SEABOUND, ABSURD MINDS & SOMAN – Essen, Zeche Carl (19.06.2009) – Blackfield Warmup Showcase

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Bevor das Blackfield Festival 2009 offiziell startete, gab es am Vorabend in der Essener Zeche Carl zum Auftakt einen Warmup Showcase für dessen Headlinerposition niemand Geringeres als Seabound gewonnen werden konnten, eine Band die nur ganz selten auf (deutschen) Bühnen anzutreffen ist und im Laufe des Abends auch verkünden sollte, dass dies mal wieder der letzte Auftritt in Deutschland für einige Zeit sein wird. Zunächst wird im Hause Seabound erstmal der kreative Prozess "neue Musik zu machen", im Vordergrund stehen.

Aber bevor es zu Seabounds Auftritt kam, standen noch zwei weitere Acts auf dem Programm. Als erstes betrat Soman die Bühne und beschallte seine Zuhörer mit stampfenden Technobeats. Soman selbst positionierte sich hinter einen Tisch mit allerlei technischen Geräten und tanzte sich sprichwörtlich die Seele aus dem Leib. Auch wenn ich mit seiner Musik nur bedingt etwas anfangen kann, so ist es schon eine wahre Augenweide, ihm bei seinem Set zuzusehen. Denn kaum ein anderer Künstler da draußen hat wohl sichtlich mehr Spaß beim Gig als Kolja Trelle aka Soman. Und dieser Frohsinn überträgt sich dann auch recht schnell auf sein Publikum und wie weggefegt erscheinen die Sorgen des Alltags. Zum dritten Song bekam Kolja die bereits vom Neuwerk Festival im letzten Dezember bekannte Unterstützung, welche aus zwei Tänzerinnen bestand. Sie postierten sich auf die beiden Seiten der Bühne und tanzten, mal mit mehr, mal mit weniger Hingabe. Track um Track wurde dem Publikum geboten, wobei die Abwechslung beizeiten auf der Strecke blieb und Übergänge zum "reinen Techno" fließend waren. Trotzdem füllte sich der Saal während des Gigs merklich und gerade unmittelbar vor der Bühne wurde begeistert mitgetanzt. Nach einer knappen dreiviertel Stunde verabschiedete sich der sympathische Alleinunterhalter von seinen Fans.

Die folgende Umbauphase dauerte nur kurz und so ging es mit der zweiten Band des Abends zügig weiter: Absurd Minds aus Dresden. Gegründet bereits im Jahr 1995, besteht Absurd Minds mittlerweile aus den beiden Gründungsmitgliedern Stefan Großmann und Tilo Ladwig, sowie Timo Fischer und seit dem 2006er Album "The Cycle" zudem aus Legacy Of Music Sänger Toralf Nickisch. Schon seit Anbeginn hatte die Band mit dem Vorwurf zu leben, sich musikalisch doch recht stark an Project Pitchfork zu orientieren. Dies ist sicher auch nicht ganz von der Hand zu weisen, soll aber die Qualitäten der vier Musiker nicht schmälern. Absurd Minds verfügen heute über eine recht große Anhängerschaft, von denen sich bereits zu Beginn des Auftritts einige ihrer Shirts entledigten, um so wohl freier abfeiern zu können, was sie dann auch taten. Das Set war gespickt mit allen Hits der Bandgeschichte, darunter "Deception", "Brainwash" und das heute vielfach geforderte "Herzlos", welches später auch den Abschluss bilden sollte. Doch Absurd Minds hatten auch neue Songs im Gepäck, welche ebenfalls gleich beim ersten Hören zu überzeugen wussten und Lust auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album machten. Bei der Coverversion des Nine Inch Nails Hits "Hurt" hatten die Sachsen aber noch einen weiteren Trumpf im Ärmel, den der von Haujobb, Destroid und Architect bekannte Soundtüftler Daniel Myer unterstützte die vier bei diesem Song (und auch später bei Herzlos) an den Drums. Ein wirklich guter Auftritt einer netten Band, die ich nun endlich auch mal live sehen konnte. Es hat sich wirklich gelohnt.

Nun wurde es Zeit für den bereits angesprochenen Headliner: Seabound! Die Band besteht ebenfalls seit 1995 und zwar aus Sänger Frank M. Spinath und Komponist Martin Vorbrodt. Live werden sie zudem von Daniel Wehmeier an den Drums unterstützt. Seabounds Markenzeichen sind -neben den von Franks Psychologie-Professur beeinflussten Texten- wunderschöne, zumeist kühle Sounds und der fast schon beschwörende Gesang von Sänger Frank. So wie auch stets eine gewisse Zeit ins Land zieht bevor ein neues Album der Band erscheint, macht sie sich auch live eher etwas rar, trotzdem war dies aber nicht unser erstes Seabound-Konzert und das war vielleicht das einzige Manko am heutigen Abend. Denn so gut der Gig an sich war, irgendwie erschien mir das Ganze früher noch ein Stück atmosphärischer gewesen zu sein. In Essen begann man gewohnt zurückhaltend, doch während des Gigs taute Frank immer weiter auf, hatte sichtlich Spaß, tanzte und fuchtelte wild gestikulierend mit den Armen. Das passte gut zu seiner Ansage, heute mit dem Publikum feiern zu wollen, allerdings nicht ganz zu der Stimmung, die ich mit Seabound verbinde. Für mich sind Seabound eher eine nachdenklich, anspruchsvolle Band, als ein Partygarant. Ich habe bei Seabound dieses Mal etwas die psychische Kühle vermisst, was aber nicht die sonstige Qualität der Performance mindern soll, die Güte ihrer Tracks spricht da natürlich für sich.

Es war somit ein mehr als gelungener Auftakt in das Festivalwochenende, mit drei zwar sehr unterschiedlichen Bands, aber durchweg mit gutem Ergebnis. Insbesondere Absurd Minds haben mich voll überzeugt, von Seabound hatte ich eh nichts anderes erwartet.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures
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Bandfotos:



Seabound:


Absurd Minds:


Soman:

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