M’era Luna Festival 2012 – Hildesheim, Flughafen-Drispenstedt (11.-12.08.2012)

Geschätzte Lesezeit: 13 Minute(n)

Das diesjĂ€hrige MÂŽera Luna Festival in Hildesheim Drispenstedt lockte wieder einmal knapp 25.000 nationale und internationale GĂ€ste sowie ĂŒber 40 Bands und KĂŒnstler auf zwei BĂŒhnen an. Bei bestem Festivalwetter genossen die Zuschauer gute Musik, flanierten auf der Einkaufsmeile des 343.000 m2 großen FestivalgelĂ€ndes oder ließen es sich mit kĂŒhlen GetrĂ€nken gutgehen. Gruppen wie Officers, JĂ€ger 90, Noisuf-X, Symbiotic Systems, Invaders, GrĂŒss August oder auch SzenegrĂ¶ĂŸen wie Fields of the Nephilim unterhielten mit ihrer Musik die Massen und sorgten fĂŒr glĂŒckliche Herzen, ob auf der HauptbĂŒhne an der frischen Sommerluft oder im Flugzeughangar.


Samstag, 11.08.2012 – Hangar Stage:


Noyce TM
sind schon lange keine Unbekannten mehr, haben die Jungs doch u.a. bereits mit SzenegrĂ¶ĂŸen wie VNV Nation und The CrĂŒxshadows getourt und haben es nun verdientermaßen geschafft, das MÂŽera Luna Festival im Hangar zu eröffnen, welches zu dieser Tageszeit schon recht gut gefĂŒllt war. UnterstĂŒtzt durch eine passende Hintergrundprojektion spielte die sympathische Band StĂŒcke wie Sleepwalker und Panique, die fĂŒr die richtige Stimmung sorgten. SĂ€nger Florian trug den „Synthpop mit Anspruch“ mit ganzem Herzen vor, wĂ€hrend Oliver die Tasten bediente, Markus wahlweise Gitarre oder „singende SĂ€ge“ bearbeitete und Drummer Jens auf die Felle hieb. Die Band kreierte eine derart wohlige AtmosphĂ€re, z.B. beim wunderschönen This World, dass es ein VergnĂŒgen war und das Publikum in VerzĂŒckung versetzt wurde. Besser kann man ein Festival kaum eröffnen. Faderhead ist im Grunde ein „One Man Projekt“ von Sami Mark Yahya, der seine Musik mittlerweile ohne Label vertreibt und auch damit großen Erfolg hat. Musikalisch liegt die Musik zwischen EBM und Electro und so kamen harte Beats, aber auch sanftere Töne zu Worte, immer aber auch schöne Melodien. Ohne Keyboards, aber mit Laptops bestĂŒckt, sorgten die drei MĂ€nner im Hintergrund an einem großen Tisch tanzend an den Faderheads fĂŒr Bewegung und Stimmung, wĂ€hrend Frontman Sami vorne alles gab, um den Fans das Tanzen zu lehren, was ihm spielend gelang. SpĂ€testens Bei Aquire the Fire und TZDV war der ganze Hangar in Bewegung und man sah viele grinsende, tanzwĂŒtige Gesichter. Auch der neue Song A fistful of fuck you (im dazugehörigen Video wurde Mr. Faderhead als Videospielfigur animiert) wurde sehr gut angenommen, direkt in rhythmische Bewegungen umgewandelt und durch die richtige Animation von Mr. Yahya (so viele Mittelfinger hat man selten im Zuschauerraum gesehen) zum perfekten Happening verwandelt.

