CONOR OBERST & DAWES – Köln, Gloria (17.08.2014)

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there’s a crack in everything, that’s how the light gets in


Das Gloria hat seinen Ruf, eine der schönsten Indoor-Locations fĂŒr kleine bis mittelgroße Konzerte zu sein, an diesem Abend wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen können.

AngekĂŒndigt hatte sich Conor Oberst, ehemals Bright Eyes, zwischenzeitlich auch mal mit der Mystic Valley Band, aber halt immer und zuallererst Conor Oberst, seine Gitarre und seine Songs. FĂŒr diese Tour hatte sich Conor Oberst fĂŒr die Kalifornier von Dawes als Vorgruppe und als Begleitband entschieden.

Mehr als pĂŒnktlich war es dann um kurz vor 20 Uhr soweit und Dawes eröffneten den Abend mit ihrem sehr gefĂ€lligen Mix aus Folkrock, Softrock, Country und Americana. Sofort war klar, dass der Sound an diesem Abend im Gloria wirklich exzellent abgemischt war. Die Musik war druckvoll, klar, man konnte gut zuhören, verstehen, genießen und man brauchte vor allen Dingen keine Ohrenstöpsel. Sehr angenehm. Ebenso angenehm, wie das kurze Set von Dawes. Dawes spielen Folkrock, oder halt Americana, wie es ja inzwischen heißt. Dawes bestehen aus den beiden Goldsmith BrĂŒdern Taylor (Gitarre und Gesang) und Griffin (Schlagzeug), Wylie Gelber (Bass) und Tay Strathairn (Orgel, Keyboards). Und die vier Musiker bringen einen ungeheuer dichten, kompakten Sound auf die BĂŒhne. Immer wieder unterbrochen von ruhigen Passagen, die dann von einem großartigen Gitarrensolo gefĂŒllt werden. Das Publikum im Gloria war ebenfalls sehr angetan und Dawes haben sich einen mehr als ordentlichen Applaus verdient.


Setlist Dawes:

01. That Western Skyline
02. Most People
03. How far weÂŽve come
04. Somewhere along the Way
05. Time spent in LA
06. Just beneath the Surface
07. When my time comes
08. From the Right Angle

Wenn man den Jungs von Dawes einen Vorwurf machen wollte, dann den, dass sie zu perfekt klingen. In Vorbereitung auf das Konzert hatte ich mir wiederholt das neue Album von Conor Oberst, Upside Down Mountain, angehört und ĂŒberlegt, was mir fehlt, warum es nicht so zĂŒndet wie zum Beispiel seine Alben mit Bright Eyes. Die Songs waren es nicht, die waren gut wie immer. Wenn man nur mit einem Ohr hinhörte, man hĂ€tte keinen Unterschied bemerkt. Und dann fiel es mir auf, es fehlte nichts! Es war etwas zu viel
 Die Alben von Bright Eyes waren immer skizzenhaft, unvollendet, das AushĂ€ngeschild der ganzen LoFi-Bewegung. Und das machte es immer so ungeheuer spannend. Selbst nach wiederholtem Anhören entdeckte man immer wieder Neues, Überraschendes, den Riss im GefĂŒge, der das Ganze dann so unwiderstehlich machte. Das neue Album klingt perfekt, ist perfekt produziert, abwechslungsreich instrumentiert und mir einfach zu glatt. Die gleichen Songs hĂ€tte ich in anderem Gewand mehr geliebt.

Ich hatte Bright Eyes zuletzt im Jahr 2007 gesehen und das Konzert transportierte damals diese Zerbrechlichkeit, verbunden mit einem Hauch von kreativem Chaos auf der BĂŒhne. Jetzt waren es also Conor Oberst und Dawes, die alte und neue Songs auf die BĂŒhne bringen wĂŒrden und damit ein viel rockigerer Ansatz, als die damaligen Shows fĂŒr Cassadaga.

