Interview: EISFABRIK (Der Frost)

Interview: EISFABRIK (Der Frost)
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Diese Woche erscheint ihr neues Album Achtzehnhunderterfroren, mit dem Sie im kommenden Frühjahr auch auf Tour gehen werden (präsentiert von Monkeypress) – nach den Support-Touren für Project Pitchfork und Mono Inc. ihre erste Headliner-Tour. Wir haben der Band einen Schwung Fragen gemailt, die sich inhaltlich mit dem Album auseinandersetzen und auch die Hintergründe zur Tour einmal beleuchten. Der Frost von Eisfabrik beantwortete und die Fragen, sodass hier nun viele Antworten zum Album zu finden sind, man erfährt, warum gerade jetzt der richtige Moment für die erste Headliner-Tour ist, wonach die Support-Acts ausgewählt wurden und vieles mehr.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Laut Album-Info ist das neue Album Achtzehnhundertunderfroren bereits seit 200 Jahren fertig. Wieso hat es so lange gedauert, es aufzutauen?
Das liegt daran, dass die Technik damals noch nicht so weit war, um das Bestmögliche aus den Songs herauszuholen. Deshalb haben wir es zunächst auf Eis gelegt, um es dann zum richtigen Zeitpunkt auf Hochglanz zu bringen. Ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen.

Wie würdet Ihr Unterschiede zum Vorgänger Eisplanet beschreiben? Was ist neu, was ist anders?
Ich würde sagen, dass wir uns im Songwriting, der Produktion und gesangstechnisch noch mal verbessern konnten. So sind die Stücke im Vergleich sehr unterschiedlich aber trotzdem eindeutig Eisfabrik.

Das Thema „Jahr ohne Sommer“ war natürlich für dieses Album ein, salopp gesagt, „gefundenes Fressen“. Wie schafft Ihr es generell, der Eis-Thematik immer neue Aspekte abzugewinnen?
Das Thema ist nun mal sehr vielseitig. Das kommt ja prinzipiell überall vor, in der Natur generell, aber auch metaphorisch gesehen, ist es sehr gut anwendbar, wenn es um zum Beispiel Gefühlsbeschreibungen geht.

Ich habe vom neuen Album nun einmal einige Stücke ausgewählt, über die ich gerne sprechen würde. Angefangen mit A Murdered Love. Was für eine ermordete Liebe ist das hier?
Manchmal wird aus Liebe Hass, doch mit etwas Abstand betrachtet, bleibt wohl jede Liebe ein ewiger Teil von dem, der sie erfahren konnte. Hier geht es also nicht um eine spezielle, persönliche Erfahrung.

In einem anderen Stück werft Ihr die Frage auf: „What if hell is made of ice?“ Hinterfragt: Was wäre denn dann?
Dies ist ein schönes Beispiel für die vorhin angesprochenen Metaphern. Es geht hier nicht darum, dass die Hölle aus Eis bestehen könnte und um die Folgen aus dieser Theorie, sondern darum, dass es ja doch sein könnte, obwohl uns beigebracht wurde, dass dort Feuer vorherrscht. Wir glauben stets das, was man uns erzählt, was wir lernen und sehen. Da der Mensch aber dazu neigt, vieles zu vergessen, verblassen diese erlernten Wahrheiten auch und man schafft sich eigene.

Interview: EISFABRIK (Der Frost)Ganz anders klingt für mich der Love Planet 69. Was für ein Planet ist das, den Ihr hier besingt?
Die Nummer ist eher als Funsong zu sehen, als dass man sie ernsthaft durchleuchten sollte. Es geht um den Liebesakt im All… 😉

Auch begegnet The Survival of the Strongest Mind. Was hat Euch hier angetrieben? Darwin umgedeutet oder was steckt hier dahinter?
Der Song hat das Jahr ohne Sommer oder eine andere schwierige Zeit zum Hintergrund. Es geht darum, dass der Mensch in Zeiten von Widrigkeiten dazu gezwungen ist, sich selbst zu entdecken und zu entfalten, um zu überleben oder eben sich aus einer misslichen Lage zu befreien. Manche Menschen verfallen in Verzweiflung und werden scheitern, andere wiederum gehen in solch schweren Zeiten regelrecht empor und wachsen über sich hinaus.

Ein letztes, das ich herausgepickt habe, ist Rainbow Child. Wer ist dieses „Regenbogenkind“?
Diesen Song hat Dr. Schnee kurz nach dem Tod des Kindes eines engen Freundes von ihm geschrieben. Fragen sind immer noch ungeklärt und begreifen kann man das immer noch nicht so richtig. Wir sind zurückgeblieben und warten hier auf Erden darauf, dass wir alle wieder glücklich vereint sind.

Wenn wir das Album als Ganzes betrachten: Wie ist Eure Erwartungshaltung damit?
Dieses Album ist ein weiteres Tool, um unsere Fangemeinde zu erweitern. Wir hoffen natürlich, dass dies klappt, damit unsere erste eigene Tour auch ihren Zweck erfüllen kann.

