ORPLID – Deus Vult – Statement und Kommentar

ORPLID - Deus Vult - Statement und Kommentar
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Es gibt Momente für Musikenthusiat*innen, die sind schon sehr herausfordernd. Ich will ehrlich sein, ich bin wirklich zornig. Lange habe ich überlegt, wie ich mit Deus Vult, dem neuen Album von Orplid verfahren soll (erschien am 25.09. bei Prophecy Productions). Als sich der Zorn darüber auch nach einigen Wochen nicht legte, sich im Gegenteil zu einem manifesten Gefühl verdichtete, wusste ich, dass ich in diesem Fall nicht einfach nichts sagen könnte. Viel zu sehr ist dieses Ignorieren, Relativieren, das Besprechen ohne Einordnung bzw. das Besprechen mit unzureichender Einordnung zu einer merkwürdigen allgemeinen Verfahrensweise geworden. Aus einem seltsamen Kunstverständnis heraus oder dem schlichten Bedürfnis, bei bloß keinem anzuecken oder möglicherweise aus purer Ignoranz geschehen diese Dinge und verkennen, dass man als Kritiker*in, Enthusiast*in, Musikliebhaber*in immer das Recht hat zusagen: Nein, das möchte ich nicht. Ich empfinde Unbehagen, ja Ekel. Es gibt nichts Richtiges im Falschen.

Aber was ist eigentlich los?

Die Band Orplid (Mitglieder: Uwe Nolte und Frank Machau, gegründet 1996) gilt zusammen mit der Band Forseti als Gründungsheilige des deutschsprachigen Neofolks. Nun ist das Genre nicht nur in Deutschland umstritten. Dies liegt im Großen und Ganzen an seiner Machart und den verarbeiteten Thematiken. Es ist nicht zuletzt auch seinen Protagonisten geschuldet, die sich durch Auftreten und Äußerungen eben nicht nur durch eine sehr mystische, teilweise militär-fetischistische, nihilistische, oft anti-moderne, manchmal anti-westliche, mythologisch-historisch geneigte, vielmals melancholisch misanthropische Art auszeichnen, sondern auch dazu neigen nicht eben sehr gesprächig zu sein und sich mit einer Aura des Martialisch-Nebulösen zum umfangen. Und man merkt es ja an dieser Aufzählung: Neofolk ist nicht gleich Neofolk. Einige Bands sind schon um die 40 Jahre alt und haben teilweise erstaunliche Entwicklungen durchgemacht. Wer hier mehr erfahren möchte, lese den spannenden Band Looking For Europe (ebenfalls: Prophecy Productions, 2007) und höre sich dabei wachen Ohres einmal durch die großartigen Diskographien von Current 93 oder Sol Invictus.

Der deutschsprachige Neofolk allerdings ist noch einmal eine ganz eigene Kategorie, denn seit seinem Bestehen zeichnet sich diese Richtung (mal ganz abgesehen von ein paar wohltuenden Ausnahmeerscheinungen) durch eine seltsame, wie offenkundige Ungleichzeitigkeit aus. Die kann sich nun wieder ganz vielgestaltig und in verschiedenen Konzentrationen offenbaren. Je nachdem, wie die dann ausfallen, werden Kritiker*innen auf den Plan gerufen. Aber auch auf der Gegenseite passierte gerade in den letzten Jahren Einiges: Vermehrt sah man prominente Vertreter*innen der neuen Rechten auf Konzerten und Festivals von Neofolk Künstler*innen. Das fällt vor allem immer gerade deswegen auf, da die “Masse” an Publikum dort eher überschaubar ist.

