WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2019 ‚Äď SONNTAG (09.06.2019)

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Halbzeit, Bergfest, H√∂hepunkte beim diesj√§hrigen Wave-Gotik-Treffen. Heute besuchen wir f√ľr euch …

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Museum der bildenden K√ľnste

Neben Konzertbesuchen erm√∂glicht das umfassende Programm des Wave-Gotik-Treffens auch zahlreiche kostenfreie Museumsbesuche. Das Angebot zum warmen Sonntagmorgen nutzend, trafen wir uns zu viert vor den gro√üen, verspiegelten T√ľren des Museums der bildenden K√ľnste. In unmittelbarer Bahnhofsn√§he ist das gro√üe, moderne Geb√§ude schnell zu finden. Gut klimatisiert und voller Erwartungen wurden wir in der Eingangshalle direkt als Festivalbesucher identifiziert und eingelassen, dar√ľber aufgekl√§rt, dass Fotografieren erlaubt ist und auf den Aufzug hingewiesen, der uns in das oberste Stockwerk bringen sollte.

10:00 Uhr – Yoko Ono – Peace is Power

‚ÄěWenn man die Anleitung liest, erh√§lt man schon eine Vorstellung des Bildes, also warum noch ein Bild produzieren?‚Äú¬†

Die Sonderausstellung, die mich besonders interessierte und daher zum Auswahlgrund f√ľr den Treffpunkt wurde, startete im April und ist bis zum 07. Juli in dem Leipziger Museum zu sehen. Im Zentrum der modernen, wei√üen R√§ume in der obersten Etage stehen die Ideen, Ideale und Werke der japanisch-amerikanische K√ľnstlerin, die seit ihrer Ehe mit dem Beatles-Bandmitglied l√§ngst einen umfassenden Bekanntheitsgrad genie√üt. Gro√üe Worte bekommen gro√üe R√§ume: Feminismus, Pazifismus, Gemeinschaft, Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und die positiven Energien, die allem innewohnen. Den Einlass malt die helle Weite, die von mediterranen B√§umchen, die aus S√§rgen hervorragen, durchbrochen wird. Beeindruckt davon, rangiert die Ausstellung allgemein mit der Anforderung aus den pr√§sentierten Worten und Haltungen imaginativ eigene Bilder oder Kunstwerke entstehen zu lassen bzw. anhand der gezeigten Anleitungen vielmehr Teil eines Prozesses zu werden, anstatt ein vorgefertigtes Kunstprodukt vorgesetzt zu bekommen – Space Transformer zu sein. Eine Sammlung von Suggestionen: Wer bereit daf√ľr ist bekommt Yoko Onos Einf√§lle zur Utopie einer besseren Welt zu sp√ľren. Ein guts Gef√ľhl, das anh√§lt. (CH)

Heidnisches Dorf / Torhaus Dölitz

14:00 Uhr – Arhai (GB)

Das britische K√ľnstlerduo Arhai verbindet orientalisch inspirierten Folk mit Elektronika. Sie verwenden dabei sowohl traditionelle, akustische Instrumenten in ihren Repr√§sentationen aus dem nah√∂stlichen Kulturraum und dem Balkan, wie Laute und Hackbrett (hammered dulcimer), als auch elektronische und moderne Instrumente. Daraus erw√§chst eine interessante Melange aus meditativen und spirituellen Melodien, innerhalb derer die Grenzen aus Zeit, Raum und Kulturen ineinander flie√üen und zu etwas Neuem werden. Die Band besteht aus dem Multi-Instrumentalist Adrian Lever, der eine beeindruckende Spannweite an Fingerfertigkeit mitbringt und Jovana Backovic, die f√ľr die Kompositionen verantwortlich ist und mit √§therischen, wie ausdrucksstarken Gesangstechniken verzaubert.

Beide haben auch einen Drummer dabei, der ihrer Performance, am recht fr√ľhen br√ľtend hei√üen Sonntag Nachmittag, etwas mehr Druck und dadurch mehr Aufmerksamkeit verleihen soll. Arhai treten an mehreren Tagen zu unterschiedlichen Zeiten zum WGT, abseits der gro√üen Namen auf. Aber ihre Musik ist deutlich mehr als nur Untermalung des Marktgeschehens oder Einstimmung auf das bevorstehende musikalische Programm. Denn sie ist preisgekr√∂nt, bringt in ihrem Heimatland viele unterschiedliche K√ľnstler zusammen und f√ľhrt den Dialog zwischen den Kulturen, der heute so wichtig ist. Dar√ľber hinaus haben ihre Lieder eine Substanz, Tiefe und Sehnsucht, die nach ungeteilter Aufmerksamkeit und deswegen nach einer anderen, ruhigeren B√ľhne rufen, wie beispielsweise dem Schauspielhaus oder der Kirchenruine Wachau. (KS)

19:20 Uhr – Faun (D)

Das Wetter ist super, die Leute prima gelaunt. Beste Vorzeichen f√ľr Faun.

