Polarkreis 18 – Frei

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Polarkreis 18 – FreiPolarkreis 18 - Frei

Polarkreis 18 - Frei

Anspruchsvoll waren sie schon immer, die Dresdener Jungs von Polarkreis 18. Schon ihr Debütalbum "Polarkreis 18" überzeugte mit ausgefeilten Kompositionen die zum Träumen einluden und auch der Nachfolger "The Colour Of Snow" schlug in eine ähnliche Kerbe und war alles andere als Massenware. Trotzdem enthielt er mit "Allein, Allein" den wohl größten Hit des Jahres 2008, der dafür sorgte, dass plötzlich die ganze Nation Notiz von den sechs Sachsen nahm und ihren unbestrittenen Qualitäten Gewahr wurde. Auch für das dritte Album haben sich die Herren einiges vorgenommen und so stellt "Frei" eine allerdings leider nur 36-minütige musikalische Winterreise in Tradition des 2000 Jahre alten Werks von Franz Schubert dar und dass, obwohl ausgerechnet bei diesem Album der Titel keinen Rückschluss auf das frostige Thema zulässt.

Passenderweise geradezu befreiend eröffnet der Titeltrack das neue Album und weiß mit Eingängigkeit und einem Mitsingrefrain zu überzeugen. Schon hier bekommt man allerdings auch den Eindruck, dass sich die Sachsen wieder einen Schritt weiter in Richtung Mainstream orientiert haben. Denn diese Poppigkeit setzt sich auch bei der nachfolgenden ersten Singleauskopplung "Unendliche Symphonie" fort, die sich mit dem großen Thema "Liebe und Romantik" beschäftigt. Es wäre falsch der Band einen Totalausverkauf vorzuwerfen, denn auch die neuen Songs passen durchaus in den Bandkontext, klingen bekannt, aber wegen ihrer größeren Zugänglichkeit auch nicht mehr ganz so liebenswert wie zuvor. Das wird insbesondere bei "Deine Liebe" ersichtlich, dessen Refrain bisherige Fans durchaus verschrecken könnte.

Polarkreis 18 haben sich auf "Frei" sicher nicht neu erfunden, sind den von ihnen eingeschlagenen Weg aber konsequent weitergegangen. Songs wie "Dark And Grey" erinnern an frühere Hits der Marke "The Colour Of Snow" und auch die anderen Songs sind durchweg opulent gestaltet. Sie nehmen den Hörer mit auf eine Reise durchs Leben, die mit der Geburt ("Frei") beginnt und mit dem Tode ("Elegie") endet. Gerade "Elegie" unterscheidet sich dabei stark von den bisher von Polarkreis 18 bekannten Songs, singt Sänger Felix Räuber hier doch ungewohnt "dunkel" und verzichtet fast komplett auf die ihn sonst auszeichnende Kopfstimme und damit leider auch auf eines der Markenzeichen der Dresdener. Ein anderes bekanntes Merkmal tritt dafür aber noch deutlicher zu Tage als auf den Vorgängeralben, nämlich der ständige Wechsel von deutscher und englischer Sprache innerhalb der Songs. Das ist zwar durchaus interessant, wird hier aber zu inflationär eingesetzt und wirkt dadurch auf Dauer eher penetrant, als abwechslungsreich.

So bleibt insgesamt ein zwiespältiger Eindruck: Auch "Frei" ist ein schönes Album geworden, dessen Akzente aber so stark wie nie zuvor auf Eingängigkeit liegen. Die Songs klingen zwar weiterhin verträumt, aber eher für das mittägliche Nickerchen, als den nächtlichen Tiefschlaf. Man darf gespannt sein, ob die Fans der ersten Stunde bereit sein werden, den Weg des Sextetts weiterhin mitzugehen und ob "Frei" der Band weiter steigende Beliebtheit bringen wird, oder die Sachsen den Mittelpunkt des Kreises bereits überschritten haben und sich wieder dem Abseits nähern.

Tracklist:
01. Frei
02. Unendliche Sinfonie
03. All That I Love
04. Deine Liebe
05. Evergreen
06. Letting Go
07. Small Space Between
08. Sleep Rocket
09. Dark And Grey
10. Elegie

Autor: Michael Gamon

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