COMBICHRIST – One Fire

COMBICHRIST - One Fire
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

6.5

6.5

„Das Feuer lodert wieder“

Puuh. Durchatmen. Nach einem kräftigen Griff ins Klo melden sich Combichrist nach drei Jahren mit einem neuen Album zurück, das durchaus eine Daseinsberechtigung hat. Klar, One Fire ist natürlich wieder kein zweites What The Fuck Is Wrong With You?, liefert aber immerhin den ein oder anderen starken Track für Tanzfläche und/oder Moshpit.

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Doch der Reihe nach: Will Andy LaPlegua einem Außerirdischen erklären, welche Musikgenres sein populärstes Projekt in den vergangenen 15 Jahren abgehakt hat, spielt er ihm einfach Hate Like Me vor, das allen in einem kombiniert. Brutaler, höchst tanzbarer Beat, dickes Riff im Refrain, abwechselnd Gebrülle und Clean-Gesang und ein nun nicht gerade Pulitzerpreis-verdächtiger Songtext über Hass und Gewaltfantasien. Quasi Combichrist in a nutshell, nicht mehr und nicht weniger als ein potenzieller Riesenhit.

Combichrist - Hate Like Me (Official Lyric Video)

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Das darauffolgende Broken United wurde bereits vor zwei Jahren veröffentlicht und stammt demnach noch aus den Sessions zum Vorgänger – das hört dem lahmen Hartwurst-Metal leider auch an. Machen wir also schnell weiter mit Guns At Last Dawn, neben Hate Like Me der einzige One Fire-Track, der auf der aktuellen US-Tour live gespielt wird. Mit Unterstützung von Fear-Factory-Frontmann Burton C. Bell gibt’s hier …

… tatsächlich einen Song, der perfekt auf ein Album der kalifornischen Industrial-Metal-Legende passen würde. LaPlegua und Bell brüllen zu dickem Electro-Beat in den Strophen und Hochgeschwindigkeit-Metal im Chorus. Geht mächtig ab.

Klar ist bis hier aber auch: Die „Electroheads“ von früher kann der schon lange in den USA lebende Norweger mit solchen Sounds nicht glücklich machen. Doch dann kommt mit Lobotomy tatsächlich ein reiner Clubtrack zum Abstampfen, das wohl EBM-lastigste Combichrist-Lied seit In The Pit auf eingangs erwähntem What The Fuck Is Wrong With You? punktet aber nicht nur mit reiner Tanzbarkeit, sondern mit starkem Aufbau, der in einem erstaunlich nüchtern gesungenen, aber trotzdem gelungenen Refrain kulminiert. Nicht so gut läuft es leider beim folgenden Titeltrack – vielversprechende Strophe, aber kompletter hohle Hook („One Fire! One Fire!“ One Fire! Come And Bury Me!“) auf Midtempo-90er-Industrial-Rock. Das machen KMFDM immer noch besser.

Balladen-Recycling auf hohem Niveau

Stück Nummer sieben dürfte treuen Anhängern schon länger bekannt sein, landet aber erst sieben Jahre nach der Erstveröffentlichung auf dem Film-Soundtrack zu Underworld:Awakening auf einem Combichrist-Album. Bottle Of Pain zeigt, dass LaPlegua durchaus auch ruhige Töne stehen. Gewöhnt man sich an den leicht an Tom Waits (!) angelehnten Gesang, darf man sich über eine wirklich gelungene, dunkle Ballade freuen – was übrigens auch auf den Closer The Other zutrifft.

Davor gibt’s eine völlig überflüssige, dystopische Sample-Orgie (2045) und das komplett wirre Experiment California Uber Alles mit selten dämlichem Refrain – aber immerhin auch noch zwei richtige Kracher. Kaum eine Combichrist-Single der letzten Jahre wurde in den sozialen Medien derart positiv aufgenommen wie Understand. Wenig verwunderlich, liefert das Stück doch vieles von dem, was treue Fans zuletzt oft vermisst haben (siehe Video).

Combichrist - Understand (Official Music Video)

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Noch spannender wäre es, zu erfahren, wie die Reaktionen auf Facebook ausfallen würden, wenn LaPlegua eines Tages noch Last Days Under The Sun auskoppeln täte. Brutalo-Electro mit EBM-Bassline und Raserei-Vocals vom Allerfeinsten – genau der richtige Stoff für all diejenigen, die mit dem Metal vergangener Releases nichts anfangen konnten und sich „ihre“ Combichrist zurückwünschen. Ein Stück, von dem man hofft, dass es auf der kommenden Europa-Tour mit zahlreichen Terminen in Deutschland den Weg ins Set findet. Die Daten findet Ihr hier.

Tracklist COMBICHRIST – One Fire

01. Intro
02. Hate Like Me
03. Broken United
04. Guns At Last Dawn
05. Lobotomy
06. One Fire
07. Bottle Of Pain
08. 2045
09. Interlude
10. Understand
11. California Uber Alles
12. Last Days Under The Sun
13. The Other

Weblinks COMBICHRIST

Homepage: www.combichrist.com
Facebook: www.facebook.com/combichrist

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1 Comment

  • “das komplett wirre Experiment California Uber Alles mit selten dämlichem Refrain”
    Verstehe ich das richtig, das ein Musikredakteur die Dead Kennedys nicht kennt?

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