Lesedauer: 5 Minuten
Lesedauer: 5 MinutenDem Vernehmen nach war es der 26. April 1986 – im schwedischen Helsingborg gründete sich mit Covenant eine der wichtigsten Formationen in der Geschichte des düsteren Electro. Im Rahmen einer kleinen aber feinen Deutschland-Tour mit vier Clubkonzerten und einem Festival-Headliner-Slot in Dresden feierte das Trio um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Eskil Simonsson den runden Ehrentag. Wir waren in der auf einem Dienstagabend im nass-kalten Winter leider nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllten Krefelder Kulturfabrik – eine Location, die ohnehin seit Jahren immer wieder mit Existenzsorgen zu kämpfen hat. In den vergangenen Dekaden bot die sympathische Stätte am Niederrhein immer wieder Szene-Bands eine Bühne, besticht im Regelfall durch gute Akustik (so auch an diesem Abend) und eine gewisse Geräumigkeit inklusive großem Außenbereich mit Foodtruck und fairen Preisen. Also, liebe Leute: Schaut mal ins Programm und geht hin!
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30 Minuten lang durfte Isaac Howlett das Publikum einstimmen. Mit Kumpel Sam an den Tasten gab es sechs Songs des Empathy-Test-Frontmanns auf die Ohren, die einen überwiegend direkt in die 80er katapultierten. Die neonpinken und -blauen Laser taten für das typische Feeling der Zeit ihr Übriges, der Sound war treibend, melödios und eingängig. Zwischendurch wandte sich der Engländer immer wieder ans Publikum und erzählte kleine Anekdoten: „Das letzte Mal war ich in Krefeld mit Empathy Test, als Vorband einer Gruppe namens Covenant. Weiß nicht, was mit denen passiert ist, habe danach nie wieder was von denen gehört …“ – muahahahaha! Das Set verging wie im Flug, die Kollabo namens „Save Myself“ mit Aesthetic-Perfection-Mastermind Daniel Graves, bei dessen namentlicher Erwähnung Jubel aufbrandete, durfte dabei natürlich nicht fehlen. Kein überspektakulärer Opener des Abends, aber ein stimmiges Warm-up für ein seeeeeehr langes Set von Covenant.
Setlist ISAAC HOWLETT @ Krefeld, Kulturfabrik (03.02.2026)
- Eggshell
- Something Changed
- Save Myself
- Ghost Of A Tsunami
- Spiralling
- House Of Cards
Konzerte unter der Woche stellen für viele Musikfans aus verschiedenen Gründen immer wieder ein Problem dar. Besonders lustig wird es dann, wenn die entsprechende Band mal so gar keine Lust hat, die Bühne zu verlassen. Erst um 23.20 Uhr gingen die Lichter wieder an – da wird am nächsten Morgen manch eine(r) etwas verschlafen auf der Arbeit angekommen sein. Covenant gaben echt alles, um ihre Bandgeschichte möglichst repräsentativ abzubilden.
„Let’s start it from the beginning“ – mit diesen Worten eröffnete Eskil die Show nach einem ziemlich genau 15-minütigen Intro, das nichts außer düsterem Rauschen bot und eher irritierend bis langweilig wirkte. Aber den fiesen Spaß gönnen sich Covenant ja gerne mal. Bei Erklingen der ersten Basslines und Drums war das aber vergessen, denn los ging es mit dem ersten Song vom ersten Album. In der dargebotenen Single-Version ist „Theremin“ ein mächtiger EBM-Stampfer mit hymnischem Refrain. Besitzer der „Dreams of a Cryotank“-LP kennen das Stück in einer eher entschleunigten Version, die für die Live-Situation eher weniger geeignet ist.
B-Seite der „Theremin“-Single war seinerzeit übrigens eine alternative Version von „Speed“. Und auch diese schaffte es in Krefeld ins Konzert-Set, eine gelungene Überraschung. „Wir wollen es heute so machen: Wir spielen zwei Songs von jedem Album, in chronologischer Reihenfolge „, erklärte Eskil den Plan, an den sich das Trio fast durchweg hielt. Weiter ging es also, Fans wissen Bescheid, mit Stücken aus der „Sequencer“-Ära. Da durfte der ewige Club-Hit „Stalker“ eigentlich nicht fehlen. Und, man hörte und staunte, auch dieser erklang in einer ungewohnten, groovigen Fassung, die Eskil als „deeper version“ klassifizierte. Es folgte „Figurehead“ im knapp siebenminütigen Extended Mix – dieser wurde vom Frontmann mit den Worten „a long mix so I can dance some more and enjoy the moment“ erklärt.
