27. DARK STORM FESTIVAL – Chemnitz, Stadthalle (25.12.2025)

CNVX, © Thomas Bunge
Translate this post
Lesedauer: 7 Minuten

Zum 27. Mal verwandelte das Dark Storm Festival am 25. Dezember 2025 die Chemnitzer Stadthalle in einen Treffpunkt für Fans der dunklen Musikszene. Schon eine Stunde vor dem offiziellen Einlass herrschte reger Andrang: Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt bildete sich bereits gegen 15 Uhr eine stetig wachsende Schlange wartender Gäste. Pünktlich öffneten sich die Türen, und die Besucherinnen und Besucher strömten in die festlich geschmückten Hallen, die mit Weihnachtsbäumen, Lichterketten und funkelnden Sternen erneut für eine besondere Stimmung sorgten. Nahezu alle Tickets waren im Vorfeld vergriffen – ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Anziehungskraft des Festivals. Insgesamt zwölf Bands auf zwei Bühnen boten eine abwechslungsreiche Mischung aus Darkwave, Gothic, Elektro, Industrial und Metal. Eine kleine, aber willkommene Neuerung waren zusätzliche Sitzplätze in den Zwischengängen, die dankbar genutzt wurden. Zwischen den Konzerten luden Händlerstände mit Kleidung, Schmuck, Accessoires und Tonträgern zum Stöbern ein, während die Merchandising-Stände der Bands wie gewohnt gut besucht waren. Eine kurzfristige Änderung im Line-up – Combichrist ersetzten VNV Nation – verlieh dem Abend eine zusätzliche Besonderheit.

🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):
Impressionen

Den Auftakt des Festivals übernahmen um 16:15 Uhr CNVX – eine Band aus Chemnitz, die längst über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt. Der große Saal füllte sich rasch, und die Vorfreude auf den ersten Act war deutlich spürbar. CNVX präsentierten einen kraftvollen Auftritt mit intensivem Kontakt zum Publikum. Harmonischer Gesang, dynamische Beats und eingängige Refrains verbanden sich zu einem vielseitigen Klangbild zwischen Rock, Pop, Darkwave und Metal. Der druckvolle Einsatz von Gitarre und Schlagzeug verlieh der Darbietung zusätzliche Stärke. Farblich variierende Lichtakzente rundeten das Gesamtbild ab. Mit diesem energiereichen Einstieg brachten CNVX das Publikum mühelos in Bewegung und setzten den Ton für den weiteren Abend.

CNVX – Headquarter

Um 17:10 Uhr eröffneten Extize den Second Floor, wo bereits zahlreiche Gäste gespannt warteten. Gleich zu Beginn setzten sie auf eine auffällige visuelle Inszenierung: Tänzerinnen begleiteten den ersten Track, während eine grelle Videoshow die Bühne dominierte. Ab dem zweiten Stück übernahm der Gesang und führte die stilistische Mischung aus Industrial, Trance, Hellectro, Electro und Techno zusammen. Mit spürbarer Leidenschaft und ungebremster Kraft trieben Extize ihre Performance voran und rissen die Menge sofort mit. Der kleine Saal verwandelte sich in eine pulsierende Clublandschaft, in der ausgelassen getanzt wurde. An diesem Abend zeigte sich erneut, warum die Formation seit ihrer Entwicklung vom Soloprojekt zu einem festen Bestandteil der Clubszene geworden ist.

Extize – Second Floor

Zeitgleich starteten Unzucht im großen Saal, der sich schnell füllte, während rotes und violettes Licht sowie leichter Nebel die Bühne in ein intensives, geheimnisvolles Farbspiel tauchten. Die Band aus Hannover bewegt sich stilistisch zwischen Gothic Rock und Dark Rock und zog schon mit den ersten Klängen zahlreiche Gäste nach vorn. Mit deutschen Texten und hartem Gitarrensound setzten Unzucht sofort eine Welle der Begeisterung in Gang. Ihr kraftvoller Stil, der rockige Härte mit gefühlvollen Melodien verbindet, traf auch an diesem Abend auf eine treue Fangemeinde. Die direkte Ansprache des Publikums und die Bühnenpräsenz sorgten für eine starke Verbindung zwischen Band und Zuhörern. Unzucht verstehen es, emotionale Themen mit eingängigen Arrangements zu verweben und dadurch eine besondere Nähe zu schaffen. Über die Jahre haben sie sich einen unverrückbaren Platz in der Festival-Landschaft erarbeitet – und auch beim Dark Storm 2025 bestätigten sie diesen Status eindrucksvoll.

Unzucht – Headquarter

Wenige Minuten später betraten Zweite Jugend als Duo aus Gesang und Schlagzeug die Bühne des Second Floors, wo dezentes Licht, leichter Nebel und ein konzentriertes Publikum bereits für Aufmerksamkeit sorgten. Auf der Videoleinwand prangte gut sichtbar der Hinweis auf das zehnjährige Bestehen der Band. Mit minimalistischen Beats und intensiver Bühnenpräsenz fingen sie den Kern von EBM und Synthpop ein und interpretierten ihn zugleich modern. Die entstehende Dynamik übertrug sich unmittelbar auf die Zuschauer. Die Mischung aus Authentizität und rhythmischer Strenge machte ihren Auftritt zu einem besonderen Erlebnis für alle, die den klassischen elektronischen Sound schätzen. In kurzer Zeit haben sie sich damit eine klar erkennbare Position innerhalb der Szene gesichert.

