ALCEST – Hamburg, Uebel & Gefährlich (01.11.2017)

Alcest © ThomasPapenbreer
Alcest © ThomasPapenbreer
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Der Musikclub Uebel & Gefährlich im Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld im Hamburger Szene-Bezirk St. Pauli wirkt von außen archaisch, wenig einladend und erinnert in seiner Architektur an vergangene, weniger rühmliche Zeiten deutscher Geschichte. Seit den 90er Jahren finden in dem ehemaligen, nun denkmalgeschützten Zweiten-Weltkriegsbunker kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art statt. Der große Ballsaal im Uebel & Gefährlich bietet circa 1.000 Gästen Platz. Gut und gerne waren die auch an diesem Mittwoch zugegegen, als auch wir uns pünktlich zum Einlass vor dem ehrfurchtgebietenden Gemäuer einfanden.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Für den heutigen Abend sind die britische Experimental-Alternative-Rock Band Anathema und die legendären Black-Gaze Pioniere von Alcest angekündigt. Die Franzosen sind eigentlich „nur“ als Support der Briten unterwegs, könnten aber auf ihrer Kodama-Tour locker auch als Hauptact die Clubs füllen. Seit Erscheinen ihres Debüts Souvenirs d’un autre monde, mit dem sie für ein ganzes Genre Pate wurden, versammeln Neige und Winterhalter nicht nur eine immer größer werdende Fan-Schar um sich, sondern treiben auch mit jeder neuen Veröffentlichung den Kritikern Freudentränen in die Augen.

Auch live, und das sollte die Band auch an diesem Abend wieder unter Beweis stellen, sind Alcest ein Kleinod, das es zu entdecken gilt. Dabei ist es fast weniger wichtig, was die Franzosen machen, sondern vielmehr das wie. Noch nie habe ich eine Band gesehen, die so zurückgenommen und selbstvergessen hinter ihre Musik zurücktritt. Selbst das ausgeklügelte Lichtkonzept, das die Jungs eigenhändig auf der Bühne installieren, dient nur dazu, die durch die Musik transportierten Emotionen zu verstärken.

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Nach einem Intro starten die Franzosen mit Kodama, dem Titelsong ihres letzten Albums, der auch dort als Opener fungiert. Wer den Song kennt, weiß, dass man tatsächlich ein Konzert kaum besser eröffnen kann. Das Publikum, obwohl hier und dort ein paar Alcest-Shirts aufblitzen, waren wahrlich hauptsächlich wegen des Hauptacts anwesend, nahm die Band sehr gut auf und wirkte im weiteren Verlauf des Konzerts immer mehr gefesselt.

Songs, wie Là où naissent les couleurs nouvelles, das drum-göttliche Oiseaux de proie und Percées de lumière starten allesamt ziemlich eingängig, rütteln durch die intensiven Screams auf und kriechen mit den verträumten Gitarrenflächen unter die Haut. Die Band performt mit geschlossenen Augen und entrücktem Lächeln. Würde Neige nicht ab und an ein paar leise und schüchterne Worte an sein Publikum richten, könnte man meinen, die Musiker glauben allein auf der Bühne zu stehen. Leider wurde der Sound dem Können der Band an diesem Abend nicht völlig gerecht, trotzdem hegte man den Wunsch nach einem viel längerem Set.

Alcest verabschiedeten sich mit Délivrance, jenem episch-sphärischen Wunderwerk, das wie Sonnenstrahlen die Haut berührt und die Seele befreit.

Später am Abend stand noch der Auftritt des Hauptacts Anathema an. Dabei wurde unserem Fotografen vom Sänger ins Gesicht getreten. Unsere Stellungnahme dazu.

Tracklist ALCEST @ Hamburg, Uebel & Gefährlich (01.11.2017):

01. Kodama
02. Là où naissent les couleurs nouvelles
03. Oiseaux de proie
04. Eclosion
05. Autre temps
06. Percées de lumière
07. Délivrance

 Fotos: Thomas Papenbreer 

Weblinks ALCEST:

Official: http://www.alcest-music.com/
Facebook: https://www.facebook.com/alcest.official/

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