SATYRICON – Hamburg, Gruenspan (24.09.2017)

Satyricon © Thomas Papenbreer
Satyricon © Thomas Papenbreer
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Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Eminenz und Evidenz? Also – Satyricon sind ja gemeinhin bekannt als DIE Eminenzen des Black Metal. Dass ihre Musik aber seit Jahren nichts mehr mit Black Metal zu tun hat, dĂŒrfte hingegen als evident gelten. Und mit dieser Aussage tut man noch nicht mal irgendjemandem Unrecht.

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Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen zog es uns an diesem lauschigen Sonntagabend wieder nach Hamburg ins Gruenspan, mittlerweile eine unserer Lieblingslocations. Aber bevor wir uns endlich in Hamburgs wohl kultigsten und (rock-)geschichtstrĂ€chtigsten Ort voller Spannung die MĂ€nner aus Norwegen nebst Live-Versionen des noch druckfrischen Studioalbums Deep Calleth Upon Deep zu GemĂŒte fĂŒhren konnten, reifte die Anfahrt buchstĂ€blich zur Geduldsprobe. Wer den Streckenabschnitt der A1 zwischen LĂŒbeck und Hamburg kennt, ist Kummer gewöhnt. Wir eigentlich auch, trotzdem hatten wir das Malheur wohl etwas unterschĂ€tzt und so zog Satyricons Support (ein bis kurz vor dem Konzert gut gehĂŒtetes Geheimnis) Suicidal Angels ungesehen an uns vorĂŒber. Doppelt Ă€rgerlich, war uns zum einen die Thrash-Metal Band aus Griechenland, obwohl die ziemlich umtriebig sind, bisher noch unbekannt und zum anderen an diesem Abend wohl mehr als nur ein Auge und Ohr wert gewesen.

Der Club ist brechend voll und erzeugt schon, wie gewohnt, sein ganz eigenes Klima, das frappierend an ein tĂŒrkisches Dampfbad erinnert. Das Publikum setzt sich fast ausnahmslos aus gestandenen Metallern zusammen. Immerhin dĂŒrfte der heutige Abend selbst fĂŒr altgediente Musiker wie Satyricon doch schon etwas Besonderes sein. Das nagelneue Album ist grad mal zwei Tage auf dem Markt und Hamburg dient als Auftakt einer Tour, die sage und schreibe ein ganzes Jahr dauern und die Band einmal rings um den Globus fĂŒhren soll. Entsprechend aufgerĂ€umt und motiviert treten Satyricon vor das Hamburger Publikum.

Man eröffnet wahnsinnig stark mit Midnight Serpent von Deep Calleth Upon Deep und legt mit Our World, It Rumbles Tonight vom eher als schwach beurteilten VorgĂ€nger nach – weil‘ s grad so gut lief. In puncto ProfessionalitĂ€t und Charisma kann man der Band (vor allem „Satyr“ Wongraven) kaum etwas vorhalten. Alle sind bis in die (wieder etwas kĂŒrzeren Haarspitzen) aufeinander eingespielt und der Sound ist absolut großartig. Mit diesem RĂŒstzeug fĂ€llt es denn auch leichter, gezĂ€hlte fĂŒnf, fĂŒr das Publikum gewissermaßen noch unbekannte Songs vom aktuellen Album ins Set aufzunehmen, die allesamt vorbehaltlos angenommen werden, obwohl die Klassiker verstĂ€ndlicherweise euphorischer stimmten.

Und so stoßen doch mehr FĂ€uste in die LĂŒfte und werden mehr Mannbarkeitsgesten bei Commando, Now, Diabolica und Mother Nord zelebriert, als beispielsweise bei The Ghost Of Rome oder Dissonant, die in einem Rutsch gespielt wurden. Aufgefangen wurde das unbekannte Neuland dann doch ein wenig durch die PrĂ€senz des Gastmusikers HĂ„kon Kornstad, der hier mit beachtlichem Stimmumfang und einem Saxophon das Line-up befĂŒllte. Da konnte man getrost auf ein „Nummer-sicher“ Set verzichten: sehr zur Freude der anwesenden Fans. Rings um uns, nur wild bangende Köpfe und auf der BĂŒhne gestandene Musiker, die sich wie Kinder freuen und heiß sind auf die kommende Tour. Knapp zwei Stunden und drei (!) Zugaben spĂ€ter erhalten wir den Beweis, dass Zeit tatsĂ€chlich relativ ist (ging das Set wirklich so schnell vorbei?!) und Satyricon lĂ€ngst noch nicht zu den Totgesagten gehören.

Setlist SATYRICON @ Hamburg, Gruenspan (24.09.2017):

01. Midnight Serpent
02. Our World, It Rumbles Tonight
03. Black Crow On A Tombstone
04. Deep Calleth Upon Deep
05. Walker Upon The Wind
06. Repined Bastard Nation
07. Commando
08. Now, Diabolical
09. To Your Brethren In The Dark
10. The Ghost Of Rome
11. Dissonant
12. Mother North
13. The Pentagram Burns (Z)
14. Fuel For Hatred (Z)
15. K.I.N.G. (Z)

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