COME TO THE WOODS РDresden, Konzertplatz Weißer Hirsch (22.06.2019)

Woods Of Birnam, © Claudia Helmert
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Der warme Samstagnachmittag lud zu einer Reise bergauf zum Konzertplatz „Wei√üer Hirsch“ ein: Eine √ľberf√ľllte Stra√üenbahn best√§tigte uns in unserem Timing, und ein kurzer Fu√ümarsch in Richtung des bezaubernd geschm√ľckten Eingangsbereichs stimmten positiv. Die gro√üen Buchstaben C O M E T O T H E W O O D S lie√üen wir hinter uns, um schnell die Wand an Sicherheitskr√§ften neben der Kasse zu durchwandern. Vorbei an den Toiletten leuchtete die leicht abgesenkte Waldlichtung mit der wundersch√∂nen B√ľhne, den liebevoll gestalteten Sitzgelegenheiten im Publikumsbereich sowie der umfassende Getr√§nke- und Speisenauswahl vor uns auf. √úberall funkelte Detailverliebtheit und Gestaltungsdrang.

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Nahezu p√ľnktlich betrat Christian Friedel die B√ľhne, um den sommerlichen Festivaltag zu er√∂ffnen. Der zur Zeit in Dresden und D√ľsseldorf agierende Schauspielende schien so entspannt wie gut gelaunt angesichts der gro√üen Anzahl an Musikinteressierten, die sich vor der B√ľhne tummelten. And The Golden Choir verbindet mit der Gastgebergruppe die gemeinsamen Debutalbumaufnahmen, indem S√§nger Tobias Siebert jenes Werk produzierte. Nun lachte er dort mit seiner Livegruppe und performte gro√üe, weitschweifende, erf√ľllende Klangbetten, die viel mehr Ruhe und Besonnenheit bedurften, als es der feierlustige Pulk zu diesem fr√ľhen Zeitpunkt bieten konnte. Der stimmliche Nachhall, der Applaus und die Wertsch√§tzung waren gro√ü.

Anschlie√üend daran erfolgte ein flinker Umbau auf den tief-scheinenden B√ľhnenbrettern und erneut betrat der in Magdeburg geborene Kunstschaffende die B√ľhne, um den folgenden Auftritt einzuleiten.¬†√ĄTNA ist ein Duo aus Dresden, mit dessen S√§ngerin Christian Friedel bereits zusammenarbeitete. Im Rahmen der freundschaftlichen Bandauswahl des Festivals wolle er den beiden einen Raum geben, um das Publikum von ihrer Gro√üartigkeit, der Zusammenwirkung aus Stimme und Livedrums, zu √ľberzeugen. Die bezaubernde Stimme wurde jedoch zumeist von der Autotune-Wirkung gebremst, aber die Musik trieb und t√§nzelte total. Die Sonne ging langsam unter und im warmen Licht bzw. den durchbrochenen Schatten der Baumwipfel wirkte die Beleuchtungsstimmung auf den wei√üen Luftballons im Hintergrund bildhaft. Fasziniert von alledem und den modernen Musiken der jungen K√ľnstler f√ľhlte sich der Sommer herrlich unbeschwert an.

Alltagsvergessen stand schon der dritte Act des Abends an. Der S√§nger von Woods of Birnam bem√ľhte sich erneut um eine √úberleitung, um den Bogen zu Hundreds¬†zu spannen. Die Gruppe, die an einem neuen Album zu arbeiten scheint, wirkte fr√∂hlich und gelassen. Die sch√∂nen Musizierenden wurden mit gro√üem Applaus empfangen und gr√∂√üerer Euphorie und Wohlwollen entlassen. Zwischendrin passierten vereinnahmende Melodien, die sich nicht aufdr√§ngten, in den ersten Momenten unaufgeregt wirkten und gerade dadurch anzogen. Gab man sich dem leidenschaftlich performenden Trio hin, erkannte man unumg√§nglich die von Musik transportierten Emotionen in ihrer Vielzahl an Facetten. In aller Ruhe passierten die T√∂ne vor der gro√üen Lichtkulisse, im vorbeischweifenden Nebelschwaden und bauten ein akustisches Kunstwerk.

Zum Ende schloss sich der Auftritt der Gastgebenden und Namensinitiierenden Gruppe Woods of Birnam¬†an. Die Herren, die auch die gro√üe Theaterb√ľhne gewohnt sind, traten mit einigen zus√§tzlichen Musikerinnen und Musikern auf. Jene sollten besonders im Zuge des Songs (bzw. des vertonten Werkes von Shakespeare)¬†Under The Greenwood Tree ihren Raum f√ľr G√§nsehaut und Mitsingch√∂re erhalten. Motiviert, auf die gute Stimmung des freudigen Publikums einzugehen, folgte ein Song auf den n√§chsten, um eine Mischung aus der Diskographie und dem Abwechslungsreichtum der Popband abzubilden. Durch die abnehmende Strahlkraft der Sonne innerhalb der Waldlichtung gewannen das Beleuchtungbild und die B√ľhnenkonstruktion an enormer Wirkung. Nunmehr wurden die Sitzpl√§tze im hinteren Bereich des Dresdner Konzertplatzes frei, auch an den sch√∂nen H√§ngen fanden sich Pl√§tze, um dem Spektakel zu lauschen. Fasziniert davon und der Ausgelassenheit, die bereiteten Seifenblasen sowie Leuchtutensilien der Festivalbesucherinnen und -besucher, stellte sich ein wohliges Gef√ľhl von Aufgehobensein ein, ein r√ľcksichts- und liebevolles Gedr√§nge unmittelbar vor der B√ľhne. Die K√ľnstler auf der B√ľhne schwitzten gl√ľcklich. Zum Abschluss ist die Sonne bereits untergegangen, der Applaus und die wertsch√§tzenden Rufe hallen lange nach. Was f√ľr ein wundervoller Konzertabend.

Weblinks WOODS OF BIRNAM:

Homepage: www.woodsofbirnam.com/
Facebook: www.facebook.com/birnamwoods/

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