E-TROPOLIS FESTIVAL 2016 – Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016)

E-TROPOLIS FESTIVAL 2016 - Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016)
Welle:Erdball, © Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Aller sehr guten Dinge sind drei – so könnte das Fazit für den Großteil der knapp 4.500 Zuschauer des E-Tropolis Festivals lauten. Denn –soviel seit vorweggenommen– das Event in der Oberhausener Turbinenhalle konnte in fast allen Belangen überzeugen.

Den Anfang machte um 14 Uhr vor einer schon recht ordentlich gefüllten Haupthalle der Schwede Henric de la Cour mit einem seiner seltenen Deutschland-Auftritte. Der abwechslungsreiche und atmosphärische Synthpop-/Wave-Sound traf dann auch sichtbar den Geschmack des bereits anwesenden Publikums. Deutlich monotoner und tanzbarer wurde es zur Eröffnung der zweiten, kleineren Bühne mit dem Hannoveraner Duo Orange Sector. Der perfekte Act zum „Warmstampfen“, so sahen es auch einige EBM-Hardliner, die schnell den ersten ordentlichen Moshpit des Tages eröffneten. Mit Kalt wie Stahl endete nach 30 Minuten ein energiegeladener Gig von Lars Felker und Martin Bodewell.

Setlist Orange Sector @ E-Tropolis Festival 2016, Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016):

01. Z.o.m.b.i.e / Terroristen
02. John Kills
03. Alles dreht sich im Kreis
04. Monoton
05. Der Maschinist
06. I Hate You
07. Sturm
08. Geile Zeit
09. Für immer
10. Kalt wie Stahl

Wie gut also, dass es im Anschluss auf beiden Bühnen wieder ruhiger und melodiöser wurde. Man will an einem langen Festivaltag ja nicht schon nachmittags erschöpft sein…

Kite und Assemblage 23 auf der Main Stage sowie Harmjoy und die kurzfristig für Chrom eingesprungenen Beborn Beton konnten sich jeweils über einen ordentlichen Zuschauerzuspruch freuen. Vor allem Kite haben sicher einige neue fans hinzugewonnen, sorgten sie doch für eine ganz besondere Atmosphäre in der großen Turbinenhalle.

Wurde nun also ausführlich den eher ruhigeren, schönen Electro-Sounds gefröhnt, stand als nächstes mit The Cassandra Complex ein echtes Brett auf dem Programm. Rodney Orpheus und seine Mannen ließen es so richtig krachen und sorgten mit Gitarreneinsatz für einen starken Kontrastpunkt im sonst eigentlich durchweg elektronischen Ensemble dieses Festivals. Von Beginn an rissen sie ihre Fans mit und gaben den Fans am Ende mit dem energiegeladenen Moscow Idaho und One Millionth Happy Customer buchstäblich den Rest im bestmöglichen Sinne. Was für ein Feuerwerk!

Richtige Begeisterungsstürme entfachten ebenfalls die auf der großen Bühne nachfolgenden Welle:Erdball. An dieser Stelle darf betont werden, dass sich die nunmehr nicht mehr ganz so neue Sängerin Lady Lila immer besser in ihre Rolle einfügt und mittlerweile selbst die größten Fans ihrer Vorgängerin Ms. Plastique von ihren Gesangsqualitäten überzeugt haben müsste. Und einen hübschen Engel gibt sie auch ab. (siehe Fotos) 😉 Mit einem klassischen Best-Of-Set, welches u.a. mit Hoch die Fahnen, Starfighter F-104 G, Wir wollen keine Menschen sein, Schweben, Fliegen, Fallen, Arbeit adelt und auch der neuen Single 1000 Engel kaum Wünsche offen ließ, einem gut aufgelegten Honey sowie einem zuverlässigen Ersatzmann an den Tasten für den erkrankten A.L.F. lieferte der zweite Hannoveranische Act bei glasklarem Sound an diesem Tag sicherlich einen der besten Auftritte ab.

Nach den krachigen Klängen der Winterkälte wurde es dann Zeit für DEN isländischen Geheimtipp schlechthin. Der Auftritt von Legend endete nur leider einige Minuten früher als geplant. Was wohl nicht nur den Schreiber dieser Zeilen ärgerte, wie sich aus den rundum zufriedenen Gesichtern im Bereich vor der Bühne herauslesen ließ. Für die wichtigsten Songs des großartigen 2014er-Debütalbums Fearless war dann aber noch Zeit, auch ein neues, sehr ruhiges und vielversprechendes Stück namens Adrift vom in einigen Monaten erscheinenden zweiten Album wurde von Krummi Björgvinsson und seinen beiden Mitstreitern an Schlagzeug und Maschine dargeboten.

Setlist Legend @ E-Tropolis Festival 2016, Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016):

01. Amazon War
02. Virgin
03. Sister
04. City
05. Runaway Train
06. Adrift

Danach war es dann Zeit für die „Top 5“ des Tages. Den guten Stimmungspegel von Legend konnten Diorama nicht nur halten, sondern mit alten Klassikern und neuen Tracks durchaus auch noch weiter ausbauen.