Zweite Jugend – Second Floor

Nahezu parallel füllte sich der große Saal erneut bis auf den letzten Platz, als Welle: Erdball die Bühne betraten. Trotz eines kurzfristigen Line-up Wechsels wirkte die Formation gewohnt souverän und präsentierte eine Mischung aus neueren Songs und beliebten Klassikern. Das Minimal Elektro Projekt aus Hannover setzte wie immer auf seine charakteristischen Retro Computerklänge, allen voran den Commodore 64. Unterstützt von thematischen Inszenierungen entstand ein stimmiges Gesamtbild, das die klare Ästhetik der Band unterstrich. Welle: Erdball verbanden Nostalgie mit modernen Elementen und trafen damit eine Balance zwischen Tanzbarkeit und Reflexion. Die Kombination aus Stiltreue und künstlerischem Anspruch begeisterte das Publikum und zeigte erneut, warum sie seit Jahrzehnten zu den prägenden Kräften im Bereich Electro und Minimal Wave zählen.

Welle: Erdball – Headquarter

Als der Abend weiter voranschritt, betraten Rue Oberkampf die Bühne des Second Floors, der sich bis zu den Eingängen gefüllt hatte und in rotes sowie weißes Licht getaucht war, was der Szenerie einen kühlen, mystischen Charakter verlieh. Outfits, Bühnenbild und Keyboards waren sichtbar an den Winter angepasst und verstärkten die ästhetische Wirkung ihres Auftritts. Wie angekündigt präsentierte die Band neue Songs, die sich nahtlos in ihren charakteristischen Mix aus Coldwave, Electro und Post Punk einfügten. Klare Strukturen, hypnotische Rhythmen und die markante Stimme sorgten für eine fesselnde Intensität. Trotz der kühlen Optik entwickelte sich im Saal eine lebendige Dynamik, denn Rue Oberkampf sind live bekannt für Performances, die gleichermaßen tanzbar wie emotional berührend sind. Das Publikum reagierte entsprechend begeistert und ließ sich von der modernen, zugleich nostalgischen Note der Band mitreißen. In den letzten Jahren haben sie sich zu einer der spannendsten neuen Formationen der Szene entwickelt – und auch an diesem Abend bestätigten sie diesen Ruf.

Rue Oberkampf – Second Floor

Zur gleichen Zeit starteten Umbra Et Imago im großen Saal, wo leichter Nebel, dezentes Licht und eine bewusst düstere Szenerie die Bühne in ein mystisches Bild verwandelten. Frontmann Mozart erschien in einem langen Gewand mit Kapuze und Sonnenbrille, flankiert von Accessoires, die den rituellen Charakter der Inszenierung unterstrichen. Die Karlsruher Formation, seit 1991 für ihre ausgefallenen Bühnenshows bekannt, präsentierte ihren markanten Stil aus düsteren Klangflächen und eingängigen Rhythmen. Mozarts prägnante Stimme und die performativen Elemente sorgten für eine faszinierende Wirkung, die das Publikum sofort fesselte. Über Jahrzehnte hinweg haben sie sich eine treue Anhängerschaft aufgebaut – und ihr Auftritt beim Dark Storm 2025 machte deutlich, warum sie bis heute zu den prägenden Bands der Szene gehören.

Umbra Et Imago – Headquarter

Rund eine Stunde später betraten Rosegarden Funeral Party den großen Saal, wo bereits zahlreiche neugierige Gäste warteten – viele von ihnen hatten die Band zuvor noch nie live erlebt. Sängerin Leah Lane, begleitet von einem Drummer, brachte vom ersten Moment an Bewegung und Intensität auf die Bühne. Die abwechslungsreiche Lichtshow in Rot, Violett und Schwarz verstärkte die kontrastreiche Wirkung der Songs. Musikalisch verband die Band ihre melancholische, von Post Punk und Gothic Rock geprägte Note mit einer emotionalen Wucht, die sich schnell im Saal ausbreitete. Kreischende Gitarren, pochende Drums und eine Stimme voller Hingabe sorgten dafür, dass aus anfänglicher Neugier rasch Begeisterung wurde. Die Zuschauer tanzten, schwebten und ließen sich von der dichten Atmosphäre der Songs mitreißen. Rosegarden Funeral Party bewiesen, warum sie zu den spannendsten jungen Bands der Szene zählen und wie selbstverständlich sie den klassischen Gothic Sound in die Gegenwart überführen.