Erk Aicrag die Erste. Das Soloprojekt des Hocico-SĂ€ngers Rabia Sorda lebt vom guten Songwriting und mĂ€chtig Power und mit Hilfe der Livedrums kam eher Rock ÂŽn Roll Feeling herĂŒber, denn starre, kalte Elektronik. DafĂŒr sorgte die atemlose Show des mexikanischen AusnahmekĂŒnstlers Erk, der viril von einer Ecke der Halle zur nĂ€chsten umhersprang, die Fans animierte, anmachte und durch geniale Titel wie z.B. This is the End zu ĂŒberzeugen wusste. Erk prĂ€sentierte eine energische, bewegende Liveperformance und alte wie neue Songs – vom aktuellen Album The Art of Killing Silence kamen gleichsam gut beim Publikum an. Der Raum war buchstĂ€blich von gegenseitiger Sympathie erfĂŒllt, die von den Musikern auf der BĂŒhne zu den Fans im Publikum hin und her strahlte. Eine absolute Punktlandung also, die Lust auf Hocico machte, die am nĂ€chsten Tag den Hangar in VerzĂŒckung bringen sollten. In Strict Confidence hat sich in der rund 25jĂ€hrigen Bandgeschichte vom reinen Electro-Wave Projekt zu einer „richtigen“ Band gewandelt und kam rockiger als frĂŒher mit weiblichem Personal daher. Die blonde Gitarristin und die serbische SĂ€ngerin Nina de Lianin ergĂ€nzten den perfekten Sound der Gruppe und so war nicht nur kleidertechnisch bei den Damen „alles in(m) Lack“. Besonders das StĂŒck Forbidden Fruit war sehr schön anzuhören und aufgrund der gelungenen, stimmungsvollen RĂŒckprojektion auch anzusehen. Die Band verknĂŒpfte gekonnt die fĂŒr das Genre typische HĂ€rte mit sphĂ€risch-engelsgleichen weiblichen Background Gesang und schaffte so eine sehr angenehme Stimmung. Doch auch Uptempo StĂŒcke wie Silver Bullets oder Morpheus von der aktuellen 8-Track CD fĂŒgten sich gut in das Liveset ein und brachten eine gehörige Portion Tanzstoff, genau wie der Alltime Klassiker Zauberschloss, der mittlerweile auch schon seine 12 Jahre auf dem Buckel hat, aber immer noch unendlich frisch wirkte und in der Liveversion fĂŒr feuchte Augen sorgte.

Auch der dĂ€nische Musiker Claus Larsen alias Leaether Strip ist natĂŒrlich kein Unbekannter mehr, gehört er doch seit vielen Jahren zur Speerspitze harscher Electromusik. Herr Larsen brachte durch seine vorzĂŒgliche Electronic Body Music im Oldschool Gewand mit verzerrtem Gesang und mit Hilfe seines Partners Kurt an den Keyboards den Hangar zum Schwitzen. Es gab also transpirierende Körper vor und auf der BĂŒhne zu bestaunen, sowie Pogoeinlagen der Fans bei den Smashern Strap me down oder Japanese Bodies. Bei der Performance ging es weniger um Melodie denn um Rhythmus und die minimale Show ohne Gnade sorgte bei den „Leaether-Fetischisten“ fĂŒr glĂ€nzende Augen. Das dynamische Duo De/Vision ist im Moment wieder in aller Munde, veröffentlicht die Band doch dieser Tage ihr 13. Studioalbum Rockets and Swords mit vielen großartigen Electropopsongs, die Steffen und Thomas sowie ihr Drummer erstmals vor Livepublikum prĂ€sentierten. StĂŒcke wie Boy Toy vom neuen Album als auch schöne Klassiker wie Try to forget (in cooler grooviger Version), Strange Affection, Time to be alive (der beste Song des letzten Albums Popgefahr) und andere Hits ließen die AnhĂ€nger der Band genĂŒsslich mitfeiern und Galionsfigur Steffen musste nicht viel Überzeugungsarbeit leisten um die Fans zum Partymachen zu animieren. Sehr genial kam der neue Song Binary Soldier herĂŒber, bei dem Thomas einen Sprechpart ĂŒbernahm und die gute Laune der Musiker sorgte ĂŒberall fĂŒr lĂ€chelnde Gesichter und bei Rage fĂŒr Mitsingchöre. Man darf sich nun also zurĂŒcklehnen und sich auf die neue Tour der Synthiepopper freuen. Johan van Roy alias Suicide Commando wird fĂŒr immer in die Annalen der erfolgreichsten Harsch Electrobands eingehen und hatte somit die Ehre, den ersten Tag des MÂŽera Luna Festivals im Flugzeughangar zu beschließen. Eine Aufgabe, die dem Mastermind nicht schwer fiel, denn die prallgefĂŒllte Halle war voller tanzgeiler Electroheads und bei StĂŒcken wie Severed Head, Hate me und Dein Herz, Meine Gier kam gute Stimmung auf und die passende Diaprojektion im Hintergrund steuerte viel zur AtmosphĂ€re bei. Die beiden musikalischen Begleiter des Belgiers an Keyboard und Electronikschlagzeug sorgten fĂŒr zusĂ€tzliche Schauwerte. Viel zu schnell war das Konzert zu Ende und die Textzeile „No more fucking words“ musste wortwörtlich genommen werden.

