Henke – Seelenfütterung

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10 Bewertung

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Henke – SeelenfütterungHenke - Seelenfütterung

Henke - Seelenfütterung

Nachdem die erste EP von HENKE, die im Februar erschien, bereits eine komplett neue, aber dennoch höchst vertraute Seite des Erben-Masterminds darbot, wuchs die Neugier auf das komplette Album „Seelenfütterung“ des aktuellsten Projektes Oswald Henkes. Als reine Liveband war HENKE eigentlich geplant, doch das neue Projekt, das sich zunächst vorrangig der musikalischen Arbeiten der übrigen Henke Projekte bediente, wuchs so schnell heran, dass eigens für HENKE komponierte Songs unumgänglich wurden. Und die EP „Vom A Zum F“ zeigte: ja, es schien Henke und seiner Crew durchaus Freude bereitet zu haben, denn das Ganze klang unheimlich gut. Ungewohnt rockig, aber stets auf Sprachkunst und Wortstilistik bedacht.

Mit „Weil Ich Es Kann“ wird dann auch direkt an die rockigen Elemente angeknüpft. Eine einschlägige Melodie und ein Text, der zwar ein großes Potenzial an Lebensbejahung besitzt, aber dennoch nachdenkliche Einschübe enthält, dringen ohne Umwege in meinen Gehörgang. Ein toller Start und eine Aussage, die diese Scheibe nur nach ganz oben befördern kann. „Es Ist Nacht“ wird dann direkt mit Henkes eindringlicher Stimme eröffnet, im Hintergrund Geflüster, beides von einer verzerrten Geräuschkulisse untermalt. Dann setzt der Beat ein – es geht los, „Es ist Nacht“. Chorale Frauenstimmen tragen Oswalds Stimme im Refrain und leiten über zum nächsten gesprochenen Vers. Auch hier ist ein großes „Ja“ zu vernehmen – ein Ja zu sich selbst. Man denkt sich sofort in die Bilder hinein, die der Komposition entspringen. Ein wirklich grandioser Song! Seichte Pianoklänge und Atemgeräusche tragen den Hörer in das nächste Szenario. Es wird wieder etwas dunkler in „Wer Mich Liebt“. Oswalds Stimme packt mich bereits bei den ersten gesprochenen Worten. „Die Welt macht mich traurig, nicht ich mich selbst“ sprudelt es im rockigen Refrain aus ihm heraus und durch die Kontrastierung aus Rock im Chorus und gesprochenem Ton in den Strophen wird eine eindringliche Atmosphäre geschaffen. In „Uhren Essen“ widmet sich Henke dem Thema Vergänglichkeit und wie wir Menschen der Zeit zum Opfer fallen. In diesem instrumental eher minimalistischen Stück liegt das Hauptaugenmerk deutlich auf den Worten. Ein Song, der zum Nachdenken anregt. „Ohne Titel“ punktet durch seinen Aufbau, der ebenfalls mit seichten Pianoklängen beginnt, sich dann aber ein Instrument nach dem anderen krallt, sich in sich selbst hochschaukelt, stets begleitet von Henkes mahnender Stimme. Auf dem Maximum an Geräuschkulisse geht es dann wieder steil bergab zur puren Stimme. In „Seelenfütterung“ hat man im ersten Moment das Gefühl dem „Schwarzen Wesen“ der Erben zu begegnen, sieht dann aber im Verlauf des Songs doch noch andere Bilder. Die eher positiv gestimmte instrumentale Komposition steht auch hier wieder deutlich im Kontrast zu den dunklen, mal deutlich gesprochenen, mal gehauchten Lyrics. Es folgt „Findenzoo“, ein Song, der auf einem unglaublich melodiösen, verträumten Grund gebettet ist. Es geht um Selbstfindung, die aber ohne das Außen bedeutungslos ist. Hanna Løg übernimmt hier die Backgroundvocals und durch dieses Zusammenspiel mit Henkes Stimme entsteht ein weiterer genialer Song. In „Ich Protestiere“ und „Manisch Aggressiv“ wird es ganz deutlich gesellschaftskritisch. Oswalds Stimme klingt Wut geladen, im Ersten zunächst im Wechsel mit kühler Zurückhaltung, doch in Letzterem wird deutlich geflucht. Zwei höchst ausdrucksstarke Stücke, die gefallen. Auch „Vom A Zum F“ ist eine der lauteren Stationen des Albums und ist zugleich das einzige Stück, das von der EP auf das neue Machwerk aufspringen durfte. Ein rockiger Song mit großer Bedeutung, ein Song, der Antworten sucht. Antworten auf die Frage, warum jemand freiwillig auf sein Leben verzichtet. Und Wut schwingt mit; Wut, die einen packt. „An Jedem Haar“ ist einer der Songs, die emotional in den dunkelsten Keller fahren. Auch hier wird auf zu viel Bombast verzichtet, denn Henkes Stimme ist es, die diese vereinnahmende Atmosphäre kreiert. „Traumzeitlos“ und „Herbstkinder“ knüpfen an diese Atmosphäre an. Wie gebannt lausche ich Henkes Stimme, die zum Teil nur von einem Klangspiel untermalt wird und den direkten Weg in meinen Kopf findet. Ich bin begeistert.

Und so können auf „Seelenfütterung“ 13 phantastische Songs verbucht werden. Und jeder einzelne Song hat Bestand, egal ob er ruhig fließt oder eindringlich daher poltert. Das Album „Seelenfütterung“ findet schon jetzt seinen Platz in meinen persönlichen Top 3 für dieses Jahr. Und mein Verdacht, den ich bereits nach der EP insgeheim hegte, hat sich immer mehr bestätigt: Goethes Erben waren eine aufregende, schöne Reise, HENKE klingt, als seien wir angekommen. Angekommen an einem Punkt, an dem zumindest für mich alles stimmt.

Tracklist:
01. Weil Ich Es Kann
02. Es Ist Nacht
03. Wer Mich Liebt
04. Uhren Essen
05. Ohne Titel
06. Seelenfütterung
07. Findenzoo
08. Ich Protestiere
09. Manisch Aggressiv
10. Vom A Zum F
11. An Jedem Haar
12. Traumzeitlos
13. Herbstkinder

Autorin: Tanja Pannwitz

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Henke - Seelenfütterung

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