FELLWARDEN – Wreathed In Mourncloud

FELLWARDEN - Wreathed In Mourncloud
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7.5

Gesamtnote

7.5

Mit Wreathed In Mourncloud legen die Briten Frank Allain (aka The Watcher) und Pete Aplin (aka Havenless) nach ihrem Debüt Oathbearer (2017) nun ihr zweites Album vor. Bekannt sind sie vor allem durch ihr Hauptprojekt Fen, mit dem sie unlängst mit The Dead Light (2019) ihren Einstand beim Ästhetik-Label Prophecy Productions gaben. Beiden Bands gemeinsam ist ein Post Black Metal, der sich durch ausufernde Melodien, atmosphärische Verinnerlichung, eine Affinität zur Natur und die musikalische Manifestierung ihrer außerweltlichen Schönheit kennzeichnet. Bands wie Fen, Fellwarden, Winterfylleth, Antlers, Empyrium, frühe Alcest, Agolloch etc. errichten in huldvoller Weise musikalische Kathedralen für den Wald und seine Geschwister. Und sie tun das nicht selten mit entrückt geschlossenen Augen und einem entzückend romantischen Blick nach innen.

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Wem sich das nicht erschließt, der wird niemals etwas mit dieser Form von Musik anfangen können. Wer den Zugang findet, läuft Gefahr, sich im hypnotischen Wechselspiel aus Introspektion und Expressivität zu verlieren. Es ist tatsächlich so. Viele Fans, mit denen ich gesprochen habe, nehmen diese Art von Musik mit raus, wenn sie beispielsweise wandern gehen. Einige von ihnen sparen sich die ersten Eindrücke von einem neuen Album sogar auf, bis sie es in angemessener Umgebung (ganz abgeschieden, ganz in Ruhe zum Bespiel im Wald oder am Meer) genießen können.

Was nun Fellwarden von Fen unterscheidet – und das war auch schon beim Debüt Oathbearer zu hören -, ist der weniger akademische Ansatz des Projektes. Setzt The Watcher bei seinem Hauptprojekt eher auf experimentelle und komplexe Strukturen, Weiterentwicklung und viele progressive Elemente, scheinen sich Fellwarden eher auf die Konsolidierung des „alten Spirits“ des naturmystischen Post Black Metals zu konzentrieren. Man erhält auf Wreathed In Mourncloud wirklich gut gemachten Post Black Metal, den eine spürbare britische Note durchweht, sich aber innerhalb seiner Verwandtschaft nicht weiter abhebt. Dafür stehen exemplarisch die Tracks Pathmaker, Wreathed In Mourncloud und An Elder Reckoning, die allesamt seine beliebten Kennzeichen aufweisen: Episoden rasender Ausbrüche mit grollenden, gutturalen Vocals wechseln in wehmütige Melodiestücke und werden durch entsprechend hallende Riffing- und Blast-Arrangements, Keyboardflächen und stimmungsvoll raunende Männerchöre zu melancholischen, anziehenden Hymnen gebaut, ohne jedoch zu den oben beschworenen Kathedralen zu werden.

Tatsächlich hat The Watcher, was Songwirting und Finesse angeht, manchen Kollegen einiges voraus. Dazu zählt sicher auch das charakteristische Mixing, dass Wreathed In Mourncloud in einen angenehm „klassischen“ Nebel hüllt. Wirklich hervorstechend bleiben auf dem neuen Album der Briten jedoch nur zwei Songs. Scafell’s Blight, ein stürmisch verzweifelt fließendes Black Gaze Stück, das mich tatsächlich an ältere Alcest Alben erinnert hat, klingt so überraschend entrückt und vielseitig, dass ich mir mehr davon gewünscht hätte. Und schließlich Upon Stone, der zwölfeinhalbminütige Schlusstrack, der zwar ebenfalls mit Atmospheric Black Metal der klassischen Machart aufwartet, aber darüberhinaus den Raum für überraschende musikalische Themenwechsel nutzt.

Fellwarden tun mit Wreathed In Mourncloud bestimmt keinem weh, schaffen es aber nicht, sich durch deutliche Akzente abzuheben. Freunde von unbestreitbar gut gemachten Atmospheric Post Black Metal von der Insel werden sich das neue Album aber dennoch ins Regal stellen.

Wreathed In Mourncloud ist in unterschiedlichen Formaten am 26. Juni bei Eisenwald Tonschmiede erschienen.

Tracklist FELLWARDEN – Wreathed In Mourncloud:

01. Pathmaker
02. Scafell’s Blight
03. A Premonition
04. Wreathed in Mourncloud
05. An Elder Reckoning
06. Upon Stone
07. Pathfinder (CD bonustrack)

Weblinks FELLWARDEN:

Bandcamp: https://fellwarden.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/fellwarden
Label: https://www.eisenton.de/label

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