Ja, Neofolk ist was für den speziellen Geschmack. Eigentlich könnte man das Thema auch wegen mangelnder Relevanz in puncto Quantität abtun. Das geht aber nicht, weil sich hier nun mal wirklich gefährliche Menschen tummeln. Und die haben sich nun aber scheinbar entschlossen, dieses Genre zum Genre ihrer Bewegung zu machen. Und wer kann es ihnen verdenken? Kernige Mannsbilder mit militärischen 30iger Jahre-Gedächtnis-Haarschnitten, Trommeln, Wandergitarre und sehr oft, sehr schwarzen Hemden singen Lieder. Die berichten vom Niedergang unserer Kultur, dass es damals irgendwie schöner war, dass sie eins werden wollen mit der Natur, wie schön es doch im Wald ist und was unsere Ahnen noch wussten. Und sie tun es in einer Sprache, wie es einst Novalis oder Hölderlin taten oder eben in einer Sprache, die sie dafür halten. Meist sucht man Wörter, die alt und nach Krieg und/oder Landwirtschaft klingen, akzentuiert sie artig, lutscht sie kräftig ab, bevor man sie raussingt. Wäre ich ein selbsternannter “Rechtsintellektueller”, würde ich auch denken: “Mei, da steht ja die musikalische Verkörperung meiner gesamten Agenda. Es ist ja Sommer- und Wintersonnenwende an einem Tag!”.

Nun könnte man aber sagen: Ok, das sind Merkmale, die dem Neofolk künstlerisch inhärent sind. Wer das für seine Zwecke instrumentalisiert, hat das einfach nicht verstanden, hat die Kunst einfach nicht verstanden. Die Künstler*innen können dafür erst einmal nichts. Das stimmt schon und über Jahre wurde das auch immer wieder vorgebracht. Man kann sich die Leute, die auf einen abfahren nun mal nicht raussuchen. Warum sollte ich mein Werk durch Distanzierungen und Erklärungen selbst dekonstruieren? Stimmt.

Aber nun kommt der Haken und nun kommen wir zum Beispiel auch zu Orplid. Und nun kommt der Punkt, an dem das Ganze eben nicht mehr funktioniert. Zwölf Jahre liegt das letzte Album Greifenherz zurück. Mit der Bemusterung von Deus Vult, musste ich mich erst einmal wieder informieren, was eigentlich mit und um Orplid die letzte Zeit so los war. Meine Recherche förderte recht flott zwei Interviews zu Tage, die meine Aufmerksamkeit erweckten. In einem Interview (mit dem Kanal Heiden TV) gibt sich Uwe Nolte verwundert, als er auf eine mögliche Vereinnahmung von rechts angesprochen wird. Er könne sich das nicht erklären, tut es erst mit Äußerlichkeiten ab und schiebt es vage auf Publikationen, in denen er zitiert wird (alles etwas ab Minute neun). Zu diesem Zeitpunkt (Das Video wurde November 2019 hoch geladen) ist Nolte z. B. Autor bei dem als rechts eingestuften Arnshaugk Verlag, gab dem der neuen Rechten zugeordneten Magazin Blaue Narzisse ein Interview (September 2019) und veranstaltete einen Vortrag seiner Kunst im Flamberg (Februar 2019), das als Zentrum der Identitären Bewegung in Halle bis Ende 2019 unterhalten wurde. Weiterhin räumt er ein, selbst einmal ein Punk gewesen zu sein und dass er erst kürzlich auf der Trauerfeier eines Freundes aus diesen Tagen singen sollte. Das scheiterte dann doch wie so oft am linken Widerstand. Wie das zustande käme, könne er sich nicht erklären, was die Unvereinbarkeit all dieser Aussagen mit der Wirklichkeit auf die Spitze treibt. Empfehlen kann ich hierzu den Band Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019). Denn zitiert und erwähnt wird Nolte/werden Orplid tatsächlich in Büchern wie diesem, aber auch z. B. in der Sezession (ein Beispiel) oder der Jungen Freiheit (ein Beispiel).

Im anderen Interview (Oktober 2019) sitzt Nolte zusammen mit dem AfD Landtagsabgeordneten für Sachsen-Anhalt Hans-Thomas Tillschneider auf dem Sofa. Dieser gilt als Rechtsaußen in der Partei, was schon einiges zu sagen hat, war Gründungsmitglied des nun aufgelösten Flügels und wird seit diesem Jahr vom Verfassungsschutz beobachtet. Thema des Gesprächs: Der Feind der Kunstfreiheit steht links! Zu einer ausgewogenen Auseinandersetzung kann Nolte nichts beitragen, vielmehr beklagt er wieder und wieder, Ziel von Boykotten zu sein, was der versierte Politiker Tillschneider selbstverständlich als kostenlose Propaganda für sein Programm (u. a. Kürzungen im Kultur- und Bildungssektor für Personen, die der AfD nicht passen) willkommen annimmt. Ich muss sagen, es sieht für mich wirklich nicht so aus, als ob die neue Rechte Orplid vereinnahmt oder unterwandert. Es scheint eher, als bräuchte sie das gar nicht. Wer sich nach rechts so weit aufmacht …

