ARCHIVE – Essen, Colosseum (20.09.2019)

Fotos: ARCHIVE
Archive © Frank Güthoff
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Achtung! Diese Redakteurin ist immer noch entzückt von Location und Band. Der Bericht könnte also große Spuren von Liebe enthalten.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Seit 25 Jahren machen Archive Musik. Das sind ungefähr fünf Jahre weniger, als ich alt bin. Wow. Und wenn ich das so bedenke, ziehe ich meinen imaginären Hut noch mehr. Am 20. September stand die Band in Besetzung von 9 Mann auf der Bühne des Colosseums in Essen, eine reizende Location mit Theatercharme und vielen Kunstobjekten im ganzen Gebäude. Dass das Konzert im Sitzen stattfinden würde, hatte ich so nicht bedacht, da mit das Konzertgebäude noch komplett neu war. Archive im Sitzen. Naja, mal was ganz neues. Die Sitzplätze füllten sich, es wurde dunkel, kurz sehr leise und dann kam auch schon das Intro und dunkelblaues Licht erhellte die Bühne.

Los ging es dann mit You Make Me Feel performt von Maria Q und Holly Martin. Wer da nicht schon die ersten Tränen in den Augenwinkeln stehen hatte, gepaart mit Herzchen in den Augen, war in dem Moment selbst schuld. Der Song stammt übrigens aus dem 99er Album Take My Head. Weiter ging es dann mit Fuck U – und ja auch dieser Autorin fiel dann spontan mindestens eine Person ein, der man mal ein gepflegtes Fuck You wünschen könnte, aber da persönliche Fluchgedanken nicht in so eine Rezension gehören, belassen wir es einfach dabei. Genug geflucht, Archive legten nach mit einem exzellenten Stück vom 2009er Album Controlling CrowdsPills. Die Musik wurde sehr rhythmisch und schlagzeuglastig. Im Anschluss folgte in grünes Licht getaucht der Song, der auf keinem Archive-Konzert fehlen darf: Bullets. Eigentlich wollte wohl das halbe Publikum aufstehen, aber Theater ist nun mal Theater und typisch deutsch blieben alle anständig sitzen und wagten sich nicht aus den sehr bequemen Sitzgelegenheiten.

Kommen wir nun zum ersten Highlight des Abends: Rotes Licht, Holly Martin und Kid Corner. Ja, die Dame sieht nicht nur sehr hübsch aus, sondern hat auch eine Stimme zum neidisch werden. Mit Violently gab die Blondine noch einmal alles. Nun sollte man aber nicht vergessen, dass Archive auch männliche Protagonisten vorzuweisen haben. Dave Pen beispielsweise, der beim Song Remains of Nothing den Beweis antrat, dass er auch hohe Töne zu singen vermag, während sein Bandkollege Pollard Berrier rhythmischen Sprechgesang anstimmte. Später kamen noch einmal Maria Q und Holly Martin auf die Bühne, um den anwesenden Gästen End Of Our Days und Collapse/Collide darzubieten, was schon höchste Emotionen auslöste. Zum Abschluss rückten Mr Pen und Mr Berrier zurück ins Spotlight, es gab Controlling Crowds und Dangervisit auf die Ohren.

Kurze Pause. Band weg. Fulminanter Beifall. Und es riss die Zuschauer dann doch tatsächlich von den Sitzen. Sogar diese merkwürdigen menschlichen Wesen neben mir, die mit viel zu hellem Display während des Konzertes die aktuellen Fußballergebnisse checkten oder verwackelt-miese Handyvideos drehten. Leute: So was stört! Und das nicht nur geringfügig und es ist absolut rücksichtslos. Nervig genug, dass es der Großteil des Publikums nicht einmal 120 Minuten aushielt, ohne mehrfach Richtung Bier und Toilette zu gehen und gesamte Sitzreihen aufzuscheuchen musste, aber so Handyterroristen sind das absolut Unnötigste in der Konzertlandschaft. Leute, niemand möchte eure verwackelten, mies vertonten Ausschnitte sehen. Schon gar nicht, wenn an absolut jeder Tür des Colosseums steht „Bitte keine Aufnahmen!“. Es kann doch nicht so schwer sein! Und was ich nicht verstehe, ist, weshalb man sich überhaupt eine Konzertkarte kauft, um dann Fußball zu checken. Das haben tatsächlich mehrere gemacht. So verkommen Konzertveranstaltungen zu etwas genauso nebensächlichem wie der nebenbei rieselnde Serienmarathon auf Netflix. Packt doch einfach mal die dämlichen Smartphones weg und befasst euch mit der Realität, dem Hier und Jetzt. Durch einen Bildschirm erlebt ihr das mit Garantie nicht und es degradiert eine echt hinreißende Band zu Beiwerk, ganz davon abgesehen, dass euer Display andere nervt, die gerne „JETZT“ das Konzert sehen möchten, auf das sie so lange gewartet haben.

Mein Ärger verstummte dann doch noch etwas, weil Archive noch eine Zugabe in petto hatten. Lights und Again – und diesmal sogar ohne Handymenschen im Umfeld. Geht doch!

Setlist ARCHIVE – Essen, Colosseum (20.09.2019):

01. You Make Me Feel
02. Fuck U
03. Pills
04. Bullets
05. Kings of Speed
06. Kid Corner
07. Violently
08. System
09. Remains of Nothing
10. Erase
11. Finding It So Hard
12. End of Our Days
13. Collapse/Collide
14. Controlling Crowds
15. Dangervisit
16. Lights (Z)
17. Again (Z)

Weblinks ARCHIVE:

Homepage: www.archiveofficial.uk
Facebook: www.facebook.com/ArchiveOfficial

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