voraus: Im Herbst geht’s auf große Tour – was darf man erwarten? Gibt’s auch noch Songs von der EP zu hören oder hĂ€ngen Euch Scheintot & Co. mittlerweile zum Hals raus?
Man darf eine vielseitige, schweißtreibende Rock-Show erwarten 🙂 Songs der EP werden sicherlich im Set auftauchen! Von allem das Beste. Was das Beste ist entscheiden wir im Herbst. Außerdem begleiten uns Drens, geile Band. Freuen uns drauf!
Zum Abschluss: Was erhofft Ihr Euch von der „Ära Regen“? Wo wollt Ihr in zwei Jahren stehen?
Viele Konzerte spielen, weiterhin so tolle Menschen kennen lernen, in zwei Jahren vielleicht mal den ein oder anderen grĂ¶ĂŸeren Club voll machen und niemals stehen bleiben. Als Musiker immer im Wandel sein! Und natĂŒrlich ganz wichtig: Weiterhin so viel Spaß an der Sache haben.
Weblinks VAN HOLZEN:

Homepage: vanholzen.com
Facebook: www.facebook.com/vanholzenofficial

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