BLACKFIELD FESTIVAL 2011 Tag 2 – Gelsenkirchen, Amphitheater (26.06.2011)

Blackfield Festival 2011 - Gelsenkirchen, Amphitheater (25./26.06.2011)
Geschätzte Lesezeit: 8 Minute(n)

Blitzmaschine

BLACKFIELD FESTIVAL 2011 Tag 2 - Gelsenkirchen, Amphitheater (26.06.2011) BLACKFIELD FESTIVAL 2011 Tag 2 - Gelsenkirchen, Amphitheater (26.06.2011)

Die Newcomer Blitzmaschine, die EBM für die Mittelschicht anbieten, machten am zweiten Tag des Festivals den Einstieg in den Musikgenuss leicht, denn wie mit einem Holzhammer meißelten sie ihre Message mit Nachdruck in den wolkenverhangenen Himmel: Tanzen bis der Arzt kommt! Mit Titeln wie „blondes Mädchen“ „Swallow“, und „Blute jetzt“ (dem Reedit von Sänger Holgers früherer Band „Collapsed System“) aus dem Debüt Album "Faustrecht" im klassischen „Nitzer Ebb“ und „Front 242“-Style kam Bewegung in die Menge. Die englisch-deutschen Texte kamen einfach und klar herüber und die Livedrums und puckernden Maschinen taten bei der „Elektronischen Körpermusik“ ihr übriges und nach den letzten Tönen des Duos war man bereit für die kommenden Attraktionen des Blackfield.


Stahlmann

BLACKFIELD FESTIVAL 2011 Tag 2 - Gelsenkirchen, Amphitheater (26.06.2011) BLACKFIELD FESTIVAL 2011 Tag 2 - Gelsenkirchen, Amphitheater (26.06.2011)

Die Göttinger Band Stahlmann wurde erst 2008 gegründet und hat sich schon jetzt einen guten Ruf als tolle Liveband beim Support von Doro, In Extremo und Saltatio Mortis erspielt. Die Jungs wollten dies auch auf diesem Konzert beweisen und das ist ihnen gelungen. Ihre Songs im Stil der „neuen deutschen Härte“ kamen sehr gut beim Publikum an und Sänger Mart schaffte es leicht, ihre Fans zum Klatschen und Mitsingen zu animieren. Dass die Anhänger der Band oft weiblicher Natur sind kann man durchaus nachvollziehen, machten die silber bemalten Jungs eine recht ansehnliche Figur. Stilistisch zwischen Rammstein und Oomph! gelagert, rockten sie ihre deutschen Texte in den sonntäglichen Morgen und sorgten für gute Laune und Bewegungsdrang beim Publikum.


Sono

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Nun schallten wieder elektronische Klänge durch die Arena, denn die „Fischköpfe“ Sono aus Hamburg waren an der Reihe. Letztes Jahr musste deren Auftritt leider ausfallen, stand die Band unglücklicherweise im Stau fest, dieses Jahr hieß es also den zweiten Versuch zu starten. Sono auf einem Gothic Festival zu sehen, hat immer etwas befremdliches, doch schaffen es Lennart A. Salomon (Gesang, Gitarre) Florian Sikorski (Keyboards) und Martin Weiland (Keyboards, DJ) einen Brückenschlag zwischen Synthpop und House zu schlagen und die „Schwarzkittel“ zum Schwitzen zu bringen. Der musikalische Reigen spannte sich über Songs wie „All Those City Lights“, „Keep Control“ und natürlich „Blame“. Lennart: „Ach DIE sind das“. Von nordischer Unterkühltheit keine Spur: die lockere Performance, die poppig-housig-elektronisch um die Ecke kam, war einfach mitreißend. Sänger Lennart, der jeden „Johnny Depp“-Lookalike Contest locker gewonnen hätte, brachte seine obligatorischen Gitarren-Spielereien, während Florian und Martin ihre Synthsounds modulierten, wie auf einem echten Rave eben.


Reaper

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Der umtriebige Musiker Vasi Vallis („Namnambulu“, „Frozen Plasma“) war nun mit seinem Projekt Reaper auf der Bühne des Blackfield und schrie mit rot/schwarz bemaltem Gesicht seine Wut in die Menge. Perfekter Sound für alle Cybergoths also, die sich sofort Richtung Stage bewegten, als die ersten Töne des Aggrotech Sounds erklangen. Im Vorprogramm von „Combichrist“ hat sich das Projekt seine Sporen verdient und hat im „Cyber-Industrial“-Bereich seit etlichen Jahren einen guten Namen. Titel wie „The Devil is Female“ und „Robuste Maschine“ sagen eigentlich alles, denn hier sind Melodien und echte Emotionen passé, es regieren verzerrte Beats und blubbernde Elektronik. Zeit zum Durchatmen gab es sowieso nicht, tanzten die Fans bis hinauf auf die Ränge, die Wolken bewegten sich am Himmel und machten endlich den Weg frei für die Sonne. Danke Herr Valis!


