KOSMONAUT FESTIVAL 2019 – Chemnitz, Stausee Rabenstein (05.-06.07.2019)

Geschätzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Zum siebten Mal l√§dt das Kosmonaut-Festival die geballte Vorfreude und die kribbeligen Erwartungen an den geheimen Headliner zum sonnigen Stausee Rabenstein. Zwischen Badem√∂glichkeit und Kletterwald passiert viel Popkultur mit bezaubernden Indieacts, Tanzfreude, Podcasts am Strand und lecker veganen Essenspausen. Das glitzende, junge Publikum tummelt sich bereits an den fr√ľhen Nachmittagsstunden auf dem Festivalgel√§nde zwischen Haupt- und Atominob√ľhne, wackelt im Takt der Beats Beim Siggi, l√§sst sich am Kosmowash bezaubern oder an der Steinb√ľhne verkuppeln.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:
Alli Neumann, © Claudia Helmert

Der sonnige Festivalfreitag startet nach einem m√§√üig langem Schlaf im Anschluss an das ausschweifenden¬†Kosmos Chemnitz mit einer hitzigen Busfahrt. Der gutgelaunte, bis an die Kante gef√ľllte Shuttle voller Gep√§ck und Menschen h√§lt am Festivalgel√§nde und nach Fu√ümarsch zur B√§ndchenabholung strahlt Alli Neumann als erste Musikerin auf der Atomino B√ľhne ihren Zuh√∂rerinnen und Zuh√∂rern entgegen. Die Gutgelaunte bezaubert mit klaren T√∂nen und einem Gem√ľt, mit dem man sich wohlf√ľhlt: Gl√ľcklich mit dem Gegenwind, der sie wie Britney Spears aussehen l√§sst und ein (berechtigtes) Gef√ľhl, eine ber√ľhmte Popk√ľnstlerin zu sein, gibt.

Nura, © Claudia Helmert

Im Anschluss daran machen sich die √∂sterreichischen Granada auf der Hauptb√ľhne vor ihrer h√ľbschen Kulisse bereit: Da Wanda von gestern sind, feiern sich die eing√§ngigen, frischen Kl√§nge unbeschwert im Festivalspirit. Es folgt die¬†Kanackische Welle und Gedanken und Gespr√§che √ľber Stereotype, Voreingenommenheit und Benachteiligung. Wie traurig, dass sich so unbegr√ľndete √Ąngste in Gesellschaften manifestieren und Offenheit und Vertrauen so lange ben√∂tigen, bis sie als etabliert gelten. Nachsinnierend weiter im Programm:¬†Herzblatt an der kleinen Steinb√ľhne direkt am Eingang versammelt zahlreiche weibliche und m√§nnliche Interessierte des l√§ngst nicht ausgestorbenen Kuppelformates. Dieses Mal setzt der charmant zynische Moderator ein Bandmitglied der Leoniden in Szene und neben drei (potentiell) Verliebte. Drei Fragerunden kr√∂nen die gl√ľckliche Gewinnerin, die sich √ľber freien Eintritt zum folgenden Festival freuen darf. Mein leckerer Hafermilchkaffeelatte ist l√§ngst ausgeschl√ľrft und es treibt zum Auftritt von¬†Nura. Sie beginnt freudig tanzend ihren Auftritt mit Ich Bin schwarz, der mir bereits letztes Jahr (im Nachhinein ihres Auftrittes beim #wirsindmehr-Konzert) als Ohrwurm im Ged√§chtnis blieb. Die Steigerung der Publikumslaune anhand ihrer Leuchtkulisse von lit, zu litter und the littest scheint ihr Ziel am Nachmittag – leicht zu erreichen, dazu ein paar Beats – weiter im Programm:

