IN EXTREMO – Mönchengladbach, SparkassenPark (06.08.2021)

Fotos: IN EXTREMO
In Extremo, © Markus Hillgärtner
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Nach einem für dieses Jahr üblichen regionalen Sommerschauer gelangte ich klatschnass in meinem Strandkorb, um nach über eineinhalb Jahren endlich nochmal ein Live-Konzert erleben zu dürfen. Strandkorb – das ist seit dieser Corona-Pandemie das Schlagwort für Konzerte oder Veranstaltungen sonstiger Art. In Mönchengladbach wird dies im schönen HockeyPark nahe des Borussia-Parks abgehalten und die Macher des dortigen Strandkorb Open Airs gelten als Vorreiter dieser Variante. Somit war das gesamte Organisation auf die jeweiligen Auflagen eingestellt und demensprechend gut konnte das Prozedere abgearbeitet werden.

Mit einem letzten Blick auf die sinkende Sonne – so sollte es den Rest des Abends trocken bleiben – stand In Extremo dann auch überpünktlich auf der Bühne. Und die Jungs der Band hatten nach eineinhalb Jahren mit ziemlich limitierten Bühnenbesuchen mächtig Bock – so viel Bock, dass es laut Aussagen von Sänger Micha genauso auf der Bühne roch. Mit Sängerkrieg ging es in einen Abend voller Klassiker des Sextetts. Und diese Livemusik mit Stücken wie Herr Mannelig, Feuertaufe oder Störtebeker vergoldeten diese Zeit im HockeyPark – man merkte ganz genau, was dem Fan über die letzten Monate so dermaßen fehlte. Und die angereisten Fans genossen es; wenn auch nur in dem möglichen Rahmen dieser Zeiten. Der war mit seinen Strandkörben und des Konzepts der Macher völlig regelkonform – allerdings ist dies nicht konzertkonform. Es fehlte das tiefe Gefühl des Miteinanders zum Genießen der gemeinsamen Zeit. Für mich hatte es ein wenig von “Gemeinsam einsam” und auch Micha, der übrigens in diesem Jahr sein vierzigjähriges Bühnenjubiläum feiert, musste vor dem leicht melancholischen Song Gaukler mal aus der Musiker-Seele herauslassen, dass diese Methode hoffentlich nicht Endlösung des Ganzen sei. Worte, die wir wohl alle gemeinsam hoffen …

Der Song Kompass zur Sonne war aus dem jüngsten, gleichnamigen Album der Band, welches letztes Jahr inmitten der Pandemie erschienen war. In Extremo wollen das Release liebend gerne gemeinsam mit den Fans im nächsten Jahr richtig abfeiern, somit blieb es bei lediglich drei Tracks aus dem Werk. Dafür wurden in einer dezenten, doch ziemlich effektiven Pyro-Show weiter Klassiker wie Liam oder das zum Mitsingen fordernde Quid Pro Quo zum Besten gegeben. Vor dem Lied Saigon und Bagdad erwähnte ein an diesem Abend doch kritischer Micha noch, dass dieser aufweckende Song leider sein müsse, da er dermaßen aktuell sei, wenn man sich auf der Welt umschauen würde. Änderungen müssten einfach her. Wenn man von Stimmung in dem Park gemeinsam durch die Fans reden konnte, dann war dies bei dem Lied Spielmannfluch der Fall, wo gefühlt alle lauthals den Chorus mitsangen. Dies ging in den letzten Track Sternhagelvoll über, wonach das Sextett die Bühne verließ.

Natürlich war dies nur die obligatorische Unterbrechung vor der Zugabe – wobei man in solchen Situationen eben die gemeinsame Stimmung innerhalb des Parks vermisste. Der Ruf nach Zugabe war vorhanden – jedoch nur ein Akt einzelner Individuen. Trotzdem ließ sich In Extremo nicht nehmen, drei Songs nachzulegen und nochmal jede Menge Spielfreude auf der gefühlt sechs Meter hohen Bühne herauszuhauen. Es war den beinharten Fans jedoch klar, dass mit Pikse Palve nach knapp zwei Stunden das Ende erreicht war. Dankbar für den großartigen Liveauftritt verließen die Fans den HockeyPark nach dem Konzept der Veranstalter auch Gruppe für Gruppe, was ebenfalls wieder diesen bitteren Nebengeschmack verursachte – so schön und mitreißend der Auftritt von In Extremo doch war – das berauschende Konzertgefühl ist so noch nicht zurückgekommen … und ich denke, das ging nicht nur mir so.

Setlist IN EXTREMO @ Mönchengladbach (06.08.2021):

01. Sängerkrieg
02. Küss mich
03. Herr Mannelig
04. Feuertaufe
05. Störtebeker
06. Unsichtbar
07. Gaukler
08. Troja
09. Himmel und Hölle
10. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
11. Rasend Herz
12. Frei zu sein
13. Kompass zur Sonne
14. Alles schon gesehen
15. Liam
16. Quid Pro Quo
17. Saigon und Bagdad
18. Siehst du das Licht
19. Vollmond
20. Spielmannsfluch
21. Sternhagelvoll
22. Rotes Haar (Z)
23. Ai vis lo lop (Z)
24. Pikse Palve (Z)

Weblinks IN EXTREMO:

Webseite: https://www.inextremo.de/de/
Facebook: https://www.facebook.com/officialinextremo

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