Um 21.15 Uhr ging es los, Conor Oberst mit Schlapphut und die Jungs von Dawes in frischen Klamotten. FrĂŒher waren Konzerte von Conor Oberst zuweilen ein echtes Überraschungspaket, man wusste nicht, was man bekam. Auftritte wurden oft von Alkoholexzessen begleitet, es wurde viel erzĂ€hlt, hin und wieder auch mal musiziert. Diese Zeiten scheinen endgĂŒltig vorbei zu sein. Conor Oberst schien bei guter Laune zu sein, stimmlich auf der Höhe und die Band hatte offensichtliche Freude an ihrem Nebenjob. Und trotzdem waren es auch hier wieder die kleinen Momente, die in Erinnerung bleiben

Wenn Conor Oberst von der Tour mit Dawes schwĂ€rmt und dass er die Jungs nach der letzten Show vermissen wird, dann klingt das erst einmal etwas aufgesetzt und nach dem typischen Gerede. Wenn er aber zwischenzeitlich zu Taylor Goldsmith wandert und ihn eine ganze Zeit lang in den Arm nimmt, das wirkt dann schon verdammt ehrlich und herzlich. Wenn der riesige BĂŒhnentechniker beim Gitarrentausch den kleinen Conor beinahe ĂŒber den Haufen rennt, wenn aus einem FlĂŒstern ein Schreien wird, die Gitarre mit dem Schlapphut angeschlagen wird, all dies sind die kleinen authentischen Momente, die in Erinnerung bleiben.

Die Setlist des Abends setzte sich aus Songs aller musikalischen Phasen des Conor Oberst zusammen, Songs vom neuen Album wie Zigzagging Toward The Light, aber auch Klassiker wie First Day Of My Life. Interessanterweise waren es nicht nur die alten StĂŒcke, die vom Publikum gefeiert wurden, wie ich es im Vorfeld ein wenig befĂŒrchtet hatte. Besondere Höhepunkte fĂŒr mich waren der Ladder Song, von Conor Oberst am E-Piano begleitet und eine schier unglaublich intensive Version von Poison Oak, die mir geradezu den Atem geraubt hat. Aber es ging wohl nicht nur mir so, das ganze Kölner Publikum schien den Atem anzuhalten, hörte zu und genoss den Augenblick. Bei so vielen Konzerten erlebt man inzwischen, dass ruhige Passagen wohl von einigen Zeitgenossen als Aufforderung verstanden werden, ihre mehr oder weniger sinnlosen Kommentare in den Saal zu rufen
 Nicht an diesem Abend, wenn Conor Oberst flĂŒsterte, dann wurde auch im Saal geschwiegen, um kein Wort, keine Silbe zu verpassen. Ein magischer Abend im schönen Gloria.
Eine komplette Setlist habe ich dies Mal nicht zu bieten, denn mitten im Konzert hatte Mr. Oberst offenbar Lust bekommen, von seinem Plan abzuweichen und die geschriebene Setlist aufzulockern. So gab es dann, in unbestimmter Reihenfolge


Time Forgot
Zigzagging Toward The Light
Soul Singer in a Session Band
Moab
Enola Gay
Hit the Switch
Old Soul Song
Artifact #1
Bowl of Oranges
Eagle on a Pole
Method Acting
GovernorÂŽs Balls
Ladder Song
First Day of my Life
Desert Island
Poison Oak
I got the Reason #2

Und dann wollte ich nur noch zuhören


Nachtrag: Fast forward, drei Tage nach dem Konzert und ich höre mir noch mal die neue Platte Upside Down Mountain an. Vielleicht liegt es daran, dass das Licht vor dem Fenster so nach Oktober ausschaut, dass die Luft nach Herbst riecht, aber plötzlich zĂŒnden die Songs, die ich noch vor einer Woche zu „perfekt“ fand. Zu perfekt, um mich zu berĂŒhren. Ob es am Konzert liegt, an meiner Stimmung, am Alter oder am Wetter, plötzlich funktionieren die Songs und gerade Zigzagging Toward The Light oder auch Kick, Lonely At The Top und You Are Your Mother’s Child berĂŒhren mich inzwischen sehr. So ist das manchmal


Conor Oberst:

Dawes:

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
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