A Life Divided

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Mit den fliegenden Ameisen kamen „A life divided“ auf die Bühne. Jürgen Plangger (Gesang), Tobi Egger (Bass), Tony Berger (Gitarre), Korl Fuhrmann (Schlagzeug), Mike Hofstätter (Gitarre) und Erik Damköhler (Keyboard, Gitarre) waren ausgezogen, um dem Publikum das Rocken beizubringen. Technisch brillant präsentierte die Band eine Mischung aus melodischen und rockigen Elementen ihrer Alben „Virtualized“, „Far“ und dem neuen Werk „Passenger“, ganz im amerikanischen Crossover Stil á la „Linkin Park“. Die Band verbindet eine langjährige Freundschaft zum späteren Liveact Eisbrecher, die die Gruppe 2007 auf deren Antikörper-Tournee unterstützte, schließlich spielt A Life Divided Frontmann Jürgen Plangger doch bereits seit 2006 auch Gitarre bei Eisbrecher Die dynamischen Jungs zeigten, wie gut sie ihre Instrumente beherrschten und zu den guten Kompositionen und Arrangements kam die Spielfreude der Rocker hinzu, die die Fans einfach mitriss. Auch sehr gut gelungen war die „Alphaville“-Coverversion von „Sounds like a Melody“, die in dieser Version sehr cool rüberkam. Ein sehr guter Auftritt und eine absolut runde Sache also, die wohl dafür sorgte, dass die Band nach dem Konzert einige Fans mehr auf ihrem Konto verzeichnen konnte.


Assemblage 23

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Statt der aus Krankheitsgründen ausgefallenen Band Rotersand kam nun Assemblage 23 aus den USA in den Genuss zu spielen und das war alles andere als ein schlechter Ersatz. Nein, es war nicht Ronan Harris, der dort die Elektrofans begeisterte, sondern Tom Shear, das Mastermind des Projektes. Assemblage 23 begeisterte mit seinem melodiösen Futurepop vom Feinsten und nicht nur der Frontmann begann während der Performance on Stage zu schwitzen, stiegen die Temperaturen an diesem schönen Sonntag doch stetig. Sich darüber zu beschweren, wäre jedoch Jammern auf höchstem Niveau. Der Sound, der aus den Boxen kam, hat wohl jedem VNV Nation Fan gefallen und trotz der eher bescheidenen stimmlichen Leistung Shears passten Atmosphäre und Stimmung. Beim Abschluss Song hatten zumindest einige Zuhörer feuchte Augen.


Letzte Instanz

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Die Dresdner Band ist seit Jahren eine feste Größe in der schwarzen Szene und war die erste der „mittelalterlichen“ Combos des Festivals und wirklich ein Fest für Auge und Ohr. Stilistisch irgendwo zwischen Subway to Sally und In Extremo liegend, ergänzt durch einige Sprengsel „Nu Metal“, bot die Gruppe ihren Fans einen schönen Mix aus den 10(!) Alben der Band. Den Spaß am Spielen sah man den Musikern in jeder Sekunde an und diese hatte die Festivalbesucher gut im Griff. Der Gig war reich an einigen Highlights und die Band schaffte es leichter Hand, die Massen zum Mitmachen und Feiern zu animieren, mit dem Publikum zu scherzen und einfach gute Laune zu verbreiten. Die klassischen Instrumente wie Geige und Cello wurden perfekt in Szene gesetzt und erzeugten eine besondere Art von Stimmung. Interessant war u.a. das Thema von “Final Countdown” im Song “Finsternis”. Ein gelungenes Konzert, bei dem sich zeigte, wie wichtig der letzten Instanz der Kontakt zu ihren treuen Fans ist.


