SOLAR FAKE – You Win. Who Cares?

Geschätzte Lesezeit: 11 Minute(n)

Unsere Bewertung:


10 Gesamtwerk

10

Bereits zehn Jahre ist es her, dass Sven mit Broken Grid im Jahr 2008 die ersten Schritte in die elektronische Musikszene setzte. Dass sein damaliges Side-Project sich lÀngst zu mehr als einem kleinen Nebenprojekt entwickelt hat, ist zwischenzeitlich wohl jedem Liebhaber der alternativen elektronischen Musik bekannt. SpÀtestens mit dem vor drei Jahren veröffentlichten letzten Album Another Manic Episode haben sich Solar Fake in die erste (dunkle) Liga der Electro Acts gespielt und sind von keinem Festival mehr wegzudenken.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Drei Jahre ließ Sven seine bestĂ€ndig wachsende Fangemeinde auf neues Material warten. Am 31.08.2018 ist es dann endlich soweit gewesen und man durfte sich auf das neuste Kind aus den HĂ€nden eines AusnahmekĂŒnstlers freuen. Wie bereits 2015 wird die neue Scheibe auch in diesem Jahr in verschiedenen AusfĂŒhrungen angeboten. Klare Kaufempfehlung ist die Limited Edition Box, die neben dem Doppelalbum eine Akustik-Version des Albums bietet. Am Klavier wird Sven erneut von Dirk Riegner begleitet, der fĂŒr absolute GĂ€nsehautmomente sorgt.

CD 1 – You Win. Who Cares?

01. Sick Of You
Leitete das letzte Album noch „eine neue manische Episode“ ein, prĂ€sentiert sich der aktuelle Titel You Win. Who Cares? in noch evident-plakativerer Manier. Statt eines Titels im eigentlichen Sinne wird der Hörer ohne Umwege direkt schonungslos damit konfrontiert, dass er keine Heile-Welt-Musik zu erwarten hat. In Verbindung mit Titelbild und Artwork des Albums wird schnell bewusst, dass man sich mit You Win. Who Cares? an den Rand gesellschaftlich-emotionaler AbgrĂŒnde bewegen wird. Die Resignation, die hinter der Aussage steckt, wird sich als roter Faden durch das Album ziehen. Und so prĂ€sentiert sich auch der erste Titel Sick Of You direkt progressiv, eingĂ€ngig, aggressiv. Wie der Titel erahnen lĂ€sst, geleiten Solar Fake ihre Hörer ohne Umwege in eine Gesellschaft, die aus Schein und LĂŒgen zu existieren scheint. Die zu Beginn noch sanfteren Töne werden schnell von elektronischen, harten Beats ersetzt. Wer hier subtile Botschaften sucht, wird schnell eines Besseren belehrt. Wir erleben einen Protagonisten, der auf schonungslose und ja schon hoffnungslose Art und Weise mit der OberflĂ€chlichkeit der heutigen Gesellschaft abrechnet. Beinahe lieblich-sarkastisch prĂ€sentieren sich die Strophenteile, wĂ€hrend der Refrain in erbarmungslos harter Art alle Wut ĂŒber eine Welt voll von TrivialitĂ€t, Geistes- und Gedankenlosigkeit herausschreit. Doch an wen richtet sich der Titel? Ist es das GegenĂŒber, welches lĂŒgt, betrĂŒgt, in narzisstischer, egozentrischer Art und Weise nur sich selbst sieht? Oder hĂ€lt sich der Protagonist einen Spiegel vor? BelĂŒgen und betrĂŒgen wir uns nicht tĂ€glich selbst? Sind wir es nicht selbst, die sich zerstören? Ein auf den ersten Blick schnell zugĂ€nglicher Text, der bei genauerer Betrachtung eine wahnsinnige Tiefe mit sich bringt und einen Opener bietet, der seines Gleichen sucht.

