PRIDE AND FALL – Red For The Dead – Black For The Morning

PRIDE AND FALL - Red For The Dead - Black For The Morning
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9 Gesamtnote

9

Nach einer dreijährigen Schaffenspause erschien bereits am 26.08.2016 das nunmehr fünfte Album der von hoch aus dem hohen Norden –aus Norwegen- stammenden Pride and Fall: Red for the Dead – Black for the Morning. Dieses Werk muss man unbedingt ernst nehmen, ein würdiger Nachfolger zum legendären Album In My Time Of Dying? Ihr dürft gespannt sein. So einfach nur nebenbei hören und eine oberflächliche Betrachtung oder Anhörung ist eh nichts bei Pride and Fall. Dafür ist ihre Musik einfach zu genial und zu tiefgründig. Dieses Album sollte mit jedem Hören genossen werden. Es reift halt ungemein nach. Immer wieder finde ich beim rauf und runter hören etwas Neues und somit komme ich vorweg schon zur Erkenntnis, dass diese Norweger es einfach drauf haben und ein wahres Wunder genialer Düsterelektronik geschaffen haben. Die Messlatte lag ja auch bereits enorm hoch. Was will man da als Musiker machen? Aufhören? Never, als Vollblutmusiker hat man den Kopf voller kreativer Ideen und Melodien. Versuchen wieder einen Meilenstein wie In My Time Of Dying zu schaffen? Aber warum muss man sich immer an etwas messen oder wird daran gemessen? Auch Musiker haben das Recht Neues auszuprobieren und sich weiter zu entwickeln. Somit auch bei den Norwegern von Pride and Fall. Raus aus dem Schatten und rein ins neue Hörvergnügen. Dies ist den Herren mit mehr als nur Bravour gelungen. Von mir schon vorweg ein ganz großes Hut ab. Aber nun einmal der Reihe nach. Drei Jahre sind bisher ins Land gegangen. Im Jahre 2013 erschien Album Nummer vier Of Lust and Desire. Ein richtig gutes Album düsterer und melancholischer Electromusik, das jedoch leider sehr zu leiden hatte unter dem allzu mächtigen großen Bruder In My Time of Dying. Deshalb gehen wir bitte noch einmal neu auf Anfang und geben Red for the Dead – Black for the Morning den gebürtigen Start, den es auch verdient. Das Trio aus Norwegen immer an diesem legendären Album zu messen, wäre schlichtweg unfair, denn dieses nun mehr fünfte Album wird es euch eindrucksvoll zeigen.