Combichrist

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Das norwegische Musikprojekt Combichrist, gegründet von Andy LaPlegua („Icon of Coil“) war ausgezogen, um das Amphitheater zum Wackeln zu bringen und das Konzert zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen und das ist der Band auch gelungen. Zwar anders als geplant, aber fangen wir von vorne an. Direkt beim Opener zeigten die harten Jungs, wie man eine powervolle Show abzieht. Bei Joe Letz an den Drums hatten die Stagehands einiges zu tun, preschte er nämlich mit solcher Wucht auf die Felle, dass die Trommeln stetig umkippten und wieder aufgebaut werden mussten. Das gehörte natürlich zur Show, war aber sehr unterhaltsam anzusehen. Andy in Kriegsbemalung sorgte indes für energetischen Industrial Sound, nichts für Weicheier also. Die Show nahm ihren Verlauf und sollte einer der Highlights werden, bis mitten im Track das Playback aus dem (mit einem Apfel gekennzeichneten) Laptop arge Probleme machte und schließlich ganz abstarb. „Can´t remember writing that Song!“ versuchte Andy die Panne zu überspielen. Ganz ohne Technik kann man als Industrial Act natürlich nicht viel anfangen, dennoch versuchten die Jungs ein wenig zu improvisieren und schafften es sogar noch einige Fans zum Pogen zu bringen. „What´s cool being in an Industrial Band? – Nothing!“ scherzte Perkussionist Trevor, aber es half nichts, die Show musste nach einer „Acoustic Body Music“ Einlage von „This Shit Will Fuck You up“ abgebrochen werden. Kurz bevor der nächste Liveact auf die Bühne kam, tauchte Mr. LaPlegua nochmals auf, um sich persönlich bei den Fans in der ersten Reihe zu entschuldigen. Eine sympathische Geste eines Ausnahmekünstlers.


Eisbrecher

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Nun war es endlich Zeit für die Eiszeit, viele Fans hatten bereits sehnsüchtig auf die folgende Band gewartet. Es handelte sich um niemand anderes als die Band Eisbrecher, die zu Beginn des Konzertes in Winterjacken erschien und den Opener „Eiszeit“ intonierte. Sofort war das Eis getaut, kein Wunder, heizten die fünf Jungs gehörig ein und die prall gefüllte Arena war im Nu in Feierlaune. Sie selbst bezeichnen ihren Sound als „Elektronischen Trip-Rock“. Egal eigentlich, wie man es nennt. Man kann auch einfach nur sagen: mitreißende Musik, denn harte Gitarrenriffs, hämmernde Rhythmen und klare deutsche Texte überzeugten die Massen. Sänger Alexx zeigte eindrucksvoll seine Vielfältigkeit. Nicht stimmlich, sondern er zelebrierte eher die Lust an der Verkleidung. Sei es mit Eispickeln in der Hand, mit Militärkäppi oder Tirolerhut und Trachtenjacke (hier zeigte Alexx, nachdem er mit dem Publikum scherzte, dass er auch recht gut jodeln kann). Die besten Songs der bisher vier Alben wurden von der Band und den Fans gesungen und Langweile kam nie auf, auch nicht beim „Akustik“-Teil in der Mitte der Performance. Ein schöner Moment waren der Song „Wir sind Deutsch“, der mit TRIO Casio Sound begann und dann richtig abging und der Titel „Amok“, bei dem mächtig auf Metallfässer eingedroschen wurde. Eisbrecher präsentierten eine abwechslungsreiche Show, bei der so manch selbsternannte Graf zu Schwitzen begonnen hätte.


Schandmaul

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Den Headliner des diesjährigen Blackfield Festivals kann man ganz ungeniert als Megact bezeichnen und das nicht nur aufgrund der großen Besetzung der Band. Schandmaul bestehen aus: Thomas Lindner (Gesang, Akkordeon, Akustik-Gitarre, Klavier), Anna Katharina Kränzlein (Violine, Drehleier, Bratsche, Gesang), Martin Duckstein (Gitarre, Gesang), Matthias Richter (E-Bass, Kontrabass), Stefan Brunner (Schlagzeug, Perkussion, Gesang) und Birgit Muggenthaler (Schäferpfeife, Schalmeien, Rauschpfeife, Flöten, Gesang). Die Band ist wohl die wichtigste Mittelalter-Folk-Rock-Band Deutschlands und ist auf den großen Bühnen der Republik zuhause. Und das, was die „Mäuler“ darboten, besaß wirklich einen hohen Unterhaltungswert. Sänger Thomas war trotz Handicap durch Hand in der Schlinge zum Stimmung machen bereit und lies die Fans des Öfteren für sich „arbeiten“. So durften die Massen Niederknien, Springen, Singen und Tanzen, was sie auch begeistert mitmachten. Beim Mittelalter-Sound von Schadmaul bekam man quasi Durst auf den einen und anderen Schluck Met und einige Fans schlabberten das Getränk natürlich aus diversen Trinkhörnern. Interessant war es zuzusenden, wie die Gruppe alle möglichen und unmöglichen Instrumente spielte und die deutschen, oft lyrischen Songs waren einfach toll. Die Frauenquote wurde an diesem Tag durch die beiden Damen in der Band nicht ganz erfüllt, die talentierten Musikerinnen waren dennoch eine Augen- und Ohrenweide. Gute Laune und lustige Fanaktionen machten die Performance zu einem kurzweiligen Erlebnis und waren der schönste Ausklang eines rundum gelungenen Festivals, den man sich vorstellen konnte.

Die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands folgen in Kürze!

Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon

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