Solar Fake – Sick Of You (Official Lyric Video)

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02. Wrong Direction
Der wohl fĂŒr Solar Fake musikalisch charakteristischste Titel des neuen Albums, der auch auf einem der VorgĂ€nger-Alben einen Platz hĂ€tte einnehmen können. Svens zu Beginn unverfĂ€lschte Stimme leitet auch den Hörer zunĂ€chst in eine falsche Richtung, bevor der Refrain mit voller Kraft geschickt den Bogen schlĂ€gt, um anklagend und resigniert zugleich den Weg zurĂŒck zur Kernaussage des Albums zu schlagen. Zeitweilig bekommt man den Eindruck, im Refrain seien es zwei Protagonisten, die gegeneinander ansingen. Ein geschickt eingesetzter Effekt, der die zentrale Botschaft des Titels auf eindrucksvolle Art und Weise unterstĂŒtzt. Und erneut die Frage beim Hörer: Sind wir selbst in die falsche Richtung gelaufen? Bereits nach dem zweiten Titel wird deutlich, dass wir uns wie im echten Leben nicht der Illusion hingeben sollten, dass es die anderen sind, die die falsche Richtung einschlagen, sondern wir selbst dafĂŒr verantwortlich sind, unsere einstigen Ideale verloren zu haben. Das kontroverse Spiel in diesem Titel, zum Ausdruck gebracht durch den scheinbaren Dialog eines unverfĂ€lschten, abgeklĂ€rten Interpreten im immer schnelleren Wechsel mit einer von Aggression und Melancholie getragenen Stimme, die in sich selbst zwiegespalten wirkt, ist so bezeichnend fĂŒr den Grundgedanken des Gesamtwerkes, dass sich die erste GĂ€nsehaut ihren Weg bahnt. Die Ernsthaftigkeit dieses Titels in ein extrem tanzbares Gewand gepackt – die Charakteristik Solar Fakes zeigt ihre Perfektion in diesem Titel.

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4.3 von 5 Sternen (13 Kundenbewertungen)

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03. A Bullet Left For You
DĂŒster, hart, destruktiv, von einer Grundmelodie getragen, die alles Negative dieser Welt in sich zu vereinen vermag. A Bullet Left For You fasst die vorangegangenen Titel perfekt zusammen. Beeindruckend an dieser Stelle, wie sich in den negativen Grundtenor immer wieder optimistisch anmutende Passagen einschleichen, die den Hörer fĂŒr einen Moment in eine positiv angehauchte Zukunft tragen, welche im nĂ€chsten Moment wieder in sich zusammenfĂ€llt. Interessant ist bei diesem StĂŒck die Titelgebung. Startet der Refrain mit dem prĂ€gnanten „I don‘t miss you at all“, das durchaus auch als Titel hĂ€tte fungieren können, hat sich Sven dafĂŒr entschieden, den Titel A Bullet Left For You zu wĂ€hlen. Der Weg vom Nicht-Vermissen einer Person – oder einer Seite des eigenen Ichs? – bis hin zu der Drohung, noch eine Kugel fĂŒr sie ĂŒbrig zu haben, zieht sich musikalisch durch das gesamte StĂŒck. Ein sehr erwachsener Song, der sich live sicher zu einem der Top-Hits entwickeln wird.

04. Invisible
Diese Mid-Tempo-Nummer prĂ€sentiert sich unglaublich ausgereift, rund und emotional. Waren es bis dato die Balladen, die fĂŒr GĂ€nsehaut und TrĂ€nen gesorgt haben, ist es bei diesem Titel eine bis zur Perfektion ausgereizte Mischung aus einem unfassbar tiefgrĂŒndigen Text – dem vielleicht ausgereiftesten in der Geschichte Solar Fakes – perfekter musikalischer Untermalung und einem GefĂŒhl, das wohl kaum ein anderer KĂŒnstler so ausreizen kann wie Sven. Ein Protagonist, der am Boden liegt, ein Leben lang beeinflusst und getrieben von allen Ă€ußeren EinflĂŒssen dieser Welt. Der Ausweg nur darin, fĂŒr diese Welt unsichtbar zu werden, sich in sich selbst aufzulösen, augenscheinlich zu verschwinden. Und erneut die Frage, die sich von Titel zu Titel zieht – sind es unsere Mitmenschen, mit denen wir abschließen, die unser Leben beeinflussen, uns „im Nacken packen und zu Boden drĂŒcken“? Oder sind wir selbst, allein fĂŒr unsere Handlungen und unser Schicksal verantwortlich? BestĂ€ndig wird der Spannungsbogen nach oben getrieben, bis er in einem schieren Konglomerat aus Emotionen, Hoffnung, Resignation und Destruktion zum Bersten gerĂ€t. Einer der rundesten Titel, die Solar Fake jemals produziert haben und live zukĂŒnftig wahrscheinlich von keinem Auftritt mehr wegzudenken. Hat es zehn Jahre gedauert, bis Solar Fake diesen Titel komponiert haben, dann sind wir gespannt, was in den nĂ€chsten zehn Jahren passiert. All das, was die Musik Solar Fakes ausmacht, findet sich in diesem Titel. Man könnte an dieser Stelle noch viel schreiben Wir fassen es kurz zusammen: Chapeau!

