DIE KRUPPS @ Oberhausen, Kulttempel (21.11.2019)

Fotos: DIE KRUPPS
Die Krupps, © Peter Bernsmann
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Sechs Tage hatten Fans aus dem Ruhrgebiet und Umgebung lediglich Zeit, die Texte des neuen Krupps-Albums Vision 2020 Vision auswendig zu lernen, bis das erste Konzert der dazugehörigen Tour in einem einmal mehr gut gefĂŒllten Kulttempel stattfand. Bevor es die neuen Kracher und einige alte Hits in brachialer LautstĂ€rke zu hören gab, mussten die Anwesenden allerdings erstmal 40 begrenzt unterhaltsame Minuten ĂŒberstehen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wirklich viele Infos ĂŒber die Supportband Viral findet man auf an Anhieb im Internet nicht. Darf man den Auftritt in Oberhausen als Maßstab nehmen, dĂŒrfte sich dies in Zukunft auch kaum Ă€ndern. Über Frontmann Frankie Cassara ist jedenfalls zu lesen, dass er sich nach dem Abgang von Evan Seinfeld vergeblich auf dessen Stelle als SĂ€nger der Hardcore/Crossover-Legende Biohazard beworben hatte. Man kann sich denken, warum. Einer der HauptgrĂŒnde dafĂŒr, dass der Sound der recht frisch gegrĂŒndeten Truppe aus Los Angeles einfach nicht richtig zĂŒnden wollte, war das saft- und kraftlose Shouting von Cassara.

Musikalisch brachten Viral, irgendwo zwischen Industrial Metal und Nu Metal zu verorten, auch nichts auf die BĂŒhne, was man insbesondere von Fear Factory nicht schon in viel besser gehört hĂ€tte. So hielt sich die Begeisterung vor der BĂŒhne ebenfalls in Grenzen, mehr als Höflichkeitsapplaus war da nicht zu holen. Umso seltsamer Cassaras Abschiedsrede, in der er der „fuckin’ awesome audience“ dankte.

Aber Viral waren ja auch nicht der Grund, warum sich die vielen Hundert Menschen vor Ort einfanden. Mit Spannung durfte man die Setlist der Krupps erwarten, schließlich hatten wir es hier mit einem Tourauftakt zu tun. Welcome To The Blackout war sicherlich nicht nur aufgrund des Songtitels eine gute Wahl als Opener, die messerscharfen Riffs und der mitreißende Refrain lockerten die ersten Tanzbeine. In den folgenden rund 90 Minuten gab es einen guten Querschnitt aus knapp 30 Jahren Bandgeschichte auf die Ohren.

Moment mal, 30 Jahre? Ja, denn leider blieben die Werke aus den 80ern komplett draußen, nicht einmal „der“ Krupps-Hit schlechthin, Machineries Of Joy, hat es bei der aktuellen Tour ins Set geschafft – zum großen Verdruss vieler Besucher. „Als ob Iron Maiden Fear Of The Dark nicht spielen wĂŒrden. Ist doch scheiße“, so echauffierte sich einer nach dem Ende des Gigs lautstark am Bierstand. Nun denn, SĂ€nger JĂŒrgen Engler, Gitarrist Marcel ZĂŒrcher, der „ganz neue Drummer (Zitat Engler)“ Paul Keller, der „neue alte (Zitat Engler zum Zweiten)“ Gitarrist Nils Finkeisen und der „alte alte Keyboarder“ (noch einmal Zitat Engler inklusive verschmitztem Grinsen) Ralf Dörper werden ihre GrĂŒnde dafĂŒr haben.

Im Gegensatz dazu holte die Band, die, wie der Frontmann schelmisch anmerkte, endlich mal nicht als „Die DĂŒsseldorfer Stahlarbeiter“ im Kulttempel auftreten musste (wer die Anspielung nicht versteht, der klicke bitte hier), ein paar lĂ€nger oder noch nie gespielte Songs rein. Essenbeck gab’s zum letzten Mal vor fĂŒnf Jahren zu hören, das in den 90ern angefangene, aber erst zum letzten Album V – Metal Machine Music fertiggestellte The Vampire Strikes Back feierte gar seine BĂŒhnenpremiere. Und dann gab es auch noch ein Wiederhören mit dem vielleicht schönsten Song der Krupps-Historie. Was den Hörgenuss bei Alive allerdings schmĂ€lerte, waren einige fiese RĂŒckkopplungen – und den „Wohohoooo“-Chor gegen Ende des Songs versemmelten Engler und GastsĂ€ngerin Liz van den Akker doch gehörig. Das geht besser.

Einen weiteren „Wohohoooo“-Chor ĂŒbernahmen beim folgenden Robo Sapien die Fans – und ab da ging richtig die Post ab. Der Titeltrack der neuen Platte, Metal Machine Music, Fatherland und die abschließenden Crossfire und To The Hilt sorgten allesamt fĂŒr viel Bewegung im Moshpit und beste Stimmung im Kulttempel. Insgesamt ein wirklich guter Gig mit fettem Sound und – obwohl viele StĂŒcke erstmals vor Publikum aufgefĂŒhrt wurden – angenehm wenig Verspielern. Das hat man bei Tourauftakt-Konzerten schon ganz anders erlebt.

Setlist DIE KRUPPS @ Oberhausen, Kulttempel (21.11.2019)

01. Welcome To The Blackout
02. Isolation
03. Nazis auf Speed
04. Essenbeck
05. Schmutzfabrik
06. Destination Doomsday
07. Trigger Warning
08. The Vampire Strikes Back
09. Der Amboss
10. Scent
11. Obacht
12. Alive
13. Robo Sapien
14. Vision 2020 Vision
15. Metal Machine Music
16. Fatherland
17. Crossfire (Z)
18. To The Hilt (Z)

Weblinks Die Krupps:

Homepage: www.diekrupps.com
Facebook: www.facebook.com/diekruppsofficial

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