Rosegarden Funeral Party – Headquarter

Orange Sector starteten um 20:45 Uhr im Second Floor – und der Saal war erneut bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Gesang, zwei Keyboards und Schlagzeug sorgte die Band vom ersten Moment an für enorme Bewegung auf der Bühne. Die treibenden Beats und die kompromisslose EBM-Härte packten die Menge unmittelbar, sodass durchgehend getanzt wurde. Orange Sector gehören seit den frühen 90er Jahren zu den Veteranen der deutschen EBM-Szene und bestätigten auch an diesem Abend ihren Status. Ihr minimalistischer, direkter Sound traf im vollen Saal auf ein Publikum, das jede Sekunde aufsaugte. Die Authentizität und Konsequenz der Band erzeugten eine unmittelbare Verbindung zu den Gästen. Über Jahrzehnte hinweg haben Orange Sector gezeigt, dass EBM nichts von seiner Kraft verloren hat.

Orange Sector – Second Floor

Später am Abend übernahmen Combichrist als kurzfristiger Ersatz für VNV Nation die Bühne des großen Saals – und erwiesen sich sofort als würdiger Ersatz. In reduzierter Besetzung aus Sänger Andy LaPlegua und Keyboarder präsentierte die Band ein Oldschool Programm, das sich stark auf die frühen, elektronisch geprägten Alben konzentrierte. Die Bühne lag in dichtem Nebel, durch den Andy unermüdlich von einer Seite zur anderen sprang und die gesamte Fläche mit seiner rastlosen Präsenz ausfüllte. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, das Publikum tobte und sang lautstark mit, als die schnellen Rhythmen den Raum erfassten. Andy, der Combichrist 2003 nach seiner Zeit bei Icon Of Coil gründete, zeigte einmal mehr, wie mühelos er Aggrotech und Rhythm ’n’ Noise zu einem explosiven Live Erlebnis verbindet. Die Stimmung erreichte schnell ein kaum zu übertreffendes Niveau. Die Fans reagierten enthusiastisch und dankbar auf diesen spontanen, intensiven Auftritt, der sich zu einem der Höhepunkte des Festivals entwickelte.

Combichrist – Headquarter

Als Headliner des Second Floors starteten Funker Vogt um 22:15 Uhr, und der Saal war bis in die letzten Reihen gefüllt. Der markante Bühnenaufbau mit einem großen Propellerflugzeug im Hintergrund und Instrumenten im militärisch technischen Look setzte ein starkes visuelles Statement. Die Show steigerte sich rasch zu einer energiegeladenen Darbietung, getragen von tanzbaren Rhythmen und überwiegend deutschen Texten. Kurze Pyro Effekte verstärkten die Wucht der Performance. Funker Vogt, seit Jahren eine feste Größe im deutschen Electro Industrial, überzeugten mit harten Beats, kraftvollen Vocals und klarer thematischer Ausrichtung. Die Verbindung aus elektronischer Härte und gesellschaftskritischen Inhalten verlieh dem Auftritt zusätzliche Tiefe. Das Publikum ließ sich sofort mitreißen und tanzte unermüdlich, während die Band ihre kompromisslose musikalische Botschaft präsentierte.

Funker Vogt – Second Floor

Zum großen Abschluss des Abends betraten Project Pitchfork den großen Saal, der nun bis an die Eingänge gefüllt war und eine erwartungsvolle Spannung ausstrahlte. Mit Gesang, Keyboard und gleich drei Schlagzeugen entfaltete die Band einen druckvollen, rhythmusgeladenen Sound, der den Raum sofort in vibrierende Energie tauchte. Das Licht wechselte in intensiven Farben und wurde von einer großflächigen Videoshow ergänzt, die die visuelle Wirkung des Auftritts verstärkte. Seit den frühen 90er Jahren prägen Project Pitchfork die Darkwave und Electro Szene – und auch an diesem Abend zeigten sie, warum sie zu den wichtigsten und beständigsten Bands des Genres zählen. Die Mischung aus elektronischer Härte, atmosphärischer Tiefe und charismatischer Bühnenpräsenz sorgte für zahlreiche Momente zum Mitsingen, Tanzen und Mitfiebern. Die Verbindung zwischen Band und Publikum war außergewöhnlich stark. Als würdiger Abschluss des Festivals boten Project Pitchfork ein Finale, das den Abend eindrucksvoll beschloss.

Project Pitchfork – Headquarter

Das Dark Storm Festival 2025 bestätigte einmal mehr seinen Ruf als eines der wichtigsten Szene Events und bot trotz kurzfristiger Änderungen im Line-up ein rundum stimmiges Programm. Die Mischung aus etablierten Größen und spannenden Newcomern sorgte für einen abwechslungsreichen Abend, der von den Besucherinnen und Besuchern dankbar aufgenommen wurde. Das festliche Ambiente der Chemnitzer Stadthalle, kombiniert mit vollen Sälen und spürbarer Begeisterung, verlieh dem Festival einen besonderen Rahmen. Viele Gäste nahmen bleibende Eindrücke mit nach Hause – sei es durch die bewegenden Shows, die Begegnungen oder die einzigartige Stimmung. Damit bleibt das Dark Storm Festival ein fester und würdiger Höhepunkt im Kalender der Gothic und Electro Szene.

Weblinks DARK STORM FESTIVAL::

Webseite: www.darkstorm-festival.de
Facebook: @darkstorm.festival
Instagram: @inmove_concerts


Autor


Entdecke mehr von Monkeypress.de

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Translate »