NEAR EARTH ORBIT – Artificial Intelligence

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Unsere Bewertung:


10

Gesamtnote

10

„Surpass the limitations of mankind 
“ (Deus Ex Machina)

TrĂ€umen Androiden von elektrischen Schafen? KĂŒnstliche Intelligenz ist das zentrale Thema des gleichnamigen neuen Albums des Berliner-Wiener Kooperationsprojektes Near Earth Orbit. Und obwohl es in Philip K. Dicks Roman vorrangig nicht um Intelligenz als Unterscheidungskriterium zwischen Maschinen und Menschen geht, sondern um Emotion und Empathie, war es vor allem diese Geschichte, die mir beim Hören des Albums nicht aus dem Kopf ging. Heute weiß man auch, dass sich Emotionale Intelligenz von der konventionell geglaubten nicht trennen lĂ€sst. Dass diese ebenso messbar ist und somit durchaus eine Eigenschaft, ein Ausdruck kĂŒnstlicher Intelligenz sein kann. Das ist es auch, was Artaud Seth und Ashley Dayour möglicherweise mit dem Song Humanoid zum Ausdruck bringen wollten. Das VerhĂ€ltnis zwischen menschlicher und kĂŒnstlicher Intelligenz wird eine Symbiose sein, eine neue Stufe von Evolution vielleicht sogar, jenseits unserer körperlichen Grenzen. Und das beinhaltet auch Dicks melancholische Vision, die so treffend in der fiktiven filmischen Fortsetzung Blade Runner 2049 aufgegriffen und weitererzĂ€hlt wurde.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Das Schicksal der Menschheit innerhalb dieser hier nun vorliegenden Geschichte indes ist ungeklĂ€rt. Es ist eine Herausforderung ungleich hoher Verantwortung, und deshalb so machtvoll. Es ist Abenteuer, es ist ihr vielleicht letzter Weg. Er scheint unausweichlich. So sehen es zumindest Near Earth Orbit. Und als dystopische Zukunftsmaler blicken sie in ihre Neonplexiglaskugel, denn auch das Jahr, in dem uns die Maschinen ĂŒberflĂŒgelt haben, steht bereits fest: 2034.

„The one who will excel in artificial intelligence will be the master oft he world.“ (Putin, PrĂ€sident der Russischen Förderation, Erde, 2017)

Die ErzĂ€hlung beginnt 2031, einem Jahr, in dem die menschenĂ€hnlichen Maschinen zum ersten Mal das Intelligenzlevel von Menschen erreichen und beginnen sich mit ihnen zu vernetzen (Deus Ex Machina). Harsche, industriell stampfende Beats dominieren das erste StĂŒck, in dem sich A. I. das erste Mal von seinen Schöpfern löst und ein Eigenleben zu fĂŒhren scheint. Ehemalige Kontrollinstanzen werden zu den Kontrollierten, integriert in einen neuen technisierten Leib (Future A. I.). All das erreicht seinen vorlĂ€ufigen Höhepunkt in Singularity, einem nun körperlosen Zustand absoluten FunktionalitĂ€t, der Quintessenz von Intelligenz, in dem sie maximale Effizienz erreicht – hier trifft kĂŒnstliche Intelligenz auf die SpiritualitĂ€t des rein Technischen. Ein Song voller beunruhigender Ruhe. Hier startet etwas völlig Neues.

„Everything that civilisation has to offer is a product of human intelligence: We cannot predict what we might achieve when this intelligence is magnified by the tools that A. I. may provide. But the eradication of war, disease, and poverty would be high on anyone’s list. Success in creating A. I. would be the biggest event in human history unfortunately, it might also be the last.“ (Stephen Hawking, Erde, 2014)

Artificial Intelligence ist das intelligenteste Album, das Near Earth Orbit bisher vorgelegt haben. So beackert das Feld der A. I. auch ist, hatten Artaud Seth und Ashley Dayour auch eigentlich keine andere Möglichkeit, als sich der Thematik aus einem neuen Blickwinkel, so wohl ĂŒberlegt, elegant, kreativ und einfallsreich zu nĂ€hern. Und so verkommt ihre Sicht auf einen Sachverhalt, der bereits jetzt unser aller Alltag, Gegenwart und Zukunft ist, nicht zur hohlen moralisierenden Mahnung oder geschmacklos brutalen Horrorvision, sondern wird zu einem dystopisch spirituellen wie musikalischen Hochgenuss. Dabei merkt man den KĂŒnstlern ihren Faible fĂŒr Science Fiction, Cyber-Punk, PrĂ€-Astronautik genauso an, wie ihre jahrzehntelange Erfahrung in unterschiedlichsten Musikgenres und ihre Verneigung vor diesen Leidenschaften in der FĂ€higkeit diese gebĂŒhrend zu transportieren.

Gerade musikalisch legen Near Earth Orbit dieses Mal noch eine ordentliche Schippe drauf, in dem sie ihr Songwriting mehr öffnen, AtmosphĂ€re und Stimmungen noch einmal deutlicher nach außen tragen. So ist der Sound noch einmal dröhnender und bombastischer, wenn es darum geht die Konfrontation der bedrohlichen Übermacht und des eindeutigen Schicksals zu umschreiben. Die StĂŒcke sind weniger ambientlastig, dafĂŒr gitarrendominierter und deutlicher auf den Punkt als noch auf der End Of All Existance Trilogie. Im Song Humanoid, den man in Verbindung mit dem dazugehörigen Video, einfach nur als Geniestreich bezeichnen kann, ist zum ersten Mal auch die Stimme von Aeleth Kaven (La Scaltra) zu hören. Diese setzt so zerbrechlich wie wehmĂŒtig melancholisch den Kontrapunkt zu all der rationalen Ausweglosigkeit und lĂ€sst uns in der KĂ€lte der technisierten Welt den Rest von Empathie erkennen, der in anderer Form weiterexistieren wird, unabhĂ€ngig vom Schicksal der Menschheit. Großartig.

Artificial Intelligence ist am 15.MĂ€rz bei Solar Lodge erschienen.

Anspieltipps: Neuromancer, Humanoid, Singularity

NEAR EARTH ORBIT – HUMANOID

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Tracklist NEAR EARTH ORBIT – Artificial Intelligence:

01. Deus Ex Machina
02. Future A.I.
03. Singularity
04. Neuromancer
05. I.R.I.S. Unveiled
06. Humanoid
07. The Vessel
08. The Ancestors

Artificial Intelligence (ltd. edition)

Preis: EUR 19,99

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Weblinks NEAR EARTH ORBIT:

Official: http://www.nearearthorbit.org
Facebook: https://www.facebook.com/NearEarthOrbit/

Geschrieben von
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