Lacrimosa – Testimonium

Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Unsere Bewertung:


4

Gesamtnote

4

Bombast und Plattitüden

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Nach 27 Jahren überaus erfolgreicher Bandgeschichte legt der Wahlschweizer Tilo Wolff nun Zeugnis ab. Testimonium heißt das neue und dreizehnte Studioalbum von Lacrimosa, das die Band wie folgt ankündigte:

„ein Requiem in vier Akten im Gedenken an die großen Künstler, die von uns gegangen sind“,

oder wie ich es zusammenfassen würde:

„als Verneigung ummanteltes, barockes Selbstmitleid“.

Um es kurz und schmerzlos zu machen: Ich habe verschiedene Probleme mit Lacrimosa im Allgemeinen, was sich auch auf Testimonium wieder im Besonderen zeigt. Da sei vor allem die für die Band typische Prätention von Tiefgang, die einem an vielen Stellen des Albums förmlich entgegen springt. Dies beginnt beim Konzept und Aufbau von Testimonium und endet bei Arrangements und Songstrukturen.

Alles versucht mehr zu sein, als es dann tatsächlich ist. Nach dem Hören von Testimonium fühlt man sich wie nach einer Mahlzeit aus leeren Kalorien, um seinen versprochenen Nährwert betrogen. Dazu muss man aber erst einmal aus dem diabetischen Koma überzogener Trauer-Lyrik, wehleidiger Selbstbeweihräucherung und ausuferndem Pomp aufwachen.

Texte waren schon immer eine der großen Schwächen des Schweizer Duos. Leider konnten daran 27 Jahre Erfahrung auch auf dem neuen Album nichts ändern. Ein weiteres Problem, auch das nichts Neues, ist für mich Tilo Wolffs Stimme, vor allem bei Sequenzen regulärer und intensiverer Lautstärke. Weiterhin sind die Arrangements der Songs in der Mehrzahl (vor allem: Nach dem Sturm, Weltenbrand und Lass Die Nach Nicht Über Mich Fallen) immer etwas, nun ja, „drüber“. Instrumentierung, sprunghafte Genre- und Stimmungswechsel balancieren nicht immer zielsicher zwischen sinfonisch und hysterisch. Und überhaupt, seit wann schreibt man Requiems in Akten und wieso fällt es schon nach dem ersten Song (Wenn Unsere Helden Sterben) so schwer das zugrunde gelegte Thema wiederzufinden? Alles in Allem vier schwerwiegende Argumente, die für mich das Durchhören von Testimonium zur Geduldsprobe haben werden lassen.

Man merkt schon, besonders viel kann ich mit den Symphonic-Rockern nicht anfangen, die in den vergangenen zweieinhalb Dekaden meiner musikalischen Odyssee immer mal wieder am Rande aufgetaucht sind. Vielen aber, und das sei auch erwähnt, sind Lacrimosa lange beständige Weggefährten gewesen und haben dem Einen oder Anderen über die eine oder andere schwere Zeit hinweg geholfen. Nicht vielen Bands gelingt es, Fans über so lange Zeit zu binden, stetig neue dazu zugewinnen und das einmal rings um den Globus. Diese nicht zu unterschätzende Schar findet Trost in den getragenen, wie ausbrechenden Kaskaden zelebrierten Leids und feiert die Virtuosität ihrer Kompositionen, durch die tiefgehende Emotionen hörbar gemacht werden.

Deswegen bin ich mir sicher, dass Fans von Lacrimosa auch bei Testimonium alles wiederfinden werden, was sie an den Veteranen der schwarzen Szene so schätzen. Der Rest, und dazu zähle ich mich leider auch selbst, wird wieder augenrollend abschalten. Letztendlich wird die Debatte um die Streitbarkeit von Lacrimosa auch mit diesem Album nicht zielführend beendet werden.

Testimonium ist am 25.08.2017 bei Hall Of Sermon erschienen.

Tracklist LACRIMOSA – Testimonium

Akt 1
01. Wenn Unsere Helden Sterben
02. Nach Dem Sturm
Akt 2
03. Zwischen Allen Stühlen
04. Weltenbrand
05. Lass Die Nacht Nicht Über Mich Fallen
Akt 3
06. Herz Und Verstand
07. Black Wedding Day
08. My Pain
Akt 4
09. Der Leise Tod
10. Testimonium

Weblinks LACRIMOSA:

Official: http://lacrimosa.com
Facebook: https://www.facebook.com/LacrimosaOfficial/

Testimonium

Preis: EUR 10,99

4.6 von 5 Sternen (17 Kundenbewertungen)

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Geschrieben von
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1 Kommentar

  • Warum lässt man eigentlich jemanden ein Album testen, der über den ganzen Artikel nicht müde wird,zu erwähnen, wie wenig er doch mit der Band oder der Musik anfangen kann? Das macht doch wenig Sinn. Klar, der Autor muss kein ausgesprochener Fan der Band sein, im Gegenteil, aber wie soll bitte so eine ausgewogene Bewertung möglich sein. Jemand, der damit Nichts anfangen kann, wird ja nicht in Betracht ziehen, das Album zu kaufen. Wäre das gleiche, wenn ich die nächste volkstümliche Schlagerplatte bewerten würde, obwohl ich da so gar keinen Draht dazu habe.

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