ROCK THE KING 2017 – Buchenberg, Allgäu Concert Arena (29.07.2017)

Fotos: SABATON
Sabaton, © Dietmar Grabs
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Der Vergleich wird zwar gerne mal strapaziert, aber nicht nur die Allgäuer Zeitung resümierte nach dem diesjährigen Rock The King Festival in Buchenberg (bei Kempten), dass ein Hauch von Wacken über dem Allgäu lag. Während man in Wacken jedoch inzwischen bei 85.000 Besuchern angelangt ist, war es in Buchenberg eher beschaulich mit „nur“ 6.500 Zuschauern. Nachdem man an den Tagen zuvor noch sehr ergiebigen Regenfällen ausgesetzt war und so mancher sich fragte, ob das Festival wirklich stattfinden wird, ging es doch noch in die richtige Richtung. Der Boden war zwar hier und da noch matschig, festes Schuhwerk war empfehlenswert, aber das Festival konnte wie geplant stattfinden und die Sonne strahlte den ganzen Tag.

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Als es um 13 Uhr losging, war dann erneut der Hauch von Wacken zu spüren. Hat man dort den Musikzug der örtlichen Feuerwehr als Opener, so eröffnete beim Rock The King die Musikkapelle Buchenberg. Traditionelle Blasmusik zur Eröffnung eines Metal-Festivals also, bei dem die ersten Zuschauer schon den Pogo begannen. Unter der Leitung von Dirigent Nikolay Paskal spielten die Musiker Märsche und Polka wie Furchtlos und treu! von Julius Fucik und Böhmischer Traum von Norbert Gälle. Man merkte den zahlreich auf der Bühne stehenden Musikern an, dass auch sie ihren Spaß an diesem Auftritt vor ungewohntem Publikum hatten und dabei gleichermaßen auch hier ihren Job sehr ernst nahmen. Insgesamt fünf Stücke in den 20 Minuten wurden gespielt, Musiker und Publikum waren hinterher gleichermaßen zufrieden.

Setlist MUSIKKAPELLE BUCHENBERG @ Rock The King 2017:

01. Flott voran (Marsch von Siegfried Rundel)
02. Furchtlos und treu! (Marsch von Julius Fucik)
03. Mein Heimatland (Marsch von Sepp Neumayr)
04. Böhmischer Traum (Polka von Norbert Gälle)
05. Polka Nr. 37 (Polka von Metodej Prajka)

Es folgte der Auftritt von Meister Ehder, die erst seit dem Vorabend wussten, dass sie spielen werden. Hintergrund: Am vorigen Abend fand bereits ein Newcomer-Wettbewerb statt, der einen Slot für den Haupttag des Festivals als Gewinn in Aussicht stellte. Diesen gewannen Meister Ehder aus Kempten, die hier an diesem Tag also Heimspiel hatten. Man merkte, dass die Band gut eingespielt ist, obgleich sie erst seit Januar in der aktuellen Formation spielen. Rock-Klänge der härteren Gangart mit deutschen Texten begegneten, das Tempo meist hoch, Freude am Riff wie in Gute Nacht war zu spüren – überhaupt wirkte der Auftritt sehr stimmig. Eine gewisse Düsterheit war der Musik ebenfalls nicht abzusprechen, was nicht nur Titel wie Dunkelheit zeigten, sondern auch Texte wie in Verlangen, das die fiktive Geschichte eines psychisch erkrankten Ichs erzählt, das ausgerechnet durch Rausch zur Normalität finden will. Schade, dass die Band nur 20 Minuten Spielzeit hatte, das kann man sich definitiv auch länger vorstellen.

Setlist MEISTER EHDER @ Rock The King 2017:

01. Intro
02. Selbstliebe
03. Verlangen
04. Gute Nacht
05. Dunkelheit

Im Anschluss an Meister Ehder war mit Megaherz der erste der vielen großen Namen zu sehen, die Neue Deutsche Härte stand auf dem Programm. In schwarzer Montur und schwarz-weiß geschminkt betrat die Band die Bühne und ging mit Zombieland direkt in die Vollen. Zu den harten Klängen war stets viel Bewegung auf der Bühne zu sehen, trotz der Nachmittagshitze gab die Band alles und schaffte es mit Stücken wie Wer hat Angst vorm schwarzen Mann gut, das Publikum zum Mitgehen zu animieren. Satte Riffs begegneten beispielsweise in Stücken wie Miststück und bei manch einem Zuschauer war bereits die Zeit für die Pommesgabel in der Luft gekommen. Eine Stunde lang spielte die Band um Sänger Lex, begeisterte mit Nummern wie Roter Mond und Lieblingsfeind, bevor man mit dem treibenden Himmelsstürmer die Bühne verließ und bereits zu früher Stunde ein erstes Highlight des Festivals setzen konnte. Mit einem Auftritt, der zu den letzten in dieser Form gehörte, denn die Band wird sich nun zurückziehen, um am neuen Album zu arbeiten und dazu auch die passende Bühnenshow zu entwickeln.

