STICK TO YOUR GUNS – Köln, Essigfabrik (11.12.2017)

Fotos: VAINSTREAM ROCKFEST 2016
Vainstream Rockfest © Jan Focken
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Welcome to the hardcore show!

Noch bevor die Tour zu Ende war, gab es schon eine Zugabe, und zwar in Form der Zusatzshow in Köln. An einem Montagabend war die Essigfabrik nur einen Tag nach dem ursprünglichen Tour-Ende wieder gut besucht – nicht ausverkauft oder voll, aber einer Zusatzshow durchaus würdig.

Silent Planet eröffneten den Abend mit ihrer ausbalancierten Mischung aus Shouts, Gesang, Groove und epischen Melodien. Montage können wesentlich schlimmer sein; das war eine willkommene Ouvertüre für eine abwechslungsreiche Nacht. “Welcome to the hardcore show!” begrüßten dann First Blood gut gelaunt den Saal, der sich weiter füllte. Und das war keine leere Versprechung oder gar Attitüden-Hülse: Es gab mit straightem Hardcore im Stile von Sick of it all ordentlich auf die Umme: Upbeats, Groupshouts – no bullshit. Zwar etwas redundant – stumpf ist trumpf – aber durchaus unterhaltsam.

Für die größte Abwechslung, ja fast schon einen Bruch, sorgten in der Folge Being As An Ocean. Deren Midtempo lastige Soundwand ist garantiert ein Erlebnis für zu Hause. An diesem Abend fühlte sich das eher wie eine Bremse an. Der Gesang on point, das Songwriting aber zu eintönig und eindeutig zu entschleunigend. Abwechslung auf einem Konzert mit vier Bands ist jederzeit willkommen, denn nichts ist schlimmer als vier Mal nahezu dieselbe Show mit denselben musikalisch-emotionalen Beats.

Aber es machte sich durchaus etwas Langeweile breit, bis Stick To Your Guns die Bühne enterten. Zwar sichtlich müde angesichts der vergangenen EU/UK-Tour, aber noch lange nicht satt. “Welcome back to the hardcore show!”, flüsterte mir eine imaginäre Stimme zu. Der sympathische Fünfer aus Kalifornien legte emotional und dynamisch mit dem Opener des aktuellen Albums True View los und ließ darauf die hitverdächtigsten Titel der Veröffentlichung folgen.

Shouter/Sänger Jesse Barnett zeigte sich dankbar und gerührt, die Möglichkeit eines zusätzlichen Gigs zu bekommen. Wie gewohnt, ließ er sein Publikum an seinem Innenleben teilhaben, erklärte die Songs und tauschte sich so mit den interessierten Fans auf der Bühne über Politik und sonstige Probleme des Lebens aus. Hardcore mit Wut im Bauch und der Faust in der Luft. Vorne meist das Jungvolk, das sich gerade frisch am Merchandise-Stand eingedeckt hatte, weiter hinten die Punk- und Hardcore-Opas (ich mittendrin!) in ausgewaschenen Madball-Shirts. Mit voranschreitender Trackzahl gesellten sich immer mehr ältere Songs von den Alben Diamond und Disobedient dazu -ganz zur Freude aller Anwesenden.

Die Melodie-Parts überließ Jesse wie üblich dem moshenden und stagedivenden Publikum. Nach diversen Circle-Pits, jedoch auch besinnlicheren Songs gab es den krönenden Abschluss mit Amber und Against Them All. Jungvolk sowie Szene-Dinos mit dem breitesten Lächeln seit dem WM-Gewinn 2014, singend, gröhlend. Blut, Schweiß, Emotionen – gotta love the hardcore scene.

Am Ende war es dann eine Riesen-Party, die die Crowd teilweise auf der Bühne feierte. Sänger Jesse hatte sich bereits längst vom Mikrofon verabschiedet und den sichtlich angetanen Fans überlassen. Die rockten gemeinsam mit der Band die Show zu Ende. Da bleibt mir nur, die Band selbst zu zitieren, die stets die Werte der Szene und des Zusammenlebens betont: “Let’s keep this necessary artform alive!

Foto: Jan Focken (Archiv)

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