DISCO ENSEMBLE – Afterlife

DISCO ENSEMBLE - Afterlife
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5 Gesamtnote

5

„Mit Beliebigkeits-Pop-Rock in die künstlerische Sackgasse“

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

2010 war es, als Jussi Ylikoski vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Finnland zu „Finnlands bestem Gitarristen“ gewählt wurde. Und 2010 waren Disco Ensemble eine Band, die mit einem Mix aus knackig-agressiven Post-Hardcore, großen Pop-Punk-Hymnen und einigen Electro-Sprengseln vollends überzeugte. Sieben Jahre später ist davon kaum noch etwas übrig geblieben. Wie der Vorgänger Warriors schon vermuten ließ, haben Sänger Miikka Koivisto und Co. die Lust an harten Tönen gänzlich verloren. Was außer für die „Die Hard“-Fraktion der Fans von Schreigesang eigentlich kein Problem sein sollte, wäre das Songmaterial nur gut genug. Auf dem Afterlife folgt aber leider eine beliebige Pop-Rock-Nummer auf die nächste. Refrains, die so eingängig (lies: stumpf) sind, dass sie beim ersten Hören in den Gehörgang reingehen, aber spätestens beim dritten Hören schon wieder raus wollen. Reality, Fight Forever, Disappear, Nothing More, Hardcore People (was für ein irreführender Songtitel), Too Deep… sie alle funktionieren nach dem gleichen langweiligen Schema. Strophe-Refrain-Aufbau, eher gemäßigtes Tempo, Woohoo-Chöre, deftige Beckenschläge und bloß nicht zu wenige Wiederholungen einzelner Textzeilen . Dass Ylikoski seine überragenden Fähigkeiten am Saiteninstrument dabei kaum noch ausspielen kann, verwundert nicht. Die vom Linkshänder auf früheren Hits wie Bay Of Biscay oder White Flag For Peace virtuos dahingeschmetterten Soli würden zu diesem Soundgerüst nicht mehr passen.

So verwundert es eigentlich auch nicht, dass der beste Song der Platte ausgerechnet der langsamste ist. Der Titeltrack mit seiner durchgehend schleppend blubbernden Elektronik holt im Refrain zur ganz großen Melodie aus. Starkes Ding. Und auch als Ruhepause auf den gewohnt schweißtreibenden Konzerten der Band absolut brauchbar. Auch das deutsch betitelte Das Boot mit der leicht abgewandelten Melodie des Doldinger-Filmmusik-Klassikers geht gut nach vorne und kann überzeugen. Viel mehr bleibt nach 42 Minuten aber nicht auf der Habenseite. Es bleibt die Frage, wen Disco Ensemble mit dieser Platte erreichen wollen. Treue Fans dürften Afterlife zum schwächsten Album der Bandgeschichte küren und hoffen bei der nahenden Tour auf möglichst viele Klassiker. Und um neue Fans zu gewinnen, reicht die Qualität des Gros der Songs einfach nicht aus.

Tracklist DISCO ENSEMBLE – Afterlife

01. Reality
02. Fight Forever
03. Disappaear
04. Afterlife
05. Nothing More
06. Das Boot
07. Hardcore People
08. Face Down In A Fountain
09. Surround Me
10. Too Deep
11. Midnight

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