WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2019 – MONTAG (10.06.2019)

Geschätzte Lesezeit: 10 Minute(n)

Der letzte Tag des 28. Wave Gotik Treffens steht an und sind schon in jedem Jahr mehr verwundert, wie schnell das immer alles vorbeigeht. Und auch wenn hier und dort noch bis in die Mitte der Woche tapfer weitergefeiert wird, konzentrieren wir uns auf das Kernprogramm und da gibt es wieder Außergewöhnliches zu sehen. Ja, und auch Unerwartetes, denn das WGT endet beinahe mit einem  katastrophalen Paukenschlag: Unwetterwarnung, Evakuierung, Programmausfälle im Heidnischen Dorf, selbsternannte Zeltplatzwächter, die beherzt eingreifen, das Hab und Gut der Nachbarn sichern und retten und damit das Schlimmste verhindern.

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Toll, dass Ihr so zusammenhaltet! Toll, dass wir jedes Jahr zusammenkommen! Bis nächstes Jahr!

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agra-Treffenpark

17:30 Uhr – Patenbrigade:Wolff (D)

Eine orange-farbene Invasion an einem Feiertag mitten auf dem Festivalgelände? Das klingt eigentlich nach Arbeit und viel Unannehmlichkeiten und Baulärm. Aber klar weiß man schon seit 2009, als die Berliner zum erste Mal auf dem WGT aufgetreten sind: Das ist eher Masquerade und Werktätigenattitüde gespickt mit schmissigen Elektro. Das Konzept geht ziemlich gut auf, die agra ist jetzt schon sehr gut befüllt: Bauhelme, Warnwesten, Protektoren wohin das Auge reicht. Ja, nirgends wird der Arbeitsschutz vor und auf der Bühne so übererfüllt wie bei einem Auftritt der Genossen unsrer Patenbrigade:Wolff. Auf der Bühne wird auch sogleich eine komplette Baustelle eingerichtet, mit Absperrband und dem obligatorischen Bier. Ähm … Moment, wie war das mit dem Arbeitsschutz, liebe Patenbrigade? Die haben extra noch ein neues Album und zur Untermalung des heutigen Vortrag Videoinstallationen am Start. Eastbound No 5 heißt das gute neue Stück und wird ab 15. August auf den einschlägigen Plattformen zu erwerben sein. Neben etwas neuem Material setzt man live aber eher auf Bewährtes aus dem, was den Bauarbeiter halt im Alltag so umtreibt, oft aus dem Blickwinkel des noch geteilten Berlins betrachtet, z. B. Gefahrenstoffe, Ungenauigkeit, Stalinallee, Mauerradio und Der Brigadier Trinkt Bier. Damit trifft das Kollektiv immer wieder einen Nerv. Auch heute wieder. (DS, KS)

Setlist PATENBRIGADE:WOLFF @ WGT, agra-Treffenpark (10.06.2019):

01. Intro
02. Feind hört mit
03. Stalinallee
04. Fehler 404
05. Freunde der Technik
06. Die Brücke
07. Im Eis + TU144
08. Maurerradio
09. Visionary Landscapes
10. Voyage
11. Follow me
12. Ikarus
13. Schusswechsel
14. Signal
15. Gefahrstoffe
16. Bier
17. Demo Sektor + SPU
18. Volksarmee (Z)
19. Das Kraftfeld (Z)

19:15 Uhr – Nachtmahr (AT)

Elektrisch gings auch weiter, wenn auch weniger kameradschaftlich. Nachtmahr sind da weniger auf das Bruttosozialprodukt aus, sondern setzen eher auf Gehorsam und Haltung. Gewohnt stromlinienförmig, den Kragen der Tarnhemden bis nach oben zugeknöpft, den Blick geradeaus in den Sonnenuntergang bzw. auf die Fans gerichtet, betritt das österreichische Projekt die Bühne. Und während ich mich noch frage, wo die (also die Fans) so schnell Bauarbeiterkluft gegen schneidige schwarze Uniformen getauscht haben, beginnt Herr Rainer auch schon seinen Vortrag, flankiert von den gestrengen Damen, die mit versteinerten Mienen und riefenstahl-exaltierter Ästhetik einen recht einfachen, wenn auch wirkungsvollen Takt aus ihren Trommeln heraustrommeln. Eröffnet wird mit Blendwerk vom neuen Album Antithese, das im Januar erschienen ist und sich noch nicht bis nach ganz hinten rumgesprochen hat. Nun dann aber: Wir Schreiben Geschichte und alle sind da, die agra ist sowieso voll, man atmet einen winzigen Abglanz des verrucht Anrüchigen, der zwar keinen gestandenen Neo-Folker hinterm Ofen vorlocken würde, zu dem man aber dafür tanzen kann oder marschieren. Es wird ein Auftritt streng nach Vorschrift und Nachtmahr peitschen uns das BoomBooomBooom bis zur schweiß- und blutgebadeten Kartharsis ein. (DS, KS)

