LACRIMOSA – Chemnitz, Wasserschloss Klaffenbach (26.07.2014)

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Fast genau f├╝nf Jahre ist es her, dass sich Lacrimosa die Ehre gaben, im wundersch├Ânen Ambiente des Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz aufzutreten. F├╝nf Jahre hat die treue Fangemeinde der Formation rund um Mastermind Tilo Wolff gewartet, um erneut die unverwechselbare Stimme des charismatischen S├Ąngers und seines weiblichen Gegenparts Anne Nurmi genie├čen zu d├╝rfen. Am 26.07.2014 war es dann endlich soweit, das erste (und neben dem Auftritt auf dem Amphi-Festival am 27.07.14) auch einzige Deutschland-Konzert 2014 sollte endlich stattfinden. Eine Woche nach Erscheinen des in Mexiko aufgezeichneten Live-Albums ein perfekt gew├Ąhlter Zeitpunkt, um auch dem deutschen Publikum endlich wieder Live-Atmosph├Ąre bieten zu k├Ânnen.

Nachdem 17:30 Uhr die Tore ge├Âffnet wurden und sich der Schlossinnenhof zusehends schw├Ąrzte, wurden die Besucher beim ersten Blick auf die B├╝hne bereits ├╝berrascht: vom schwarzen B├╝hnentuch strahlte eine wundersch├Âne Zeichnung, die das Profil Tilo Wolffs zusammen mit dem Wasserschloss zeigte. Eigens f├╝r dieses Konzert angefertigt, wurden auch 100 T-Shirts mit diesem Motiv bedruckt und als ganz besondere Erinnerung verkauft.

Der Verzicht auf eine Vorband hat sich bereits auf der Tour rund um das 2012 erschienene Studioalbum Revolution bew├Ąhrt und so war wohl kein Besucher verwundert, als 19:40 Uhr direkt die ersten Takte des traditionellen Lacrimosa-Intros erklangen und eine sichtlich gut gelaunte Anne Nurmi samt Band die B├╝hne betrat. Tilo lie├č noch auf sich warten und steigerte so die bereits emotionsschwangere Stimmung bis zu ihrem H├Âhepunkt, der sich dann mit den ersten Zeilen des Band-Klassikers Ich bin der brennende Komet entladen durfte. Von frenetischem Applaus begleitet, betrat der Meister seine B├╝hne. Sichtlich erfreut ├╝ber die phantastische Stimmung, begr├╝├čte er auf gewohnt charmant-bodenst├Ąndige Art die Konzertbesucher und brachte seine Verbundenheit mit Klaffenbach erneut zum Ausdruck, indem er mitteilte wie sehr er den Tag hier bereits genossen h├Ątte. In Anbetracht des Lieder-Marathons, der folgen sollte, war die Erholung vorab sicherlich auch von N├Âten. V├Âllig in seine eigene Musik versunken und eins mit ihr, wie so typisch f├╝r ihn stets mit den H├Ąnden im Takt tanzend, bot der Wahlschweizer eine emotionsgeladen Show, die rein gar nichts mit dem Abarbeiten einer Setlist zu tun hatte, wie man es heute leider zu oft bei anderen Bands erleben darf. Begleitet von der herausragend guten Live-Band, wie bew├Ąhrt vertreten durch JP und Henrik Flyman an den Gitarren und Yenz Leonhardt am Bass sowie Drummer Julien Schmidt (neu anstelle von Manne Uhlig), durfte man als Besucher eine Zeitreise durch die mehr als 20j├Ąhrige Bandgeschichte antreten. G├Ąnsehaut wechselte sich mit purer Euphorie ab, Tr├Ąnen wurden von tiefer Melancholie begleitet. Altbekannte Publikums-Lieblinge wie Stolzes Herz, Alleine zu zweit oder Tr├Ąnen der Sehnsucht gaben sich ein Stelldichein mit neueren Titeln wie Revolution oder Feuerzug. Selbstredend durfte auch Anne Klaffenbach mit drei Titeln verzaubern ÔÇô so manch ein m├Ąnnlichen Besucher wird sicher nicht nur von ihrer Gesangesleistung begeistert gewesen sein, stellte sie doch deutlich klar, dass sie nicht nur mit den H├Ąnden tanzen kann.