Die Nerven, © Claudia Helmert

Die Nerven, die drei charismatischen Herren vor dem staubigen Moshpit, geben ihre Spielfreude zum Besten. Das Konglomerat aus Bewegung, Grimassen und Bock √ľberstrahlt die kleine B√ľhne und die Tatsache, dass zahlreiche Zuh√∂rerinnen und Zuh√∂rer bereits zur Hauptb√ľhne abwanderten. Da geht der Punk ab, k√∂nnte man sagen. Mia Morgan und Drangsal tanzen im Hintergrund, w√§hrend sich im Vordergrund ein luftiger Circle Pit formt. Daf√ľr gebe ich gern meine Schuhsohle her, die sich im Zuge der Euphorie und den Bewegungsdrang des Publikums l√∂st. „Trinkt genug“, redet Julian Knoth am Bass, „Die Nerven k√ľmmern sich“, stimmt Max Rieger ein, Dreck stimmen alle drei Bandmitglieder gemeinsam an. Die Gitarren treiben und surren, der Bass wabert – allen voran, w√§hrend der Melodie des letzten Tanzenden: S√§nger Max Rieger schwingt sich ins Publikum auf ein Bier, zwei Selfies und drei T√§nze. Im Anschluss daran st√ľrmt Max Gruber, aka Drangsal, das Schlagzeug und ballert in seinem flatternden, schwarzen Oberteil und mit Stirnband irgendwas, das mit dem Gitarrentreiben der anderen beiden Bandmitglieder und dem Kreischen Kevin Kuhns nach Black Metal klingen soll. Spannendes Intermezzo, gerne mehr (von allem)!

Setlist DIE NERVEN:

01. Niemals
02. Frei
03. Albtraum
04. Schrapnell
05. ein angestimmtes: Shine On You Crazy Diamond (Pink Floyd Cover)
06. Barfuß Durch Die Scherben
07. Explosionen
08. Skandinavisches Design
09. Dreck
10. Der Letzte Tanzende
11. (Irgendwas im Takt von Black Metal)
12. Angst

Puh war das gut. √Ąhnlich engagiert zeigen sich die Menschenscharen vor der Hauptb√ľhne und der Performance der¬†Leoniden.¬†Ich bin schon ein bisschen sp√§t dran, um alles von ihrer Show mitzubekommen, denn nach wenigen Minuten zieht es mich von den dynamischen Herren zu¬†Mia Morgan. Sie feiert am heutigen Freitag ihren EP-Release sowie ihren ersten Festivalliveauftritt und wirkt sichtlich gl√ľcklich √ľber die Anerkennung und das singfreudige Publikum in rosa T-Shirts.¬† Die sch√∂ne Authentische performt mit und ohne Gitarre, w√ľrde aber mit Unterst√ľtzung einer Livegruppe noch ein bisschen mehr mitrei√üen k√∂nnen.

Tua, © Claudia Helmert

Nebenan schlie√üt sich der laute Bass und der Auftritt von¬†Tua¬†an. Hunger macht sich breit und der Rapk√ľnstler von Die Orsons steht im sch√∂nen Licht des Sonnenuntergangs und der B√ľhnenbeleuchtung. Ein schnelles Essen treibt weiter, erneut vor die kleine B√ľhne. W√§hrend die anderen darauf warten, im Takt von Bosse kauen und verdauen – oder wahlweise tanzen – zu k√∂nnen, zieht es mich zu¬†Yassin. „Die beste Show auf dem Kosmonaut“, werde ich am n√§chsten Tag h√∂ren und unweigerlich die Zustimmung von allen Anwesenden bekommen. Circle Pit, viel euphorisch in die Luft gewirbelte Arme und freudig wertsch√§tzender Applaus passieren nach den verz√∂gernden, technischen Schwierigkeiten. Sein Album, das er zum Jahresanfang mit dem Namen seiner Initiale ver√∂ffentlichte,¬†¬†scheint ein H√∂ren wert.