Setlist NACHTMAHR @ WGT, agra-Treffenpark (10.06.2019):
  1. Blendwerk
  2. Wir schreiben Geschichte
  3. Weil Ich’s Kann!
  4. Firmament
  5. El Chupacabra
  6. Tanzdiktator
  7. Feuer Frei
  8. Gehorsam
  9. Mädchen In Uniform
  10. Helden
  11. BoomBoomBoom
  12. Dein Herr
  13. Can You Feel The Beat?
  14. Tempus Fugit
  15. Ich Glaube
  16. Heile Mich
  17. Katharsis

21:00 Uhr – Velvet Acid Christ (USA)

Die Halle füllt sich immer weiter, da draußen grad die Welt untergeht und die agra nun eine große Anzahl der Geflüchteten aus dem evakuierten Heidnischen Dorf aufnimmt. Wenn das WGT zur Kulisse eines Katastrophenfilms wird oder so ähnlich … Zumindest scheinen sich draußen alle Wettergötter auf einmal auszutoben. Es donnert bedrohlich und einige meinen am Horizont ein großes Schiff mit einer ansehnlichen Anzahl von Tieren vorbeifahren gesehen zu haben. Drinnen: Auch Weltuntergangsstimmung, aber der etwas anderen Art, denn Velvet Acid Christ stehen auf der Running Order und zum fünften Mal auf einer WGT-Bühne. Die haben auch schon 30 Jahre auf dem Buckel und sind grad im Auftrag der Promotion für ihr im August erscheinendes Album Ora Oblivionis unterwegs. Harte sägende Beats, zum Teil auch mit weiblicher Front. Auf der Leinwand zuckt blutiges Fleisch und es wird eine Auswahl des alltäglichen und abseitigen Horrors präsentiert. Wem’s gefällt … (DS, KS)

22:45 Uhr – Agonoize

Ja, und da sind wir auch schon, man kann kaum glauben, wie schnell das jedes Jahr immer wieder passiert: Das 28. Wave-Gotik-Treffen nähert sich seinem Ende. Und wie immer ist man verwundert, wie leicht sich in die letzten harten, treibenden Momente Wehmut mischt. Obwohl wir doch wissen, dass wir uns im nächsten Jahr alle wiedersehen werden. Oder? Wie bereits vor drei Jahren tragen Agonoize die schwere, wie ehrenvolle Aufgabe, Headliner der Headliner zu sein und die rote Laterne aus einem Fluss aus Blut aus der agra ins nächste Jahr zu tragen, auf die andere Seite sozusagen.

Die finstren Fährmänner haben heute ein „neues – untotes – Bandmitglied“ dabei, das sie in Rollstuhl auf die Bühne schieben. Und auch die gramgebeugte Dame ist nicht alleine, sie trägt ein nicht minder totes Bündel im Arm. Pieta statt Pietät und obwohl draußen die Welt zum Glück und grad so doch noch einmal nicht untergegangen ist, die Erfinder des Hellektro wollen hier heute und jetzt dafür sorgen, dass das doch noch passiert. Chris L. wächst die häretische Bosheit paarweise bereits vorn aus dem Schädel, als er unheilvolle Blicke auf uns werfend den Advocatus Diaboli von einem eigens dafür aufgebauten Pult gibt.