Setlist Diorama @ E-Tropolis Festival 2016, Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016):

01. Light
02. Forgotten
03. Exit The Grey
04. Hope
05. Synthesize Me
06. When We Meet Again In Hell
07. Defcon
08. Ignite
09. Scale
10. Advance

Electro-Legenden auf ungewohnten Pfaden

Zeitgleich lieferte mit Front Line Assembly ein Szene-Urgestein den wohl lautesten Auftritt des Tages ab. Die austro-kanadische Electro-Legende nahm den Namen des Festivals entgegen vieler Erwartungen nur allzu wörtlich und schmiss die gitarrenlastigen Live-Standards Millenium, I.E.D. und Liquid Separation komplett aus der Setlist. Übrig blieb ein hämmerndes Potpourri aus Songs der letzten Scheibe Echogenetic und den EBM-Klassikern der frühen 90er. Dass „Onkel Bill“ Leeb gleich beim Opener Final Impact ordentlich aus dem Takt geriet, war 60 Minuten später dann auch angesichts eines großartigen Auftritts verziehen und vergessen.

Setlist Front Line Assembly @ E-Tropolis Festival 2016, Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016):

01. Final Impact
02. Neologic Spasm
03. Killing Grounds
04. Blood
05. Resist
06. Plasticity
07. Deadened
08. Exhale
09. Prophecy
10. Mental Distortion
11. Mindphaser

Ein weiterer radikaler Stilwechsel folgte. Die Mexikaner von Hocico sorgten mit ihrem Hellectro-Sound für ordentlich Bewegung in der spätestens dann proppevollen Haupthalle. Wobei das Duo um Erk Aicrag und Rasco Agroyam vielleicht auch ein wenig davon profitierte, dass eine normalerweise absolut artverwandte und ähnlich bekannt-beliebte Band zeitgleich ein eher spezielleres Set spielte. Suicide Commandos „Vintage Set“ konzentrierte sich auf die Songs der Frühwerke Critical Stage und Stored Images, das belgische Trio um Johan van Roy schien sich aber in den 75 Minuten auch ohne das sonst gewohnte Aggrotech-Gehämmer sehr wohl zu fühlen.

Da der Auftritt von Suicide Commando pünktlich zu Beginn des Headliners And One endete, konzentrierte sich das Geschehen ab kurz vor Mitternacht nur noch auf die Main Stage. Über dieser thronte ein Banner im gewohnten And One-Stil. „22.10.2016 – Düsseldorf, Stahlwerk – Wer’s verpasst, wird daran zerbrechen“ war darauf zu lesen. Eine Eigenwerbung der agressiv-ironischen Art, die sich durch wiederholte ebenso agressiv-ironische Ansagen von Sänger Steve Naghavi durch die ganzen 85 Minuten Spielzeit zog. Musikalisch kündigten die Berliner schon vorab ein „etwas härteres Set“ an – und hielten Wort. Stücke wie Strafbomber, Die Mitte oder Black Generation gehören in der Regel nicht zum typischen And One-Festival-Set. So war die Stimmung in den vorderen Reihen ziemlich ekstatisch, gegen Ende des Auftritts kamen dann auch einige „Hits“ wie Military Fashion Show, Techno Man, Krieger und zum krönenden Abschluss natürlich Shouts Of Joy hinzu. Ärgerlich nur: Die technischen Probleme beim Background-Gesang von Joke Jay, der teilweise kaum bis gar nicht zu verstehen war.

Setlist And One @ E-Tropolis Festival 2016, Oberhausen, Turbinenhalle (05.03.2016):

01. Black Generation
02. Männermusik
03. Die Mitte
04. Deutschmaschine
05. Seven
06. Strafbomber
07. Metalhammer
08. Schwarz
09. Zerstörer
10. Steine sind Steine
11. Timekiller
12. Krieger
13. Techno Man
14. Bodynerv
15. An alle Krieger
16. Die Stille vor dem Ton/Military Fashion Show
17. Shouts Of Joy

Nachdem dann auch der letzte Anwesende mitbekommen hatte, dass And One am 22. Oktober im Düsseldorfer Stahlwerk ein Konzert spielen werden, endete das dritte E-Tropolis-Festival im Herzen des Ruhrgebiets. Stimmungs- wie organisationstechnisch war es ein voller Erfolg, der Kartenverkauf lief prächtig. Kein Wunder, dass die vierte Auflage für den 18. März 2017 bereits angekündigt wurde. Und dann hoffentlich auch wieder mit Autogrammstunden. Diese wurden dieses Jahr nämlich seltsamerweise komplett gestrichen…

Weblinks:
Homepage: http://etropolis-festival.de/home.php
Facebook: https://www.facebook.com/etropolisfestival/

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