Shame, © Claudia Helmert

Gut, dass die Kosmowash B√ľhne nicht weit von der Atominob√ľhne entfernt ist, denn langsam zehrt die eingebrachte Energie an den Beinen, aber¬†shame zeigen sich jede Anstrengung wert. Die britische Punkgruppe vor dem schlichten Banner und dem eing√§ngigen Namen rei√üt mit: Jeder Funke von Energie wird in Spr√ľnge, Anspannung und Bewegung vor den pinkfarbenen Lichtern investiert. Leider ist die Bandauswahl zu gut, das Programm zu eng gestrickt und mein Interesse zu gro√ü, um die volle Performance mitzuerleben – aber¬†Hope¬†checken schon ihren Sound vor den Neonr√∂hren und w√§rmen sich auf. Wabernder Pop mit einer warmen, weiblichen Stimme l√§utet die Nacht ein. Das Publikum ist viel zu rar ges√§t f√ľr die Gr√∂√üe an sch√∂nen Musiken, die dort passiert. (Schade, aber das wird wohl nicht dauerhaft so bleiben.) Viel Zeit ist nicht mehr und der Tag endet mit dem Wissen um den¬†geheimen Headliner.¬†Man kann sich nur in Ma√üen ausmalen, wie viel Aufregung und Stimmen in den Minuten vor der Ansprache von Kraftklub passieren. Der Fotograben f√ľllt sich bis auf den letzten Zentimeter und dicht an dicht stehend, sehen wir, wie der Vorhang f√§llt. „Wer bei diesem Act nicht tanzt, hat Popmusik nicht verstanden“, gibt Felix Kummer vor und zwei junge Damen schwingen Fahnen. Viel, viel Pyro und da steht¬†Scooter.¬†

Fatoni, © Claudia Helmert

Krasser wirds nicht – nach den Hiphop-Acts der vergangenen Jahre √ľberrascht die Gr√∂√üe nicht nur mit unfassbar lautem Bass, sondern auch unglaublicher Bewegungsdrang. Irgendwo zwischen Freude und entt√§uschten Erwartungen tanzt das Kosmonautfestival vor der Hauptb√ľhne im Flammenlicht oder auf dem Zeltplatz.

Im Anschluss daran und in mittern√§chtlicher K√ľhle watet es sich leicht zu Fatoni, der f√ľr den Ausfall von KitschKrieg einspringt. Der reimende Huttr√§ger performte bereits am Tag zuvor am Karl Marx Kopf und wirkt obgleich des spontanen Auftrittes souver√§n im sparsamen Scheinwerferlicht. Das Publikum feiert, wir machen Feierabend.

Ein bisschen Schlaf und ein leckeres Fr√ľhst√ľck in der Chemnitzer Innenstadt sp√§ter, schon f√§llt der Festivalsamstag mit viel, viel Sonnenschein √ľber uns her. Das Get√ľmmel am Strand des Stausees Oberrabenstein nutzt das schwei√ütreibende Wetter und die entspannten Beats f√ľr eine wohlige Abk√ľhlung. W√§hrend wir den letzten T√∂nen der Gruppe Flut lauschen, f√§llt die h√ľbsche Hintergrundbeleuchtung auf, welche die f√ľnf √Ėsterreicher Popgaranten zus√§tzlich strahlen l√§sst. Im Takt hin und her wackelnd, ziehen wir vorbei an dem¬†PietCast, weiter zu Pish. Der chillige Dude, der schnell noch seinen Pass, Geldb√∂rse und Mobiltelefon auf dem DJ-Pult ablegt und von seiner neuen Frisur berichtet, bauscht laute Beats auf, welche den Strandnachmittag bereichern.

Klatsch & Tratsch, © Claudia Helmert

Auf der Spotify Podcast B√ľhne, die dieses Jahr √ľbrigens herrlich nah am Wasser gebaut ist, machen sich Elena Gruschka und Max Richard Le√ümann f√ľr das Intro bereit: Vollplayback fliegen l√§ssig die Wortfetzen des Klatsch & Tratsch-Podcast um die Ohren. Es geht um die Kardashians und mir um einen Kaffee, um die M√ľdigkeit zu unterdr√ľcken. Vor der Hauptb√ľhne warten wir gespannt auf¬†Kelvyn Colt, der den engagiertesten DJ seit Yassin im Gep√§ck hat, um das Publikum in ad√§quate Euphorie zu versetzen. Das f√§llt ihm leicht, denn die Stimmung auf dem Festivalgel√§nde ist stets gut, wohlwollend und r√ľcksichtsvoll. Darauf ein kurzer Umweg zum¬†Superbingo¬†und zu einem der zahlreichen wie leckeres Essensb√ľdchen, um gest√§rkt bei¬†Giant Rooks¬†zu zappeln. Euphorisches Trommeln, gerichtete Strahler und viel, viel l√§chelnde Gesichter auf und vor der B√ľhne hinterlassen ein gutes Gef√ľhl nach dem Auftritt der jungen Boygroup. Weiter im Programm mit¬†Swutscher:¬†Die beschwippsende Kapelle s√§uselt im tanzenden Takt der Vorabendausgelassenheit. In sommerlicher Hitze mit ein bisschen Gegenwind rinnt das Bier besonders gut die Kehle hinab – das steht den sechs Herren besonders gut. Was sonst so geht?