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Kurz möchte ich noch ein paar Worte über die Band verlieren. Die Band besteht aus Sigve Monsen (Gesang), Per Waagen (Keyboards, Programming) und Svein-Joar Johnsen (Gitarre). Bereits seit 2000 kreiert dieses Trio nun in dieser unveränderten Besetzung eine recht gute Mischung aus Dark Electro, etwas EBM und eine gute Prise Future Pop. Fertig ist das Pride and Fall Rezept. Mit kleinen Pausen zwischen durch, bringen es die Norweger immerhin schon auf stattliche fünf Alben. Laut ihrem Label Dependent hatten sie in der Vergangenheit mit ziemlichen Kämpfen und Qualen bezüglich der Produktion dieses Albums zu tun. Sie stellten mehrmals ihr ganzes Produktionsequipment um und mussten bei null wieder neu ansetzen. Wie gesagt, nicht nur bei uns lag die Messlatte ziemlich hoch. Vielleicht setzte sich die Band so unter Druck, die hohe Erwartungshaltung der Düsterszene zu erfüllen. Vielleicht erklären sich auch hier ihre Traurigkeit und ihre geniale Melancholie. Wobei Pride and Fall noch nie die wirklich Alles-ist-gut Musik produziert haben. Der schmale Grat zwischen schneller elektronischer Musik und tanzbaren stampfenden Beats, macht aus Pride and Fall nicht die tanzclubtaugliche Band. Wie auch, in keiner anderen Szene können düstere Themen und finstere Abgründe in ein gehobenes Tempo gepackt werden. Doch wer genau hinhört, sich mitreißen lässt, wird die feinen Unterschiede sofort bemerken. Dies macht den Unterschied aus. Also kann und soll jeder selbst entscheiden, ob man abfeiern oder doch lieber die Beats in einer stillen kleinen Kammer für sich alleine genießen und somit dem Alltag entfliehen möchte. Jeder soll die Musik so genießen, wie es für einen am Besten ist. Ich mag lieber mein Tanzbein zu Pride and Fall schwingen und dabei meine Augen schließen. Wichtig dabei ist, dass man zuhört, genau zuhört, denn die teilweise abgründigen Texte laden zum Verweilen und philosophieren ein. Besonders erwähnenswert ist der Titel des Albums. Auch hier gibt es eine ziemlich gelungene Aussage der Band, denn den erklärt das Trio wie folgt:  „So wie es im Rahmen einer alten chinesischen Begräbnistradition Brauch ist, tragen auch wir Schwarz, um uns vor den Geistern Toter zu schützen. Schwarz steht symbolisch für Trauer. Tote dürfen in jeder Farbe außer Rot beigesetzt werden. Tut man dies, werden sie in ihren Gräbern nie zur Ruhe kommen. Unser neues Album handelt genau davon: Es geht darauf um die Abgründe unseres Unterbewusstseins, mit der wir nie konfrontiert werden wollen, und um kalte Schauer, die uns über den Rücken laufen, wenn wir die die Sonne zum letzten Mal untergehen sehen, ehe eine endlose Nacht beginnt“. Passt doch oder was sagt Ihr?

Abgründe aus den Tiefen der menschlichen Seele

Da sich nur neun Songs auf diesem Album befinden, aber bekanntlich Qualität über Quantität steht, möchte ich nur meine absoluten Favoriten vorstellen. Beginnen möchte ich mit Start of a new Day. Die Eröffnung des Songs erfolgt mit bedrückenden Streichern, die jedoch recht schnell in den wohlig-düsteren, elektronischen Beat wechseln. Sänger Sigve singt hier: „why can’t I sleep forever / only to pretend?“ und dann prophezeit er auch noch im Refrain: „I feel empty / All that’s left is my flesh / I need to rest / The pointing fingers send their last caress“. Jetzt spüre ich doch einen leichten Hauch von Gänsehaut, der meinen Rücken rauf und runter läuft und mein kleines Herz beginnt unruhig zu hüpfen. Düster und äußerst melancholisch. Da kann man schon ins Grübeln kommen. Jeder fühlt sich manchmal ausgebrannt und leer. Sänger Sigve lässt seine Stimme in einer absolut genialen Qualität erklingen und liefert somit eine Meisterleistung ab. Irgendwie fühle ich mich seltsam entrückt. Songs, die solche Gefühle hervorrufen gibt es einfach zu selten und das liegt nicht nur an den Texten. Nein die Mischung aus Grundmelodie, Stimmung, Text und Gesang macht es aus und hier stimmt einfach alles. Auch bei Broken Men fühle ich mich wie in einen Albtraum versetzt. Mit Pale setzen sie noch eine Schippe oben auf. Abgründe aus den Tiefen der menschlichen Seele projiziert in einen mehr als nur gelungenen Song. Abgründe mit denen wir uns Tag täglich konfrontiert sehen. Stampfende Beats und eine verzerrte Stimme ziehen mich ganz weit hinab und ich verspüre nur noch die Energie, die in mir fließt. Meine Tanzbeine wollen sich einfach nur bewegen. Hier fliegen mir die stampfenden Beats nur so durch die Hörgänge.

