Pakt – Berlin

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

5 Bewertung

5

"Herz, Schnauze, Beats und Bambule", so betiteln Chris Ruiz (Vocals, Musik und Texte) und Gio van Oli ihre Musik und ihr Debutalbum klingt auf jeden Fall nach den drei letztgenannten Wörtern. Die Ex- „And One“ Mitglieder glänzten in letzter Zeit durch ihre perfekt durchgeführte Medienpräsenz. Ein Grund mehr, ein kritisches Auge zu werfen, ob es auf dem ersten Longplayer des Duos frei nach Shakespeare „Viel Rauch um Nichts“ gibt.

Mit dem Instrumental „Freitag der 13.“ findet die erste CD von Pakt seinen Anfang. Hier knarzt es, wird mit Gitarrensamples gespielt, die Drums klingen lebendig. Soweit so gut. Man kann sagen, es ist ein gutes Intro und eine schöne Einstimmung auf das Folgende. Wieso der Track aber das längste Stück Musik auf „Berlin“ ist, bleibt ein Rätsel. Den Song „Freiheit“ wird wohl jeder kennen, der im letzten halben Jahr die Szene beobachtet hat. Der Track klingt wie ein Befreiungsschlag frustrierter „Musikarbeiter“, geht ins Ohr, in die Beine und ins Kleinhirn. Bei „Burn Home Burn“ wird es aggressiv, rhythmusbetont und ziemlich "EBMig“, so als wären Nitzer Ebb und Prodigy eine Fusion eingegangen. Auf dem Darkfloor sicherlich eine Bereicherung im „Futurepop“-Matsch der letzten Jahre. Hier freut man sich auf eine längere Version, denn der Zauber ist leider zu schnell vorbei. „Schwarz und Weiß“ nimmt das vorgelegte Tempo zugunsten Atmosphäre und „echtem“ Songwriting zurück. Die Frage ist: wer singt den Song, denn nach Herrn Ruiz klingt das Ganze nicht, vielleicht ja Produzent Mic Schröder? In der zweiten Hälfte des Werkes kommt man bereits zum Höhepunkt der CD, denn hat man erst die Strophe von „Lichterloh“, die durch eine coole Bassline geadelt wird hinter sich gelassen, öffnet sich der Song im Chorus ganz wundervoll und man wird durch eine „catchy“ Melodie belohnt und brennt lichterloh und strahlt von Moskau bis Berlin. „Grey into red“ nimmt wieder etwas Tempo hinaus und es wird der Pop zelebriert, mithilfe weiblicher Backingvocals und gut programmierten Drums. In die selbe Kerbe haut dann wieder „All reminds me“, vielleicht um auch einen Song für die weiblichen Fans zu bringen, denn so etwas frischt ein Album auf und man kann durchatmen. „Egoshooter“ ist ein Track, den man gerne skippen kann, denn: „hier gibt es nichts zu Hören, bitte gehen sie weiter!“. Im „Kinder-Abzählreim“-Stil á la „Fernsehapparat“ werden hier irgendwelche Plattitüden aneinander gereiht, scheinbar nur für die Worte an sich. „Revolution“ zielt dann wieder auf die Tanzflächen, was ganz sicher auch als gelungen bewertet werden kann, wenn man denn ein „Menschmaschine“-Replikat benötigt, um in Stimmung zu kommen. Es wird wieder balladig mit „Liebespakt“ und man muss sich fragen, ob man sich damit unheimlich „unheilig“ beim Publikum anbiedern muss. Der letzte „echte“ Track „The fish rots from the Head down“ wirkt wie ein Experiment, denn die Teile des Tracks passen anfangs irgendwie nicht so recht zusammen, was sich aber bei den einsetzenden Vocals wieder legt. „Berlin“ schließt dann mit dem einzigen musikalischen Output, das sich ganz van Oli zuordnen lässt, dem Instrumental „Outro“.

Fazit: äußerst fahriges Album, welches keine geschlossene Einheit ergibt und dadurch eher „zusammengestöpselt“ klingt. Gut produziert, doch etwas seelen- und herzlos im Abgang.

Diese CD könnte Euch gefallen, wenn ihr auf And One und Compilations steht.

Tracklist:
01. Freitag der 13
02. Freiheit
03. Burn Home Burn
04. Schwarz & Weiß
05. Lichterloh
06. Grey into Red
07. All Reminds me
08. Egoshooter
09. Revolution
10. Liebespakt
11. The fish rots from the Head down
12. Outro

Autor: Frank Stienen

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