Schon beim Soundcheck ist vor der B√ľhne jede Menge los und die Leute Feuer und Flamme f√ľr die M√ľnchner. Moderator und ‚ÄúAnheizer‚ÄĚ Oliver beschw√∂rt das Publikum aber, bitte blo√ü genauso euphorisch wie bei der Probe zu jubeln, wenn die Jungs und M√§dels dann tats√§chlich auf der B√ľhne erscheinen. Ja, was f√ľr ne Frage. Klar, machen wir!

Zwar ist die Sonne noch nicht ganz hinter den B√§umen verschwunden und die Lichtshow wirkt nicht ganz so atmosph√§risch, aber das gleichen Faun allemal mit der B√ľhnenperformance aus. Die gro√üe Band auf der doch recht kleinen B√ľhne war sichtlich erfreut √ľber das riesige Publikum. Ein WGT-Gig ist halt immer etwas besonderes, f√ľr jede Band. Und jeder Musiker, egal ob nun mit Sackpfeife, Leier oder Harfe bewaffnet, freute sich einmal ganz vorn zu stehen.

Trotzdem muss auch hier wieder erw√§hnt werden, dass die Location auch eine Stunde vor Start des Konzerts wieder wegen √úberf√ľllung geschlossen werden musste. Frust dar√ľber und die Hitze dar√ľber hinaus f√ľhren zu teilweisen energischen Diskussionen am Eingang.

Die gl√ľcklichen G√§ste drinnen feiern derweil ihre Band. Gerade beim vierten Lied Walpurgisnacht kann dann auch die letzte Reihe nicht mehr still stehen bleiben.¬†Insgesamt wird eine gute Mischung der alten und neuen Lieder vom letzten Studioalbum Midgard (2016) im Set zusammengestellt. Nachzuh√∂ren kann man das Ganze auf der 2018 erschienen Compilation Best Of Faun. (DS)

Setlist FAUN @ WGT, Heidnisches Dorf (09.06.2019):
  1. Iduna
  2. Wind und Geige
  3. Alba
  4. Walpurgisnacht
  5. Nacht des Nordens
  6. Odin
  7. Pearl
  8. Iyansa
  9. Feuer
  10. Rhiannon
  11. Wenn Wir Uns Wiedersehen
  12. Egil Saga
  13. Hymn to Pan

Non Tox e. V.

13:40 Uhr – Stahlnebel & Black Selket (D)

Der Tag beginnt freundlich (um nicht zu sagen hitzig!) und trotz, dass es gerade einmal fr√ľher Nachmittag ist, sind doch schon viele G√§ste im etwas abgelegenen Non Tox e.V¬†anzutreffen.¬† Und dabei sind Stahlnebel & Black Selket schon die zweite Band des Tages. Das Dark Electro Industrial Projekt aus dem – ja wir bem√ľhen die journalistische Stilbl√ľte – beschaulichen Wickede an der Ruhr in NRW wurde nach sage und schreibe vier Jahren B√ľhnenabstinenz von den Veranstaltern f√ľr das gro√üe Familientreffen angefragt. Klar, dass die Band um S√§nger Ralph Neuhaus mit wehenden Fahnen zum WGT anreist und jetzt ihren Auftritt sichtlich genie√üt. Den h√§lt auch nicht besonders viel auf der B√ľhne. Mit dem Mikro in der Hand performt er seine Songs zusammen mit den Fans direkt davor. Und wisst ihr was? Soviel Herzblut und Spielfreude wird belohnt. Wir sehen Stahlnebel & Black Selket im n√§chsten Jahr wieder (Anfrag ist wohl schon raus ūüôā ). (DS, KS)

14:50 Uhr –¬†Terrorfrequenz (D)