Samstag, 11.08.2012 – Main Stage:

Nachdem Symbiotic Systems, GrĂŒss August und vor allem die Invaders die Mainstage bereits ordentlich vorgewĂ€rmt hatten, kombinierte die deutsche Band Heimataerde Elektronik und technoide Rhythmen mit mittelalterlichen Instrumenten und diese Mischung kann man getrost als gelungen betiteln. Stylisch im Ritteroutfit und mit mehr Komparsen auf der BĂŒhne als Blutengel spielte die Band Titel wie Wiedergaenger, bei dem eine holde Maid gekonnt musikalisch umgarnt wurde und es recht rockig zur Sache ging. Auch das UmhĂ€ngekeyboard getarnt als Laute wurde bestaunt und dementsprechend beklatscht. Eine unterhaltsame Show bei bestem sonnigen Wetter. Auch Aaron Roterfeld, der „Falco des DĂŒster Rock“, genoss die Sonne auf der HauptbĂŒhne und verwöhnte die Massen mit seinem Goth Rock mit gewisser HIM AttitĂŒde. Roterfeld vermischte klassische Sounds mit rockigen Gitarrenriffs und der Dark Rock/Alternativ Pop brachte so einige Schwarzkittel in Wallung. Diary of Dreams darf einfach auf keinem guten Gothic Festival fehlen und auch das MÂŽera Luna wurde in diesem Jahr mit der beliebten Rockband belohnt. Bei The Curse (mit tollem Mitklatschpart), Undividable und The Wedding kam die volle Wucht der Ausnahmeband zur Entfaltung und trotz der WĂ€rme war stĂ€ndig Bewegung auf der Stage und im Zuschauerraum. (Gitarrist Gaun:A: „Kann mal jemand dieses gelbe Ding am Himmel abschalten?“) Eine der besten Songs der Band, der Klassiker TraumtĂ€nzer erzeugte GĂ€nsehaut bis hinunter zu den Zehenspitzen und es durfte heftig geschunkelt werden. Die dunkel-romantischen Songs und der charismatische Bandleader Adrian Hates mit seinen Mitstreitern prĂ€sentierten ein reich bestĂŒcktes FĂŒllhorn perfekter melancholisch-rockiger Melodien und das verfehlte seine Wirkung nicht.


