NOVEMBERS DOOM – Nephilim Grove

NOVEMBERS DOOM – Nephilim Grove
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

9

Gesamtnote

9

Vor ziemlich genau einem Jahr unterzeichneten Novembers Doom ihren Vertrag bei Prophecy Productions. Damals stand die Band bereits an der Schwelle ihres 30-jährigen Bestehens und stellte als Einstand ihr elftes Studioalbum in Aussicht. Diese lange Geschichte ist geprägt von einer stetigen Entwicklung verbunden mit einem beobachtbaren Heranreifen eines ureigenen Stils bei gleichzeitiger nicht nachlassender qualitativer Hochwertigkeit innerhalb ungebrochener Kreativität. Novembers Doom ist eine Band mit langem Atem, die sowohl den Mut hat, auf Bewährtes zu setzten und nach so langer Zeit noch nach Potentialen sucht, um an ihnen zu feilen. Und genau aus diesem Grund ist Novembers Doom eine Band, die gehört werden muss. Ihr progressive Death’n Doom ist so unverkennbar abgründig, diffizil dunkel und voller gedehntem, berührendem, sanft-rohem Schmerz. Es ist so ungeheuer berührend und tieftraurig wenn Paul Kuhr in What We Become über das Ende einer Liebe singt:

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Who can see us now, the pattern of our lost life
Standing in front of me, I see with perfect clarity
As words tear us apart
Who will hear us, and listen to our heart break
Is this what we become, when all your love is gone
What have I done?
Scarecrow, Just can’t walk away
Hollow, what we become …

So erwachsen wie fatalistisch und beinahe analytisch schonungslos wie der Text die Bestandsaufnahme der Beziehung spiegelt, so herzzerreißend flehend klammert sich Paul Kuhrs Stimme an das letzte bisschen Hoffnung:

One day, You’ll love me like you used to
Someday, You’ll love me like you care …

Hier geht es nicht um das Verblassen einer kurzen Leidenschaft, sondern um den Horror des Verlustes einer lebensprägenden Zweisamkeit und der gebrochenen Frage nach dem, was danach kommt.

Überhaupt sollte man bei Nephilim Grove genauer hinhören, denn viele der Songstrukturen und Lyrics entfalten sich erst nach dem zweiten oder dritten Durchgang. Ich weiß, das liest man durchaus oft. Vor allem, wenn sich ein Album vorrangig dadurch auszeichnet, dass man sich erst durch einen Urwald vertrackter und verkopfter Soundlabyrinthe der Marke “Ich-bin-der-König-des-Eklektizismus-Nun-entlock-mir-mein-Geheimnis” kämpfen soll. Das ist bei Nephilim Grove zum Glück nicht der Fall, denn Novembers Doom sind wahre Könner, wenn es darum geht Komplexität im Einfachen zu kreieren, vertrackte Kapriolen wohl zu dosieren und in den Refrains echte Hooks zu servieren.

So liefert der Opener Petrichor nicht nur einen donnernden Auftakt mit einem durchdachtem Wechselspiel aus harschen Growls und Clean Vocals, straighten forward Death-Metall Riffings und ganz einfallsreichen vertrackten Tempi-Wechsel durchbrochen mit einem ganz geschmackvollen Solo. Petrichor, was im Übrigen den charakteristischen wie schwer in Worte zu fassenden Geruch beschreibt, der entsteht, wenn Regen auf Stein fällt, fasst darüber hinaus noch einen beklemmenden ambivalenten äußerst klugen Text, der sehr beunruhigend auf mich wirkt und dessen Bedeutung sich zusammen mit der Musik eben erst recht spät erschließt.

Nephilim Grove erlaubt sich, wagen wir einen Blick auf die übrigen Songs, keine Ausfälle. Der Titelsong ist ein Vorzeige-Genre Stück, das dem Gothic-Metal alle Ehre macht und eine fast schon hypnotische Anziehungskraft besitzt. Bei Black Light verschmelzen Musik und Text zu niederschmetterndem Fatalismus, während The Obelus Nephilim Grove mit einem rasendem Knall beendet.

Auch das elfte Album von Novembers Doom besticht durch seine tiefhängenden, entschleunigten Treiber, bodenlose Furchen aus Weltuntergangswucht auf einem schwarzen Double-Bass Bett. Ein schwergewichtiges, wie schwermütiges Monster, das unverkennbar den Stempel seiner Väter trägt.

Nephilim Grove ist am 01. November in verschiedenen Versionen bei Prophecy Productions erschienen. Besondern hervorzuheben sei in dieser Stelle das grandiose Coverartwork von Pighands, das eigentlich danach schreit, das Album in der Vinyl-Fassung oder als Artbook zu erwerben.

Anspieltipps: Petrichor, The Nephilim Grove, What We Become

NOVEMBERS DOOM – Nephilim Grove

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Tracklist NOVEMBERS DOOM – Nephilim Grove:

01. Petrichor
02. The Witness Marks
03. Nephilim Grove
04. What We Become
05. Adagio
06. Black Light
07. The Clearing Blind
08. Still Wrath
09. The Obelus

Novembers Doom - What We Become [official video clip]

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Weblinks NOVEMBERS DOOM:

Official: http://www.novembersdoom.com
Facebook: https://www.facebook.com/NovembersDoom1989
Bandcamp: https://novembersdoom1989.bandcamp.com
Label: https://de.prophecy.de/kuenstler/novembers-doom

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