Der Nachmittag schreitet voran, die Schatten werden k√ľrzen. Das Non Tox f√ľllt sich. Noch keine Panik (oder Terror?), denn noch gibt es genug Platz zum tanzen. Und den haben wir auch bitter n√∂tig, denn Terrorfrequenz f√ľllen ihren Slot. Die gibt es schon seit 2008 und die haben auch schon mit Szenegr√∂√üen wie Blutengel und Agonoize die Stage geteilt. Ahja, auf dem WGT waren sie auch schon. Das war in jenem schicksalhaften Jahr 2015. Zwei Jahre war es dann erst einmal still um das Projekt, bevor Liam Summer dem ganzen neues Leben einhauchte und Terrorfrequenz wie der Phoenix aus der Asche mit der EP Muration und der LP Muratio In Signum wieder mitspielte. Noch mal zwei Jahre und da sind sie wieder auf dem WGT und auch wieder zu zweit. Der Wiedererkennungswert ist hoch, die Beats sind ultra-fett, das B√ľhnenoutfitt angemessen verst√∂rend – nicht jeder nutzt eine Wirbels√§ule als Mikrofonst√§nder und hat seinen knochigen Kumpel als stummen Begleiter mit. Und obwohl das auf dem WGT m√∂glicherweise √∂fter vorkommen mag, als anderswo, „bewegt das die Substanz“ und die schwarzen Menschen. (DS, KS)

16:00 Uhr – Splatterdisko (D)

Wer das Non Tox kennt, wei√ü, dass es wenig Zeit gibt, die F√ľ√üe auszuruhen. Und obwohl „Harshelectro Made in Germany“ sicherlich auf die eine oder andere (oder alle) Band hier zutreffen mag, hat es die n√§chste nun ausgerechnet zu ihrem Alleinstellungsmerkmal erkoren. Splatterdisko ist ein Side-Projekt von Agonoize-S√§nger Chris L. und der ist im Vergleich zu den Vorg√§ngerbands nicht nur weniger harsh, sondern hat erst einmal auch noch etwas Pech, da am Anfang der Ton hakte. Auch in der Mitte des Sets m√ľssen sich die Musiker erst einmal dem Kampf mit der Technik beugen. Aber nichts, was weiter tragisch ist oder l√§nger h√§ngen bleibt. Die beiden sind eben Profis und schaffen diese Widrigkeiten mit Improvisationen zu kompensieren. Neben wirklich treibenden, fast schon milit√§rischen Beats, gibt es auch eine Coverversion von The Cures Lullaby. Insgesamt kommen die M√§nner, die immerhin zumindest mit diesem Projekt heute Jungfernfahrt haben, ziemlich gut an. (DS, KS)

17:10 Uhr – DSTR (D)

Noch ruhiger wurde es dann noch einmal mit DSTR, die mit Synth-Pop eine etwas gediegenere Schiene fahren. Man merkt deutlich, dass wir uns dem Abend und den gr√∂√üeren Konzerten auf den Hauptlocations n√§hern, denn die Reihen lichten sich doch deutlich. Viele scheinen weiterzuziehen. Eigentlich schade, denn die M√§nner machen grundsolide, was man in diesem Genre so erwartet und h√§tten sicherlich andernorts mehr Publikum gezogen. Unter den Songs findet sich auch eine durchaus h√∂rbare Version vom The Sisters Of Mercy Klassiker Lucretia My Reflection, die gewisserma√üen auch das Herzst√ľck des Sets darstellt. (DS, KS)

Schauspielhaus

17:30 Uhr – Goethes Erben (D)

Oswald Henke ist derzeit mit seinem Projekt Goethes Erben im Rahmen von Kammerkonzerten in Deutschland unterwegs. Zusammen mit einem Pianisten und einem Cellisten bringt er Songs aus der gesamten Goethes Erben-Geschichte in einem gediegenen kleinen Rahmen auf die B√ľhne. Man kann sich ausmalen, dass hier die Nachfrage extrem hoch ist. Einige der sehr begrenzten Termine sind bereits ausverkauft. Und auch in Leipzig auf dem WGT – am heutigen Sonntag sind immerhin zwei Vorstellungen im Schauspielhaus angesetzt – finden sich sehr viele Fans schon geschlagene 90 Minuten vor Beginn der Veranstaltung vor Ort ein. An dieser k√∂nnte man freilich Eulen nach Athen tragen und auf die Bedeutung dieser Band eingehen, die wahrscheinlich seit 30 Jahren wie kaum eine andere die Szene in Deutschland pr√§gte und dies immer noch tut. Als Vertreter der Neuen Deutschen Todeskunst und wichtige Protagonisten der Avantgarde sind es vor allem ihre nachdenklichen, wie todtraurigen Texte, die f√ľr Viele einen Ort der Zuflucht, Inspiration und des Trostes bilden.