Die anderen Bandmitglieder sind nicht minder wohlwollend gekleidet, aus verzerrten Horror-Masken werfen sie den Fans, pardon der Church Of Agonoize, die harshen Beats im die Ohren. Der von dieser erwartete Strom aus Blut ergoss sich zwar nicht ganz planmäßig, aber immerhin dann doch noch ziemlich ergiebig bis in die ersten Reihen. Ja, wer hat denn da nicht alle seine Gebete aufgesagt? Ein Highlight ist sicherlich das Prodigy Cover Breathe, das die Berliner für den verstorbenen Musiker Keith Flint, bevor sich Agonoize nach zwei Zugaben verabschieden und uns unserem ganze eigenen Weltenschmerz überlassen. (DS, KS)

Setlist AGONOIZE @ WGT, agra-Treffenpark (10.06.2019):
  1. Apeirophobia
  2. Weltenschmerz
  3. Schmerzpervers 2.0
  4. Dafür
  5. Staatsfeind
  6. Blutgruppe Jesus (-)
  7. Schaufensterpuppenarsch
  8. Homme Fatale
  9. A Vampire Tale
  10. Glaubenskrieger
  11. Blut Sex Tod
  12. Deutsch
  13. Breathe (The Prodigy cover)
  14. Bis Das Blut Gefriert
  15. Sacrifice (Z)
  16. Koprolalie (Z)
  17. I Was Made for Lovin‘ You (KISS cover) (ZZ)

Non Tox

13:00 Uhr – Alphamay (D)

Auch am letzten WGT-Tag ist das Non Tox wieder Garant für alle Elektro-Fans, die als frühe Vögel etwas für den Warm-Up brauchen und auch weniger bekannten Acts und Genre-Neulingen Bühne und Befalls spenden wollen. Heute schlittern wir hier etwas hinter dem Zeitplan und so machen wir außerplanmäßig den Anfang bei Alphamay aus Osnabrück, die wir eigentlich gar nicht auf dem Zettel hatten. Die Elektro-Pop-Avantgarde Band mit den Dark Wave Einspränklern ist schon länger in der Szene unterwegs und legte ihr Debüt mit dem vielsagenden Titel II III – III III – Iiii II 2014 vor. Ihr aktuelles Album Trans/Fusion, von dem bereits zwei Songs ausgekoppelt wurden, erschien im Dezember. Es ist Mittag und trotzdem füllt das Duo den Platz vor dem Non Tox schon ansehnlich. Die beiden sind keine Unbekannten und auf jeden Fall ein Ohr wert. (DS, KS)

14:15 Uhr – Caisaron (D)

Was zeitlich eben noch hakte, scheint jetzt wieder im Lot und wir sehen erst einmal riesige schimmernde durchscheinende Flügel. Riesige Flügel? Momentchen mal, da war doch etwas … stimmt: Caisaron aus Dresden waren bereits im letzten Jahr auf dem Non Tox und hatten ihr Set mit dem märchenhaft schillernden Element, getragen von Sängerin Angela Blackfield, eröffnet und setzen hier auf einen Erinnerungseffekt. Damals war gerade das neue Album der Band mit Namen Never End erschienen. Neues Material hat die Band zwar noch nicht am Start. Dafür bestechen sie auch heute wieder durch ihren tanzbaren soliden Elektro-Pop, auch und vor allem weil Caisaron ihr Line-Up durch einen Schlagzeuger ergänzt haben. Das verleiht den Songs noch einmal zusätzlichen Druck, was in diesem Jahr vom Publikum auch deutlich dankbarer angenommen. (DS, KS)

15:30 Uhr – Seelennacht (D)

Romantik, Emotion, Klang – dahinter verbergen sich Seelennacht aus Ludwigsburg, die den Nachmittag fortsetzen. Sänger und Songwriter der Band hatte sich sicherlich mehr Dunkelheit bei seinem Auftritt gewünscht, um diesen Dreiklang wirkungsvoller zu transportieren. Seit 2008 hat es der Mann mit der tiefen Stimme und verträumten Texten zu einer ansehnlichen Fangemeinde gebracht. Und auch wenn die Performance hier und da etwas bemüht an „die großen Vorbilder“ angelehnt erscheint, sich die Töne beim Gesang etwas zu sehr herausgepresst, bei den Zwischenansagen jedoch seltsam jungenhaft anhören, dem Publikum scheint es zu gefallen. Als Epigone selbst überholter Herrschaften wie Witt und Pohl scheint man es immer noch leicht zu haben. Das aktuelle Album von Seelennacht heißt Gedankenrelikt, na denn. (DS, KS)

18:00 Uhr – Blind Passenger (D)