Subway to Sally
, die Band mit dem seltsamen anmutenden Namen hat sich in der 20jĂ€hrigen Bandhistorie eine riesige Fangemeinde erspielt und das hat man gemerkt, denn das Menschenmeer vor der BĂŒhne war ein Bild fĂŒr die Götter. Die Gruppe spielt so ungewöhnliche Instrumente wie Marktsackpfeife, Great Highland Bagpipes, Schalmei, Barockoboe, Blaswandler, Tin Whistle, Dudelsack u.v.a. um ihren Mittelalter-Folkrock mit MetaleinflĂŒssen goutierbar zu machen und das gelang den Mannen wie immer ohne Schwierigkeiten. Die Fans machten jede Aktion, jeden Spaß mit und SĂ€nger Eric Fish hatte alles fest im Griff. Ob es nun Crowdsurfing oder andere interaktive Spielchen waren, die Fans feierten mit Gerstensaft oder Met und genossen das abwechslungsreiche Liedgut bestehend u.a. aus den Smashern Sieben, Kleid aus Rosen oder Veitztanz, die imposant durch viel Pyrotechnik, FeuerfontĂ€nen (Tanz auf dem Vulkan) und BĂŒhneneffekte in Szene gesetzt wurden und deren Performance ihre bombastische Wirkung nicht verfehlte. PĂŒnktlich zur avisierten Zeit betraten Brian Molko und Stefan Olsdal alias Placebo als letzter Hauptact die Szene und rockten ganz im Schwarz gekleidet passend zu den Zuschauern die Hildesheimer BĂŒhne. Visuell unterstĂŒtzt durch eine große LED Leinwand im Hintergrund ergab das einen schönen Kontrast zum phantasievoll eingesetzten Licht. Die Band spielte gutgelaunt ihre Hammer wie Every you every me, Black eyed, Battle for the sun und die Fans gingen mehr als gut mit und spĂ€testens beim Hit ?For what its worth, veredelt durch weiblichen Gesang, gab es kein Halten mehr. Die rund 20.000 Menschen wurden in einen klatschenden Mob verwandelt. Brian Molko sprach sehr gutes Deutsch, („Special Needs ist ein Song fĂŒr MĂ€dchen“) und Bassist Stefan gab dem Frontman RĂŒckendeckung. SpĂ€testens bei Song to say Goodbye bekam wohl jeder eine GĂ€nsehaut, da der melancholische Song gekonnt mit Geige untermalt wurde. Bitter end war gottlob nicht der letzte Song des Sets, dafĂŒr sorgten die Zugabeschreie des Publikums und dieses wurde u.a. durch die gelungene Coverversion von Kate Bushs Running up that Hill belohnt, bevor es in die angenehme Sommernacht entlassen wurde.

Auch an Tag zwei des MÂŽera Luna Festivals ging es neben Headlinern wie In Extremo, Hocico oder New Model Army auch mit Bands wie z.B. Lahannya, Lacrimas Profundere, Down Below und Amduscia heiß her und das lag nicht nur am Wetter. FĂŒr jeden Geschmack war etwas dabei, ob Wavepop, Folkrock, Mittelalter, Industrial, Synthpop oder Mittelaltermusik, die Palette an guten Bands sorgte fĂŒr einen großen Ohren- und Augenschmaus und machte das Event zum unvergesslichen Erlebnis.


Sonntag, 12.08.2012 – Hangar Stage:

Im Hangar ging es am Vormittag mit dem Duo Juggernauts weiter, welches gelandet ist, um die Welt mit ihrer elektronischen Tanzmusik zu beglĂŒcken. Im gewagten Pilotenoutfit (in dem die Jungs sicherlich angemessen geschwitzt haben) prĂ€sentierten sie schweißtreibenden EBM, bei dem sich die Fans wie elektrisiert bewegten und die Performance von BORG (aka Peter Mastbooms von The Klinik und ex-Vomito Negro) und Glenn (Radical G.) sichtlich genossen. Als russisches Pendant zu Apocalyptica wurden die vier Damen von Eklipse beschrieben, obwohl der Vergleich ein wenig hinkt, denn das Quartett punktet eher mit Grazie und Eleganz, als mit RockattitĂŒde. Die Gemeinsamkeit besteht eher in der Tatsache, dass auch Eklipse aktuelle Popmusik mit klassischen Instrumenten covert. Großen Schauwert hatte der Auftritt in Hildesheim allemal, denn die Damen waren in ihren fantasievollen KostĂŒmen und Makeup sehr schön anzusehen, was die musikalische QualitĂ€t aber nicht mindern soll, denn StĂŒcke wie Cry me river oder Sweet Dreams kamen in ihrer durch Geige, Viola, Cello und Bratsche schön instrumentierten Form sehr stimmungsvoll herĂŒber. In eine ganz andere musikalische Richtung geht Mastermind Dirk Ivens, seineszeichens Chef der Projekte Dive und The Klink mit seiner Band Absolute Body Control, die bereits seit 1981 tĂ€tig ist. In der recht gut gefĂŒllten Halle durfte Dirk mit seinem Mitstreiter Eric Van Wonterghem beweisen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Und die Minimal Electronic mit Kultcharakter verfehlte seine Wirkung nicht. StĂŒcke wie Figures und Give me your Hands sorgten dafĂŒr, dass der ganze Hangar in Bewegung war. Dirk tanzte wie ehemals Ian Curtis mit zuckenden Bewegungen ĂŒber die BĂŒhne, wĂ€hrend Erik an den Tasten fĂŒr die richtige analoge Coolness sorgte. The Beauty of Gemina sagte mir persönlich nicht viel, doch manchmal lohnt es sich, wenn man offen fĂŒr Neues ist und das hat sich in diesem Falle wieder einmal bestĂ€tigt, denn die Herrschaften aus der Schweiz bewiesen eindrucksvoll, dass auch im Lande der Schokolade und leckerem KĂ€se guter New Wave Pop produziert wird. Frontman Michael Sele sang mit seiner sonoren Stimme Songs ihrer vier Alben und schaffte eine sehr schöne Stimmung, die an 90er Jahre Bands wie z.B. Escape with Romeo erinnerte. Beim Song Lonesome death of a Goth DJ ging es elektronischer zur Sache, und Tanzen war angesagt. Die schönen Popperlen wurden von den Fans sehr gut aufgenommen und die Zeit verging demnach zu schnell.

