APOPTYGMA BERZERK – Sittard (NL), Fenix (13.02.2009)

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Apoptygma Berzerk ist ein norwegisches Musikprojekt, das Ende der Achtziger Jahre von Stephan L. Groth und Jon Erik Martinsen gegründet wurde, Martinsen stieg aber recht bald wieder aus, so dass Stephan Groth als alleiniger Frontman der Band zurückblieb. Derzeit besteht die Band aus drei weiteren Musikern, als da wären Gitarrist Audun Stengel aka ?Angel?, Geir Bratland am Keyboard und last but not least
Schlagzeuger Fredrik Brarud. Apoptygma Berzerk haben einen recht einschneidenden Stilwechsel vollzogen und präsentieren sich seit dem 2005er Werk "You And Me Against The World" zunehmend als Rockband und haben ihre Synthpop-Vergangenheit zu großen teilen zurückgelassen. Wie bei solchen Vorgängen üblich spaltete sich die Fangemeinde in diejenigen, die den Stilwechsel mitmachten und anderen, die der Band Ausverkauf vorwarfen und bis heute -werfen. Unabhängig davon, was man vom neuen Stil halten mag stand jedoch eines recht unbestritten fest: Apoptygma stehen für tolle Live-Shows und so machten wir uns am Freitag den 13ten auf ins niederländische Sittard um dort dem Konzert im Rahmen ihrer "Rocket Science" Tour beizuwohnen.

Sittard liegt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet nahe der Stadt Roermond und das Fenix ist eine recht neue Konzerthalle, die Platz für 400 Leute bereitstellt. Die Halle war mit ca. 300 Zuschauern recht gut gefüllt und diese sorgten für ein Konzerterlebnis pur. Apoptygma werden auf dieser Tour von den Kaliforniern "The Anix" begleitet, die aus  Los Angeles stammen und nach eigenem bekunden sehr glücklich sind, dabei sein zu können. Diese Begeisterung merkte man ihnen auch gleich an und man muss sagen, dass The Anix auch wirklich sehr gut "ins Bild" passten, haben sie doch einen ähnlichen Ansatz wie Apop ihn in den letzten Jahren verfolgen, allerdings weitestgehend ohne elektronische Elemente. Die Stimmung im Fenix war jedenfalls bereits gut und die Tatsache, dass das Ganze noch etwas rockiger ist, als der Sound des Headliners, war für die Rolle als Anheizer sicher auch nicht schädlich. Highlight im Set von The Anix war für mich die Coverversion des Filter-Hits ‚Hey Man, Nice Shot‘, einem Song über Bud Dwyer, einem Politiker aus Pennsylvania(USA), der sich bei einer live übertragenen Pressekonferenz vor laufenden Kameras selbst erschoss. Der Set von The Anix dauerte eine halbe Stunde und es begann das Warten auf Apoptygma Berzerk.

Die Norweger betraten nach einer knappen halben Stunde nacheinander die recht kleine Bühne und der Set wurde von "Weight Of The World" eröffnet, das diese Funktion auch schon auf dem aktuellen Album "Rocket Science" übernimmt. Ebenfalls dem Album nachempfunden war der zweite Song und gleichfalls die erste Singleauskopplung "Apollo (Live On Your TV)" und hier wurde bereits klar, dass die Tracks des neuen Albums live in meinen Augen und Ohren besser funktionieren und schneller klicken, als sie es auf dem Tonträger vermögen. Live steckt einfach mehr Energie und mehr Druck dahinter, der die reduzierte Elektronik vergessen macht. Danach war es zeit für den ersten etwas älteren Hit und spätestens bei "Eclipse" war die Stimmung nun voll da. Insgesamt bestand das Set zu Beginn aber weiter vornehmlich aus neueren Stücken. Eine Trendwende stellte sich nach knapp der Hälfte ein als mit "Deep Red" und zwei Songs später "Love Never Dies" alte Smachhits angesagt waren. Das folgende "Kathys Song" lies mich hingegen auch live kalt, die Begeisterung vieler für diesen Track kann ich einfach nicht nachvollziehen, mir erscheint er einfach nur langweilig. Richtig gut kam danach die House Of Love Coverversion "Shine On" beim Publikum an, welches neben Holländern auch zu einem recht großen Anteil aus Deutschen Zuschauern bestand. Auch "Shine On" hinterlässt bei mir persönlich aber bis heute gemischte Gefühle, denn das Original mochte ich damals sehr und mag es auch heute noch. Apoptygmas Version ist zwar ganz gut, aber doch meilenweit von diesem entfernt.

Deutlich besser machten die Norweger es aber bei der nächsten Coverversion. Dieses Mal nahmen sie sich den New Order Klassiker "Bizarre Love Triangle" vor und interpretierten diesen lediglich mit Gesang und Pianountermalung. Hier konnte Stephan eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass er nicht nur ein guter Frontman, sondern auch ein talentierter Sänger ist. Die ruhige Version war toll und sorgte für Gänsehaut im Publikum.

Es folgte eine kurze Pause, bevor es mit den Zugaben und da im speziellen mit "Starsign" und dem auch von VNV Nations "Genesis" bekannten Intro weiterging und Apoptygma den Saal endgültig zum kochen brachten. Ein großartiges "Nonstop-Violence" folgte. Und ganz für den Schluss hatten sich Apop einen weiteren Klassiker aufgehoben, allerdings hier in einer frischeren Form. "Mourn" im Mesh-Remix beendete mit viel Spaß und Energie einen tollen Auftritt und auch die Band war sichtlich begeistert mal wieder in einem kleineren Club wie dem Fenix spielen zu können, man merkte den vieren den Spaß deutlich an. Und auch wir wollen uns bei den Leuten des Fenix bedanken, die nette Gastgeber waren und uns sehr freundlich empfingen. Wir kommen wieder …

Bilder des Abends befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Fotos:

Apoptygma Berzerk:

The Anix:

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