Auf der B√ľhne findet sich daher auch nicht viel, was vom Wesentlichen ablenken k√∂nnte: nur ein Fl√ľgel, das Cello, ein schlichter Kerzenleuchter und eine schlanke Metall-Konstruktion, die den Namen des Projektes formt. Oswald Henke beabsichtigt den Vortrag auf die Essenz zu destillieren. Der S√§nger, sowie beide Musiker kommen dann auch nur in schlichten Anz√ľgen. Beim zweiten Song Abseits Des Lichts erscheint eine Ballerina auf der B√ľhne, die zusammen mit den Kammermusikern die Emotionen von Musik und Lyrik Ausdruck verleiht. Die Zuschauer sind begeistert und ergriffen zugleich. Weiter geht es mit ausgew√§hlten St√ľcken aus der reichhaltigen Diskografie von Goethes Erben, an denen sich m√∂glicherweise die Geister scheiden. Manch einem sind sie zu exaltiert und pr√§tenti√∂s, seit 30 Jahre zu wenig variabel und vielleicht auch ein wenig selbstgef√§llig. F√ľr die Leute, die heute Nachmittag im vollbesetzten Schauspielhaus √ľbergl√ľcklich √ľber ihren ergatterten Platz sind, ist das im Angesicht dieser Kulisse die ganz gro√üe Kunst, voller Poesie und einem tiefen Sinn. (KS)

Moritzbastei

13:00 Uhr – MDR-KULTUR Studiosession: Laura Carbone (D)

Nach dem belebenden Museumsbesuch f√ľhrte mich der kurze Weg durch die Innenstadt an die Moritzbastei. Zwischen hallenden Ansagen, Fahrgesch√§ften und Cr√™ped√ľften hindurch, die das parallel stattfindende¬†Stadtfest ma√ügeblichen bestimmten, liegen die Backsteinmauern des Konzertkellers. Aufgrund der W√§rme und der beschr√§nkten Gr√∂√üe wird erst kurz vor Aufzeichnungsstart der Einlass gew√§hrt, zu dem sich bereits eine Stunde vor Beginn zahlreiche Wartende einfinden. Etwa 40 Besucherinnen und Besucher finden im stimmungsvoll arrangierten Raum Platz und werden von einer Verantwortlichen auf St√ľhlen und Treppen drapiert. Eine kurze Belehrung und Einweisung √ľber den kurzen Programmablauf sp√§ter, betreten schon die junge K√ľnstlerin und ihre beiden Mitmusiker den bedacht ausgeleuchteten Raum. Mal s√§uselt sie zart, mal besingt sie stark ihre bitters√ľ√üen Melodien, zu welchen die Gitarren im Hintergrund verschwimmen. Trotz dass der schwei√ütreibende Auftritt nur kurz andauert, die atmosph√§rischen Klangbetten vereinnahmen vollends. (CH)

Setlist LAURA CARBONE @ MDR-KULTUR Studiosessions, Moritzbastei Leipzig (09.06.2019)
  1. Lullaby
  2. Who’s Gonna Save You
  3. Nightride

20:00 Uhr – OUL (D)

Allen B. Konstanz wollte ein Album ‚Äúganz ohne Gitarren‚ÄĚ machen, erkl√§rt er uns am Sonntagabend in der Moritzbastei. Er ist hier mit seinem noch ganz jungen EBM und Synthpop-Projekt Oul der Opener. Dieses Vorhaben lie√ü sich dann aber nicht ganz konsequent umsetzen, ist ja einer seiner engsten Freunde und Kollegen Inhaber der Klangschmiede Studio E, jenes Tonstudio, in dessen vertrauensvolle H√§nde man sich begibt, wenn man m√∂chte, dass das n√§chste Black-Metal Album gut werden soll. Au√üerdem teilen sich Konstanz und Ulf Theodor Schwadorf mittlerweile so viele gitarrenlastige Bandprojekte, dass man da schon mal den √úberblick verlieren kann, wenn man nicht konsequent dran bleibt.¬†Antipode h√∂rt man die jahrelange Musikerfahrung und die Auseinandersetzung mit vielschichtigen und komplexen Kompositionen an, ohne dass das Album an einer einzigen Stelle √ľberfrachtet wirkt. Ja, und man h√∂rt Antipode auch den Metal an, obwohl das Album nichts von Metal hat.