Mit The Sentiment was False bekomme ich einen gewaltigen Wutausbruch auf die Ohren. Dieser Song setzt sich richtig in meinen Gehörgängen und somit im Gehirn fest. Am Anfang des Liedes gibt es schöne Synthieklänge, verzerrte Beats und einen überaus ruhigen Gesang. Diese schon beinahe spürbare und greifbare Ruhe, wird bei gut zwei Minuten zu einem Krachgewand, so als würden die Musiker alle verfügbaren Instrumente in einen riesigen Topf werfen und kräftig umrühren. Dazu wird mit einer Inbrunst die wahre Wut in meine Hörmuscheln geschrien, dass ich gar nicht mehr weiß wo oben oder unten ist. Zum Schluss flacht dieser Wutausbruch etwas ab, trotzdem hallt die Mischung aus elektronischen Klängen, Gitarren und wildem Gestampfe ziemlich nach. Richtig guter Toback. Mit einer Spielzeit von weit über sieben Minuten ein hartes Stück Arbeit sich durchs Lied zu kämpfen. Danach verspüre ich aber ein Gefühl der Erleichterung. Vor allem wenn der Alltag gerade ziemlich mies ist, denn dieser Track lässt den Frust abbauen. Melancholie, Verzweiflung, Wut und Frust kommen hier besonders stark zur Geltung.

Dann möchte ich noch etwas über den Titelsong loswerden, der leider viel zu schnell das Ende eines großartigen Albums einleitet. Die musikalische Reise in die Abgründe der tiefsten menschlichen Seele ist viel zu schnell vorbei. Wobei auch hier über sieben Minuten Musikgenuss geboten werden. Synthetische Klänge, die sich langsam aufbauen und immer schneller werden, eine stampfende Grundmelodie und eine glasklare Stimme runden dieses Feuerwerk eines Musikmeisterwerkes würdig ab. Dieses Album weist aber noch einige spannende Songs auf, die erobert werden wollen. Nicht oberflächlich sondern in ihrem ganzem Aufbau. Nehmt euch die Zeit, es ist es echt wert. Bei Army of Ghosts läuten zu Beginn des Songs Kirchenglocken, die verfremdet wurden. Diese kleinen Details erkennt man erst nach vielen Hörgenüssen. Das Album will erobert werden und ist nichts für “nur mal anhören und fertig”. Viel Geduld, Zeit und den einen oder anderen Hördurchgang. Es gibt viele Arten sich ein Album anzuhören. Bei mir hat es klick gemacht, als ich mich auf die Energie und die Kraft eingelassen habe und einfach beim Hören mein Tanzbein geschwungen habe. Es wollte eh nicht still stehen bleiben. Schließt eure Augen und begebt euch auf eine wirklich gelungene Reise in die Tiefen eurer dunkelsten Seele. Ich bin echt gespannt, was zukünftig  noch aus Norwegen so geboten wird. Die Messlatte ist sicher nicht niedriger gelegt worden. Aber wir wollen ja nicht mehr vergleichen.

Fazit: Es war schon ein Stückchen Arbeit sich durchs Album zu kämpfen, den einen oder anderen Hörgang brauchte es schon. Die Details offenbaren sich langsam und den Reifeprozess braucht es. Das Album ist viel zu gut, als das man es nach dem ersten Mal anhören einfach weg legt. Dafür ist es echt zu schade. Geniale Düsterelektronik Made in Norwegen. Niemand kommt mehr auf die Idee die musikalischen Ergüsse nur noch mit In my Time of Dying zu vergleichen. Nein hier und heute wurde etwas viel Größeres geschaffen. Vielleicht die größten und besten Songs ihrer Karriere? Das sind alles nur Mutmaßungen. Macht euch selbst ein Bild und genießt ein unheimlich intensives, düsteres, melancholisches, aber auch brachial energiegeladenes Meisterwerk. Für mich gibt es keinen Vergleich mehr. Der einzige Kritikpunkt den ich habe ist, dass es leider nur neun Songs sind, denn mittlerweile bin ich süchtig nach diesem Album.

Tracklist PRIDE AND FALL – Red For The Dead – Black For The Morning:

01. The Angel At The Pillar
02. Army of Ghosts
03. When Darkness Comes
04. Noises Within
05. Start of a new Day
06. Broken Men
07. The Sentiment was false
08. Pale
09. Red for the Dead – Black for the Morning

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