ZOLA JESUS & BLACK ASTEROID – Köln, Gebäude 9 (10.11.2014)

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Eröffnet wird der Montagabend von dem New Yorker Bryan Black alias Black Asteroid, einem DJ, der sich selbst dem Genre Techno zuordnet und sich auf der Bühne hinter einer überdimensionalen Sonnenbrille versteckt. Routiniert und ohne eine Miene zu verziehen programmiert er an seinem Mac stumpfe minimalistische Beats und wummernde Bässe, die die Ohren unangenehm zum Klingeln bringen. Die altersmäßig bunt-gemischten Besucher, bestehend aus Goth-Anhängern, Hipstern und anderen "Randgruppen", lassen sich unterdessen auch kaum zu mehr als einem verhaltenen Mitwippen bewegen; der Funke will einfach nicht überspringen. Das mag zum einen an der unterkühlten Atmosphäre (an der u.a. die Sonnenbrille Schuld trägt) liegen, zum anderen vielleicht aber auch einfach nur an der Uhrzeit. So passt die Soundlandschaft, die er schafft, doch eher in einen Nachtclub, in den man um 4 Uhr morgens noch für einen Absacker einkehrt. Vielleicht würde sein Konzept ein paar Stunden später besser funktionieren und er würde mehr als nur einen Höflichkeitsapplaus bekommen. Als dieser einsetzt, stechen nur die heftigen Beschwerden eines älteren Herren heraus, der seinen Auftritt lautstark ausbuht und das Ganze ironischerweise als "eine Frechheit" bezeichnet. Schonungslose Meinungsäußerung at its best.

Nach der Umbaupause, die viele für den Gang zur Theke nutzen, füllt sich die Halle rapide und es wird eng vor der Bühne. Gespannt warten alle auf die live-Umsetzung des neuen Albums Taiga, auf dem die 25-jährige Nika Roza Danilova, wie Zola Jesus mit bürgerlichem Namen heißt, mit ausladenden Schritten auf der messerscharfen Schmerzgrenze der Überproduziertheit tanzt. So würde wohl Rihanna gerne klingen, wenn sie bloß könnte. Zwar sind die neuen Tracks noch immer nicht übermäßig massentauglich und sehr eigensinnig; die Sperrigkeit ihrer frühen Werke jedoch ist nahezu gänzlich verschwunden, was die breite Spannweite der neuen und alten Fans an diesem Abend erklären dürfte.

Wenig überraschend eröffnet das Intro des Albums auch ihre Show, etwas mehr überraschend hingegen ist, dass sie und ihre drei Herren (Drums, Trompete und Synthesizer) das Album fast eins zu eins durchspielen. Die beiden Ausnahmen im regulären Set sind die Titel Clay Bodies und Sea Talk, die nach der ersten Albumhälfte integriert werden. Sie fühlt sich sichtlich wohl auf der Bühne und in Köln sowieso, wie sie zwischenzeitlich bemerkt. Zudem hält sie sich primär am Bühnenrand und immer in der Nähe des Publikums auf. Dieses dankt ihr dafür mit tosendem Applaus nach jedem Song und feiert sie gebührend für ihre Show: Während der Instrumentalparts (vor allem beim Intro!) lässt Madame Jesus es sich nämlich nicht nehmen, sich vollkommen ekstatisch zum harten Schlagzeuggewitter auf der Bühne herumzuschmeißen, bis sie völlig außer Atem ist. Dabei muss leider erwähnt
werden, dass das beißende Zischen des Crashbeckens zum Teil den Rest der Musik inklusive Zolas starker und sicher geführter Stimme unter sich begräbt. Abgesehen davon ist der Sound etwas reduzierter als auf der Platte, wodurch es trotz all der eingesetzten elektronischen "Hilfsmittel"/Instrumente etwas natürlicher und weniger poppig wirkt. Beim vorletzten Song Hollow sucht sie die Nähe des Publikums indem sie spontan zur Freude aller von den Brettern hüpft und einmal quer durch die Menge läuft. Passenderweise endet anschließend das Mainset mit It’s Not Over, denn das ist es tatsächlich nicht. Nur einen kurzen Augenblick nach Verlassen der Bühne hat die Menge sie bereits wieder aus dem Backstagebereich herausgejubelt und sie krönt den Auftritt mit den beiden Zugaben Night und Vessel, ehe sie sich mit einem "Dankeschon" kurz und schmerzlos davon macht. Da Montag ist und es sonst ohnehin zu spät werden würde, kann ich mit dem Fehlen der Lieder Hikikomori und Fall Back ganz gut leben und freue mich einfach auf ihr nächstes Konzert in der Nähe, vielleicht dann mit einer glücklicheren Auswahl, was die Vorband betrifft.

Setlist Zola Jesus:
01. Taiga
02. Dangerous Days
03. Dust
04. Hunger
05. Go (Blank Sea)
06. Ego
07. Clay Bodies
08. Sea Talk
09. Lawless
10. Nail
11. Long Way Down
12. Hollow
13. It’s Not Over
14. Night (Z)
15. Vessel (Z)

Zola Jesus:

Black Asteroid:

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
Mehr von Linda Hartung

BETH DITTO – Köln, E-Werk (26.09.2017)

Für einen Konzertabend der Superlative sorgte Beth Ditto im nahezu ausverkauften Kölner...
Weiterlesen