Aber werfen wir mal einen Blick ins Publikum. Die Katakomben der MB sind richtig voll. Die Zusammensetzung der Fans k√∂nnte unterschiedlicher nicht sein. Da haben wir nat√ľrlich die Synth-Popper und EBMer, aber auch Metal-Heads mit Vision Bleak- und Prophecy-Shirts und ganz d√ľster aussehende Ewigheim-Fans. Konstanz tritt nicht, wie man vielleicht erwartet h√§tte mit einem zweiten Synthesizer auf, sondern hat einen zweiten Schlagzeuger dabei. Zus√§tzlich mit dem auf seinem Keyboard installierten Drums, ahnt man, dass das Ganze in eine h√§rtere, stark akzentuierte Richtung gehen wird. Oul er√∂ffnen das Set mit Apocalypse. Noch sind die Trommeln einen Tick zu laut und der Gesang kaum zu verstehen. Das gibt sich aber im Verlauf des ersten Songs und wird von einem alten Hasen wie Allen B. Konstanz souver√§n √ľberspielt. Bei Dwell On The Other Side erg√§nzen sich die Kombinationen aus akustischem und elektronischem Schlagwerk durch die dem Songs innewohnenden sich √ľberlagernden Drum-Sequenzen perfekt. Konstanz ist eben Schlagzeuger und hat das musikalische Konzept von Antipode wahrscheinlich auch viel aus dieser Richtung entwickelt. Live kommt das richtig satt r√ľber, vor allem auch, weil beide Musiker sehr gut aufeinander eingespielt sind.

Das Publikum nimmt die Songs sehr gut auf, obwohl das heute noch eines der ersten Konzerte ist, welches von dem jungen, noch weitgehend unbekannten Projekt absolviert wird. Zwischendurch erz√§hlt der charismatische K√ľnstler Anekdoten: Wie er beispielsweise vor langer, langer Zeit schon einmal in der MB aufgetreten ist – damals mit Ewigheim – und ihm bevor es √ľberhaupt losging der Gurt seiner Gitarre gerissen ist. Er nahm dieses Ereignis als Omen, sich eher auf das Schlagzeug zu verlegen. Da hatte er wohl kurz vergessen, dass er in der Masse seiner Bandprojekte wohl eher f√ľr seine ausdrucksstarke, sonore Stimme bekannt ist. Song f√ľr Song hakt Konstanz jedes St√ľck vom Deb√ľtalbum ab, bevor er mit With A Fire das Set – leider nach nur 45 Minuten – f√ľr alle Anwesenden viel zu fr√ľh beendet. Die entern dann auch augenblicklich den Merch-Stand. Da hat wohl einer heute Abend ein paar neue Freunde gefunden. (KS)

Felsenkeller / Naumanns

20:40 Uhr – Batushka (PL)

Gegen halb zehn stolpern wir in den Felsenkeller und rennen erst einmal gegen eine Wand aus brennender Hitze und Schwei√ü. Wie in einem Dampfbad, nur eben in ungesund: Es hat mindestens 50 Grad, daf√ľr aber auch keinen Sauerstoff mehr¬† – nur auf dem Dachboden vom Teufel kann es sch√∂ner sein. Dann die freudige √úberraschung: Die polnische Black-Metal Band, die wir eigentlich schon wegen des engen Programms mit einem kleinen Tr√§nchen aus unserer Liste gestrichen hatten, haben offenbar grad erst angefangen und passend zum Klima auf der B√ľhne auch noch zus√§tzlich n Feuerchen angez√ľndet. Also nischt wie in den Graben und Fotos gemacht. Und das lohnt sich bei den Batushka wirklich. Durch das Gesamtkonzept der Band, die am 12. Juli ihren Zweitling Hospodi ver√∂ffentlichen wird, zieht sich die Besch√§ftigung mit der orthodox katholischen Liturgie. Das findet man im B√ľhnenbild – √ľberall stehen Kerzenleuchter, Weihrauchbeh√§ltnisse, Tabernakel, Ikonen, und sogar einegl√§serner Reliquienschrein samt Inhalt – dem B√ľhnenoutfit – die Musiker tragen Priestergew√§nder (erg√§nzt durch Stoffmasken) und den Texten. Man findet es nur eben in der Musik selbst nicht, was der Band gerade in osteurop√§ischen L√§ndern und Russland bisher ziemlich viel √Ąrger eingebracht hat.