05. Anything You Want
Es geht schonungslos weiter. Keine Zeit zum Durchatmen. Bei diesem Titel wird die erbarmungslose Weiterentwicklung zu Another Manic Episode besonders deutlich. Hier geht es scheinbar nicht mehr um psychische Erkrankungen einzelner Personen, sondern um das Krankheitsbild einer gesamten Generation. Die Suche, vielleicht auch die Sucht, nach Liebe und Aufmerksamkeit, nach persönlicher Anerkennung und NĂ€he treibt uns an unsere Grenzen, wir opfern unsere Persönlichkeit, verstecken uns vor uns selbst „um einen Krieg zu fĂŒhren, den wir nicht gewinnen können“. Einsamkeit, Trauer, Depression bringen uns an unsere persönlichen Grenzen, wir stehen im persönlichen Widerspruch zu uns selbst. Und ist es nicht der tĂ€gliche Kampf mit uns selbst, der Blick in den Spiegel, die Auseinandersetzung mit unserem Tiefsten Inneren, der uns an unsere Grenzen treibt? Eindrucksvoll setzen Solar Fake einen unfassbar tiefgrĂŒndigen Text musikalisch um. Ein Einstieg, der einen direkt hart und ungebremst in die getriebene Seele eines Menschen schickt, der vor sich selbst wegzurennen scheint. Schnell, hart, dĂŒster beginnt der Titel, aber nicht, ohne scheinbar positive Zwischenelemente einzuschieben, geschickt unterbrochen von kurzen Störern, die den Hörer zum Nachdenken anregen. Und dann der wohl eindrucksvollste Part des gesamten StĂŒckes – eine Bridge, die sich in den Geist des Hörers einschleicht, dort bleibt, sich verankert. Die Frage, warum man seinen Weg geht wie geplant, nicht davon abweichen kann, bleibt haften, bis der Titel sich unerbittlich in den Refrain steigert, nicht ohne vorher den inneren Kampf mit sich selbst nochmal musikalisch zu untermalen. Gleichzeitig schreiend, aggressiv und emotional distanziert endet der Titel mit dem eigentlichen Refrain abrupt, ohne Vorwarnung. Ein Highlight dieses Albums, das bei jedem Hören ein StĂŒck gewinnt.

06. The Pain That Kills You Too
Im Vergleich zu Anything You Want startet der sechste Track des Albums beinahe poppig, auf jeden Fall aber gegesĂ€tzlich zu dem, was der Titel The Pain That Kills You Too beim ersten Lesen erwarten lĂ€sst. Beim genauen Hinhören wird der positive Grundtenor jedoch von Beginn an durch harte, destruktive Töne im Hintergrund relativiert, ein GefĂŒhl des Zweifelns an der positiv-hoffnungsvollen Stimmung macht sich breit – scheinbar wie die wohlbekannte, innere Stimme, die man so oft zu verdrĂ€ngen versucht, wenn die Hoffnung auf eine positive Entwicklung in einem wĂ€chst. Der Text selbst ist so kontrĂ€r, verworren, von einer unfassbar tiefen DestruktivitĂ€t, dass er beim ersten Hören kaum zu fassen ist. Das spiegelt sich tatsĂ€chlich auch phantastisch in der musikalischen Umsetzung wieder, in der wunderschöne E-Piano-KlĂ€nge auf tiefe BĂ€sse im Hintergrund treffen. Der schier hoffnungslose Kampf eines Protagonisten, jemand anderes zu sein, sich selbst oder sein GegenĂŒber nicht mit in den Kampf um die eigene IdentitĂ€t zu ziehen, zu fĂŒhlen und das doch eigentlich Unmögliche möglich zu machen. Zugegebenermaßen ist mehrfaches Hören notwendig, um einen wirklichen Einstieg in den Text zu finden, wĂ€hrend die Musik einen gleich mitreißt. Zusammen ein wunderbares Gesamtpaket, bei dem sich eine intensive Reise in die Textwelt definitiv lohnt.

