NITZER EBB / FRONT 242 – Heidelberg, Halle 02 (17.11.2023)

NITZER EBB / FRONT 242 – Heidelberg, Halle 02 (17.11.2023)
Nitzer Ebb & Front 242 © Sandro Griesbach
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Die EBM-Pioniere Nitzer Ebb und Front 242 hatten bereits Anfang des Jahres im Rahmen der Join The Forces-Tournee diverse Konzerte gegeben (hier ein Bericht zu Oberhausen) und legten im November unter anderem in der ausverkauften Halle 02 in Heidelberg nach.

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Autofahrer müssen sich den Konzertgenuss heute Abend wirklich verdienen, denn Parkplätze sind rund um das Venue wegen zahlreicher Baustellen rar. Als wir endlich die gut gefüllte Halle 02 betreten, hämmert Anheizer Terence Fixmer (Fixmer/McCarthy, ne?!) bereits famos stampfende Techno-Beats auf den Dancefloor, die beim überwiegend schwarz gekleideten und tendenziell reiferen Publikum gut ankommen. Der Sound ist großartig. Mann trägt Glatze. Dazwischen eine Frau in Michael-Jackson-Jacke mit Dangerous-Allover-Print. Cool! Ein paar Meter weiter ein Typ mit Thor Steinar Kapuzenpulli. Uncool!!!

Dann ist es Zeit für Nitzer Ebb. Auch wenn auf den meisten T-Shirts im Publikum “Front 242” steht, können sich die EBM-Pioniere aus England direkt alle Sympathien sichern. Der Opener Control I’m Here fegt unter dem Jubel der Menge durch die von Neon- und Stroboskoplicht erhellte Halle 02, die ersten Becher fliegen durch die Luft. Doch im hinteren Teil der Halle kreisen die Hüften noch nicht. Stattdessen sind einige Besuchende latent aggressiv und stressig, was womöglich an der zum Bersten gefüllten Halle liegt.

Die Tracks begleiten individuelle Clips auf dem animierten Backdrop, vor dem die Band routiniert agiert. Nitzer Ebb beschränken den Dialog mit dem Publikum auf ein Minimum, was der guten Stimmung jedoch nichts anhaben kann. Außerdem bewahrheitet sich wieder einmal, dass kaum jemand so schön das Publikum anschreien kann, wie Douglas McCarthy und Bon Harris. Und der Bass wummst rischtöööösch fett.

Es wird immer heißer in der Halle 02, die spätestens bei Getting Closer aufwacht und endgültig in den Partymodus schaltet. Die gute Laune trüben jene Menschen, die noch immer ständig durch die dicht gedrängte Menschenmasse laufen oder sich lautstark unterhalten. Ironischerweise und glücklicherweise kommt bald der Mitgröhlevergreen Join in the Chant. Und warum auch immer gibt es heute sehr viele sehr sehr merkwürdig riechende Musikfans – nein, kein Schweiß, kein Fürze. Echt ekelhaft. Was war das?

Freilich lässt sich die wippende Masse nicht von den geruchsintensiven Gefahrenzonen aus dem tanzenden Konzept bringen und jubelt weiter Nitzer Ebb zu, die das Hauptset mit Murderous stark abschließen, mit der vergleichsweise langsamen Zugabe I Give to You allerdings Anziehungskraft verspielen. Die ersten Besuchenden strömen an die Bars.

Setlist NITZER EBB – Heidelberg, Halle 02 (17.11.2023):

01. Control I’m Here
02. Hearts and Minds
03. Blood Money
04. Captivate
05. Getting Closer
06. Lightning Man
07. Shame
08. Join in the Chant
09. Let Your Body Learn
10. Murderous

Zugabe
11. I Give to You

In der Umbaubase erfreut sich das Merch neben den Bars großer Beliebtheit. Und bar ist auch hier gern gesehen. „Besser fürs Schwarzegeld“, grinst der gut gelaunte Verkäufer, der beim folgenden Front 242 Auftritt vergnüglich tanzen wird.

Beim nächsten Ton ist es 22.11 Uhr. Der Ton heißt First In/First Out. Das Publikum reckt unter Gejohle Finger und Fäuste zur Hallendecke, drückt die Füße im Rhythmus bleibend in den Boden. Front 242 sind in Heidelberg. Wie zeitgemäß der Sound der Belgier noch immer ist, beweist der direkte Vergleich mit dem Weihnachtsmarkt (Winterglühen) vor der Halle, in dem lautstark Techno wummert.

Vor einem Video-Backdrop mit wechselnden Animationen wetzt Fronter Jean-Luc De Meyer munter über die Bühne und feuert die Menge an, die im hinteren Teil der Halle erneut noch einige Lieder an Überzeugungsrhythmen braucht. Dagegen scheint einigen Fans der heilige EBM-Geist in die Glieder zu fahren. Respekt an die beiden Herren, die ihre Gliedmaßen in an Ausdruckstanz erinnernde Manöver elegant ver- und entknotet haben.

Andere übertreiben es ein wenig. Vor der Bühne nehmen einige Oldschooler wohl „Body“ ernster als „Music“. De Meyer bittet um Licht und ruft „Don’t Fight“ ins Publikum. Danke dafür. Generell haben Front 242 gute Worte mitgebracht. Den Song Operating Tracks vom Debutalbum Geography (1982) kündigen sie genau so an und bedanken sich für 40 Jahre Fantreue. Geht allen runter wie Öl.

Im Anschluss folgt weiter Hit auf Hit und eine qualvoll lange Pause vor den Zugaben. Electronic Body Music. Dieser Abend hielt, was er versprach.

Setlist FRONT 242 – Heidelberg, Halle 02 (17.11.2023):

01. First In/First Out
02. Take One
03. Don’t Crash
04. Funkahdafi
05. Generator
06. Quite Unusual
07. No Shuffle
08. Commando Mix
09. Red Team
10. Deeply Asleep
11. Operating Tracks
12. Tragedy >For You<
14. Fix It
15. Headhunter
16. W.Y.H.I.W.Y.G. / U-Men
17. Moldavia

Zugaben
18. Agressiva
19. Welcome to Paradise

Einen weiteren Konzertbericht des ersten Teils der Join The Forces-Tournee findet Ihr hier:

FRONT 242 & NITZER EBB – Oberhausen, Turbinenhalle (21.01.2023)

 

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