Bitte nicht verwechseln mit Blind Passengers … Wer weiß, wie oft das Quartett aus Blankenfeld bei Berlin das zu hören bekommt oder selbst erklären muss. Dabei kann der Unterschied nicht augenfälliger sein. Die hier machen Synth-Pop und sind heute mit ihrem 80s Express vor Ort. Das bedeutet vor allem genau das, was man vermutet: Cover-Versionen der schmissigsten Songs aus den 1980ern. Das bringt die Massen zum ausrasten: Im positiven, wie im negativen Sinne. Einige hauen einfach nur ab, andere entdecken erst jetzt ihres Tanzeskünste. Und während ich mich jetzt frage, wann der Hype um dieses schreckliche Jahrzehnt endlich vorbei ist, galoppiert vorn der Goldene Reiter, hätte man gern mal Sweet Dreams, Tainted Love oder wäre sogar mal gern ein Eisbär, während ich mich einfach nur Behind The Wheel versteckt hätte, am liebsten. (DS, KS)

Täubchenthal

16:30 Uhr – Erik Cohen (D)

Der letzte Tag des WGT im Täubchenthal ist Horror-Punk-, Punk- und Psychobilly-Tag. Kurz: Es gibt vor allem jede Menge zu sehen und man mobilisiert noch einmal alle Kraftreserven für die letzten schweißtreibenden Setlists. Los ging es aber erst einmal mit Erik Cohen, der irgendwie die Running Order recht genrefremd eröffnen sollte. Der Kieler mit Shanty-Stimme beschreibt seinen Stil als New Wave Of German Rock Music, hat heute die Kapuze seines Hoodies tief ins Gesicht gezogen. Das monocrome Cover seines aktuellen Albums III ziert ein Kerzenleuchter der voll gothic-mäßig aussieht. Nun hat man ihn auch noch zwischen all den subversiven Paradiesvögeln und Anarchisten einsortiert, aber was da von der Bühne in den halbvollen Saal schallt, kann man mit gutem Willen als „ehrlichen“ Rock für Kumpels bezeichnen, der die „ehrlichen“ Themen behandelt, „ehrlich“ eben und ohne Schnörkel. Als Herr Cohen im Laufe seines Sets dann auch noch Der Goldene Reiter covert, ist für mich klar: Der Mann singt nicht meine Lieder. (KS)

17:50 Uhr – Banane Metalik (F)

Da schmecken Banane Metalik schon eher nach einem Montag beim WGT im Täubchenthal. Gore’n’Roll sagt die Running Order und die Jungs aus Frankreich, alle angetan mit knallengen Horrorfilmmasken und von oben bis unten mit Kunstblut besudelt, schleudern sie erstmal alles von der Bühne, was man da nicht mehr braucht: leere Wasserflaschen, Pappkartons, die Setlist … Dazu gibt’s wilden Punk. Augenblicklich stehe ich mitten in einem Pit, getauft von einer Bierdusche. Tja, nicht aufgepasst und weil ich ne feige Sau bin, bringe ich die zarten Pflänzchen erst mal ins Trockene. Ced666 singt in abgetrennte Körperteile, fuchtelt mit einer Machete herum und verbringt mehr Zeit auf der Grabenabsperrung als auf der Bühne. Sehr zur Freude aller Fotografen und der Fans in der ersten Reihe. On Stage kämpft derweil ein anderes Bandmitglied ziemlich glaubwürdig mit einer Zwangsjacke. Es ist eine actionreiche, wahnsinnige, blutige Horrorshow. Ich hab schon lange nicht mehr so viel Spaß! (KS)

19:10 Uhr – Fliehende Stürme (D)

Deutlich weniger Spaß, in einem Banane Metalik-Verständnis und deshalb im besten Sinne, gibt es nun aus Stuttgart mit den Depro-Punk Pionieren Fliehende Stürme. Ein großer Teil des Publikums (und meiner Facebook-Freundesliste) hatte heute nur diese Männer auf dem Zettel. Und das ist auch verständlich, denn neben wirklich klassischem, dunklem Punk, treibendem Wave und tiefschürfenden, klaren dazu passenden Texten, stehen hier wirklich Legenden auf der Bühne. Eine Stunde lang kotzen wir unsere Seelen raus, heben anklagend die Fäuste und schütteln die Köpfe. “Vielleicht bin ich zu früh gebor’n oder alles ist zu spät. Diese Zeit gefällt mir nicht . Vielleicht ist dies die falsche Stadt oder gar das falsche Land. Dieser Ort gefällt mir nicht.”, brüllen wir wütend dem nachdenklich rasenden Zorn aus Gitarren und Maschinen von der Bühne entgegen. In diesem Slot geht es nicht um Show. Es geht um Botschaft, es geht um Haltung, es geht um Punk-Kunst und Songwriting. Davon haben Fliehende Stürme in beinahe vier Jahrzehnten nichts verlernt. (KS)