07. Just Like This
Der Titel fasst den Inhalt des Songs simpel, aber treffend zusammen. Bereits in den ersten Sekunden des Hörens wird die Dramatik des StĂŒckes dem Hörer bewusst. Treibende Rhythmen, immer wieder durch kleine, geschickte Störer unterbrochen, untermalen die depressive, zerstörerische Grundstimmung der SchlĂŒsselfigur, die getrieben nach Anerkennung und doch im Kampf mit den eigenen Idealen und dem eigenen Stolz daran gescheitert zu sein scheint, sich eine bestimmte Rolle im Leben zu schaffen. BetĂ€ubt, gedemĂŒtigt, innerlich zerbrochen daran, den Idealen unserer Gesellschaft gefallen zu wollen, steigert sich der Titel mit jeder Sekunde in eine von Wut und AggressivitĂ€t getragene High-Tempo-Nummer, die die Ängste und Verzweiflung vieler Menschen in unserer Gesellschaft widerzuspiegeln scheint. AuffĂ€llig in diesem StĂŒck sind insbesondere die vielen Reime – eigentlich untypisch fĂŒr Solar Fake, in diesem Titel aber vielleicht sinnbildlich fĂŒr all das, was sich in unserem Leben Tag fĂŒr Tag wiederholt. Zusammengefasst ein Song, der erneut ein hoch aktuelles, gesellschaftlich weit verbreitetes „Krankheitssymptom“ abbildet.

08. Too Late
Weiter geht die Reise mit Too Late. Hatten wir es bei Just Like This noch mit einer Figur zu tun, die daran zerbrochen zu sein scheint, der Gesellschaft nicht genĂŒgen zu können, erleben wir hier genau das Gegenteil. Vom Grundtempo Ă€hnlich dem VorgĂ€nger, wird dieser Titel trotz aller melodiöser HĂ€rte von einer positiven AtmosphĂ€re getragen. Svens extrem cleane, sich einhĂ€mmernde Stimme zu Beginn des Titels fĂŒhrt schnell und ohne viele Worte zur Kernaussage des StĂŒckes. Schluss sich zu verstecken, sich anzupassen – es ist Zeit, die Masken fallen zu lassen, die unser Selbst zu Gunsten der Gesellschaft verschleiert haben. Ein StĂŒck mit einer sehr positiven Message. Beinahe wird eine Art Aufbruchstimmung kreiert, die Abwechslung zu den vorhergehenden Titeln bietet und trotzdem nicht den inhaltlichen Faden verliert. Extrem tanzbar, eingĂ€ngig, progressiv – auch dies ist sicher ein Titel, auf den wir zukĂŒnftig live nicht verzichten werden können.

09. If This Is Hope
Auf keinem Solar Fake-Album dĂŒrfen die Balladen fehlen. If This Is Hope prĂ€sentiert sich in einem fĂŒr eine Ballade recht schnellen Grundtempo, dafĂŒr inhaltlich so tieftraurig und von einer Stimmung getragen, die nach wenigen Momenten fĂŒr GĂ€nsehaut und wohl die ein oder andere TrĂ€ne sorgen wird. Bereits die ersten Takte auf dem E-Piano lassen erahnen, dass dieser Titel uns in emotionale Tiefen reißen wird, auf die die vorangegangenen StĂŒcke langsam aber bestĂ€ndig hingearbeitet haben. Waren es Wut, Aggression, Resignation, die uns bisher durch das Album getragen haben, erleben wir jetzt eine tief-elementare Trauer, die jede Faser des Hörers packt und sich tief einzementiert in der Seele all jener, die einmal in ihrem Leben ein solches GefĂŒhl erleben mussten.