Die Futurepopband Rotersand war der nĂ€chste Topact im Flugzeughangar und die drei Jungs aus dem Ruhrpott Rasc, Gunther und Krischan schwangen nach langer Krankheit von SĂ€nger Rasc endlich wieder den powervollen Electrohammer und trafen die Fans mitten ins vegetative Nervensystem. Bereits beim Opener world transmission machte sich direkt Partystimmung breit und blieb auch dort fest eingemeißelt in der heiligen Halle. Rasc machte dennoch die Fans gehörig an und Krischan bewegte an einem großen Technikpult etliche Regler um den perfekten Sound zu liefern. Nachdem die die Band ihren Gassenhauer Almost violent vorlegte, kamen drei TĂ€nzerinnen in Camouflagehosen und auch sonst gleichem Outfit auf die BĂŒhne und unterstĂŒtze die Liveband, eine „Bereicherung“, auf die man hĂ€tte getrost verzichten können, besaß die Electrocombo genug eigene Innovation um ĂŒberzeugen zu können. KMFDM ist ein Akronym fĂŒr den gewollt unsinnigen und grammatikalisch inkorrekten deutschen Satz „Kein Mehrheit FĂŒr Die Mitleid“ und die Formation zeigte dem Menschen im Zuschauerraum, wie amerikanisch geprĂ€gter Industrial-Rock klingen muss. Die Internationale Band bestehend aus Sascha Konietzko (Gesang, Synthesizer), Lucia Cifarelli (Gesang, Synthesizer), Andy Selway (Schlagzeug), Jules Hodgson (Gitarre) und Steve White (Gitarre) legte ein so unglaublich schnelles Tempo vor, dass einem fast schwindelig wurde. Besonders Lucia, ganz in Leder gekleidet, war ein schöner Hingucker und die Dame durfte bei Dystopia die Szene regieren. Songs wie A Drug against war hĂ€mmerten sich tief ins Ohr hinein und es passierte viel auf der Szene, denn teilweise befanden sich sechs Musiker auf der BĂŒhne. Potz Blitz wird der eine oder andere Augenzeuge der Show gedacht haben. Genau das passte auch auf den Headliner im Hangar, das mexikanische Duo Hocico, welches in der prallgefĂŒllten Halle ihre distorted Beats und gnadenlosen Texte in den Äther schoss, sind keine Kinder von Traurigkeit. Erk und Racso brachten es zustande, die bereits hoch elektrisierte AtmosphĂ€re noch mehr zum Knistern zu bringen, denn bei den Knallern wie Forgotten tears und Bite Me! (Erk: „ItÂŽs time to bite back!“) blieb kein Auge trocken und kein Bein unbewegt. Erk in seinem Kriegspanzer an seinem Torso MikrofonstĂ€nder sah imposant aus und Racso hatte von seinem Podest aus eine gute Sicht auf die feiernde Meute, denn alle Schwarzkittel bewegten sich und tanzten, dass der Anblick eine reine Freude war. Nicht nur die Klassiker der Band kamen gut an, auch die neue Single Dog eat Dog erfreute die Hocico JĂŒnger und der Song kreierte wirklich eine sehr berauschende Stimmung, die Lust auf mehr machte, doch um 21.15 Uhr war der Budenzauber leider bereits vorbei und man konnte sich in der frischen Atemluft erholen.