Sowohl auf dem Albumcover als auch auf dem Tourplakat fällt auf, dass Ihr diesmal „Gesicht zeigt“, während Ihr auf der Bühne und auch sonst in der Optik eher recht „getarnt“ aussaht. Wie kommt es, dass Ihr nun quasi „Eure wahren Gesichter“ zeigt?
Das hatte den simplen Grund, dass es nicht zum Thema und zu dem Gesamtlook des Artworks gepasst hätte, wenn wir mit Neonmasken und LED-Brillen darauf zu sehen gewesen wären. Das war bei Eisplanet natürlich anders.
Wir haben außerdem das Gefühl, dass es den Leuten mittlerweile egal ist, wer wir in unserem wahren Leben sind. Für unsere Fans sind wir Dr. Schnee, Celsius und Der Frost. Und so sollte man das im Zusammenhang mit Eisfabrik auch sehen.

Wo wir bei der Tour sind: Nach den Support-Touren folgt nun die erste Headliner-Tour. Warum fandet Ihr, war jetzt der richtige Moment, um als Headliner auf Tour zu gehen?
Wir haben nun drei komplette Support-Touren absolviert und auf diversen Festivals gespielt. Man konnte fast von Konzert zu Konzert feststellen, dass das Publikum uns mehr und mehr angenommen hat, sodass sich mittlerweile eine kleine Fangemeinde entwickelte und dies auch immer noch so weitergeht. Wir sind der Meinung, nun da angekommen zu sein, um den Leuten auch eine Fulltime-Show anzubieten.

Schon früh, als Ihr mit Project Pitchfork auf Tour wart, tauchten nach und nach immer mehr Bart-Träger, Wintermützen und gar ein Yeti auf… Wie habt Ihr das anfangs empfunden?
Es ist natürlich immer eine tolle Sache, wenn sich Fans solche Mühe machen, um sich als solche zu erkennen geben. Wir finden das sehr schön und wären auch super begeistert, wenn es noch mehr werden würden.

Nun kommt die Headliner-Tour. Was wird sich – außer vermutlich der Spielzeit – ändern gegenüber den Support-Gigs? Mehr Yetis, Maschinen und Eisbären?
Es wird einiges an Bekanntem geben, aber auch viel Neues. Von Fahrenheit, unser Live-Drummer, ist bereits dabei, die Bühnendeko umzugestalten und neues zu bauen. Unsere Crew wird sich vergrößern, weil die ganze Show noch aufwändiger wird als bisher.

Interview: EISFABRIK (Der Frost)Wie sind für Euch selbst die Erwartungen an die Headliner-Tour?
Wir hoffen eigentlich nur, dass genug Leute kommen, um eine schöne Atmosphäre erreichen zu können. Es wäre doch schade, wenn diese unter leeren Hallen leiden müsste. Aber der Vorverkauf läuft bereits ganz gut, sodass wir uns darüber weniger Gedanken machen müssen.

Was würdet Ihr selbst sagen, macht für Euch eine gute Show aus?
Wenn wir eine tolle Party mit dem Publikum feiern konnten, bei der alle mitgemacht haben und zufrieden nach Hause gehen.

Ihr habt nun zwei Support-Acts mit dabei. Wonach habt Ihr diese ausgewählt?
Nach der Art der Musik. evo-lution passt ganz gut zu unserem Stil und Scheuber sowieso, da ich ja selbst auch bei seinem Album ein wenig mitwirken durfte. Letzterer ist wohl auch kompatibel zu vielen unserer Fans der ersten Stunde, die uns bei den beiden PP-Touren für sich entdeckt haben.

Bei Dirk Scheuber erwähntest Du gerade, dass Ihr Euch nicht nur von der Tour kennt, sondern auch am Abmischen seines Albums beteiligt wart. Welchen Anteil hat die Eisfabrik hier am Sound?
Scheubi hat fast alle Soundspuren selbst gemacht, wobei ich dann nach seinen Demo-Drums, neues Schlagwerk arrangiert habe und den Gesamtklang der Songs auf Vordermann gebracht habe.

Was denkt Ihr allgemein, wie die Special Guests vom Publikum aufgenommen werden?
Ich vermute, dass das ganz gut klappen wird. Wie grad schon gesagt, sind viele ja Fans aus dem PP-Lager, die mit Scheuber sicher sehr gut zurechtkommen und evo-lution sollte prinzipiell die gleiche Zielgruppe haben wie wir.

Nun haben wir über die Tour und das Album gesprochen. Zum Schluss die Frage nach einem kurzen Ausblick: Wie wird es nach der Tour bei Eisfabrik weitergehen? Gibt es schon Pläne?
Wir arbeiten ständig an neuen Songs und Ideen für die Live-Umsetzung verschiedener Gimmicks und Spezialeffekte, sodass wir nie stehen bleiben oder einen Schnitt machen können. Nach der Tour ist vor der Tour…

Weblinks EISFABRIK:

Homepage: www.eismusik.de
Facebook: www.facebook.com/eisfabrikofficial
Twitter: www.twitter.com/EisfabrikMusic

Bilder: Thomas Buchta

Written By
More from Marius Meyer

ALPENTINES – Blackness

Blackness, so der Titel des zweiten Albums der Kölner Band Alpentines, einer...
Read More