SARAH LESCH – Bochum, Bahnhof Langendreer (26.10.2017)

Sarah Lesch ┬ę Frank G├╝thoff
Sarah Lesch ┬ę Frank G├╝thoff
Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Eine beschwerliche Reise durch die Baustellen und Staus NRWs lagen vor uns, um zum Bahnhof Langendreer nach Bochum zu kommen. Was genau in diesem Bundesland immer daf├╝r sorgt, dass man auch mit einem Vorlauf von ├╝ber einer Stunde nie p├╝nktlich ankommt, wird mir wohl auf ewig verborgen bleiben.

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Fakt ist: Selten bin ich so knapp vor Konzertbeginn eingeflogen, wie an diesem Tag. Und was tut man als Beifahrer, wenn nichts mehr geht? Den schon in der Warteschlange stehenden Kumpel bitten, zwei Pl├Ątze in Gangn├Ąhe (damit der Fototgraf nicht so st├Ârt) freizuhalten und sich mit ihm ├╝ber die so gar nicht zu Frau Lesch passenden G├Ąste austauschen. Da waren an jenem Abend echt kiebige Gestalten unterwegs, es wurde gep├Âbelt, es wurde gemotzt und das alles nur, weil zwei der Sitzpl├Ątze frei gehalten wurden. Liebe Mitmenschen, wenn ihr zu Sarah Lesch geht und miese Stimmung verbreitet, solltet ihr ernsthaft ├╝berlegen, warum ihr zu diesem Konzert geht. Wollt ihr Spa├č haben oder nur cool sein, weil Sarah echt ein paar coole Sachen zu sagen hat? Und wie gechillt seid ihr hinter euren Batikhemden wirklich, wenn euch zwei leere St├╝hle und eine freundliche Auskunft so anpissen?

Nunja, ungef├Ąhr f├╝nf Minuten bevor Sarah samt niedlichem Pfotentier die B├╝hne betrat und ihren Support Benni Benson ank├╝ndigte, haben wir es dann doch zu unseren Pl├Ątzen geschafft und uns auch riesig gefreut, noch p├╝nktlich gewesen zu sein. Herr Benson, seines Zeichens Augsburger, f├╝gte sich perfekt ins Vorprogramm ein und gerade sein Lied ├╝ber seinen sch├Ânsten Finger (den Mittelfinger *hust*) sorgte doch f├╝r allerlei Erheiterung im Saal. Ans Herz zu legen sei an dieser Stelle sein 2016 erschienenes Album Alles ist ehrlich und nat├╝rlich ein Konzertbesuch. Mega cool, gelassen und witzig, was der Herr Benson da ablieferte und wesentlich h├╝bscher als all die anderen Indie-Liedermacher-Typen ist er auch noch.

Zuckers├╝├č wie immer kam dann Sarah Lesch auf die B├╝hne, hing sich ihre Gitarre um und entz├╝ckte mit breitem Grinsen den kompletten Saal. Weder (betrunkene) Zwischenrufe wie „Lass alles raus, du bist hier im Ruhrpott“, noch die unh├Âflichen Postpubert├Ąren im Publikum, die statt zuzuh├Âren, lieber den neuesten Uni-Tratsch austauschten und einfach nicht verstanden, dass es nicht nur tierisch unangebracht und nervig ist, sondern respektlos, konnten das elfengleiche Fr├Ąulein davon abhalten Geschichten und die dazugeh├Ârenden Lieder zu pr├Ąsentieren.

Da w├Ąre die Story, wie sie sich in einen Bestatter verknallte, in die Uckermark fuhr und ihn f├╝r seinen traurigen Blick einfach toll fand und weil er kein Englisch konnte, sang sie ihm das Lied vom Lieblingsbeatle, das nur durch ein weiteres „Lass alles raus“ unterbrochen wurde. Da waren Lieder ├╝ber Matrosen, schmutzige K├╝chen und ein bisschen Weltverbesserungsfeeling kam bei Testament auf. Das Lied, das wirklich alle kennen und kannten und das im Bahnhof Langendreer bei allen f├╝r ein bisschen „Ja, wir m├╝ssen was machen“ in den Gedankeng├Ąngen sorgte ÔÇô au├čer bei den Laberstudentinnen vor uns.

Wenn man sich schon fast f├╝r seinen Fotografen und seine Knips-Ger├Ąusche sch├Ąmt, weil er die Kamera teilweise direkt ├╝ber die kuschelnden Damen vor uns hielt und abdr├╝ckte und dann solche Ignoranz bei so tollem, unterhaltsamem Programm vor sich hat, fragt man sich welchen Teil von Konzertbesuch und Anstand solche Menschen nicht verstanden haben. An dieser Stelle nochmal ein gro├čes Danke an die Damen vor uns f├╝rs Aushalten von Klick-Ger├Ąuschen und ein bisschen Hut ziehen. Und w├Ąhrend Frau Leschs breites Grinsen immer wieder ansteckend wirkte und gegen Ende des Konzertes Der Kapit├Ąn gespielt wurde, ├Ąrgerte man sich fast, dass Benni Benson am Schlagzeug nicht doch noch eines seiner Lieder zum Besten gab. Au├čerdem erwischte man sich beim Gedanken, dass Lukas Meister, der Sarah ebenso auf der B├╝hne unterst├╝tzte, doch auch noch ein Solo-Liedchen spielen k├Ânnte und das Konzert doch bitte noch ein bisschen l├Ąnger gehen k├Ânnte, weil die Mischung aus Geschichten erz├Ąhlen und Lieder spielen so unsagbar toll war.

Wer auch immer von euch die Chance hat, sich Sarah Lesch einmal live anzugucken: Nehmt die 15 Euro in die Hand, schnappt euch eure Liebsten, setzt euch mit einem Bier in ihr Konzert und h├Ârt ihr einfach nur zu. Auch wenn ihr sonst nur elektronisches Zeug h├Ârt oder Metal, ja von mir aus auch NDH. Es lohnt sich und ist besser als jeder Yoga- und Entspannungskurs und die Geschichtenstunde gibt es gratis obendrauf.

Weblinks SARAH LESCH:

Homepage: www.sarahlesch.de
Facebook: www.facebook.com/sarahlesch

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