ROME & ATLAS BIRD – Hamburg, Nochtspeicher (22.03.2019)

Rome © Thomas Papenbreer
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Ziemlich exakt ein Jahr ist es her, da waren wir schonmal hier und langsam kriege ich den Bogen raus: Es gibt einen Unterschied zwischen der Nochtwache und dem Nochtspeicher. Verfolgten wir letztes Jahr das Konzert von J√©r√īme Reuter noch im Keller (also der Nochtwache), sind wir dieses Jahr auf dem Dachboden von Bernhard Nocht (also eine Etage dr√ľber), dem Namensgeber dieses Hamburger Clubs, der sich in der N√§he vom Bahnhof Dammtor in den R√§umlichkeiten des ehemaligen Erotic-Art Museums befindet. Wir sind wieder mal sp√§t dran. Der Verkehr der Hansestadt ist und bleibt was f√ľr Masochisten.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Und so entern wir den Speicher auch erst, als Atlas Bird bereits mitten in ihrer Version des Winehouse Songs Back To Black stecken. Die sehr junge Band aus Leipzig performt eine wohltuende Mischung aus Art-Pop, Alternative Rock und Post Rock und sortiert sich immer wieder neu studentisch zur√ľckhaltend vor dem Instrumentarium des Hauptacts. Und nun tut es mir wirklich leid, dass wir erst so sp√§t Teil der Szenerie geworden sind. Denn was die drei jungen M√§nner da machen, spricht an, verzaubert und verlangt nach Fortsetzung. Der Song Voyage ist eine vertr√§umte, wie vielschichtige Post-Rock Hymne, die nachhallt und Wehmut freisetzt. Ein Hit!

Setlist ATLAS BIRD @ Hamburg, Nochtspeicher (22.03.2019):

01. Mona Of Light
02. Waves
03. Clarity
04. Back To Black
06. Fortress
07. Voyage

J√©r√īme Reuter tourt aktuell mit Le Ceneri Di Heliodoro, dem 13. Album in einer 13-j√§hrigen beispiellosen Bandgeschichte. Das „europ√§ische“ Album, das bereits jetzt in einem Atemzug mit dem Klassiker Flowers From Exile genannt wird, brachte den K√ľnstler zu seinen musikalischen Wurzeln zur√ľck und wirkt insgesamt geerdet. Inhaltlich richtet es seinen Blick recht deutlich und mit ambivalenten Gef√ľhlen auf den kleinen, alten Kontinent, der seit einigen Jahren und tagesaktuell wieder Schicksalszeiten durchlebt. Das gediegene Publikum, das alle denkbaren Schattierungen von schwarz enth√§lt, dr√§ngt sich erwartungsvoll vor der B√ľhne. Der Nochtspeicher ist heute trotz erheblicher Bef√ľllung angenehm ruhig und auch der nebenbei laufende Thekenbetrieb und die Gesch√§fte am Merch laufen leise nebenbei. Auch so kann‚Äôs gehen. Schade, dass man das √ľberhaupt hervorheben muss.

Herr Reuter nebst Verst√§rkung wirkt dann selbst auch entsprechend aufger√§umt und es gibt, wie zu erwarten, einen h√ľbschen Ausflug durch die Diskographie romeischen Schaffens. Klar, das muss man nicht weiter erw√§hnen, hier kann der Luxemburger aus den Vollen sch√∂pfen. Klar ist dar√ľber hinaus auch, dass man da nicht alles spielen kann, was der eine oder andere als seinen pers√∂nlichen Evergreen auserkoren hat.Bei Rome, wir wissen es, sind es ja eher die alten St√ľcke, die meist die meisten in Verz√ľckung versetzen. Ein Umstand, der bei der gleichbleibend hohen Qualit√§t des Outputs doch schon in Verwunderung zu versetzen vermag. Dieser kommt indes obendrein in einer so hohen Schlagzahl, dass wom√∂glich nicht jeder Schritt kann.

Und so lie√ü sich zum einen der Set-List schon anmerken, dass mein pers√∂nliches Lieblingsalbum Hall Of Thatch (2018) nur mit einem Song (Blighter) vertreten war. Offenbar konnte sich der dort verarbeitete etwas eigenwillige Stil auch live nicht so gut durchsetzen. Und auch die Vertreter des neuen Albums Uropia O Morte, One Lion‚Äôs Roar, The West Knows Best, Who Only Europe Knows, jedes f√ľr sich eine epische Hymne, werden wohl noch eine Runde on stage drehen m√ľssen, bis sie live die W√ľrdigung erlangen, die sie verdienen.

Selbstverst√§ndlich gab es auch wieder neues Material.¬†√Ąchtung Baby! und¬†Kali Yuga √úber Alles weisen schon den Weg zum n√§chsten Album. Rome sind eben Workaholics. Sp√§testens bei der Zugabe, den Neue(n) Erinnerung(en) und Swords To Rust ‚Äď Hearts To Dust kamen dann auch altgediente Fans auf ihre Kosten. Sch√∂n war es, wie immer. Was braucht man schon mehr, als einen guten Text, einen Gin Tonic und einen Mann mit Gitarre, der ein ganzes Meer aus Melancholie und tiefen Geist in seiner Stimme tr√§gt. Danke J√©r√īme! Ob Wache, ob Speicher, wir sehen uns im n√§chsten M√§rz wieder.

Setlist ROME @ Hamburg, Nochtspeicher (22.03.2019):

01. Sonnengötter (Intro)
02. Secret Germany
03. Celine In Jerusalem
04. Blighter
05. Like Lovers
06. √Ąchtung Baby!
07. The Spanish Drummer
08. Uropia O Morte
09. Sons of Aeeth
10. L’homme Révolte
11. Skirmishes For Diotima
12. One Lion‘ s Roar
13. Kali Yuga √úber Alles
14. A Farewell To Europe
15. The West Knows Best
16. Who Only Europe Know
17. Our Holy Rue
18. One Fire (Z)
19. Neue Erinnerung (Z)
20. Swords To Rust – Hearts To Dust (Z)
21. Les Hirondelles (Z)

Weblinks ROME:

Official: https://www.rome.lu
Facebook: https://www.facebook.com/romeproject/

Weblinks ATLAS BIRD:

Official: http://atlasbird.com
Facebook: https://www.facebook.com/atlasbirdmusic/

 

Bildergalerie: Thomas Papenbreer

Geschrieben von
Mehr von Katja Spanier

SOL INVICTUS ‚Äď Necropolis

Moritaten von einer sterbenden Metropole Die London Necropolis Railway verband einst den...
Weiterlesen