Nun könnte man immerhin noch sagen: Es ist wichtig Künstler*in und Werk zu trennen. Von mir aus, dann werfen wir mal einen Blick auf Deus Vult bzw. exemplarisch auf die Texte zweier Songs. Denn musikalisch werde ich mich mit dem Album nach dieser Erfahrung nicht weiter auseinander setzen. Es handelt sich um Deutschland 2016 und Bald kommt der Krieg in dein Haus. Beide Songs wurden bislang nicht ausgekoppelt und auch bei der Bemusterung gab es keine beiliegenden Texte. Aber wozu gibt es denn Internet und das Sendungsbewusstsein des Künstlers? Denn beide Texte erschienen bereits als Gedichte, beide im Band Falke Heime (2016, Arnshaugk Verlag), selbstverständlich verfasst von Uwe Nolte. Ich stelle die Gedichte einfach mal hier ein. Auf Deus Vult wurden einige wenige Dinge geändert, die ich kenntlich gemacht habe.

Deutschland 2016
Ich sehe viele Dinge
Und Furcht mein Haus umschleicht –
Bin ich im Ring der Ringe,
In bösem Traum vielleicht?

———————————————-

Ich sehe auf den Straßen
Nur Niedergang, Verfall,
Es platzen Metastasen
Des Krieges überall.

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Ich sehe Glück als Gabe
Entrückter Werte schon,
Als Mode, Marke, Habe,
Als Dreck auf Mammons Thron.

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Ich sehe keine Wärme
Erblühen, Liebe schwand,
Sogar die Krähenschwärme
Verlassen schon das Land.

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Ich sehe blindes Walten
Im Zank* um Judaslohn,
Kein herrliches Gestalten
Zum Ruhme der Nation.

———————————————

Ich sehe Ratten nagen,
Begierig, immer geil,
An Galgen, die schon ragen
Zum Himmel, stumm und steil.

———————————————

Ich sehe Irre lungern
Bei Drogen-Aderlaß
In Winkeln, Herzen hungern
In Kindern, einsam, blaß.

———————————————

Ich sehe: Traditionen
Besudelt Marktes Brunst,
Im Pfuhl der Illusionen
Erstickte schöne Kunst.

———————————————

Ich sehe keinen Richter
Im fernen** Morgenrot,
Das Volk der Denker, Dichter –
Mein Volk, mein Volk ist tot.***

———————————————

Ich sehe, hoffe, strebe,
Vom Nacht-Wind schon benetzt,
Ich träume nicht, ich lebe

———————————————

In Deutschland, hier und jetzt.

———————————————

* Im Wahn
** Im nahen
*** Die Denker und die Dichter – Mein Volk ist lang schon tot.

(alle Änderungen nach Gehör und deswegen final ohne Gewähr)

Bald kommt der Krieg in dein Haus

BALD KOMMT DER KRIEG IN DEIN HAUS,
Wirst du ihn freundlich begrüßen,
Wirfst du ihn wieder hinaus,
Müde vom Bangen und Büsen?

———————————————

Lädst du zu Tisch, gibst Asyl
Ihm, willst sein Sinnen befächeln,
Wenn er mit krudem Kalkül
Dir winkt mit kindlichem Lächeln?

———————————————

Zeigst du ihm erst wer du bist,
Wenn deine Fenster zerklirren,
Wenn dich die Zwietracht zerfrißt,
Swastikas* (sic!) jäh dich umschwirren?

———————————————

Längst klingt kein heiteres Lied
Durch deine Flure und Räume,
Was dir dein Gastrecht beschied,
Floh im Wind sterbender Träume…

———————————————

Angst huscht mit Mäusen dahin,
Nistet im modrigen Keller,
Kunst ohne Glanz, ohne Sinn,
Macht deine Zimmer nicht heller.

