NOYCEℱ – Love Ends

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung:


9 Texte

8 Musik

9 Sound

8.7

Neues von Noyceℱ und das bedeutet in den letzten Jahren fĂŒr mich auch immer einen der wenigen GrĂŒnde, mir mal wieder ein Electro-Pop Album anzuhören. Langweilen mich die meisten Genrevertreter zuletzt doch zusehends immer mehr, so ist das Projekt um Mastermind Florian SchĂ€fer immer wieder ein heller Stern am sonst sich stets zunehmend verdunkelnden Electro-Pop-Himmel. Das war, nachdem es seit 2011 Veröffentlichungsseitig still geworden war, bei der Fall[Out]-EP 2015 der Fall und gilt jetzt auch ebenso fĂŒr das erste Album seit mehr als 6 Jahren: Love Ends. Denn auch auf diesem wird einem wieder mal bewusst, dass man die Liebe eines Musikers zur Musik eben doch hören kann!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Ein schriller Ton kĂ€mpft sich beim ironischerweise …at the End getauften Eröffnungsintro den Weg in den Vordergrund, bevor er von dĂŒsterer Stimmung immer mehr abgelöst wird. Ein wirklich toller Start mit viel melancholischer AtmosphĂ€re, die die DĂŒsseldorfer auch in der Folgezeit durchaus weiter konservieren können, auch Dank der starken Leistung des fĂŒr den Sound verantwortlichen Teams um Adrian Le Monde, John Fryer (Depeche Mode, NIN) und Rotersands Krischan Wesenberg. Traditionell gelingt Noyceℱ der Spagat aus schönen Melodien und vertrackter Electronic stets sehr gut. Musikalische Ähnlichkeiten zu Diary Of Dreams und Diorama (in den dunkleren Phasen) oder Melotron (bei ruhigeren StĂŒcken) kommen einem in den Sinn, doch haben sich die RheinlĂ€nder durchaus ihre eigene Nische gesucht und in der fĂŒhlen sie sich spĂŒrbar wohl, was auch an der einfĂŒhlsamen, warmen Stimme von SĂ€nger Florian liegt. Und klingt der eine oder andere Song zwar zunĂ€chst noch Ă€ußerst poppig, so gibt es auch bei diesen Songs bei mehrfachem Hören noch immer Neues zu entdecken, denn nicht jede Klangspielerei wird sogleich vom Ohr wahrgenommen und verarbeitet, vom Text ganz zu schweigen. Der stĂ€ndige Wechsel von englisch- und deutschsprachigen Songs ist ein weiteres Stilmittel der KlangtĂŒftler und gerade bei den deutschen Texten gelingt es ihnen, sich dem bei vielen anderen Act sonst recht schnell einschleichenden Kitsch zu entziehen und Lyrics zu erschaffen, die nicht peinlich klingen und zudem wie bei Heimat auch immer wieder eine starke Message besitzen. Noyceℱ scheuen sich nicht auch Politisches in ihre Arbeit einfließen zu lassen und zeigen sich als gute Beobachter einer Gesellschaft, die immer mehr mit sich selbst beschĂ€ftigt ist, immer egoistischer zu werden scheint und der es immer mehr an dem berĂŒhmten Blick ĂŒber den Tellerrand mangelt. So stellt gerade das angesprochene Heimat einen wundervollen Gegenpol zum Populismus der WutbĂŒrger dar, denn Noyceℱ gehen die FlĂŒchtlingsthematik mal von der anderen Seite an, hetzten nicht gegen die, die anderen angeblich ein StĂŒck Heimat streitig machen wollen, sondern beleuchten vielmehr die GefĂŒhlswelt derer, die ihre Heimat bereits durch Flucht verloren haben. Den besorgten BĂŒrgern und den sie bestĂ€rkenden Social Media Mechanismen ist dafĂŒr Kaltland gewidmet und stellt ihnen verdienterweise kein gutes Zeugnis aus. Die klare Note 1 erhĂ€lt hingegen die bereits schon bekannte Vorabsingle Fall[Out], die auch nach 2 Jahren nichts von ihrer musikalischen Schönheit verloren hat, wohingegen es einem beim nachfolgenden Die Ungeliebten spĂŒrbar kalt den RĂŒcken herunterlĂ€uft. „Das UnglĂŒck der Welt geht von den Ungeliebten aus“ ist die Quintessenz aus den hier dĂŒster aufgezĂ€hlten Daten schlimmster Untaten, wie den AnschlĂ€gen von Paris, AmoklĂ€ufen oder dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Es fehlt leider einfach oftmals an Menschlichkeit wie Mensch[en], eine Neuinterpretation des Klassikers Mensch, besonders deutlich macht.

Ganz am Ende steht mit Love Ends der Titeltrack und vordergrĂŒndig die vollkommene Resignation, doch haben Noyceℱ die Menschheit ganz sicher nicht aufgegeben, sondern malen ein erschĂŒtterndes Bild unserer Zeit in der Hoffnung, dass sich die Menschheit wieder auf jenen Antrieb verlegt, der seit jeher das Beste im Menschen heraufbeschworen hat: Liebe! Make Love Not War und wenn sich noch mehr Menschen so einfĂŒhlsam und reflektiert zeigen wĂŒrden wie die Jungs von Noyceℱ, dann wĂ€re dies sicher auch wieder machbar. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt oder wie Noyceℱ es zum Schluss ausdrĂŒcken: „Die Liebe endet, aber die Hoffnung bleibt“!

Love Ends

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3.8 von 5 Sternen (5 Kundenbewertungen)

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Tracklist NOYCEℱ – Love Ends:

01. 
at the End
02. Sense of Despair
03. Heimat
04. Brave New World
05. Propaganda
06. Kaltland
07. Fall[out] 08. Die Ungeliebten
09. Mensch[en] 10. Zertrennlich
11. The World Is Quiet
12. Love Ends

Geschrieben von
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