Downhill X Edition (GRAUSAME TÖCHTER, ASG…) – Sittard, Poppodium Volt (09.04.2016)

Fotos: GRAUSAME TÖCHTER
Grausame Töchter, © Frank Güthoff
Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Wenn man sein Wochenende eigentlich anders und seinen Abend im Grunde ganz und gar anders plant und dann vorbei an Industrieanlagen und weiten Grünflächen im Auto in Richtung Niederlande sitzt, hat man entweder alles richtig gemacht oder alles falsch. In dem Fall natürlich ersteres, denn neben den architektonischen Besonderheiten, wurde ich auch musikalisch überrascht.

Los ging der Konzertabend in einer der schönsten Konzertlocations, die ich je gesehen habe, mit Monica Jeffries. Die Blondine hatte sich extra auf die Reise nach Sittard gemacht, um mit ihren zwei maskierten Bandkollegen, den Opener zu geben. Hübsch anzusehendes Mädchen, was aber liedtechnisch recht eintönig war. Ich kann nicht sagen, dass Frau Jeffries eine schlechte Show in ihrer schwarzen Hose und ihrem bauchfreien Top hingelegt hat, aber spätestens nach dem fünften Stück, fingen alle Lieder an sehr gleich zu klingen. Schade, hatte doch ihr Auftritt so gut angefangen.

Nach einer kurzen Umbaupause, füllte sich auch langsam die Halle. Niederländer scheinen die Samstage lieber auf dem Sofa zu verbringen, als Kultur zu genießen, wie mir schien. Aber sei es drum. Der eine oder andere traute sich doch vor die Tür, trank ein Bier und wartete gemeinsam mit mir auf Agent Side Grinder. Ich gebe zu, die Herzchen in den Augen setzten nicht nur bei mir ein, als die Schweden anfingen ihren elektronischen Postpunk zu spielen. Selten habe ich so viele Leute und Instrumente gemeinsam auf einer Bühne gesehen und einen Sänger, der so viele Emotionen gleichzeitig auslösen und selbst widerspiegeln konnte. Wer nach dem Auftritt nicht glücklich war, war eigentlich selbst Schuld. Von mir aus hätten sie ruhig noch ein bisschen länger spielen können und ich glaube, die mich umgebenden Niederländer waren der selben Meinung. Herzchen in den Augen, wurden zu Herzchen in der Luft, die langsam während der nachfolgenden Umbaupause verschwanden.

Tadaaaaa! Frau Aranea Peel hat sich mit ihren grausamen Töchtern auch in die Niederlande gewagt und ordentlich eingeheizt. Musikalisch nicht ganz mein Fall, für die Augen aber auf jeden Fall. Von leichtbekleideten bis nackten Damen in Massen und ordentlich Mimik und Gestik seitens Aranea Peel, wurde alles gegeben. Maximaler Unterhaltungswert! Muss man es einmal gesehen haben, vielleicht auch zwei Mal. Wenn man es mag, dass latexbekleidete Menschen aus dem Publikum öffentlich abgeschellt, auf die Bühne uriniert und die Protagonistinnen sich gegenseitig beißen, ist man wohl bei den Grausamen Töchtern genau richtig. Wer es nicht mag und trotzdem hingeht, hat zumindest etwas worüber er sich aufregen oder den Freunden erzählen kann. (Man beachte hier die teilweise zensierten Bilder!)

Was gibt es noch zu sagen außer die Location noch einmal zu loben: Gott, war die schön, aufgeräumt und nicht abgeranzt wie man das von deutschen Spielstätten kennt. Daumen hoch! Ab und zu europäische Grenzen passieren und sich dort Konzerte angucken, kann sich nämlich richtig lohnen!

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