Setlist MEGAHERZ @ Rock The King 2017:

01. Zombieland
02. Fanatisch
03. Glorreiche Zeiten
04. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann
05. Miststück
06. 5. März
07. Roter Mond
08. Lieblingsfeind
09. Jordan
10. Für immer
11. Jagdzeit
12. Himmelsstürmer

Als nächstes gab es ein „Mehr-oder-weniger-Heimspiel” zu sehen, denn Schandmaul hatten aus der Nähe Münchens eine recht überschaubare Anreise. Durch eine eifrige und eingespielte Crew konnten sie ihr Set bereits zehn Minuten eher beginnen – also somit zehn Minuten mehr Spielzeit rausholen. Ihr Mittelalter-Folk-Rock sorgte im Publikum für prächtige Laune, was bereits mit dem Opener Vor der Schlacht bemerkbar wurde. Auch wenn das sonstige Programm deutlich metallischer geprägt war (ausgenommen die Musikkapelle Buchenberg), der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Mit Dudelsack, Flöte, Geige im Gepäck überzeugten  sie bei Stücken wie Herren der Winde oder auch der Walpurgisnacht und suchten auch immer wieder den Kontakt zum Publikum. Sänger Thomas Lindner nahm sich gerne Zeit für Ansagen, Anna Katharina Kränzlein und Birgit Muggenthaler suchten stetig den Blickkontakt zum Publikum – man merkte, mit wie viel Herzblut Schandmaul das auch nach so vielen Jahren noch machen. Aber es ist nicht alles Spaß, was da geschieht, mit Bunt und nicht braun wurde beispielsweise ein deutliches Statement gesetzt. Mit überwiegend treibenden Stücken spielt die Band ihr Set, den Schlusspunkt eines gelungenen Auftritts setzt dann das getragene Dein Anblick. Man dürfte annehmen, dass viele der heutigen Besucher auch bei der kommenden Tour anzutreffen sein werden. Gute Werbung in eigener Sache gemacht!

Setlist SCHANDMAUL @ Rock The King 2017:

01. Vor der Schlacht
02. Herren der Winde
03. Lichtblick
04. Letzte Tröte/Mitgift
05. Kaspar
06. Bunt
07. Vogelfrei
08. Teufel
09. König
10. Walpurgisnacht
11. Drachentöter
12. Krieger
13. Pakt
14. Dein Anblick

Die Nachmittagssonne brannte weiter, langsam machte der Sonnenbrand sich bemerkbar, es blieb heiß. Auch auf der Bühne sollte es jetzt heiß her gehen, Oomph! traten an, um einfach mal amtlich das Allgäu zu zerlegen und ein gut gemischtes Set aus Stücken ihrer inzwischen ziemlich langen Laufbahn zu spielen. Mit Alles aus Liebe eröffneten sie, bereits beim folgenden Labyrinth ging es gut ab vor der Bühne. Im folgenden Verlauf wurde deutlich, wie viele Hits sich bei den Braunschweigern inzwischen angesammelt haben. Wer es sich leisten kann, Stücke wie Mein Schatz und Träumst Du bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Set zu spielen, ohne dabei die Stimmungskurve negativ zu beeinflussen. Auch ein mittig gesetzter ruhiger Moment mit Bis der Spiegel zerbricht passte da gut ins Bild. Auf dem Weg zum großen Finale ging man noch einmal weit zurück in der Karriere und begeisterte mit Gekreuzigt vor allem die, die schon lange die Band verfolgen. Bis zum Schluss aufgehoben hatte sich die Band noch Gott ist ein Popstar und Augen Auf, wohl mit die größten Hits der Band. Diese waren selbstredend Selbstläufer und beendeten einen außerordentlich starken Auftritt der Musiker.

Setlist OOMPH! @ Rock The King 2017:

01. Alles aus Liebe
02. Labyrinth
03. Mein Schatz
04. Träumst Du
05. Niemand
06. Jetzt oder Nie
07. Bis der Spiegel zerbricht
08. Mitten ins Herz
09. Sandmann
10. Jede Reise hat ein Ende
11. Gekreuzigt
12. Gott ist ein Popstar
13. Augen Auf

Weiter im Programm ging es mit einem echten Urgestein. Udo Dirkschneider betrat die Bühne mit seiner Band, am Schlagzeug der Sohn Sven, dazu Musiker der U.D.O.-Band, die hier die alten Zeiten zelebrierten, indem sie ein reines Accept-Set spielten. Eine Idee, die sich als hervorragend erwies, denn es war offenbar das, was man im Publikum erwartete. Man fühlte sich direkt einige Jahrzehnte zurückversetzt, als mit den Klängen von Starlight der Auftritt eröffnet wurde. Prototypischer Power Metal, lange Haare, breitbeiniges Gitarrenspiel – und eine begeisterte Menge. Da wird auch gerne mal mitgesungen, wie in der episch langen Version von Princess of the Dawn, die hier am frühen Abend geboten wurde. Mitklatschen, die obligatorische Pommesgabel und ein Sänger, der das sichtlich genoss, wie das Publikum seine alten Gassenhauer feierte. Da war dann auch mit Losers and Winners noch nicht Schluss. Drei Stücke Zugabe waren bei der Spieldauer von 80 Minuten noch drin und natürlich fehlte als großes Finale Balls to the Wall nicht. Ein beeindruckender Auftritt!