Der Skandal d√ľrfte kalkuliert sein und man hat sich vorsichtshalber, um ihn noch besser zu bahnen, tour-technisch bei Behemoth eingeklinkt. Jedenfalls machen die Jungs viel Geperle und viel Geste auf der B√ľhne. √úber Temperatur und Feuchtigkeitss√§ttigung unter den Roben kann man allenfalls vorsichtige Sch√§tzungen wagen. Was Batushka allerdings einnehmend in die Karten spielt: Musikalisch sind sie ebenfalls ziemlich weit vorn. Pr√§chtige, feierliche, Andacht gebietende Melodien werden √ľberzogen von fetten, zerst√∂rerischen Brettern und bebenden Beats. F√ľr Black-Metal Verh√§ltnisse h√∂rt sich das jetzt extremer an, als es sich tats√§chlich ausmacht, denn in puncto Songwirting gibt es da durchaus einiges Solides, aber tats√§chlich nicht viel √ľberraschend Neues oder Innovatives. Trotzdem hebt sich das Gesamtkonzept, vor allem live, wohltuend von der Spreu ab. (KS)

22:20 Uhr – Cradle Of Filth (GB)

Batushka bauen ab und Mitarbeiter der Security haben ein Einsehen und √∂ffnen zwei Fl√ľgelt√ľren. Erleichterung verschafft das jedoch nicht, denn die feucht-hei√üe Luft staut sich direkt davor und hindert den lebensspendenen Sauerstofft in den Felsenkeller zu str√∂men. Drinnen ist es kaum noch auzuhalten. Vor der Location ist l√§ngst Einlassstopp, jeder Versuch, sich drau√üen frische Luft zu verschaffen, w√ľrde bedeuten, den Headliner des Abends aufzugeben. Und diese Bestimmung gilt sowohl f√ľr G√§ste, als auch f√ľr Mitarbeiter der Presse. Das Warten zu so fortgeschrittener Stunde, inklusive deutlicher Versp√§tung und noch bevorstehenden Soundcheck (bei dem selbstverst√§ndlich die ‚ÄúFrischluftt√ľren‚ÄĚ wieder geschlossen wurden) wuchs sich also zu einer Geduldsprobe f√ľr alle Anwesenden aus. Es war daher keine √úberraschung, dass es dann, als schlie√ülich die Briten von Cradle Of Filth ihr Set starteten, nicht mehr ganz so voll war, wie noch bei den frommen Polen zuvor.

Deren Album Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay (2017) ist auch nicht mehr ganz so taufrisch und w√ľhlt schon m√§chtig in der Gothic-Metal-, finstre Orgel- und weibliche Tr√§ller-Kiste. Das muss man schon m√∂gen. Hinzu kommt, dass Dani Filths eigenwillige Art zu singen live nun, sagen wir, noch einmal eine ganz besondere Qualit√§t an Gew√∂hnungsbed√ľrftig… pardon ‚Ķ Wiedererkennungwert annimmt. In Kombination ergibt sich ein Konzert, f√ľr welches man schon ein ziemlich gro√üer Fan sein muss, um es zu m√∂gen. Dani Filth, angetan mit einer Art Opernumhang, r√§ubert on Stage umher, st√∂√üt spitze Schreie aus und mimt den wilden Derwisch. Der Rest der Band hat alle H√§nde voll zu tun, sich routiniert Pose zu werfen, passend zum massentauglichen Bombast-Metal, den Cradle Of Filth nun mal seit vielen Jahren spielen. Ich kann sagen: Ich habe es √ľberlebt! (KS)

agra-Treffenpark

18:55 Uhr – Christian Death

Zum sechsten Mal sind Christian Death auf dem WGT. Eigentlich muss man diese Band niemanden mehr vorstellen, denn f√ľr die Szene und ihr Geschichte ist es ein Name wie Donnerschlag. Trotzdem sind einige Erkl√§rungen an dieser Stelle von N√∂ten. Denn man muss ehrlicherweise sagen, dass von der Originalbesetzung der 1979 gegr√ľndeten Band, allen voran die Legende Rozz Williams, keiner mehr dabei ist. Tats√§chlich aber traten ehemalige Mitglieder der Band tags zuvor noch im T√§ubchenthal in Gestalt eines Exklusiv-Konzertes mit¬†Shadow Project 1334¬†und obligatorischen, gravit√§tisch-d√ľsteren Eva O. auf. Der Gig war eine Reminiszenz an das Beste, was man sich unter dem klassischen Death-Rock seiner Anfangstage vorstellen konnte.