———————————————

Kalt ist es, einsam und kalt,**
In deinen rissigen Wänden,
Wuchernden Wahnes Gestalt
Will deine Menschlichkeit pfänden.

———————————————

Lade nicht Schwertklanges Brunft
Ein unter berstendem Dache –
Endlich, im Licht der Vernunft,
Deutschland, mein Deutschland, erwache.***

———————————————

* Swastiken
** Nun ist es einsam und kalt
*** “Deutschland, mein Deutschland” wird nicht gesungen.

(alle Änderungen nach Gehör und deswegen final ohne Gewähr)

Ich weiß nicht genau, wie fit Ihr so in Gedichtinterpretation oder Textanalyse seid. Ein Genie muss man dafür ganz und gar nicht sein. Und ich unterstelle Menschen, die von sich behaupten sie würden sich sehr gut mit unserer Sprache auskennen, Worte wahrhaft lieben und um deren Bedeutung wissen (also so Leute wie Uwe Nolte, die das gern für sich in Anspruch nehmen), auch sehr gut wissen, was sie da schreiben, wie sie das alles platzieren und welche Wirkung sie damit intendiert bei wem erzielen. Entweder schmälert Nolte seine Haltung oder er schmälert sein Handwerk.

Und genau deswegen bin ich zornig. Zornig, wegen der Bemäntelung des Offensichtlichen und der offenkundigen Feigheit. Von Nolte selbst, aber auch von anderen, die das durch ihr Verhalten oder ihre Nicht-Haltung stützen. Zornig, dass es so möglich ist, mit diesem Dreck durchzukommen und dass dieser dumme Ringelreihen nun schon seit Jahrzehnten so geht. Ich bin zornig, dass sowas die Kreativität eines ganzen Genres lähmt. Zornig, dass es mir und anderen die Freude an dieser Musik nimmt. Vielleicht ist das sogar das Schlimmste.

Keine Wertung.

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15 Comments

  • Auf medienkonverter.de gibt’s einen Artikel der in die gleiche Kerbe schlägt. Leider gibt es nur noch sehr wenige Mags die unabhängig berichten. Die meisten sind abhängig von den Labels die auch Werbung schalten und die sind in meinem Augen inzwischen leider unslesbar geworden.

  • Hallo Frau Spanier, Ihren Fleiss und Ihre Sorge in allen Ehren, aber aus meiner Sicht sind es Leute wie Sie, die mit Hetze und hatespeech die (Neofolk) Szene zerspalten und damit die Welt zu einem hässlicheren Ort machen. Sie suchen sich genau die Aspekte und Deutungen aus, die Sie für die Rechtfertigung Ihres “Ekels & Zornes” benötigen. Orplid haben (auch) Dichter vertont, die dem linken Spektrum zuzuordnen sind und oft genug Statements gegen Dogma und Faschismus abgegeben: https://youtu.be/3c7EJ_-QQ5A

    Sie sollten lieber für Indymedia schreiben, wenn Sie das nicht schon tun, aber die Finger vom Neofolk lassen. Neofolk ist nun mal kein cleaner Sandkasten für politisch korrekte Großstadtkinder, sondern ein Wald voller Gerüche und Abenteuer. Wenn in diesem Wald Ihnen ein Wolf begegnet und Sie sich erschrecken, liegt das an Ihnen, nicht am Wald. Sie haben sich schlichtweg verirrt…

    • Lieber Neofolker,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und die Karrieretipps. Im Wesentlichen verweise ich auf meine Antwort zum Kommentar zu IC (weiter unten). Aber gestatten Sie mir eine Anmerkung darüber hinaus. Es ist z. B. richtig, dass Herr Nolte gern auch Kontakte zur Punk-Szene einräumt. Aber, was soll das denn bitteschön heißen, gerade in der heutigen Zeit? So hat zum Beispiel die AfD auch eine ganz eigene Defintion von Faschismus oder instrumentalisiert Antifaschisten und alle möglichen Künstler für ihre Zwecke. Ich bewerte nun einmal eine Person auch nachdem, was sie tut und nicht nur nach dem, was sie behauptet. Vor allem, wenn sie Dinge tut, wie die im Artikel beschriebenen. Komischerweise hat sich von den Kritikern dazu bisher noch keiner geäußert.
      viele Grüße
      Katja