Generell war Simonsson in Plauderlaune, kurz wurde es gar ein wenig politisch. In Anlehnung an die Lyrics des pumpenden „I Am“ fragte er das Publikum „Was tun wir mit dem Hammer in unseren Händen? Es gibt so viel, was wir tun können, egal ob es kleine oder große Dinge sind.“ Im Mittelteil regierten dann die großen, vielleicht schon etwas zu sehr totgenudelten Club-Hits. Hintereinander weg erklangen „Der Leiermann“ (komplett in Deutsch gesungen), „Bullet“, „Call The Ships To Port“ und „Dead Stars“, allesamt in den gewohnten Originalversionen. Gerade die Tatsache, „Call The Ships To Port“ mal nicht gegen Ende einer Covenant-Show, sondern mittendrin zu hören, veränderte die gewohnte Dynamik doch sehr. Ein interessantes Experiment, bedenkt man vor allem, welche Songs in Konzerthälfte zwei folgen sollten.
„Von nun an wird es immer dunkler“ , versprach Eskil. In Sachen Timing wirkte dieser Satz zunächst etwas daneben, weil allen Ernstes „Happy Man“ folgte. Nicht a cappella wie sonst bei früheren Konzerten, sondern in der Vollversion mit dieser Melodie, die klingt, als stamme sie aus einem Super-Nintendo-Videospiel von 1992. „Einer unserer meistgestreamten Songs“ , weiß der Sänger – die etwas dümmliche, aber kultige Nummer hat eben durchaus Potenzial zur Verbreitung als Meme in den Sozialen Medien. Doch dann wurde Simonssons Ankündigung Realität. Die großen Disco-Banger haben Covenant schon länger nicht mehr veröffentlicht, entsprechend gehörte die zweite Hälfte des Abends den „Deep Cuts“. „The Beauty & The Grace“, „einer meiner absoluten Lieblingssongs“ (Zitat Eskil), war nach längerer Pause ein gern gesehener Rückkehrer im Live-Set, mit „Morning Star“, dem mit dem leider viel zu früh verstorbenen Ex-Bandmitglied Andreas Catjar aufgenommenem „Winter Kills“ oder der Ballade „Not To Be Here“, bei dem der Sänger doch hart an seine stimmlichen Grenzen kam, ging das Hauptset aber schon richtig düster und elegisch zu Ende. Die recht sparsam eingesetzte Bühnenbeleuchtung tat ihr Übriges.
Eine Message von Joakim
Mittlerweile war es schon 23 Uhr und die Reihen vor der Bühne lichteten sich. Ob dies der späten Stunde an einem Dienstag oder der Dynamik der Setlist geschuldet war, bleibt offen. Eskil und die beiden Daniels namens Jonasson und Myer an den Tasten und Knöpfen machten aber überhaupt keine Anstalten, schnell in den Feierabend gehen zu wollen. Zunächst verlas Eskil eine Mitteilung von Joakim Montelius, der im Studio weiter wichtige Arbeit für Covenant leistet, aus gesundheitlichen und familiären Gründen aber seit 2010 keine Konzerte mehr spielt. Er erzählte die Geschichte von sechs Jungs aus Helsingborg, die 1986 „ein wundervolles Monster kreierten, das sich später in eine gestaltenwandlerische Kreatur verwandelte. „
Weitere vier Tracks, darunter die Live-Rarität „Tour de Force“ und das ewig pumpende „Ritual Noise“ wurden noch gespielt, bevor die euphorische „Hände in die Luft“-Trance-Hymne „We Stand Alone“ den Abend beschloss. 25 Songs voller verschiedener Stimmungen und Tempi bei Top-Akustik – hier wurde richtig was geboten fürs Geld. Und dabei kann man aus dem Stehgreif noch so viele andere Songs aufzählen, die man gerne gehört hätte, es aber nicht ins Programm schafften. „Lightbringer“, „Edge of Dawn“, „Feedback“, „One World One Sky“, „Monochrome“ oder „Brave New World“, um nur ein halbes Dutzend Beispiele zu nennen. Klar ist: Covenant sind stets bemüht, bei ihren Shows für Abwechslung zu sorgen und ihre Fans zu überraschen. Wie es eine gestaltenwandlerische Kreatur eben so macht. Auf die nächsten 40 Jahre!
Setlist COVENANT @ Krefeld, Kulturfabrik (03.02.2026)
- Theremin
- Speed
- Stalker
- Figurehead
- Go Film
- I Am
- Der Leiermann
- Dead Stars
- Bullet
- Call The Ships To Port
- Happy Man
- 20 Hz
- The Men
- The Beauty & The Grace
- Judge Of My Domain
- Last Dance
- Not To Be Here
- Ignorance & Bliss
- Morning Star
- I Close My Eyes
- Winter Kills
- Sound Mirrors (Z)
- Tour De Force (Z)
- Ritual Noise (Z)
- We Stand Alone (Z)
Weblinks COVENANT:
Homepage: covenant.se
Facebook: covenant
Instagram: covenant_sweden
Weblinks ISAAC HOWLETT:
Facebook: www.facebook.com/Isaac.Howlett.Music
Instagram: www.instagram.com/isaachowlett
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