Mit wohl einmaliger Mimik und Gestik und den f├╝r ihn typischen kleinen Anekdoten zwischen den einzelnen St├╝cken f├╝hrte Tilo Wolff durch die inzwischen herangebrochene Nacht und bot den zum Teil sogar aus Russland angereisten Fans (denen er eigens I Lost My Star In Krasnodar widmete) ein Konzert-Spektakel, das seines Gleichen noch lange suchen wird. Sicherlich eines der vielen Highlights waren die zwei Live-Weltpremieren Morning Glory und Heute Nacht, erschienen auf der gleichnamigen E.P., doch egal was auf der B├╝hne dargeboten wurde, Tilo und Anne wurden gefeiert, es wurde getanzt und gesungen, geweint, gelacht und genossen. Dass die K├╝nstler selbst jede Sekunde genossen haben, stand v├Âllig au├čer Zweifel. Den (ersten) Abschluss fand der Abend nach etwa zwei Stunden mit dem vieldiskutierten Irgendein Arsch ist immer unterwegs, welches sich, wie von Tilo betont, inzwischen jedoch zu einer Art Lacrimosa-Hymne entwickelt hat. Es ist schwer denkbar, dass irgendein Besucher des Konzertes den eing├Ąngigen Refrain nicht mitgesungen hat! Schnell war klar, dass das nicht das Ende des Konzertes sein durfte, und noch auf der B├╝hne setzten bereits die Zugabe-Rufe ein. Lange lie├čen sich S├Ąnger und Band auch nicht bitten, und so wurden noch sieben Zugaben gespielt bevor die L├Ąrmschutzbestimmungen dem Abend ein Ende setzen mussten. Beschenkt mit der Anerkennung und Liebe eines dankbaren und gl├╝cklichen Publikums verlie├č Lacrimosa nach fast drei Stunden Spielzeit die B├╝hne und stand im sp├Ąteren Verlauf des Abends auch noch f├╝r Autogramme und Fotos zur Verf├╝gung.

Fazit: Ein Konzertabend, der perfekter nicht h├Ątte sein k├Ânnen. Texte, die tief ins Herz gehen. K├╝nstler, deren bedingungslose Liebe zur Musik in jeder Sekunde sp├╝rbar ist. Eine Live-Band, die sich jeder Liebhaber rockiger Gitarrenkl├Ąnge nur w├╝nschen kann. Und Fans, die ihre Band tief verg├Âttern. Danke Lacrimosa, danke Klaffenbach. Der Abend wird lange im Ged├Ąchtnis bleiben.

Setlist LACRIMOSA:
01. Lacrimosa Theme
02. Ich Bin Der Brennende Komet
03. Alleine Zu Zweit
04. Malina
05. Kelch Der Liebe
06. Stolzes Herz
07. The Turning Point
08. I Lost My Star In Krasnodar
09. Tr├Ąnen Der Sehnsucht
10. Versiegelt Glanzumstr├Âmt
11. Revolution
12. If The World Stood Still a Day
13. Apart
14. Morning Glory
15. Schakal
16. Durch Nacht Und Flut
17. Rote Sinfonie
18. Feuer
19. Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs
20. Heute Nacht (Z)
21. This Is The Night (Z)
22. Weil Du Hilfe Brauchst (Z)
23. Alles Unter Schmerzen (A.U.S.) (Z)
24. Verloren (ZZ)
25. Alles L├╝ge (ZZ)
26. Lichtgestalt (ZZ)

Fotos: Sandro Griesbach

Besten Dank f├╝r die gute Zusammenarbeit an Opus Ultimum!

Geschrieben von
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