      • Ich bin nicht lieb – und will es auch nicht sein, Frau Spanier! Nolte kann reden mit wem und wo er will. Diese Welt ist ein schöner und lebenswerter Ort mit vielen Winkeln und (teils für Sie evtl. unliebsamen) Geheimnissen. Wenn Ihnen ein Lied gegen Faschismus (das Teil einer Antikriegs-Tour) durch Russland war nicht als “Tatsache” ausreicht, dann weiss ich auch nicht.

  • Ich sag mal Danke. Toll recherchierter Artikel der auch für mich einige neue und interessante Sachverhalte transportiert. Schade, dass sich die Band bzw. der Mastermind der Band nicht eindeutig psoitioniert. Gerade wenn man ein musikalisches “so schwieriges” Genre bedient, dann sollte man sich zweimal überlegen wie interpretierbare Zeilen bei den Hörern gewertet werden. Ist halt auch mindestens “ungeschickt”, wenn ich nach außen politische Neutralität predige und mich dann bei einem Herr Tillschneider auf die Couch setze.

  • Seit Death In June ist Neofolk Provokation PUR! Wer damit nicht umgehen kann, sollte vom Neofolk tunlichst die Finger lassen. Zudem war Neofolk wie Black Metal nie der Spielplatz für zart beseitete Menschen die mit politischen Scheuklappen durchs Leben laufen. Wer dem linken Mainstream ohne Realitätssinn hinterherrennt wie scheinbar die Autorin dieses Artikels, kann natürlich Lieder wie “Bald kommt der Krieg in dein Haus” nicht greifen. Es gibt immer zwei Meinungen zu Themen – Uwe Nolte mit Orplid besetzt in diesem Thema die reaktionäre Position, die der Autorin nicht gefallen muss, aber mit geschärften Realitätssinn kommt eine derartige “Hexenjagd”, die in keinster Art & Weise eine Review darstellt, nicht zustande. Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass sich die Autorin an ihrer Aufklärerrolle richtig ergözt. Worüber reden wir hier eigentlich? Musik oder Politik? MUSIK! Musik ist Kunst, oder? Von der künstlerischen Freiheit gehört? Scheinbar NEIN! Beim Lesen der Zeilen drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Autorin Zensur im Geiste des linken Mainstreams wünscht und “böse” Menschen wie Uwe Nolte nicht mehr zu Wort kommen. Wir brauchen Streitkultur und keine Zensur, nur so funkioniert gelebte Demokratie! In Summe ganz schlechter Stil, aber was erwarte ich in diesen Zeiten, wo Menschen nicht mit- sondern übereinander reden.

    • Liebe/lieber IC,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Bezüglich Deiner Argumente auf meinen Artikel gibt es ein paar Missverständnisse, die ich gern aufkläre.

      1. Bei dem Artikel handelt es sich um kein Review, sondern um ein Statement bzw. einen Kommentar. Das steht in der Überschrift. Bei einem Kommentar handelt es sich immer um eine Meinungsäußerung.

      2. Die Bezeichnung „Hexenjagd“ ist deswegen in diesem Zusammenhang unzutreffend. Die beiden Interviews, die ich zum Hauptangelpunkt meiner Argumentation mache, sind öffentlich und mit Einverständnis von Herrn Nolte auf YT einsehbar. Die beiden Gedichte sind ebenfalls öffentlich aufrufbar. Sie stehen exemplarisch für eine Reihe weiterer Äußerungen, die er öffentlich tätigt oder in seiner Kunst verarbeitet. Niemand hat ihn hier in eine Falle gelockt oder dergleichen. Wenn das von ihm geäußerte und gefertigte in einen anderen Zusammenhang gebracht wird, ist dies eine alternative Deutung, eine Abstraktion oder eine Synthese. Nichts anderes oder bist Du nicht für einen freien Diskurs?