Nun ist das alles schon ewig lange her und Projekte haben die Chance und das Recht sich weiterzuentwickeln. Ich hab Christian Death etwas aus den Augen verloren. Gespannt war ich deshalb, was mich erwarten w√ľrde. Unvermeidbar ist nat√ľrlich die Ank√ľndigung der gr√∂√üeren Acts auf der agra durch Oliver Klein. Der stellt die unangenehme Frage, ob sich denn unter den Anwesenden, die sich gar zahlreich eingefunden haben, Personen befinden, die das offizielle Gr√ľndungsjahr der Band schon mitbekommen h√§tten. Und sei es auch unbewusst. Ich wage es nicht mich zu offenbaren und schaue mich statt dessen um. Joa, knapp die H√§lfte gibt dergleichen zu.

Wir starten, eher unerwartet mit einem DJ und Industrial – also erst einmal kein Goth-Rock und schon mal gar kein Death-Rock. Geschlagene zehn Minuten und ich frage mich, wann denn nun endlich das Set anf√§ngt. Gl√ľcklicherweise lassen mich die Amerikaner dann doch nicht im Regen stehen und servieren soliden von der Westk√ľste gek√ľssten Goth-Rock mit leichtem Blumenkind-Einschlag. Das bedeutet ihre Rot(z)zigkeit haben sie mit den Jahrzehnten leider etwas eingeb√ľ√üt und damit leider auch den exaltierten Schmerz und die unauslotbaren Abgr√ľnde. An deren Stelle ist eine Art mystischer, boh√©me-hafter Dunkel-Rock getreten, der herrlich unaufgeregt und absolut authentisch r√ľberkommt. Die Mikrost√§nder sind mit dunklem Efeu geschm√ľckt, man tr√§gt breitkrempige schwarze H√ľte und wirkt etwas, als k√§me man aus dem Andromeda-Nebel, wenn Ihr versteht, was ich meine. Passend dazu gibt es die ‚Äúbe responsible when you use drugs‚ÄĚ-Ansage, √§hm ‚Ķ ok. Wie alte waren wir noch mal? ūüėČ Spacig. (DS, KS)

20:40 Uhr – Lord Of The Lost (D)

On This Rock I Will Build My Church, mit dem Song haben sich Lord Of The Lost einen Opener ins Set geschrieben, der einen Gig kaum besser er√∂ffnen k√∂nnte. Stakkatohafte Drums, dunkle, warme Harsh-Voices, ein hymnenhafter Melodieverlauf – einfach episch. Passend dazu ging es d√ľster los, man sah praktisch nichts, lediglich die Konturen der Herrschaften waren zu erkennen, die von so vielen erwartet wurden. Die agra war selbstverst√§ndlich sehr voll. Der Er√∂ffnungstrack stammt vom aktuellen Album Thornstar (2018) und von der Langrille sollen noch weitere folgen: Loreley und Morgana. Sonst gab es eine Zusammenschau von allen Alben der Lords, an der man sehr gut die Stilwechsel und die bewegte Geschichte mit dem steilen Weg nach oben nachzeichnen konnte.

Unverwechselbar sind sie ja immer, die B√ľhnenshows der Hamburger Jungs um Chris Harms, der l√§ngst nicht mehr wegzudenken ist aus der schwarzen Familie. Diese Verbundenheit und Sympathie l√§sst er seine Fans auch stets sp√ľren, in dem er sie immer wieder einbindet in die Show, sie direkt anspricht und uns fragt wo unsere H√§nde denn sind. Ja, wer hat die denn heute vergessen? Niemand, also wirklich. … Kein Grund, uns darauf hinzuweisen ūüėČ F√ľr besonderen Zuspruch sorgt auch das unmissverst√§ndliche Statement der Band zu den bewegten Zeiten, in denen wir uns heute befinden. Mehr denn je ist es wichtig, dass sich K√ľnstler jeden Genres positionieren gegen jede Form von Menschenhass und Gewalt, die um sich greifen und auch vor unserer Szene keinen Halt machen. Vielen Dank f√ľr die Haltung und den Mut! Eine Stunde Dark Rock der metalligen Sorte und das vom allersch√∂nsten gehen viel zu schnell vorbei. Lord Of The Lost verabschieden sich mit La Bomba.¬†Ja. was denn sonst? Vielen Dank und bis zum n√§chsten Mal! (DS, KS)

