CRIPPLED BLACK PHOENIX – Köln, Kantine (16.05.2014)

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Einige der ersten warmen Sonnenstrahlen im Mai sorgen fĂŒr gemĂŒtliches Beisammensein im Außenbereich der Kantine in Köln. Bei Bier und Bratwurst lĂ€sst man es sich gutgehen. Und was liegt bei dem Szenario nĂ€her, als sich in eine fensterlose Halle zu begeben, in der Crippled Black Phoenix ihre Endzeitballaden zum Besten geben sollen? Doch bevor Justin Greaves und seine Mannen und Damen die BĂŒhne betreten, wĂ€rmen Liquid Landscape aus Holland das Publikum vor. Und was da aus den Boxen kommt, klingt definitiv amtlich. Dicker Post-Rock Sound, der aber nie brachial wird, dafĂŒr schöne FlĂ€chen aufbaut auf denen sich SĂ€nger Fons Herder sicher durch die Melodien arbeitet. Mit seiner charmanten hollĂ€ndischen Art und weitreichenden Deutschkenntnissen konnte er ganz klar einige Sympathiepunkte an dem Abend sammeln.

Dann betreten Crippled Black Phoenix die BĂŒhne und eröffnen ihr Set mit dem treibenden Riff von Rise Up and Fight vom 200 Tons of Bad Luck Album. Die Band ist eingespielt, der Rhythmus schiebt, doch leider zeigt sich der Sound nicht gerade von seiner besten Seite. Die Band ist an dieser Stelle sicherlich nicht schuld, doch der leicht undefinierte Sound und der fast verschwindende Gesang ziehen sich unglĂŒcklicherweise bis etwa zur Mitte des Sets. Die RĂŒckschlĂ€ge im Klang werden dafĂŒr mit bester Laune auf der BĂŒhne ausgeglichen. Selten war der Kontrast zwischen musikalischer Stimmung und breit grinsenden GesichtszĂŒgen der Band so groß. Bei ihrem schweren, dĂŒsteren Sound wirken die Scherze und die gute Laune irgendwie deplatziert, aber andererseits auch so sympathisch. Wenn Justin Greaves sich ĂŒber die herzliche BegrĂŒĂŸung aus dem Publikum mit feinsten britischen Akzent und den Worten „Oh it’s a fucking pleasure!“ bedankt, kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen. Im weiteren Set spielen Crippled Black Phoenix viel vom aktuellen Album White Light Generator, aber auch einige EinwĂŒrfe von den Alben (Mankind) The Crafty Ape (The Brain / Poznan), I, Vigilante (We Forgotten Who We Are) und dem oben bereits erwĂ€hnten 200 Tons of Bad Luck dĂŒrfen natĂŒrlich nicht fehlen. Daniel Änghede macht wie schon auf den neuen Studioaufnahmen eine ausgesprochen gute Figur. Die Ansagen ĂŒbernimmt zum grĂ¶ĂŸten Teil Justin selbst, den Gesang meistert Daniel aber problemlos. Zwischenzeitlich stĂ¶ĂŸt Belinda Kordic, die mit Justin Greaves auch in der Band Se Delan spielt, als VerstĂ€rkung fĂŒr den Gesang hinzu.

Man fragt sich in den langen Instrumentalpassagen, ob ihr mit dem Tamburin in der Hand nicht langweilig wird, beim Gesang steuert sie dann aber ungeahnte Höhen bei. Nachdem dann Coel Speelman von Liquid Landscape mit seinen Stand-Toms ein fettes Fundament fĂŒr Song for the Loved und 444 gelegt hat, geht das Set seinem Ende zu. Mit Burnt Reynolds und einem anhaltenden Chor aus dem Publikum verlĂ€sst die Band die BĂŒhne, um mit Let the Day Begin und einer Punkversion des italienisch antifaschistischen Bella Ciao das Publikum endgĂŒltig in den Abend zu entlassen. Abgesehen von dem schwammigen Sound in der ersten HĂ€lfte, kann man den Gig nur als Erfolg bezeichnen, was sicherlich auch Friedrich den Tour-Busfahrer freut, dem haben Justin und Daniel nĂ€mlich gegen Ende nicht ein Lied, nicht zwei Lieder, nein, einfach mal das komplette Set gewidmet. Eine nette Geste, einer Ă€ußerst sympathischen Band, die mit viel Spaß an der Arbeit die Kantine gerockt hat.

Fotos: Daniel Schwarzinger

Geschrieben von
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