Setlist DIRKSCHNEIDER @ Rock The King 2017:

01. Starlite
02. Living for Tonite
03. Flash Rockin’ Man
04. London Leatherboys
05. Midnight Mover
06. Breaker
07. Pincess of the Dawn
08. Restless and Wild
09. Son of a Bitch
10. Up to the Limit
11. Screaming for a Love-Bite
12. Losers and Winners
13. Metal Heart (Z)
14. Fast as a Shark (Z)
15. Balls to the Wall (Z)

Die Umbaupause brachte im Anschluss einen imposanten Bühnenaufbau hervor. Der nächste Auftritt sollte schließlich entsprechend zelebriert werden. Powerwolf verlasen in der anbrechenden Dunkelheit ihre Metal-Messe. Und das mit einem pompösen Bühnenbild samt sehr guter Show. Mit stilechter Gewandung und Corpsepaint war es allerdings trotz schleifender Orgel eine wenig besinnliche Messe. Vielmehr war es die volle Dröhnung Metal. Bei Stücken wie Amen & Attack kannte die Band keine Gnade und donnert dem dankbaren Publikum die harten Klänge nur so um die Ohren. Dazu gab es viel Bewegung auf der Bühne zu sehen, man weiß manchmal gar nicht, wo man drauf achten soll, wenn dazu noch Pyro-Effekte starten oder zu späteren Zeitpunkt gar die Bühnenelemente in Flammen stehen. All das sorgte 80 Minuten lang für keinerlei Langeweile, Sänger Attila Dorn animierte gerne das Publikum und nach dem großen Finale mit Sanctified with Dynamite und We drink your blood konnte man in zahlreiche strahlende Gesichter blicken.

Setlist POWERWOLF @ Rock The King 2017:

01. Blessed & Possessed
02. Army of the Night
03. Coleus Sanctus
04. Amen and attack
05. Dead boys don’t cry
06. Sacred & Wild
07. Armata Strigoi
08. Let there be Night
09. Resurrection by Erection
10. Werewolves of Armenia
11. All we need is blood
12. Sanctified with Dynamite
13. We drink your blood

Es war soweit: Nach einem langen Festivaltag standen die Schweden von Sabaton als Headliner auf der Bühne. Zunächst allerdings gab es erst einmal einen etwas andersartigen Chor zu hören: Während das Band nach dem vom Band gehörten Cover von In The Army Now nach und nach zum Intro die Bühne betraten, taten eine ganze Menge Zuschauer mit „Handy weg“-Chören ihrem Unmut über die inflationär in die Luft gestreckten Mobiltelefone kund. Direkt bei Ghost Division aber war dann eher das Mitsingen Trumpf. Ein ebenfalls opulenter Bühnenaufbau samt Panzer, Videoleinwand, Feuereffekten und mehr konnte bereits optisch begeistern, die Klänge taten es überdies sowieso. Mit ihren Stücken über historische Schlachten trafen sie genau den Nerv des Publikums in Buchenberg. Dabei ist all das nicht verherrlichend zu sehen, eher werden die Schrecken des Krieges deutlich, was oft auch auf den Videoprojektionen zu sehen ist.

Das Publikum freut sich auch über „old and unexpected shit“ – so nannte es Sänger Joakim Brodén – wie beispielsweise Attero Dominatus. Mit Stücken wie Panzerkampf, Carolus Rex und A Lifetime of War begeisterte die Band durch und durch, bis mit Winged Hussars Schluss sein sollte. Vorerst natürlich. Vier Stücke Zugabe waren noch drin, bevor To Hell and Back nicht nur einen gelungenen Auftritt, sondern auch ein sehr schönes Festival beendete.

Hier und da gibt es noch etwas Verbesserungsbedarf, denn sowohl die Getränke- als auch die Toilettensituation waren teilweise schwierig und es herrschte Unklarheit über die Abfahrzeiten der Shuttles von und zum Bahnhof Kempten, aber dies konnte einen sehr guten Gesamteindruck nicht trüben. Eine Neuauflage 2018 wäre mehr als wünschenswert!

Setlist SABATON @ Rock The King 2017:

01. Ghost Division
02. The Art of War
03. Blood of Bannockburn
04. Attero Dominatus
05. The Last Stand
06. Panzerkampf
07. Sparta
08. Screaming Eagles
09. Carolus Rex
10. Swedish Pagans
11. A Lifetime of War
12. Resist and Bite
13. The Lost Battalion
14. Winged Hussars
15. Night Witches (Z)
16. Primo Victoria (Z)
17. Shiroyama (Z)
18. To Hell and Back (Z)

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