Steinkind – Etappe 011

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Steinkind – Etappe 011Steinkind – Etappe 011

Steinkind – Etappe 011

Nicht gerade den optimistischsten Namen haben sich die Leipziger Sándor F und Phil J alias Steinkind bei Bandgründung ausgesucht, steht dieser Begriff doch für den mumifizierten Fötus einer misslungenen Schwangerschaft. Aber keine Angst, so schlimm klingen Steinkind auch auf ihrem dritten Album „Etappe 011“ nicht, sind aber auch noch immer nicht auf der Suche nach dem perfekten, wohlklingenden Popsong. Die Band hat sich in der Szene eine kleine Nische geschaffen und musiziert in dieser einfach drauf los, schert sich nicht um Konventionen oder den Kommerzdruck und bietet ihren Hörern eine Art Elektro-Punk-Clash zum Verzehr an. Dabei versäumen sie es nur selten herauszustellen, dass alles was sie anfassen irgendwie subversiv ist. Das beginnt mit ihrer Gründungsgeschichte, die ihren Anfang in einer durchzechten Kneipennacht mit obligatorischer Schlägerei und Gefängnisaufenthalt findet und sich auch seit jeher durch ihre Texte zieht; quasi der moderne Soundtrack für alle mit dem großen, aufgemalten A auf der Lederjacke.

Musikalisch zeigen sich Steinkind auf „Etappe 011“ bisweilen aber doch etwas zurückhaltender als auf den beiden Vorgängern, schalten einen kleinen Gang zurück und machen auch vor Wave- und sogar Synthieanleihen („Gib Mir Mehr“) keinen Halt. Über allem scheint der Anspruch „Spaß rüberzubringen“ zu hängen und auch wenn dieses Anliegen durchaus positiv ist, spricht es mich hier nur bedingt an. Der Anfang hat jedoch etwas, denn das tatsächlich etwas enervierende Intro „Antipop“ mit dem Beinamen „(press next to skip intro)“ zu versehen beweist Humor und bei aller Banalität gar den Anflug von Genialität. Aber wenn beim nachfolgenden „Belehr Mich“ erst einmal die rockigen Gitarren verstummen und die Stimme Sándors erklingt, werden sich bereits einige interessierte Hörer ausklinken, denn Stimme und Gesangsstil polarisieren. Auch mir fällt es noch immer schwer mich daran zu gewöhnen und so haftet den Songs für mich quasi durchweg vorab bereits ein Makel an. Dazu kommt, dass man sich zwischenzeitlich immer mal wieder fragt, ob die Band das Ganze noch ernst meint, oder sich einfach in ihrer Persiflage auf die alltägliche Popmusik selbst verlaufen hat und auf den verschiedensten Genrestraßen nun den Heimweg sucht. Trotz aller Abwechslung kann mich das Album daher nicht recht überzeugen. Wer mit Sándors Stimme besser klar kommt, könnte aber durchaus Gefallen an „Etappe 011“ finden. Anspieltipps des Albums sind „Belehr Mich“, „Fühlst Du Dich“& „Es Wird Zeit“ und wenn ihr auf rotzigen Elektro-Rock steht, solltet ihr Steinkind und ihre neue Etappe zumindest mal antesten.

Tracklist:
01. Antipop – Press Next To Skip Intro
02. Belehr Mich
03. Es Muss
04. GB Rita
05. Gib Mir Mehr
06. Hallo Und Schönen Tag
07. Weil Nur Hier Oben
08. Einfach Nur Müde
09. Fühlst Du Dich
10. Weil Wir Fressen
11. Why Not Wieso
12. Es Wird Zeit

Autor: Michael Gamon

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