Interview: MESH (Richard Silverthorn)

Gesch├Ątzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Mit Live at Neues Gewandhaus Leipzig ist es Mesh erstmalig gelungen, mit einem Live-Album in die Album-Charts einzusteigen. Dabei ist es kein gew├Âhnliches Live-Album, denn ÔÇô wie der Titel schon andeutet ÔÇô hier wurde im Rahmen des Festivals Gothic Meets Klassik im Jahr 2015 ein Auftritt mit Orchester aufgenommen. Neben den f├╝nf aufgef├╝hrten Live-St├╝cken haben die Musiker das Album noch um drei sp├Ątere Studio-Aufnahmen erg├Ąnzt und nun k├╝rzlich ver├Âffentlicht. Wir haben der Band zur Ver├Âffentlichung einen Schwung Fragen geschickt, die Keyboarder Richard Silverthorn uns gerne beantwortete.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Auch wenn die Show jetzt schon ├╝ber zwei Jahre zur├╝ckliegt… Ich w├╝rde gerne zu Beginn wissen: Wie kam es, dass Ihr die Gelegenheit hattet, dieses spezielle Konzert zu spielen?
Nun, ich hab die Klassik-Show von VNV Nation gesehen und dachte mir ÔÇ×wow, was f├╝r eine gro├čartige IdeeÔÇť. Ich hab Ronan eine Nachricht geschickt, kurz nachdem ich dachte, wie stark die Show war. Zu der Zeit hatte ich noch gar nicht realisiert, dass das ja ein j├Ąhrlicher Event ist. Einige Jahre sp├Ąter habe ich eine Anzeige daf├╝r gesehen und gedacht: ÔÇ×Warum wurden wir noch nicht gefragt?ÔÇť Ich habe unseren Tourmanager angerufen, der wiederum den Promoter der Veranstaltung angerufen hat. Binnen Minuten kam er aufgeregt mit einem ÔÇ×JaÔÇť zur├╝ck. So kam das urspr├╝nglich.

Was war Euer erster Gedanke, als Ihr von der Klassik-Show erfahren habt?
Wir f├╝hlten nat├╝rlich geehrt zu Beginn, aber dann kam auch schnell der Gedanke ÔÇ×wow, wir m├╝ssen da echt etwas Besonderes machen, damit das funktioniertÔÇť. Ich hatte das Gef├╝hl, dass viele unserer St├╝cke in einer orchestrierten Version super klingen w├╝rden, aber die richtigen auszusuchen und sie entsprechend umzusetzen, war ziemlich schwierig.

Wenn Du nun an die Anf├Ąnge Eurer Karriere zur├╝ckdenkst: Wie h├Ąttest Du vor reagiert, wenn Dir jemand gesagt h├Ątte, dass Du in 25 Jahren eine Show mit Orchester spielst?
Ich h├Ątte ihm niemals geglaubt. Selbst wenn Du das vor ein paar Jahren gefragt h├Ąttest, h├Ątte ich dieselbe Antwort gegeben. Ich denke, im tiefsten Inneren ist es der Traum jedes Musikers, in dieser Position zu sein. Ein Orchester zu haben, das spielt, was du geschrieben hast, ist ein erstaunliches Gef├╝hl.

Nun ist die Scheibe drau├čen… Wenn ich etwas ketzerisch frage: Warum hat es ├╝ber zwei Jahre gedauert, um nach der Show die Platte herauszubringen? War es wegen der drei Studio-Tracks?
Gute Frage… Ich pers├Ânlich wollte es so schnell wie m├Âglich herausbringen, aber das Problem war, das wir die Looking Skyward gerade so gut wie fertig hatten, die Vorrang hatte. Wir haben dann abgewartet, bis sie drau├čen war und die ganze Promo- und Pressearbeit durch war. Dazu geh├Ârten auch viele Shows in ganz Europa. Nachdem sich das alles gelegt hatte, haben wir angefangen, am Klassik-Album zu arbeiten, die Fotos zusammenzutragen, die Aufnahmen zu mixen… Dann kam uns die Idee, zus├Ątzliches Material in Form der drei Studio-St├╝cke zu erg├Ąnzen. Zu guter Letzt dachten wir, dass sich das Album wie ein Winter-Album anf├╝hlt und nicht im Sommer erscheinen soll.

Als Ihr damals die Show vorbereitet habt: Wie habt Ihr ausgesucht, welche St├╝cke Ihr live spielen m├Âchtet?
Das Vorgehen ist, dass man acht St├╝cke ausw├Ąhlt und rausschickt, von denen f├╝nf f├╝r die Veranstaltung ausgew├Ąhlt werden. Wir mussten da lange und scharf dr├╝ber nachdenken, welche St├╝cke wir w├Ąhlen, da wir einen gro├čen Back-Katalog haben. Statt nur die offensichtlichen popul├Ąren St├╝cke unserer Laufbahn zu w├Ąhlen, haben wir ├╝berlegt, welche sich am meisten f├╝r eine orchestrale Umsetzung anbieten. Wir haben mit Save Everyone sogar eine B-Seite unserer Singles ausgew├Ąhlt.

