Within Temptation – The Unforgiving

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Within Temptation – The UnforgivingWithin Temptation - The Unforgiving

Within Temptation - The Unforgiving

Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich hier einen Comic oder eine CD in den Händen hielt, als ich das neueste Machwerk „The Unforgiving“ der Niederländer von Within Temptation begutachtete. Und tatsächlich: „The Unforgiving“ ist zugleich ein Comic, der von Steven O’Connell (BloodRayne & Dark 48) erzählt und visuell von Romano Molenaar vollendet wurde. Da hat sich die Brigade um die beiden Masterminds Robert Westerholt und Sharon Janny den Adel wirklich große Gedanken gemacht, die Fans bei Laune zu halten. Zugleich sind die Bandmitglieder selbst große Comicfans und so verwirklichten sie mit diesem Projekt einen kleinen Traum. 3 Kurzfilme, die auf dem Comic basieren, waren genauso geplant wie das Konzeptalbum, das am 25.3. Einzug in die Plattenläden unserer Republik hält.

Was aber sollte den geneigten Hörer auf diesem speziell konzipierten Album erwarten? Inhaltlich wird es sich natürlich um den Comic bewegen, in dem diejenigen, die selbst Böses getan haben, nun dazu verdammt sind, selbst gegen das Böse einzutreten. Protagonistin Sinead, die in dem Prequel „Perdition“, das bereits auf der Bandhomepage zur Verfügung gestellt ist, charakterisiert wurde, wird auch auf der musikalischen Verwertung des Comicmaterials Dreh- und Angelpunkt des Geschehens sein. Jeder trägt sein Kreuz – so auch Sinead, die ihren menschenverachtenden Vater umgebracht hat. Nun wird sie für diese Tat einstehen müssen. So viel zum Inhaltlichen. Doch was wird an Nicht-Textlichem von der Platte schallen? Düstere Balladen und pompöse soundtrackartige, symphonische Metalstücke?

Das ganze Geschehen wird mit dem atmosphärischen Intro „Why Not Me“ eröffnet, in welchem Sinead dem Hörer ihr Schicksal nahe bringt und zu dem Schluss kommt „Someone has to take a stand against evil – why should it not be me?“. An diesem Stück hängt sich die gesamte Story auf und ist somit für das Verständnis von enormer Bedeutung. Mit seichten Chorgesängen und einer sich sofort festsetzenden melodischen Untermalung, die zwar etwas schmaler als auf vielen anderen Within Temptation Stücken ausfällt, geht es mit „Shot In The Dark“ weiter. Es wird gerockt: nicht düster und leicht an der Grenze zur Populärmusik. Wen das nicht stört, der wird von diesem Stück begeistert sein. Eine neue Seite der Symphonic- Metal Formation, die keinesfalls plump und berechnend daherkommt, sondern durch ausgefeilte Rhythmik und Stimmigkeit besticht. Die Uptempo- Nummer „In The Middle Of The Night“ glänzt im selben Gewand, zeigt aber, dass Within Temptation der Kunst des düster angehauchten, bombastisch daher stolzierenden Rockens auch auf dieser Scheibe einen Platz gewähren wollten. Mit „Faster“ folgt dann sogleich die nächste Attacke, die wohl bei jedem Wohlgefallen auslösen müsste. Eingeleitet von einem sich festsetzenden Gitarrenriff geht es über einen grandiosen Aufbau in den Strophen über zum genialen Refrain. Eine Atmosphäre, die nur von solch Symphoniefanatikern wie Within Temptation kreiert werden kann, ohne kitschig und zu dick aufgetragen zu wirken. Nach diesem Höhenflug wird es dann bei „Fire And Ice“ erst einmal etwas ruhiger bei gleichbleibender atmosphärischer Vollendungskunst.

Kaum hat man einmal etwas Luft geschnappt, schon platzt das treibende „Iron“ herein. Zwischen orchestraler Untermalung wird hier scharf geschossen und das Ganze klingt auch noch ziemlich gut. Es erinnert zum Ende hin etwas an Nightwish- Soundlines (natürlich Nightwish unter Tarja Turunen), wenn man vom Refrain absieht, der so in der Art nur zu Within Temptation passt. Streicher leiten „Where Is The Edge“ ein und es wird vom Tempo her wieder etwas gemächlicher, aber nicht ruhig.
„Sinéad“, das die Protagonistin umreißt, dringt dann in gefälliger Rhythmik und elektronischem Grundgerüst an unser Ohr. Musikalisch wurde sich, wie Robert Westerholt im Vorwege angekündigt hatte, hier am deutlichsten an den Klängen der 80er orientiert. Immer wieder blitzt zwischen dem Gerockten etwas Synthiegunst hervor, die aber nicht zu sehr Überhand gewinnt. Unbefangen von diesem Ausbruch erinnert „Lost“ dann wieder sehr an die üblichen balladenartigen Songs der Combo. Untermalt von teils hellen, teils düsteren Grundtönen wird an dieser Stelle wohl am meisten deutlich, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt. Er hätte mich als alleinstehender Song nicht umgehauen, hier in diesem Zusammenhang passt er jedoch wieder recht gut. Und was dann folgt, ist das, was wir schon immer mit Within Temptation verbunden haben: der Hang zum Soundtrack. Und genauso kommt „Murder“ daher: bombastisch, chorale, verzerrte Einwürfe und nahe an der Grenze zum Überladenen. „A Demon’s Fate“ wird in Anlehnung an die Rückbesinnung auf die 80er- Jahre von Synthieklängen eingeleitet, stellt sich dann aber doch als Rockhymne heraus. Für meinen Geschmack hätten die Niederländer diese Synthieschiene gerne etwas konsequenter beibehalten können. Den Abschluss des ganzen musikalischen Spektakels – ja, teilweise kann man sich zu den Klängen tatsächlich Bilder vorstellen – bildet dann das düstere „Stairway To The Skies“. Wie der Name schon vermuten lässt, ist das Schicksal der Sinead wohl nicht zu einem positiven Ende gekommen. Schade eigentlich, war sie mir als Hörer doch gerade sympathisch geworden.

Within Temptation haben es wieder einmal geschafft, mich auf ihre Seite zu ziehen. Was mich allerdings begeistert, sind nicht nur die einzelnen Songs, sondern vielmehr das Gesamtkonzept und die gesamte intermediale Verknüpfung. Konzeptalben sind nie ein leichtes Unterfangen, aber wie die Umsetzung hier geglückt ist, ist wirklich lobenswert.

Zum Kennenlernen von Within Temptation stehen sicherlich geeignetere Werke zur Verfügung, aber einem jeden Fan kann ich guten Gewissens eine klare Empfehlung für „The Unforgiving“ aussprechen.

Tracklist:
01. Why Not Me
02. Shot In The Dark
03. In The Middle Of The Night
04. Faster
05. Fire And Ice
06. Iron
07. Where Is The Edge
08. Sinéad
09. Lost
10. Murder
11. A Demon’s Fate
12. Stairway To The Skies

Bewertung: 9,0 / 10 Punkte

Autorin: Tanja Pannwitz


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