AC/DC – Gelsenkirchen, Veltins-Arena (12.07.2015)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)
Hard-Rock from Down Under! Den haben wir schon immer geliebt und dieses unstillbare Interesse ebbt auch 2015 und damit ĂŒber 40 Jahre nach GrĂŒndung der wohl bekanntesten GrĂ¶ĂŸe dieses Sektors nicht ab. Mit ihrer Rock or Bust World Tour machen AC/DC auch in der Gelsenkirchener Veltins Arena Halt und sorgen dafĂŒr, dass gut 55.000 Besucher jeglicher Altersgruppen den heiligen Sonntag zum Day of Rock kĂŒren.
Dass man sich auf eine ShowgrĂ¶ĂŸe wie AC/DC nicht sonderlich einstimmen muss, steht fest. Dass wir heute jedoch direkt in den Genuss von zwei Supportacts kommen, ist eine nette Zugabe, die zudem die ohnehin schon deutlich spĂŒrbare Spannung auf die großen Idole noch einmal angenehm schĂŒrt. Bei den letzten vier Deutschlandauftritten der Rock or Bust World Tour stehen als erstes The Whiskey Foundation auf der Agenda, die den gut gelaunten Fans in der Schalker Arena ordentlich einheizen. Mit ihrem Bluesrock zielt die MĂŒnchener Formation direkt ins Schwarze und begeistert mit einem Sound, der aus staubigen Zeiten stammt, aber dennoch heute zweifelsohne Bestand hat. Ein toller Auftakt! An diesen wird nach einer kurzen Pause direkt mit Vintage Trouble angeknĂŒpft, die die Zeitreise zurĂŒck in die 50er und 60er Jahre möglich machen. Der Schwarz/Weiß-Filter, der das auf der BĂŒhne Gefilmte auf den LeinwĂ€nden maskiert, passt hier wie die Faust aufs Auge. Das in feine AnzĂŒge gehĂŒllte Quartett aus den Staaten weiß den rockigen Blues beeindruckend authentisch zu reanimieren und sorgt dafĂŒr, dass die Menge sich bei StĂŒcken wie Blues Hand Me Down oder Total Strangers, bei dem SĂ€nger und Entertainer Ty Taylor sich vollends verausgabt, komplett aus dem Hier und Jetzt verliert und sich einfach treiben lĂ€sst.

Neil Armstrong hat ĂŒbrigens bei seinem Spaziergang ĂŒber den Mond nicht nur graue Mondkrater vorgefunden, sondern auch jene Übermacht, die uns ab nun in den Bann reißen wird – so der Videoeinspieler zu Beginn der Show. AC/DC entern die Szene mit lautem feurigen Knallen und vom ersten Moment an sind auch wir Feuer und Flamme fĂŒr das, was dort vorne passiert. Unsere Augen kleben förmlich an den absolut fesselnden, teils durchaus skurrilen Körper- und Gesichtsbewegungen des Lead-Gitarristen Angus Young, der heute einfach KrĂ€fte ohne Grenzen zu haben scheint. Und wĂ€hrend Frontmann Brian Johnson, der sich auch heute mit seiner charakteristische SchirmmĂŒtze schmĂŒckt, Töne in den Raum schießt, die bei uns immer wieder ins Schwarze treffen, gröhlt die begeisterte Menge Perlen wie Back in Black oder Thunderstruck, bei dem wilde Blitze ĂŒber die Bildschirme jagen, aus tiefster Seele mit. Was fĂŒr ein unfassbarer Wahnsinn, der sich hier stimmungsmĂ€ĂŸig innerhalb von kĂŒrzester Zeit aufbaut!
Dass AC/DC heute noch genauso gut funktioniert wie damals, liegt vor allem aber auch daran, dass sich trotz personellen Wechseln innerhalb der Band immer wieder ein unfassbar harmonisches Gespann herauskristallisierte, das – wie auch hier und heute – einfach mit ganzem Herzen Lust daran verspĂŒrt, Musik zu machen und mit ihr Menschen glĂŒcklich. Und so ist auch das Bild mit neuer Besetzung an den Drums, an denen sich nun Chris Slade verausgabt, und an der Rhythmus-Gitarre, deren Saiten seit einem guten Jahr Stevie Young, der Neffe von AC/DC-GrĂŒndungsmitglied Malcolm Young, bespielt, absolut stimmig. Wo man damals allerdings vielleicht noch einiges dem Zufall ĂŒberließ, steht heute eine aufgestylte Show, die Seinesgleichen sucht. Da wird schon einmal eine ĂŒbergroße Glocke auf der BĂŒhne zu Hells Bells geschwungen, Gitarrist Angus Young an anderer Stelle in die höchsten Höhen gehoben, um sein Solo darzubieten, oder mit Kanonen fĂŒr ordentlich ZĂŒndstoff gesorgt, um mit dem zweiten Zugabensong For Those About to Rock (We Salute You) den ohnehin schon bleibenden Eindruck zu untermauern. Die FangesĂ€nge und die Feierlust der hier Anwesenden steigern sich hierbei ins Unermessliche und man gerĂ€t geradezu von einem Höhepunkt zum nĂ€chsten. Und auch wenn man bei den Close-Ups auf den LeinwĂ€nden den Altmeistern des Rocks direkt ins Gesicht schaut und manches Mal insgeheim denkt: „Mensch, sind die alt geworden!“, kommt dieser Eindruck doch zu keinem Zeitpunkt der ausgefeilten Darbietung rĂŒber. AC/DC – das sind Urgesteine, das sind gestandene Herren, die aber heute mehr denn je ĂŒberzeugen, scheinbar ĂŒbernatĂŒrliche KrĂ€fte besitzen und uns schlichtweg den Atem rauben. Danke fĂŒr diesen unvergesslichen Abend! We Salute You, You Rocked!

Setlist AC/DC @ Gelsenkirchen, Veltins-Arena (12.07.2015):
01. Rock or Bust
02. Shoot to Thrill
03. Hell Ain’t a Bad Place to Be
04. Back in Black
05. Play Ball
06. Dirty Deeds Done Dirt Cheap
07. Thunderstruck
08. High Voltage
09. Rock ’n‘ Roll Train
10. Hells Bells
11. Baptism by Fire
12. You Shook Me All Night Long
13. Sin City
14. Shot Down in Flames
15. Have a Drink on Me
16. T.N.T.
17. Whole Lotta Rosie
18. Let There Be Rock
19. Highway to Hell (Z)
20. For Those About to Rock (We Salute You) (Z)

AC/DC:

Vintage Trouble:

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
Mehr von Tanja Gamon

SCOOTER – DĂŒsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (26.02.2016)

Was gibt es Schöneres, als am Freitagabend nach getaner Arbeit endlich die...
Weiterlesen

1 Kommentar

Kommentarfunktion geschlossen