Neimo – Moderne Incidental

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Neimo – Moderne Incidental


Neimo stammen für eine moderne Indierockband eher ungewöhnlich aus Frankreich und das bringt bekanntlich einige Probleme mit sich. Denn Sänger Bruno Dallesandro, Keyboarder Matthieu Joly, Gitarrist Camille Troillard und Schlagzeuger Vincent Girault machen englischsprachige Rockmusik und diese wird durch die in Frankreich herrschende Radioquote stark reglementiert. Hier wird französischsprachige Musik in den Vordergrund gestellt und dieser der Löwenanteil der Sendezeit garantiert. Umso schwerer also, sich im eigenen Land Gehör zu verschaffen. Doch sahen es die vier nicht ein, ihre Songs durch ihre Muttersprache zu verstümmeln, sondern kämpften stets dafür, ihre Songs so zu präsentieren, wie sie ursprünglich gedacht und geschrieben wurden. Also nahmen Neimo einen kleinen Umweg über die Vereinigten Staaten, wo Sänger Bruno sowieso bereits einen Großteil seines Lebens verbrachte, spielten in verschiedenen Clubs und sich dort zugleich in die Herzen von solch illustren Leuten wie Jeff Ayeroff (Inhaber des renommierten Indie-Labels Shangri-La) und Produzent Alan Moulder (Smashing Pumpkins, Arctic Monkeys etc). Auch diese Bekanntschaften trugen sicher etwas dazu bei, dass die vier Franzosen tatsächlich ihr eigenes Ding durchziehen konnten und so liegt nun mit "Moderne Incidental" ihr zweites, natürlich englischsprachiges, Album vor.

Schon vom ersten Song "Can You Call Me?" an ist ihnen unverkennbar anzumerken, dass sie den Spirit modernen Indierocks geatmet haben und es ist fürwahr schwer vorstellbar, dass so etwas auch auf französisch hätte klappen können. Auf englisch macht das Album aber jedenfalls eine Menge Spaß. Hört man zu Beginn noch einige Einflüsse von Bands wie den Smoking Popes, den Hives, Strokes und wie sie alle heißen heraus, so offenbaren sie bei mehrfachem Genuss immer weiter ihre feinen Eigenheiten und so entwickelt sich "Moderne Incidental" zu einem wirklichen Highlight des noch jungen Jahres. Hier wird geschickt zwischen angenehmem Indiepop und ungeschliffenem Rock gewechselt und so für die notwendige Abwechslung gesorgt, die dem Album dann auch seine Langzeitwirkung beschert. Zudem klingt das Album auf angenehme Weise und im positiven Sinne altmodisch, verleugnet seine Wurzeln nicht, was gerade bei Songs wie "Something In Common" oder bei "Lines" zur Geltung kommt. Ebenfalls großartig ist "Deceit" welches bei jedem neuerlichen Hördurchgang meine Aufmerksamkeit erweckt, selbst wenn ich gerade anderweitig beschäftigt bin.

Ich muss zugeben, dass ich das Album zunächst als eher durchschnittlich eingestuft hatte. Nett, aber eben nicht herausragend. Doch mittlerweile ist dieser Eindruck immer größer werdender Begeisterung gewichen. Band und Album besitzen ein großes Potential, was sich sicher auch in ihren Liveshows niederschlagen wird, wovon man sich im April auch auf deutschen Bühnen überzeugen kann. Man sollte Neimo unbedingt eine Chance geben, ich bin mir sicher, für viele wird es sich lohnen.

Tracklist:
01. Can You Call Me?
02. Johnny Five
03. Echoing Pixels
04. Peter & The Wolves
05. Something In Common
06. Lines
07. Diamond Lane
08. Deceit
09. Poison The Chalice
10. The Loving Dead
11. The Hourglass
12. Carsick

Bewertung : 8 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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