Ich denke, es war einiges umzuarrangieren f├╝r Euch, als Ihr die Show vorbereitet habt. Habt Ihr vielleicht w├Ąhrend der Proben sogar selbst neue Aspekte an Euren St├╝cken entdeckt?
Um ehrlich zu sein, war das alles sehr einfach f├╝r uns. Conrad Oleak ist derjenige, der alle orchestralen Arrangements gemacht hat. Er hat direkt eine Verbindung zu den St├╝cken aufbauen k├Ânnen, was es ihm einfach gemacht hat. Als er uns die St├╝cke zur Genehmigung geschickt hatte, hat uns das absolut umgehauen. Es gab nur minimale ├änderungen unsererseits, aber es klang ├╝berw├Ąltigend. Ich erinnere mich sehr gut, wie wir da nachts sa├čen, uns diese cineastischen Arrangements (teilweise nah an James Bond) anh├Ârten und dachten, dass das tats├Ąchlich wir geschrieben haben. Das war ein tolles Gef├╝hl. So ging das alles recht fix zusammen.

War es f├╝r Euch im Hinblick auf kommende Werke inspirierend, die St├╝cke umzuarrangieren?
Ja, definitive. Wenn ich schreibe, nutze ich oft Streicher-Kl├Ąnge und orchestral inspirierte Sounds, um einen breiten Klang herzustellen. Das in echt zu haben war fantastisch. Als wir Conrad in seinem Studio in Berlin getroffen haben, erw├Ąhnte er die M├Âglichkeit, auch in der Zukunft mit ihm zusammenzuarbeiten und vielleicht einige gesamplete und elektronische Streicher durch echte zu ersetzen. Er war zum Gl├╝ck sehr begeistert.

Wie habt Ihr die Show r├╝ckblickend selbst empfunden?
Als wir losgingen zur B├╝hne raus war ich glaub ich so nerv├Âs wie sonst nie vor einer Show. Die Atmosph├Ąre und die Akustik im Gewandhaus war umwerfend. Sich umzusehen bei einem stillen Publikum, das die ersten Noten erwartet, ist etwas, das ich nie vergessen werde. Die Sitz-Anordnung ging rund um die B├╝hne. Nachdem es losging f├╝hlte es sich an, als w├Ąren es nur ein paar Minuten gewesen. Ich glaube, wir konnten das in dem Moment gar nicht richtig w├╝rdigen, wie gut das klang, bis das Publikum begeistert aufsprang und uns Standing Ovations gab.

Wann hattet Ihr die Idee, es als Album zu ver├Âffentlichen?
Ich denke, wir und unsere Plattenfirma wussten, dass das eine M├Âglichkeit ist, etwas komplett anderes von uns zu ver├Âffentlichen, aber wir waren uns nicht sicher, ob es funktioniert. Wir haben sichergestellt, dass die komplette Veranstaltung professionell aufgenommen wird und hofften, dass es okay klingt. Direkt als wir fertig waren, waren die Reaktionen von allen, die an dem Abend vor Ort waren, so gut, dass wir wussten, dass wir es ver├Âffentlichen m├╝ssen.

Nach der Entscheidung: Wie habt Ihr ausgew├Ąhlt, welche drei weiteren St├╝cke noch zur Ver├Âffentlichung erg├Ąnzt werden sollen?
Wir hatten die Idee, ein paar der neuen St├╝cke der Looking Skyward zu nutzen, weil wir wussten, dass zur Ver├Âffentlichung des Orchester-Albums die Looking Skyward bereits drau├čen ist. Zudem schlug jemand Can You Mend Hearts von der We Collide vor, was wir f├╝r eine gute Idee hielten.

Die Show ist um, die Ver├Âffentlichung ist drau├čen… W├╝rdet Ihr sagen, dass die Klassik-Geschichte eine einmalige Sache war oder k├Ânnt Ihr Euch vorstellen, eine solche Show bzw. eine solche Ver├Âffentlichung zu wiederholen?
Wenn wir die Chance bekommen, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir die Gelegenheit wahrnehmen werden. Ich kann mich erinnern, dass es eine einmalige Erfahrung war… Ich hoffe, das war es nicht.

Generell betrachtet: Letztes Jahr habt Ihr die Looking Skyward ver├Âffentlicht. Arbeitet Ihr schon an neuem Material? Gibt es da etwas, das Ihr bereits nennen k├Ânnt?
Es braucht f├╝r uns eine Weile, wieder zur├╝ck zum Schreiben zu kommen. Mit so vielen Dingen, die gerade laufen, ist es schwer, sich gedanklich wieder ins Schreiben zu bringen. Wir haben viel an einer DVD der letzten Tour gearbeitet, die wir hoffentlich in 2018 ver├Âffentlichen, sodass wir etwa die letzten 18 Monate nonstop zugange waren.

Am Ende w├╝rde ich nun gerne noch wissen: Das Jahr hat nur noch ein paar Wochen. Warum w├╝rdet Ihr sagen, wird 2018 ÔÇ×das Jahr von meshÔÇť?
Nun, wer wei├č… Wir haben immer noch die Energie und die Vision, die wir hatten, als wir angefangen haben. Vielleicht sind wir etwas weiser geworden, aber wir lieben nach wie vor, was wir tun und so lange die Leute es genie├čen, werden wir weitermachen. Auf in 2018!

Weblinks MESH:

Homepage: www.mesh.co.uk
Facebook: www.facebook.com/meshtheband
Twitter: www.twitter.com/meshwecollide

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Bilder: Chris Ruiz

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