ROB ZOMBIE – Wiesbaden, Schlachthof (17.06.2019)

Rob Zombie © Sandro Griesbach
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Auf seiner Festivaltour durch Europa legte Robert Bartleh Cummings aka Rob Zombie einen Zwischenstopp in Deutschland ein. In Wiesbaden, genauer gesagt. Insofern durchaus etwas Besonderes und genau das, etwas Besonderes, d√ľrfen Besucher von einer Show des Multitalents auch erwarten. Bei sommerlichen Temperaturen reihen sie sich vor dem Schlachthof zu einer langen, schwarz gekleideten, bunt t√§towierten Schlange. Bierflaschen leeren sich, aus dem mobilen Lautsprecher einer Gruppe Fans dr√∂hnen bereits Zombies Songs. In der gro√üen Halle des Schlachthofs fallen derweil nicht Heerscharen von Untoten, sondern willige K√§ufer √ľber den Merch-Stand her. √úberaus lebendige 35 Euro kostet etwa ein T-Shirt mit Rob Zombies Konterfei vom Hellbilly Deluxe¬†(1998) Albumcover. Gut gealtert, Zombie.

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Der Blick auf die B√ľhne l√§sst erahnen, dass die heutige Zombie Horror Picture Show allein platzbedingt deutlich weniger bombastisch ausfallen wird als jene aus seinem gleichnamigen Konzertfilm. Aber zahlreiche Videoleinw√§nde wecken dennoch Lust auf ein visuelles Vergn√ľgen. Die Zombie Horror Picture Show eben. Immer mehr gut gelaunte Besucher suchen sich ihren Platz in der Halle, unter denen sich gleicherma√üen Fans der ersten Stunde als auch j√ľngere Anh√§nger befinden. Es ist erfrischend mit anzusehen, wie ein Konzert des 1965 geborenen K√ľnstlers Metaller, Goths und Leute mit Vorliebe f√ľr das Morbide zusammenbringt.

Eine Vorband gibt es nicht und so schl√§gt Vorfreude langsam in Ungeduld um, als mit etwas Versp√§tung um 20.20 Uhr das Licht ausgeht. Zu den wummernden B√§ssen des Intros zucken die Buchstaben des Zeremonienmeisters √ľber die Videoleinw√§nde. Das Publikum ist aufgeregt und johlt sich warm. Dann betreten Schlagzeuger Ginger Fish, Bassist Piggy D. und Gitarrist John 5 die B√ľhne, gefolgt von Rob Zombie. Der Funke ist bereits jetzt auf die applaudierende Menge √ľbergegangen, dennoch reagieren die Besucher vergleichsweise verhalten, als die Band mit American Witch vom Album Educated Horses (2006) loslegt. Das liegt weniger an mangelnder Begeisterung, sondern eher an akuter Reiz√ľberflutung.

Ein Ohren- und Augenschmaus

Wo man hinh√∂ren soll, machen die Boxen kompromisslos klar. Aber wohin schauen? Es passiert so viel! Vor den flimmernden Leinw√§nden paradieren Piggy D. und John 5 maskiert und in aufwendige Outfits geh√ľllt, Rob Zombie selbst erscheint mit Hut und charakteristischem Westernoutfit. Damit sieht er noch immer aus wie Tex Hex, der Schurke aus der US-amerikansichen Zeichentrickserie BraveStarr.

Mit dem zweiten Lied – Meet the Creeper – hat die Band das Publikum aber end√ľltig in ihren Bann gezogen. Zombie wei√ü um die Popularit√§t des Albums Hellbilly Deluxe (1999) und schiebt Superbeast und Living Dead Girl hinterher. Kaum zu glauben, dass die Songs zwanzig Jahre auf dem Buckel haben. Obendrauf gibt es den White-Zombie-Klassiker More Human Than Human (1995).¬†Das Publikum kennt kein Halten mehr. Bei aller Liebe f√ľr Erinnerungsfetischismuss l√§sst Rob Zombie aktuelle Lieder nat√ľrlich nicht zu kurz kommen. In the Age of the Consecrated Vampire We All Get High macht den Anfang, das in der Menge ebenfalls nicht seinen Zweck verfehlt.