      3. Über die Grundzüge des Neofolks habe ich ebenfalls in meinem Artikel gesprochen und auch über den Umstand, warum man es sich im Fall von Orplid nicht so einfach machen sollte. Beziehungsweise, warum das in deren Kunst dargestellte weit über die in diesem Genre zur Schau gestellte Provokation hinausgeht. Der Vergleich zwischen Orplid und Death in June hinkt schon deswegen, weil sich (auch das habe ich ausgeführt) Orplid durch eine bestimmte Form von Ungleichzeitigkeit auszeichnet (Bloch). Ich habe in dem Zusammenhang auch einen Literaturhinweis und Hörhinweise gegeben, die nun überhaupt nicht das Ziel haben, Leute vom Genre wegzuführen.

      4. Weiterhin und das steht damit in konkretem Bezug, stelle nicht ich den Zusammenhang zwischen Kunst und Politik her, sondern Herr Nolte selbst. Nicht ich schreibe Texte in dieser Form und setze mich dann mit führenden, sehr rechten AfD-Politikern zusammen auf ein Sofa, um Kulturförderung durch die öffentliche Hand zu diskutieren. In dem Fall hebelt Nolte ja die Maxime, Künstler*in stets vom Werk zu trennen, selbst aus, indem er politisches Werk und einen sich im politischen Kontext bewegenden Künstler – ein Kontext, der noch dazu kongruent ist – immer wieder selbst und bewusst in Zusammenhang bringt.

      5. Wo steht da etwas von Zensur? Ich bin eher für Offenheit und finde, dass Herr Nolte Haltung für seine Haltung zeigen könnte. Dann weiß jeder woran er ist und kann selber entscheiden. Das habe ich auch geschrieben. Alles andere ist Unterstellung. Oder geht es hier um etwas gänzlich anderes? Du hast geschrieben, ich würde einem linken Mainstream angehören. Ich reviewe seit Jahren Alben und Konzerte aus der Underground-Szene, viel BM und auch aus dem Neofolk. Ein paar Klicks hätten hier für Klarheit gesorgt. Kann es sein, dass Du Dich auch sehr wohl in Deiner Blase fühlst? Und damit komme ich zur

      6. Streitkultur. Ich habe einen Kommentar geschrieben. Das ist mein Instrument der Streitkultur. Kennst du dich mit Dialektik aus? Irgendeiner muss ja anfangen. Bisher hat Herr Nolte, den ich irgendwie auch nicht für „böse“ halte (aber lassen wir das), nicht das Gespräch mit mir gesucht. Wie war das mit Meinungen? Auch andere Meinungen, muss man aushalten können? Ich habe geschrieben, was mir seit Jahren auffällt und was nun hier destilliert zu Tage tritt. Und ich bin seit Jahren in der Szene unterwegs. Ich kenne die Entwicklungen und die kenne die Protagonisten.
      Viele Grüße
      Katja

    • Neofolk ist Provokation.
      Neofolk ist nichts für Zartbesaitete mit politischen Scheuklappen.
      Ich frage mich, ob der linke Mainstream ohne Realitätssinn ist oder die Personen, die ihm folgen?
      Vor allem aber frage ich mich, warum bereits die Frage, ob man den Neofolk “packt”, ob man mit ihm umgehen kann, eine politische ist?
      Aber Entschuldigung, Spitzfindigkeiten.
      Bei der Frage “Musik oder Politik?” rufe ich laut “Musik”!
      Wie gut, dass wir alle wissen, dass Musik Kunst ist.
      Dass Kunst alles darf, anders als die Politik.
      Wir reden nicht über Politik.
      Definitiv nicht.

      “Neben naturphilosophischen Sprachbildern, werden auch erstmals in unserem Schaffen direkte Bezüge zur Lage in Europa ersichtlich.” (Orplid auf Facebook)

  • „Ich denke nicht, dass das noch weiter diskutiert werden muss”. Nee, genau. Es muß nicht weiter diskutiert. Diese Haltung spricht Bände. Schämen Sie sich, Frau Spanier!