20:50 Uhr – The Creepshow (CN)

Eine beinahe schon feste WGT-Größe sind The Creepshow, die den weiten Weg aus Kanada auch zum fünften Mal nicht gescheut haben und auch das Täubchenthal beinahe schon ihr zu Hause nennen können. Draußen entlädt sich das schon am Vortag angekündigte Unwetter und wir sind schon alle ziemlich froh, im Trockenen zu sein und nicht auf dem Zeltplatz auf der agra oder – noch schlimmer – dem Heidnischen Dorf, bei dem sämtliche Veranstaltungen abgeblasen wurden. Es donnert und gießt ziemlich heftig und obwohl die Psychobillys da vorne auf der Bühne schon richtig Alarm machen, ist der Alarm der Wettergötter vor den Toren unüberhörbar. Whoo, heimelig. Aber es ist wohl nicht nur dem Regen geschuldet, dass der Saal kackend voll ist, denn die Band, allen voran KENDA! am Mikrofon liefern ein gewohnt schön-schauriges Spektakel ab. Schräge Typen am Kontrabass und der Charme einer Schwarzbrenner-Familie, die in einem abgelegenen Diner über amerikanische American-Horror-Stories singen, sorgen ordentlich für Stimmung an diesem letzten Festival-Tag. (KS)

22:30 Uhr – The Adicts (GB)

Ja, und da sind wir auch schon am Ende, hier im Täubchenthal. Und bevor wir ungläubig den Kopf schütteln, dass das alles schon wieder so schnell vorbei gegangen ist, feiern wir den Headliner hier am Punk-Montag. Und was das für einer ist! Beeinflusst durch Stanley Kubricks Clockwork Orange, so klassisch (44 bzw. 42 Jahre auf dem Buckel!) wie die Punk selbst mit Bühnenshows, die ihresgleichen suchen, betreten The Adicts pünktlich wie die Maurer die hell erleuchtete Bühne. Sämtliche Mitglieder tragen wie weiß, Paradiesvogel Keith “Monkey” Warren Bowler und hält die Arme um sich geschlungen. Mit den langen Stoffbahnen daran und dem geschminkten Gesicht sieht er noch aus wie eine traurige Clownsmotte, doch als der erste Song beginnt, entfaltet er silberne Flügel: Konfettiregen, Let’s Go, eine irre Zirkus-Punk-Show mit ihm als unbestreitbarem Mittelpunkt beginnt. Mal wirft er Spielkarten ins Publikum, mal spannt er einen Regenschirm mit noch mehr Konfetti auf. Das ist spaßig, grell und immer geradeaus. Da verzeiht man ihnen, dass sich jeder Song im Grunde recht ähnlich anhört. Das ist genau der Abschluss, den das WGT in diesem Jahr gebraucht hat. Draußen haben sich alle Wolken verzogen, genau wie die Schwere. Schön war’s The Adicts! Schön war’s Leipzig! (KS)

Oper

17.00 Uhr – Der fliegende Holländer

Zwischen dem sonnigen Start meines WGT-Montags und dem aufbrausenden Ende unter der dunklen Wolkenschicht, passierte bei mir Oper. Alle Alternativen warf ich über Bord, verschaffte mir Halbwissen über die Beziehung von Wagner und Nietzsche durch den glücklichen Umstand, dass ich die langen Wartestunden in der Sonne nicht alleine verbringen musste. An jenem Tag erhaschte ich einen Platz im Parkettbereich. Die bessere Sicht zahlte sich aus, denn zu sehen gab es im Zuge der drei Aufzüge der kaltblauen Oper genug: Das große Ensemble, die pompösen Kulissen, die immer wieder den gewollten Bezug zu Heines “Memoiren des Herren von Schnabelewopski” visualisierten und das riesige Schiff, das im Nebel über die Köpfe des Publikums aufragte. Alles im Takt und den durchdringenden Melodien von Herrn Wagner, die so lange ballern, bis man die Trennung von Werk und Künstler diskutiert. (CH)

FotografIn/AutorIn: Claudia Helmert (CH), Danny Sotzny (DS), Katja Spanier (KS), Thomas Papenbreer (TP)

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