W√§hrend den ersten Besuchern Nacken und R√ľcken schmerzen d√ľrften, tollt der 54-j√§hrige Zombie gelenkig wie ein Hampelmann √ľber die Monitorboxen, springt mit gespreizten Beinen in die Luft und fuchtelt geschmeidig mit den Armen. Vielleicht ist an der Wirkung von Yoga und fleischfreier Ern√§hrung ja doch etwas dran. Es macht Spa√ü, der Band zuzusehen. Der erh√∂ht im Hintergrund √ľber der B√ľhne thronende Ginger Fish mag im Spektakel etwas untergehen, daf√ľr sind Piggy D. und vor allem John 5 wie Zombie vortreffliche Entertainer. Immer wieder deutet der Bassist mit dem Finger in die Menge und sucht Kontakt zu den Fans, Gitarrenmeister John 5 – wie viele Gitarren hat der Mann? – gibt den Freak und grinst mit gefletschten Z√§hnen ins Publikum, das bei Dead City Radio and the New Gods of Supertown lautstark mitsingt und auch beim Beatles-Cover Helter Skelter Textsicherheit beweist.

Neben den mit jedem Song wechselnden Clips aus Musikvideos, Horrorfilmen und Animes auf den Leinw√§nden – zu sehen ist auch der Trailer zu Zombies n√§chstem Film 3 from Hell – geh√∂ren zu einer Zombie Horror Picture Show selbstverst√§ndlich auch Gimmicks, die zu Well, Everybody’s Fucking in a U.F.O. als riesige Ballons ins Publikum fliegen und f√ľr den Rest des Konzerts √ľber die Menge dopsen. Pl√∂tzlich ist Rob Zombie selbst in dieser Menge, wo er sich mit dem grellen Strahl einer Taschenlampe bemerkbar macht. Auf der B√ľhne zaubert John 5 minutenlange Gitarrensoli in seine Saiten, die in einen weiteren White-Zombie-Klassiker, Thunder Kiss ’65, √ľbergehen.

Sind hier auch Punkrocker?“ fragt Zombie und schaut dabei vor allem auf dien Moshpit vor der B√ľhne, in dem seit einiger Zeit auch diverse Crowdsurfer vorbeischauen. Das Publikum johlt, aber Zombie ist skeptisch und grinst. „Echt jetzt? Ich habe nach Punkrockern gefragt, nicht nach Metalheadz„. Als Antwort ert√∂nt erneut nur ein affirmatives Gr√∂hlen, das sich kurz darauf in ein kollektives „Hey ho, let’s go“ entl√§dt, da die Band mit dem RamonesHit Blitzkrieg Bop den zweiten Coversong des Abends spielt. Wie k√∂nnte man die fantastische Stimmung im Schlachthof wohl noch toppen? Antwort: Mit dem Fanliebling Dragula, der das regul√§re Set abschlie√üt, und drei Zugaben.

Es ist etwa 21.45 Uhr. Einige Besucher blinzeln beim Verlassen der Konzerthalle ungl√§ubig in den noch von Restsonne erhellten Abend. Zur√ľck im Alltag. „Alter, ich h√§tte nicht gedacht, dass es wirklich so gut wird„, sagt jemand. Aber das war es.

Setlist ROB ZOMBIE @ Wiesbaden, Schlachthof (17.09.2019)

01. American Witch
02. Meet the Creeper
03. Superbeast
04. Living Dead Girl
05. More Human Than Human
06. In the Age of the Consecrated Vampire We All Get High
07. Dead City Radio and the New Gods of Supertown
08. Helter Skelter (The Beatles Cover)
09. The Lords of Salem
10. Get Your Boots On! That’s the End of Rock and Roll
11. Well, Everybody’s Fucking in a U.F.O.
12. Pussy Liquor
13. Thunder Kiss ’65
17. Blitzkrieg Bop (Ramones Cover)
18. Dragula
19. The Hideous Exhibitions of a Dedicated Gore Whore (Z)
20. Never Gonna Stop (The Red, Red Kroovy) (Z)
21. Ging Gang Gong De Do Gong De Laga Raga (Z)

Weblinks ROB ZOMBIE:

Homepage: robzombie.com/
Facebook: www.facebook.com/RobZombie
Instagram: www.instagram.com/robzombieofficial

Geschrieben von
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