Setlist LORD OF THE LOST @ WGT, agra (09.06.2019)
  1. On This Rock I Will Build My Church
  2. Loreley
  3. Morgana
  4. Black Halo
  5. Drag Me To Hell
  6. Prison
  7. Under The Sun
  8. Haythor
  9. In Darkness In Light
  10. Dry The Rain
  11. Six Feet Underground
  12. It’s A Sin (Pet Shop Boys cover)
  13. Blood For Blood
  14. Doomsday Disco
  15. Die Tomorrow
  16. La Bomba

Westbad

22:30 Uhr – Solar Fake (D)

Ich erinnere mich, dass ich als Kind einmal wegen eines Schwimmturniers im Westbad gewesen bin. Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, dass es dort damals eine Sauna gegeben h√§tte. Das war allerdings auch lange, lange bevor das Westbad WGT-Veranstaltungsort geworden ist. Schon bei Sono, die im Line-Up Solar Fake vorangegangen sind, war es √ľberf√ľllt und nun ist es so proppevoll und hei√ü, dass die Anwesenden ihr eigenes Biotop erzeugen und das Wasser schon beinahe von den hohen Decken tropft. Anheimelnd. Ach, machen wir uns nichts vor, wir wissen, warum wir alle hier sind: Sveeeennniiieee!!!!! Ja, und wegen der Musik. Solar Fake headlinen hier nicht umsonst.

Eines muss man Sven Friedrich, dem androgynen, alterslosen, hach und wundersch√∂nen Prinzen der Melancholie lassen, mit diesem und seinen anderen Projekten Dreadful Shadows und Zeraphine hat er einfach Genre- Ma√üst√§be gesetzt. Solar Fake haben im letzten Jahr ihr f√ľnftes Studioalbum mit Namen You Win. Who Cares? unter die Leute gebracht und sind nun auch schon zum vierten Mal hier auf dem WGT. Und die Begeisterung nimmt nicht ab. Im Hintergrund flimmern Videos zur Untermalung des Gesungenen, im Publikum singen die gl√ľcklichen Fans zur Unterst√ľtzung des S√§ngers. – Mr. Friedrich tr√§gt heute Abend schlichte Bluejeans im Used-Look dazu ein schwarzes Seiden-Hemd, dessen √Ąrmel er l√§ssig bis zu den Ellenbogen umgekrempelt hat (*seufz*).¬† Aber auch ihm setzt die Hitze sichtlich zu. Ja, im Schwei√üe sind wir alle gleich. Bei Stay und The Pain That Kills You Too stimmen alle unisono von der ersten bis zur letzten Liedzeile mit ein und √ľbert√∂nen den Herrn sogar beinahe, der sich √ľber so etwas gar nicht mehr zu wundern scheint. Man wiegt sich, man liegt sich in den Armen. Bei den schnelleren Nummern wird ordentlich auf und ab gewippt (zu mehr ist einfach kein Platz). (DS, KS)

Oper

18.00 Uhr РZauberflöte

Meinen Nachmittag l√§utete die Absprache dar√ľber ein, wie das so abl√§uft mit der Oper und der begrenzten Kartenzahl. Gut, dass bereits 14.30 Uhr fachkompetente und erfahrungsreiche Personen vor den gl√§sernen Toren des Leipziger Konzertgeb√§udes campierten und mir berichteten, mindestens drei Stunden vor Beginn zu erscheinen, w√ľrde mir eine der begehrten Freikarten f√ľr das gro√üartige Klassikprogramm des Festivals sichern. Nach La Traviata und Schwanensee k√ľndigte sich f√ľr den heutigen Tag Mozarts Zauberfl√∂te an – auf den verschwitzten Vortag aus Punkrock, die gelungene Abwechslung, die das Leben so spannend macht. Zweites Stockwerk, Rang, achte Reihe. Das mittelgut, aber gro√ü geschauspielerte bunte Event mit den h√ľbschen, t√§nzelnden Melodien unterh√§lt bis fasziniert. Bezaubernde Kost√ľme vor der pomp√∂sen Kulisse, bannende Klassik – das Versprechen der Oper ist eingel√∂st. (CH)

FotografIn/AutorIn: Claudia Helmert (CH), Danny Sotzny (DS), Katja Spanier (KS), Thomas Papenbreer (TP)

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