„It’s the eye of the storm where the rage has gone 
“ – nach einem wunderschönen Piano-Intro werden wir mit dieser Zeile in die nĂ€chste hochemotionale SphĂ€re dieses Albums getragen. Im Auge des Sturms – ein Bild, das nicht das erste Mal Verwendung in der Musikwelt findet, hier aber eindrucksvoll einen Titel einleitet, der erneut in einer gleichzeitig tief ergreifenden und schmerzhaft realistischen Art und Weise in eine Welt voller Trauer, Resignation und Einsamkeit fĂŒhrt. Dennoch hat es der Protagonist in diesem Titel geschafft, sich – zumindest fĂŒr einen Moment – mit der Situation abzufinden, sich auf beinahe selbstopfernde Art einem Frieden hinzugeben, der aber nur scheinbar eine Hoffnung in sich trĂ€gt. Die musikalische Interpretation des Textes ist erneut hoch-dramatisch. Ist es am Anfang eine Kombination aus wunderschönen Piano-Elementen mit einem sich wiederholenden Windhauch im Hintergrund, steigert sich der Titel im weiteren Verlauf. Langsam wird der zarte Windhauch im Hintergrund stĂŒrmischer und gegen Ende des Titels werden wir mit Soundelementen konfrontiert, die BombeneinschlĂ€gen gleichen und verdeutlichen, dass der kurze Frieden nicht von langer Dauer sein wird. Ein beeindruckender Titel, der elegant einen Bogen zum Artwork schlĂ€gt und vielleicht die Inspiration fĂŒr das Titelbild war, welches eine zerstörte Welt zeigt, wĂ€hrend Sven die Augen verbunden hat und sich fĂŒr einen Moment einem scheinbaren Frieden hingibt, der aber angesichts des sich neu aufbĂ€umenden Sturmes eine Hoffnungslosigkeit in sich trĂ€gt, die tief ergreifend ist.

10. I Don‘t Fight Back
Der zehnte und somit vorletzte Titel des regulĂ€ren Albums holt nochmals alles hervor, was an Wut und Aggression aufzubieten ist. Nach der im letzten Song getragen-depressiven Stimmung wirkt dieser völlig anders. Dunkel, schmutzig, hart, jedes einzelne Wort fast greifbar schmerzhaft interpretiert. Man kann nur erahnen, wie Sven hier eventuell an die Grenzen seiner Stimme gegangen sein muss. Man kann den Schmerz und die Aggression, die dieser Titel versprĂŒht, auch als Hörer beinahe körperlich spĂŒren. Der Gesang wirkt – und das ungeachtet der wahnsinnigen stimmlichen Leistung, die Sven hier erbringt – so unglaublich negativ und verzweifelt, dass er einen packt und nicht mehr los lĂ€sst. Ein Titel, der KĂŒnstler und Hörer alles abverlangt, sich inhaltlich aber in das Gesamtwerk perfekt einordnet. Hier darf man gespannt auf die Live-Interpretation sein.

11. What If There’s Nothing
In gewohnter Solar Fake-Manier endet das Album mit einer Ballade, die dem Hörer den Boden unter den FĂŒĂŸen wegreißt. In Anlehnung an If This Is Hope werden wir bei What If There’s Nothing gedanklich in ein von DĂŒsternis getragenes Endzeit-Szenario katapultiert. Erneut PianoklĂ€nge, scheinbare BombeneinschlĂ€ge im Hintergrund. Groß, dramatisch, hochemotional. Betont langsam starten die ersten Zeilen des Titels, zeichnen Bilder einer völlig zerstörten Welt. Doch ĂŒberraschenderweise kommt in der Mitte des Titels DER GĂ€nsehautmoment des Albums. Der Song wird schneller, der Grundtenor positiver. Der Titel endet mit den wunderschönen Worten:

„Is there a light that could shine on everything
That I haven’t seen and never imagined it was really there
Helping me find a way past all this crap
And no looking back to the days we never had“

Diese vier Zeilen sind ein Geniestreich – ein Album, das getragen wird von Hoffnungslosigkeit, Wut, Angst, Selbstaufgabe – und es sind diese vier Zeilen am Ende, die genau dieses Licht ĂŒber uns scheinen lassen, uns einen Weg aufzeigen, nach etwas zu suchen, das uns aufrecht hĂ€lt und uns hilft, unser eigenes Leben positiv zu beschreiten, jeder auf seine eigene Art und Weise, unabhĂ€ngig von gesellschaftlichen Normen und ZwĂ€ngen.

