THE SISTERS OF MERCY – Köln, E-Werk (14.10.2019)

The Sisters Of Mercy, (c) Esther Mai
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

„Pling!“ Erstaunt starre ich auf meinen Laptop-Bildschirm. Gerade hat mir mein bester Freund zwei Nachrichten gesendet. „War es wirklich so schlimm?“ fragt er. Und meint damit das The Sisters of Mercy-Konzert in Köln. Dann schickt er mir einen aktuellen Artikel, der kein gutes Haar am Auftritt der Briten lĂ€sst. Ich weiß zunĂ€chst gar nicht, was ich meinem Kumpel antworten soll. Denn der Abend war alles – aber nicht langweilig und schon gar nicht schlimm.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zugegeben, ich hatte schon richtig langweilige Abende mit der Band um Andrew Eldritch. Shows, auf denen man die eigene Hand vor Augen nicht gesehen hat, weil so viel Nebel auf die BĂŒhne geblasen wurde, dass er ausreichte, um auch noch den kompletten Zuschauerraum in eine triste Herbstromantik zu versetzen. Shows, auf denen wir uns fragten, ob ĂŒberhaupt eine Band auf der BĂŒhne steht oder ob wir gerade ein Playback hören.

In Köln war diesmal aber alles ganz anders: Nach 19 Songs brandet Jubel auf, die Fans klatschen, schreien, wollen noch eine Zugabe hören. Die Band jedoch hat sich ihren Feierabend erarbeitet. Kurz nach 21 Uhr startet das Set der (Gothic-)Rockband gleich mit einem Knaller. More klingt am Anfang zwar noch etwas schrĂ€g, aber der Sound und die Stimme fangen sich erstaunlich schnell. Die Fans hĂ€ngen von der ersten Sekunde an den Lippen Eldritchs – tanzen und singen jedoch nicht unbedingt ausgelassen mit. Und ja, die Lippen, die können sie ganz deutlich sehen. NatĂŒrlich gibt es auch diesmal Nebel, der wird aber schnell von der LĂŒftungsanlage eingesaugt und gibt den Blick auf die BĂŒhne frei.

Eldritch spielt mit dem Licht – manchmal sieht es so aus, als ob die Scheinwerfer durch seinen Körper scheinen, dann wieder ist sein Kopf nicht zu erkennen, so sehr blenden die Moving Heads. Trotz Sonnenbrille sucht er immer wieder den Blickkontakt – zu den Fotografen, aber auch zu den Fans in den ersten Reihen. Er spricht nicht viel mit seinem Publikum, aber wenn, dann auf Deutsch.

Die Setliste ist ein Traum fĂŒr jeden Nostalgiker, alle relevanten Hits sind vertreten, Überraschungen dann sogar auch noch: Mit Show me, Better Reptile und dem Instrumental Kickline sind gleich drei brandneue StĂŒcke auf der Setlist. Dennoch hatten Ben Christo, Dylan Smith und Andrew Eldritch sichtbar Spaß daran, auch die alten Songs, wie Marian, Lucretia My Reflection und Temple of Love fĂŒr das ausverkaufte E-Werk zu spielen. Technisch sauber, mit gutem Sound fĂŒr die Fans, die still zuhören, aber nach jedem Song lautstark applaudieren und jubeln.

Bei This Corrosion geht dann plötzlich ein Ruck durch das Publikum – alle singen mit, die vereinzelten TĂ€nzer im Publikum geben noch einmal Vollgas. Selbst der Iro neben mir, der vorher nur zugehört hat, reißt nun die Arme nach oben und singt theatralisch mit.

Die letzten Töne verklingen, die Musiker verbeugen sich lange, winken den Fans zu und verschwinden hinter der BĂŒhne. Vor der BĂŒhne geht das Licht an – und ĂŒberall sind glĂŒckliche und zufriedene Gesichter zu sehen.

Selbst A. A. Williams, die den Abend mit ihren hypnotischen, leisen Songs eröffnete, bekam viel Lob von den Sister-Fans. „Die Stimme ist der Wahnsinn“, war immer wieder zu hören.

Setlist THE SISTERS OF MERCY – Köln, E-Werk (14.10.2019):

01. More
02. Ribbons
03. Crash and Burn
04. Doctor Jeep / Detonation Boulevard
05. No Time to Cry
06. Alice
07. Show Me
08. Dominion/Mother Russia
09. Marian
10. Better Reptile
11. First and Last and Always
12. Kickline
13. Something Fast
14. I Was Wrong
15. Flood II
16. Lucretia My Reflection (Z)
17. Vision Thing (Z)
18. Temple of Love (Z)
19. This Corrosion (Z)

Weblinks THE SISTERS OF MERCY:

Homepage: www.the-sisters-of-mercy.com
Facebook: www.facebook.com/The-Sisters-of-Mercy

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Fotos: THE SISTERS OF MERCY

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