Sonntag, 12.08.2012 – Main Stage:


Les Jupes
ist eine neue Band aus Kanada, die lupenreinen Indierrock fabriziert und durch ihre sympathische Art einige Pluspunkte bei ihrem Auftritt sammeln konnte. Denn das gut eingespielte Quartett brachte ihre Musik mit viel charmantem Understanding und der Gruppe wĂŒrde man jeden Vertrag dankend abnehmen, denn die Herrschaften kamen eher wie Versicherungsvertreter herĂŒber als wie eine Rockband. Dennoch wurden ihre melodischen und energischen Songs wohlwollend vom Publikum angenommen. Auch Faun sorgten fĂŒr große Schauwerte. Die sechsköpfige Band bewies, wie gut sie die alten Instrumente beherrscht und dass sie diese mit modernen EinflĂŒssen zu kombinieren weiß, um somit eine wahrhaft zauberhafte Stimmung zu schaffen. So kamen also nicht nur Mittelalterfans auf ihre Kosten und die Songs, die oft in alten Sprachen gesungen wurden, verfehlten ihre Wirkung nicht. Celtic und Nordic Folk vorgetragen mit Dudelsack, Harfe, Drehleier und Laute und der perfekt aufeinander abgestimmte Gesang ergaben ein harmonisches Gesamtpaket. Welle:Erdball war die einzige rein elektronische Band auf der HauptbĂŒhne und das leuchtet ein, ist das Duo doch in ihrer ĂŒber 20jĂ€hrigen Karriere immer ein StĂŒck mehr auf der Erfolgsleiter emporgestiegen. Honey und A.L.F. standen natĂŒrlich nicht alleine auf der BĂŒhne, sondern wurden von den SĂ€ngerinnen Frl. Venus und Plastique unterstĂŒtzt, die einerseits Komparsenrollen ĂŒbernahmen aber auch hier und da ins Mikrophon hauchten. NatĂŒrlich durfte auch einer der Hauptmusiker, der Commodore C64 nicht fehlen, der recht hĂŒbsch in die Performance eingebunden wurde. Hits wie 23, Schweben, fliegen, fallen (Bei dem die obligatorischen großen Ballons ins Publikum geworfen wurden), Arbeit adelt (Honey schlĂ€gt auf eine Blechtonne) und Ich bin aus Plastik (Plastique sang und warf SĂŒĂŸigkeiten in die Menge) erfreuten die Fans und ausgelassene Stimmung machte sich auf dem Flughafen breit. Und jeder Augenzeuge war sich sicher: das war wieder eine gelungene Sendung!