Tracklist SOLAR FAKE – You Win. Who Cares? (CD1):
  1. Sick Of You
  2. Wrong Direction
  3. A Bullet Left for You
  4. Invisible
  5. Anything You Want
  6. The Pain That Kills You Too
  7. Just Like This
  8. Too Late
  9. If This Is Hope
  10. I Don’t Fight Back
  11. What If There’s Nothing
  12. Papillon
  13. Fuck U
Tracklist SOLAR FAKE – You Win. Who Cares? (CD2):
  1. The Pain That Kills You Too (Mr.Kitty Remix)
  2. Just Like This (Patenbrigade Wolff Remix)
  3. A Bullet Left for You (Ost+Front Remix)
  4. Too Late (In Strict Confidence Remix)
  5. The Pain That Kills You Too (Adam is a Girl Remix)
  6. Wrong Direction (Random Starlight Remix)
  7. If This Is Hope (Era Nocturna & Heavenly Creatures Remix)

Bonus CD 1 – Covers & Remixes

Die Limited Edition Version enthĂ€lt eine Bonus-CD mit Cover-Versionen und Remixes verschiedenster KĂŒnstler. Dieses Mal wurden die Editors mit Papillon und Archive mit Fuck U gecovert, welche inhaltlich zu den restlichen Songs des Albums hervorragend passen und sich im Gewand von Solar Fake harmonisch integrieren. Auf der Remix-Seite sind einige bekannte und auch weniger bekannte Acts fĂŒr Sven tĂ€tig geworden. In Strict Confidence, Adam Is A Girl, Patenbrigade: Wolff, Ost+Front, Mr. Kitty, Random Starlight sowie Era Nocturna & Heavenly Creatures verleihen insgesamt sechs Solar Fake-StĂŒcken des neuen Albums ihre eigene Handschrift. Somit entstehen wunderbare zweite und dritte Perspektiven auf die zum Teil sehr abgewandelten und individualisierten Songs.

Bonus CD 2 – Tranquilised

Nach dem großen Erfolg der Akustik-Shows im Rahmen des Amphi-Festivals 2014 und der Akustik-Konzerte beim Shadowplay e. V.- Doppel-Event im FrĂŒhjahr 2015 erschien nun mit Tranquilised in der Limited Edition Box von You Win. Who Cares? das zweite Studio-Akustik-Album von Solar Fake. An Bord ist erneut Dirk Riegner, der auch als Pianist an der Seite von Peter Heppner bekannt ist. Dirk verzaubert gemeinsam mit Sven die Solar Fake-Fans erneut mit einem wunderschönen Piano-Spiel, das die Solar Fake-Titel immer wieder auf eindrucksvolle Art und Weise in eine neue SphĂ€re zu heben vermag. Tranquilised beinhaltet sieben der elf neuen Titel. Hintergrund hierfĂŒr ist, dass nicht zwangslĂ€ufig jeder Titel im akustischen Gewand wirkt oder umsetzbar ist. Sven verzichtet auf Sick Of You, A Bullet Left For You, Anything You Want sowie I Don’t Fight Back. Zudem variiert die Reihenfolge der Titel. GĂ€nsehautmomente im Lieferumfang enthalten!

Zusammenfassend könnte man an dieser Stelle Romane schreiben. Fakt ist aber, dass You Win. Who Cares? das mit Sicherheit dĂŒsterste und erwachsenste Album in der Geschichte Solar Fakes ist. Ein Album, das dem Hörer aber auch einiges abverlangt, denn wer hier leichte Kost und entspannte Unterhaltungsmusik erwartet, ist sicherlich falsch beraten. Bis zur Perfektion ausgereifte Texte musikalisch unglaublich durchdacht und rund arrangiert, ins Mark erschĂŒtternd echt und bis in die letzte Nervenbahn ergreifend –  und dabei noch extrem tanzbar und live mit GĂ€nsehautgarantie. Wir ziehen den Hut.

Geschrieben als Gastbeitrag von Claudia Sonntag und Lars Borgfeld (Shadowplay e. V. – Der offizielle Fanclub von Solar Fake, Zeraphine und Dreadful Shadows)

You Win.Who Cares?

Preis: EUR 13,79

4.3 von 5 Sternen (13 Kundenbewertungen)

11 neu & gebraucht ab EUR 12,87

Weblinks SOLAR FAKE, FANCLUB und weiteres:

Solar Fake Website

Facebook Page

www.shadowplay-fanclub.de

(DE) Detaillierte Version der Rezension inklusive Exklusivinterview mit Sven Friedrich

(EN) Detailed english version of the review including an exclusive interview with Sven Friedrich

Geschrieben von
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