Steiner & Madleina, © Claudia Helmert

Steiner & Madlaina reisen von Z√ľrich zum beschaulichen Festivalgel√§nde nach Chemnitz – f√ľr eine kleine B√ľhne, aber ein gro√üartiges Publikum. Zwischen den Strahlen des Sonnenuntergangs w√§rmen die Stimmen des sch√∂nen Folk/Pop-Duos nur umso mehr. In Richtung Ufer strahlen uns bereits Parcels¬†entgegen, die mir von ihrem Auftritt von vor zwei Jahren in Erinnerung blieben, als sie mit ihrer B√ľhnendeko um die Wette funkelten. Heute strahlen die f√ľnf Einf√§ltigen erneut mit ihren liebenswert unabgedroschenen Ideen von Popmusik. Auf der Atominob√ľhne sorgt Fil Bo Riva f√ľr unaufgeregte, mediterrane Melodiebetten zum Abschweifen – der Albumtitel Beautiful Sadness wird zum lichtsimmungsvollen Programm.¬†Von Wegen Lisbeth lassen sich von rosafarbenen Luftballons und lauten Chorges√§ngen ank√ľndigen. Die Hauptb√ľhne bebt im Takt von¬†Wenn Du Tanzt und all den anderen eing√§ngigen Klanggeschichten, f√ľr welche die bunte Gruppe sich so auszeichnet. Leider Gottes muss ich schon los, weil mich in meiner Heimatstadt noch eine Hochzeit von Bekannten erwartet. Ich verpasse all die sch√∂nen Performances von¬†Blond,¬†KIZ,¬†Lari Luke und den¬†Drunken Masters, die mir im nachhinein als legend√§r und gro√üartig berichtet werden sollen. Ich h√∂re noch von Sch√ľchternheit w√§hrend des sp√§tabendlichen Karaokes und viel herzerw√§rmenden, neuen Bekanntschaften.

So warm l√§sst der Samstagsonnenuntergang das Kosmonautfestival ausklingen. Das wundervoll gestaltete Festival mit den lieben Leuten und dem abwechslungsreichen Lineup aus Musik, Unterhaltung und Podcast, bezaubert mit Glitzer und gutem Essen – verdiente 10 von 10 Eist√ľten mit Schoko-Streuselrand. Gern sehen wir uns im n√§chsten Jahr wieder!

#KOSMONAUT19 Aftermovie ūüöÄūüĎĹ

Erst mit einem Klick auf das Vorschaubild wird das Video von YouTube eingebunden. Klicke nur, wenn du der Datenschutzerklärung zustimmst.
Weblinks KOSMONAUT FESTIVAL 2019:

Homepage: www.kosmonaut-festival.de
Facebook: www.facebook.com/kosmonautfestival
Twitter: twitter.com/kosmonautfstvl
Instagram: www.instagram.com/kosmonautfestival
Youtube: www.youtube.com/channel/UCvXYcdUGEvo_u2nJc9IL1Aw

Fake

Preis: EUR 13,98

(0 Kundenbewertungen)

17 neu & gebraucht ab EUR 8,83

Geschrieben von
Mehr von Claudia Helmert

DRANGSAL – Leipzig, UT Connewitz (29.11.2018)

Der Glanz eines Popkonzertes am verregneten Novemberdonnerstag. Die wundervollen Gemäuer des Leipziger...
Weiterlesen