Die deutschsprachige Mittelalter-Folk-Rock-Band Schandmaul ist auch immer einen Blick wert, gehören ihre Konzerte schon lange zum Besten, was man in diesem Bereich erleben kann. Thomas Lindner, Anna Katharina KrĂ€nzlein, Stefan Brunner, Martin Christoph „Ducky“ Duckstein, Birgit Muggenthaler-Schmack und Matthias „Hiasl“ Richter hatten ihre Fans charmant im Griff und machten den Auftritt zu einem Happening, ob sie nur ihre Songs wie Drachentöter, oder Walpurgisnacht spielten oder ein lustiges Trinkspiel mit „Freeze, Slowmotion oder Zombie Slowmotion“ Aktionen zelebrierten, es war eine Freude zuzuschauen oder auch mitzumachen. So viele Zombies hat man wohl noch nie auf einem Festival gesehen. Eisbrecher standen dem in nichts nach, denn die sĂŒddeutsche Band sind Vollprofis und wissen nach unzĂ€hligen Einzelkonzerten und Festivalauftritten, wie man eine geile Show aufzieht. Die Band heizte ihre AnhĂ€nger mit StĂŒcken wie Die Hölle muss warten, Exzess Express und Wilkommen im Nichts so sehr ein, dass die phantastische Stimmung selbst der Mann im Mond mitbekommen haben muss. Schwarze Witwe wurde mithilfe einer Discokugel intoniert und bei dem agressiv-rockigen Amok wurden große FĂ€sser hineingerollt und die Bandmitglieder hĂ€mmerten choreographisch perfekt aufeinander abgestimmt auf sie ein, wĂ€hrend die Massen die Jungs durch ihr rhythmisches Klatschen unterstĂŒtzten. Ein beeindruckendes akustisches, aber auch optisches Schauspiel. Einfach eine coole Show! Die britische Kultband New Model Army muss man wirklich nicht groß vorstellen, denn die Gruppe gehört seit jeher zum besten Output englischer Rock- und Popmusik. Ihre riesige AnhĂ€ngerschaft war auch in Hildesheim versammelt um ihnen zu huldigen und mit ihnen zu Feiern. An der schönen Abendluft gab die Megagroup schöne Titel wie Get me out, Today is a good Day oder Green and Grey zum Besten und immer wieder gab es offenen Applaus auch besonders zwischen den StĂŒcken, welches eine Sympathiebekundung allererster GĂŒte fĂŒr eine Band ist. Frontman Justin Sullivan belohnte diese freundschaftliche Geste mit seinem Gesang und Gitarrenspiel, wĂ€hrend er seine Seele und Herz öffnete. Ein Musiker, der wirklich etwas zu sagen hat, jenseits aller RockplattitĂŒden. Die Stimmung war fast religiös bedĂ€chtig, was die Zuschauer aber auch nicht vom abrocken abhielt, was man besonders beim Titel Purity beobachten konnte. Jedes coole Festival muss zu Ende gehen und die Mittelalterrockband In Extremo um den SĂ€nger Michael Robert Rhein aka „Das letzte Einhorn“ hatte die Ehre, das MÂŽera Luna Festival 2012 zu beenden und das buchstĂ€blich mit einem riesigen Knall. Denn die Show, die die Mannen prĂ€sentierten, war mehr als nur spektakulĂ€r. Riesige Stichflammen zĂŒngelten ĂŒbers Publikum, die Pyro- und Lichtshow bei Weisen wie Sterneneisen oder Zigeunerskat vom neuen Album war atemberaubend und fast 20.0000 Musikfans feierten ausgelassen mit. Die Band sang in so unterschiedlichen Sprachen wie IslĂ€ndisch, Alt-Französisch, Mittel- und Althochdeutsch und spielte auf mittelalterlichen Instrumenten mit so wohlklingenden Namen wie Trumscheit, Uilleann Pipes, und Nyckelharpa. Beim absoluten Ohrwurm und Clubhit Vollmond wurde die Harfe wunderschön in Szene gesetzt und bei SĂ€ngerkrieg blieb kein Auge trocken und kein Bein stand still. Besser und schöner kann man ein Festival nicht beenden. Und wenn man sich die bereits angekĂŒndigten Bands fĂŒr 2013 anschaut, weiß man, dass man sich bald in Hildesheim wiedersieht.

Wir haben fĂŒr euch schon einmal Besucher- und Bandgalerien mit Bildern des Festivals zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie M’era Luna Festival 2012 – Besucher und Impressionen

Galerie M’era Luna Festival 2012 Tag 1 (Samstag, den 11.08.2012)

 Galerie M’era Luna Festival 2012 Tag 2 (Sonntag, den 12.08.2012)

Komplette Fotogalerien einzelner Bands werden noch nachgereicht.

Autor: Frank Stienen
Fotos: Holger BĂŒcker

ZurĂŒck zum Artikel
Galerie M’era Luna Festival 2012 – Besucher und Impressionen

Weitere Fotos des Events gibt es hier

ZurĂŒck zum Artikel
Galerie M’era Luna Festival 2012 Tag 1 (Samstag, den 11.08.2012)


ZurĂŒck zum Artikel
 Weitere Fotos des Events gibt es hier

ZurĂŒck zum Artikel
Galerie M’era Luna Festival 2012 Tag 2 (Sonntag, den 12.08.2012)
Geschrieben von
Mehr von Sparklingphotos.de

TORUL & EGOAMP – Oberhausen, Kulttempel (11.10.2015)

EGOamp wurde von Asmodi Caligari und Cesare Insomnia gegrĂŒndet. Das Projekt wird...
Weiterlesen