      • Was für eine nichtssagende Antwort! Außerdem finde ich, daß Ihre Besprechung an Heuchelei nicht zu überbieten ist. Orplid kritisieren Sie vor allem wegen Texte, die die Entwicklungen der letzten Jahre (meines Erachtens zu Recht) auf dichterische Weise anprangern (oder müssen wir hier an unangebrachtem Ort tatsächlich auch über die offizielle Stastik der entsprechenden Bundesämter bezüglich der Kriminalität oder der wirklichen Anzahl politisch Verfolgten und vor Krieg Geflüchteten in „Deutschland [zirka] 2016)” reden?). Dabei loben Sie das Werk des ehemaligen Mitglieds der „National Front”, Tony Wakeford, oder besprechen wohlwollend eine Platte von Hekate, die eine Zeichnung von Franz Stassen, der schon 1930 Mitglied der NSDAP war und Gobelins für die Reichskanzlei anfertigte, ziert. Beide Dinge, die man weitaus kritischer sehen könnte und sollte, als die Texte und die Haltung Orplids.

        • Lieber Armin,
          es tut mir leid, dass meine Antwort Ihren Geschmack nicht trifft.
          Die Umschreibung “Heuchelei” ist zurückzuweisen. Zu den Gründen ist Folgendes zu sagen:
          Die beiden von Ihnen genannten Beispiele sind sehr um die Ecke und nun ja leider nicht zu Ende gedacht.
          Zu Tony Wakeford – Es ist zutreffend, dass Wakeford Mitglied der National Front war. Eigentlich ist das sogar sowas wie Neofolk-Grundwissen. Aber auch Ihnen dürfte aufgefallen sein, dass diese Mitgliedschaft zum einen recht kurz war, zum anderen lang zurück liegt. Darüber hinaus gibt es Stellungnahmen von Wakeford zu diesem Thema, die zu zählen man nicht mehr in der Lage sein dürfte. Das Frappierende an der Sache: Tony Wakeford erzählt nicht einfach nur so dahin. Man kann diesen Menschen daran messen. Verrückt.
          Zu Stassen. Vielen Dank für den Geschichtsunterricht. Sie haben vollkommen recht. Es gibt diese Mitgliedschaft und auch diese vier Wandteppiche. Hekate haben bei der künstlerischen Gestaltung u. a. auf ein Bild von Stassen zurückgegriffen, neben weiteren Bildern anderer Künstler. Das Album folgt einem Konzept, in das sich das Bild einfügt und es ist in diesem Kontext zu betrachten. Weiterhin stammt das Werk aus der Zeit vor Stassens Mitgliedschaft in der NSDAP und der Arbeit für Hitler. Es ist dem Jugendstil und dem Symbolismus zuzuordnen.
          Zusammenfassend kann ich also feststellen, dass wenn man einem schon Heuchelei unterstellt, man bei den gewählten Beispielen doch bitte die ganze Geschichte erzählen sollte. Dass Sie, was Text der von mir angeführten Beispiele dasselbe Lied anstimmen wie Herr Nolte, überrascht mich in diesem Zusammenhang dann nicht weiter.
          Diese Texte und das verkennen hier im Grunde alle kritischen Kommentare unisono sind lediglich ein Teil meiner Argumentation gewesen. Stünden diese (also die Texte) allein, wären sie als Stilfigur des Neofolk vielleicht nicht jedermanns Ding, aber durchaus im Rahmen und dem Genre inhärent (was ich auch schrieb). Es ist etwas ermüdend, dass sich die Argumentation nun darauf einschießt und ich den Eindruck habe, ich antworte lediglich auf fifty shades of shattered symbols, da man sich um den rosafarbenen Elefanten im Raum herumdrückt.

  • Gefährliche Menschen.

    GeFÄhRlicHe mEnSChen!!!1!1!1!11!!!-!1!1!!1!1

    Oh Boy. Hört ihr euch eigentlich selbst mal reden, so hin und wieder?

    • Lieber Karl,
      danke für Deinen Kommentar.
      Selbstverständlich spreche in Zusammenhang mit der neuen Rechten von gefährlichen Menschen.
      Ich denke nicht, dass das noch weiter diskutiert werden muss. Für konstruktive Rückfragen stehe ich weiterhin zur Verfügung.
      Grüße
      Katja Spanier

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