DEPECHE MODE – Spirit

DEPECHE MODE – Spirit
Depeche Mode-Spirit
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10 Gesamtnote

10

“Depeche Mode liefern ihr bestes Album seit 20 Jahren ab”

Das Warten hat eine Ende: vier Jahre nach dem letzten Werk Delta Machine haben Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher namens Depeche Mode ihr 14. Studioalbum Spirit veröffentlicht. Nach Ben Hillier, der die letzten drei Alben produzierte, arbeitete die Band erstmals mit James Ford (Simian Mobile Disco, Florence + the Machine, Arctic Monkeys) zusammen. Eine gute Entscheidung, denn Ford bringt viel frische Luft in die Kreativität und man kann ihn bei der Herstellung des Albums als viertes Bandmitglied betiteln, da er sich nicht zu schade war, einige zusätzliche Instrumente selber einzuspielen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Spirit beginnt mit Going backwards, einem Track, der wie gemacht ist als Opener des neuen Albums: spannender Aufbau, knackiger Sound und gefällige Melodien, die die Tanzbarkeit des Stückes gekonnt unterstützen. Dazu kommen die wie immer gut aufeinander aufgebauten Stimmen von Gahan und Gore, die im letzten Drittel einen „call and response“ Gesang anstimmen. Textlich klagt Martin die Seelenlosigkeit bestimmter Personen an, die nichts mehr fühlen vermögen, der erste Hinweis also auf ein politisches Album, welches es seit dem 1983er Werk Construction Time again nicht mehr gegeben hat. Als nächstes präsentieren Depeche Mode die wohlbekannte Single Where´s the Revolution, die elektronisch-bluesig im 6/8 Takt vormarschiert. Soundtechnisch könnte der Song von der Delta Machine stammen. Ein Fakt, welcher für viele Fans im Vorhinein ein Indiz dafür war, dass sich die britische Band auf altbekannte Klänge ausgeruht hat. Dass dem nicht so ist, wird man im Laufe des Albums mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. The worst crime nimmt etwas Tempo aus dem Songgefüge heraus, lässt einem Zeit zum Durchatmen und lässt melancholische Erinnerungen an das 1997er Album Ultra wachwerden. Der erste Höhepunkt von Spirit folgt auf dem Fuße, denn Scum überrascht und überzeugt auf jeder Linie. Electrobasslines, analoge Synthesizer, die fast vor dem Kollaps stehen und verzerrter Gesang schütteln den Hörer auf. Als hätten sich Trent Reznor von den Nine inch Nails und Mr. Martin Gore getroffen, um zusammenzuarbeiten. Hut ab vor so einem Experiment. Ein Track, der mit Sicherheit nie im Radio zu hören sein wird! Der Hörer wird im Anschluss Zeuge einer absoluten Weltpremiere werden. Der erste Songs, den Gore und Gahan zusammen geschrieben haben (vom Track Oh well mal abgesehen): You move. Der Song lebt ganz von der feucht-schwülen Atmosphäre, die er zu verbreiten mag und vom Rhythmus, der puren Sex versprüht und nach einer sofortigen Zugabe schreit. Cover me (geschrieben von Gahan, Gordeno und Eigner) beginnt mit einer voll im Hall stehenden Steelguitar (eingespielt von Produzent James Ford himself) und tragenden Synthesizerlinien, bevor der langsame Beat und coole Arpeggios ertönen, die den Song in tiefe Sphären heben, was man bei der Livepräsentation in Berlin bei den Telekom Street Gigs erleben konnte. Das Publikum war bass erstaunt, was sie dort hörten: Depeche Mode goes psychedelic! Nun wird es Zeit für die erste Martin-Ballade namens Eternal. Ein minimaler Klangteppich, verzückende Harmonien und ein Pfund Pathos, das sind die Zutaten des Tracks. Kaum hat man sich an das Gehörte gewöhnt, ist der Song schon vorbei und leitet perfekt über zu Poison Heart, ein weiterer Song von Dave, Peter und Christian, der in dieser Form auch von Gore stammen könnte. Der Song fügt sich gut ein und versprüht eine Menge Flair. Und Martins „Ohohoos“ sind einfach nur bezaubernd. Ein absoluter Singlekandidat ist So much love, der ganz klar auch in diese Richtung konzipiert wurde. Treibende Drums, angezerrte Vocals, spielerische Synthies und eine Melodie zum mitsingen. Von vielen Fans jetzt schon als Klassiker der Band angenommen. So und nicht anders muss Depeche Mode im Jahr 2017 klingen.

Poorman ist dann mit seiner seltsam bearbeiteten Gitarre ein bluesig-elektronisches Stück geworden, welches unterstützt durch die minimalen synthetischen Sounds im Zusammenspiel erst ein stimmiges Ganzes ergibt. Hier ist besonders die vorbildliche Drumprogrammierung hervorzuheben. Einen schönen 70er Jahre Charme verbreitet No more (this is the last Time). Den Track kann man sich gut als Nachspannmusik eines Hollywoofstreifens vorstellen, denn das Lied hat etwas filmisches, bildliches an sich. Spirit wird nun leider viel zu früh vom letzten Song namens Fail beendet, in dem sich Martin Gore wie in einem Lament über die Menschheit beschwert, die keine Gefühle und keinen eigenen Willen mehr hat. Und textlich gibt es wieder eine Premiere zu bestaunen: denn zum ersten Mal bekommt man in einem Depeche Mode Song das „F-Wort“ zu hören.

Fazit: Die Kultband schafft es immer noch auf Albumlänge zu überzeugen, zeigt neue Facetten auf, mixt Niegehörtes mit Altbewährtem und Spirit wird dadurch zum besten Depeche Mode Album der letzten 20 Jahre. Und das mit einer Frische, die so einige Zweifler der Band nicht zugetraut hätten. Man darf sich also auf die anstehende Tour freuen, die im Sommer in Europa startet. Wenn die Band es live schafft, die neuen Stücke so gut wie auf Platte zu präsentieren, verspricht das eine spirituelle, musikalische Reise zu werden, auf die man sich gerne begibt.

Tracklist DEPECHE MODE Spirit:

01. Going backwards
02. Where’s the revolution
03. The worst crime
04. Scum
05. You move
06. Cover me
07. Eternal
08. Poison heart
09. So much love
10. Poorman
11. No love (This is the last time)
12. Fail

Weblinks DEPECHE MODE:

Webseite: www.depechemode.com
Facebook: https://www.facebook.com/depechemode
Twitter: https://twitter.com/depechemode
Instagram: www.instagram.com/depechemode

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